Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Social Media : Der leise Exodus

Vier Menschen in der U-Bahn schauen auf ihre Smartphones
Foto: rawpixel.com/Pexels

Steffen Voß

Vor ein paar Jahren war es noch so, dass es bei jedem Facebook-​Skandal eine #deleteFacebook-​Welle gab. Nachdem sich inzwischen Skandal an Skandal reiht, ist der Protest leiser geworden – der Exodus aber nachhaltiger, habe ich den Eindruck.

Letztes Jahr in den Sommerferien habe ich es mal ohne die volle Social-​Media-​Breitseite probiert und festgestellt, wie angenehm das ist. Seither habe ich keine Social-​Media-​Apps mehr auf dem Smartphone. Nur zur re:publica und zum BarCamp installier ich Twitter – sonst bekomm ich die halbe Veranstaltung nicht mit, obwohl ich dabei bin. Ansonsten nutz ich das alles nur noch am Rechner.

In den letzte Zwölf Monaten habe ich mit Freunde und Bekannten darüber gesprochen, wie sie Social-​Media nutzen. Dabei habe ich beobachtet, dass viele ihre Zeit mit Facebook, Instagram und Twitter reduziert haben. Wenige haben ihre Accounts ganz gelöscht – die meisten lassen sie nur brach liegen und nutzen sie hin und wieder, wenn es ihnen nützlich scheint.

Ob nur ich das so beobachte, oder ob tatsächlich immer mehr Leute social-​medial inaktiv werden, ob das vielleicht nur am Alter meiner Freunde liegt – darüber hätte ich gerne diskutiert. Online geht das aber nicht. Da sind die ja nicht mehr…

Casey Neistat steigt aus

Dann bin ich über ein Video von Casey Neistat gestolpert, in dem der Youtuber seinen 11 Millionen Abonnenten erklärt, dass ihn Social Media annervt und er deswegen die Apps von seinem Smartphone schmeißt:

14 Tage später legte er sogar noch einmal nach und erklärte, wie Facebook, Instagram, und Twitter unsere Gehirne austricksen und uns abhängig machen:

MANIPULATED, TRICKED, BRAINWASHED.. moving past a social media addiction

Er reiht sich damit ein in die Reihe der Leute, denen die Manipulation der Konzerne zu weit geht und die sich da zumindest teilweise rausziehen. Ich finde das erstaunlich, weil ich Casey Neistat immer als Prototyp des Menschen wahrgenommen habe, für den Twitter und Instagram gemacht sind.

Wenn jetzt selbst solche Leute den Spaß verlieren, dann könnte etwas an meiner Vermutung dran sein, dass immer mehr Menschen mit sich selbst abmachen, dass sie wenig Zeit mit Social Media verbringen wollen.

Wie nimmst Du das wahr? Hast Du Dich selbst schon irgendwo abgemeldet? Kennst Du Leute, die das getan haben? Oder ist das nur meine Wahrnehmung und werden Casey und ich nur alt und langweilig?

Hat’s Dir gefallen? Bitte teilen:



Kommentare

Cruiz
Cruiz:

Ich denke das ist ein allgemeiner Prozess. Mein Facebook Account liegt auch brach und das trifft auf 90% meiner Freunde zu. Die heutigen Um-​die-​30-​Jährigen haben alle Höhen und Tiefen des Social Media Phänomens miterlebt und merken jetzt halt, dass man es nicht unbedingt braucht. Zumal in der s.g. Rushour des Lebens Zeit ein wertvolles Gut ist.

Wenn ich mir aber jüngere Zielgruppen so angucke sieht das anders aus. Insta ist aus dem Leben der meisten Nachwachsenden zwischen 12 und 25 fast nicht wegzudenken.

Twitter war ja eh eher ein Phänomen von Politiker, Medien-​Schaffenden und Nerds. Allein von den Nutzungszahlen war es nie wirklich bedeutend in Deutschland.

23. August 2019 um 7:45
Robert
Robert:

Facebook und Instagram habe ich gelöscht, Twitter stark reduziert. Da man in Feedbin auch seinen Twitter-​Stream einbinden kann, ist es eher ein zusätzlicher RSS-​Feed für mich. Vermissen tu ich nichts!

Im Freundeskreis beobachte ich aber, dass schon noch einige Facebook & Instagram nutzen. Man ist aber nicht mehr „ausgeschlossen“ wie früher, wenn man nicht dabei ist. Twitter war hingegen nie ein Thema.

23. August 2019 um 9:54
Stefan Herwig
Stefan Herwig:

Für mich funktioniert Facebook auf den Seiten, wo alle ein Interesse an derselben Sache haben, Fanseiten, Gruppen, etc. Da ist das Angebot differenziert.

Es funktioniert nicht als:

Freundersatz
Diskussionsforum
(Neutrales) Informationsmedium
Kostenloser Reichweitebringer

Das sollte man wissen. Ich suche mir genau aus, zu welchen Anlässen ich das nutze, und ja, 90% meinr Nutzung ist auch nur noch am rechner, wnen ich Zeit habe und eh an nem Bildschirm sitze.

Aber ich glaueb man sollt enicht von sich selbst auf andere schließen, da ich glaube, dass FB von vielen Leuten genau so genutzt wird, die die Funktionen oben dort noch erfüllt sehen.

Wenn man dann das Problem Daten/​Datenschutz/​Privatsphäre hinzuzieht, dann sieht die private Kosten/​Nutzen-​Bilanz schon kritisch aus. Twitter nutze ich auch nur bei Veranstaltungen.

Die Frage für mich ist viel mehr: Wer schließt die Lücke in den Funktionalitäten der o.g.. Sachen, die Social Media allgemein NICHT leistet.

23. August 2019 um 12:01

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.