Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Bücher : Ein Jahr lesen

Buchregel

Steffen Voß

27 Bücher habe ich 2020 gelesen. So viel, wie vermutlich in den letzten 10 Jahren nicht. Eine wunderbare Reise.

Alles hat mit einer Bahnfahrt Anfang Januar von Lübeck nach Kiel begonnen. Im Bahnhof von Lübeck hatte ich noch Zeit, hab im Buchladen gestöbert und hab „Stop Reading the News“ von Ralf Dobelli gekauft. Lustigerweise die englische Ausgabe. Original ist das Buch deutsch. 

Der Autor liest schon lange keine News mehr, weil man sich damit nur das Gehirn zuschrottet mit Sachen, die man nicht wissen muss. Das ist kein Plädoyer für Ignoranz, sondern für einen bewussteren Umgang mit Informationen. 

Nachrichten sind wie Fast Food. Sie befriedigen kurzfristig die Bedürfnisse, langfristig, sind sie aber nicht gut. Es gibt aber andere Journalistische Formate, die wesentlich nachhaltiger sind. Hintergründe, Reportagen, Dokumentationen usw. 

Paywalls helfen

Nachdem ich schon vor einiger Zeit Social-​Media Apps vom Telefon geschmissen haben, sind jetzt auch noch die News-​Apps heruntergeflogen. Geholfen hat bei der News-​Diät auch die um sich greifen Unsitte bei News-​Portalen, Privacy-​Walls vorzuschalten. „Haben sie ein Abo, oder dürfen wir Ihre Daten an hunderte Firmen weiterleiten, die damit weiß-​Gott-​was machen?“ 

Ich will und kann nicht überall Abos abschließen und ich will auch meine Privatsphäre nicht verkaufen, wenn ich keinerlei Ahnung habe, was die Unternehmen damit machen. Also les ich die News dann in der Regel nicht.

Home-​Office hilft

Stattdessen habe ich angefangen, Bücher zu lesen. Abends, wenn ich sonst noch auf dem Handy herumgesurft bin. Und in der Corona-​Zeit dann auch morgens, in der halben Stunde, die ich sonst zur Arbeit gefahren wäre.

Irgendwie bin ich dann immer von einem zum nächsten Buch gekommen. Manchmal hat das eine Buch auf ein anderes verwiesen. Manchmal war etwas passendes in den Vorschlägen von geniallokal.de. Manchmal haben mir Menschen Bücher empfohlen. Und einige habe ich dank ttt entdeckt.

Deep Dive oder Überblick

Auffällig ist vielleicht, dass es keinerlei Romane in diesem Jahr waren. Alles Sachbücher. Es verändert sich gerade so viel auf der Welt und ich möchte davon viel verstehen. Das ist vielleicht der gleiche Impuls aus dem heraus andere Menschen News lesen. 

Ich glaube aber nicht, dass es dem Verständnis dient, jeden Winkelzug zu verfolgen. Die meisten Leute verfolgen politische Nachrichten, ohne eine Ahnung zu haben, wie eigentlich ein Parlament funktioniert. Wie soll man denn da etwas verstehen?

Die Bücher, die ich gelesen habe, lassen sich vielleicht in zwei Kategorien einteilen: 

  1. Bücher, die einen Überblick über einen größeren Themenbereich bieten.
  2. Bücher, die tief in ein Thema eintauchen.

Vergangenheit

Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari war zum Beispiel, wie der Titel schon sagt, ein Überblick über die Geschichte der Menschheit. Teile davon hat schon der Biologie- und Geschichtsunterricht in der Schule berührt. Anderes habe ich auch woanders gelesen. Aber es war spannend, das einmal im Zusammenhang zu lesen. 

Warum ist es gerade der Mensch, der sich als Tierart auf dem Planeten so durchsetzen konnte? Was sind jeweils auch Schritte der kulturellen Entwicklung gewesen, die dann wiederum einige Teile der Menschheit erfolgreicher gemacht hat als andere.

Gegenwart

Factfulness“ von Hans Rosling war ein inspirierender Überblick über alles, was die Menschheit in den letzten 100 Jahren geschafft hat – all das, was das Leben der Menschen wirklich besser gemacht hat. 

News sind in der Regel schlechte Nachrichten. Im Strom der täglichen, schlechten Nachrichten geht das Gute oft verloren. Fortschritt können wir nicht sehen, weil wir jede Verbesserung nach kürzester Zeit für selbstverständlich halten. 

Zukunft

Richtig abgefahren war es dann mit „Leben 3.0″ von Max Tegmark. Was kann die Informatik? Was können Computer erreichen, wenn wir es wirklich schaffen, sie zu Superintelligenzen zu entwickeln? Wie kann eine Superintelligenz das Universum erobern? In eine ähnliche Kerbe schlug „Novozän“ von Jim Lovelock, der aber auch noch einmal einen Interessanten Blick auf unseren Planeten als gesamtes Leben geboten hat.

Keine Romane, aber…

Zwar habe ich keine Romane gelesen, ich finde aber, „Sein und Sprache“, „Die Elenden“ oder „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“ sind trotzdem tolle Einblicke in fremde Leben. Es sind Perspektiven, die ich noch nicht kannte und die meinen Blick auf die Gesellschaft verändert haben. Danke dafür, Kübra Gümüşay, Anna Mayr und Alice Hasters. Und danke an Sophie Passmann für den witzigen Einblick in das Denken von mehr oder weniger alten weißen Männern.

Weitere Schwerpunkte waren die Zukunft der Arbeit, Datenschutz, Künstliche und natürliche Intelligenz. Es war eine bunte Reise soweit – ich hatte nur eine Niete dabei und die nächsten Bücher liegen schon auf dem Stapel. Auf ins Lesejahr 2021.

Was war Dein Lese-​Highlight 2020?

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