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Open Source: Mit OpenElec zum DIY-Smart-TV

Raspberry Pi | Eigenes Foto
Raspberry Pi | Eigenes Foto

So ein mo­der­ner Flachbild-Fernseher ist ein tol­les Ding: Nichts an­de­res als ein Computermonitor – nur grö­ßer. Damit soll­te man doch ei­gent­li­ch auch Computersachen ma­chen kön­nen, den­ken si­ch Kunden wie Hersteller und so sind vie­le der Geräte heu­te so­ge­nann­te Smart-TVs, al­so Fernseher mit Internetfunktionen. Im Prinzip fin­de ich das ei­ne fei­ne Sache. Ich traue den Herstellern aber nicht. Deswegen ha­be ich mir mit mei­nem zwei­ten Raspberry Pi ei­ne ei­ge­ne Lösung ge­baut.

Ich traue den Herstellern von Smart-TVs nicht. Das hat nur in zwei­ter Linie et­was da­mit zu tun, dass kürz­li­ch öf­fent­li­ch wur­de, dass die Fernseher von LG ih­re Kunden aus­spio­nie­ren. Ich glau­be ein­fach nicht, dass die Hersteller ein Interesse dar­an ha­ben, ei­ne gu­te Software zu ent­wi­ckeln und da­für viel­leicht so­gar no­ch Updates zu lie­fern. Mir wä­re auch nicht be­kannt, dass die­se Betriebssysteme so of­fen sind, dass ein­falls­rei­che Entwickler ei­ge­ne Funktionen hin­zu­fü­gen könn­ten. Meine Befürchtung ist, dass die Unternehmen mehr da­von ha­ben, wenn in zwei Jahren die Smart-TV-Software in mei­nem Fernseher ver­küm­mert ist: Keine neu­en Funktionen und von den al­ten sind im­mer mehr ir­rele­vant, weil sie nicht mehr funk­tio­nie­ren oder si­ch die Internetnutzung ver­än­dert hat.

Da spa­re ich mir lie­ber das Geld für ei­nen die­ser schlau­en Fernseher und kau­fe mir ei­nen wei­te­ren Raspberry Pi. Auf dem ha­be ich ver­sucht RaspBMC zu in­stal­lie­ren. Das ist ein Debian Linux, das di­rekt die Mediencenter-Software XBMC (ur­sprüng­li­ch: „X-Box Media-Center“) star­tet. Leider hat das mit dem ak­tu­el­len Release mehr­fach nicht ge­klappt. Deswegen bin ich auf OpenElec um­ge­stie­gen. Das ist auch XBMC – al­ler­dings nur mit dem not­wen­digs­ten an Linux dar­un­ter. Entsprechend hat es den Ruf et­was flot­ter zu sein als RaspBMC.

Die Software war schnell in­stal­liert: Die größ­te Schwierigkeit und tat­säch­li­ch ziem­li­ch ner­vig war es, her­aus­zu­fin­den, un­ter wel­chen Device-Pfad mei­ne SD-Karte un­ter Ubuntu hat. Das ist un­ter Windows na­tür­li­ch ein­fa­cher. Das mit­ge­lie­fer­te Skript schreibt die nö­ti­gen Dateien für den Installer auf die SD-Karte. Die steckt man dann in den Raspberry und star­tet ihn. Nun läuft die Installation ab: Der Raspi lädt si­ch OpenElec her­un­ter, kon­fi­gu­riert die SD-Karte und rich­tet al­les ein. Nach ca. 10 Minuten und ei­nem Neustart hat man dann sein ei­ge­nes Medien-Center. Zu Anfang hat­te ich no­ch Maus und Tastatur am Rapsberry Pi, um die Basiseinstellungen vor­neh­men zu kön­nen. Mit dem WLAN-Adapter war ich schnell im Netz. Und da­na­ch konn­te ich OpenElec auch mit der her­vor­ra­gen­den Fernbedienungsapp Yatse per WLAN be­die­nen.

OpenElec bie­tet ei­ni­ge Grundfunktionen: Wenn man ei­ne Festplatte mit Musik und Videos an­schließt, kann man die ent­spre­chen­den Verzeichnisse ein­bin­den. OpenElec legt dann ei­ne Bibliothek an und sucht im Internet nach Covern und Zusatzinformationen. Da mei­ne Medien auf der Festplatte auf dem an­de­ren Raspberry Pi lie­gen, ha­be ich dort ent­spre­chen­de NFS-Freigaben ein­ge­rich­tet. Die hat OpenElec ge­fun­den und ge­nauso ein­ge­bun­den. Allerdings dau­ert es ei­ne Weile, bis so ei­ne MP3-Sammlung per WLAN ab­ge­gli­chen ist.

Darüber hin­aus hat OpenElec ein Plugin-System, das über App-Store-artige „Repositories“ er­wei­tert wer­den kann. So gibt es zum Beispiel ein Plugin, mit dem man die Mediatheken ver­schie­de­ner deutsch­spra­chi­ger Sender ein­bin­den kann. Mit ei­nem an­de­ren kann man Youtube- oder Vimeo-Videos ab­spie­len. Das Youtube-Plugin ist an si­ch ein we­nig un­hand­li­ch. Per Fernbedienungsapp, dau­ert es ei­ne gan­ze Weile, bis man ein be­stimm­tes Video ge­fun­den hat und es ab­spie­len kann. Die App hat aber no­ch ei­ne Funktion, die eher an Googles „Chromecast“ er­in­nert: Ich kann in mei­ner Youtube-App ganz nor­mal in den Videos stö­bern und dann über den „Teilen“-Button den Link an die Fernbedienungsapp wei­ter­rei­chen. Die gibt den Link dann au­to­ma­ti­sch an OpenElec wei­ter und spielt das Video ab. So kann man par­al­lel auch schon das nächs­te Video su­chen.

Zu Anfang war ich von OpenElec ent­täuscht. Da hat­te ich aber vie­le Funktionen aber no­ch gar nicht ver­stan­den und vie­le Möglichkeiten no­ch gar nicht ent­deckt. Seit die Bibliothek ein­ge­le­sen ist, der WLAN-Empfang sta­bil ist und ich die Sache mit Youtube vom Smartphone ent­deckt ha­be, bin ich schlicht be­geis­tert.

Es blei­ben zwei Punkte, die ich no­ch lö­sen möch­te:

  1. Sowohl der Raspberry Pi und OpenElec als auch mein Fernseher kön­nen prin­zi­pi­ell CEC. Wenn ich aber die Richtungstasten auf mei­ner Fernbedienung be­nut­ze, wan­dern nur das Bild pi­xel­wei­se in die ent­spre­chen­de Richtung. Keine Ahnung, wor­an das liegt. „EasyLink“ ist im Fernseher ak­ti­viert und OpenElec sagt auch, dass die Verbindung her­ge­stellt wur­de. Auf dem Fernseher läuft die ak­tu­ells­te Firmware.
  2. Im Moment läuft der Raspberry Pi mit dem win­zi­gen Edimax-WLAN-Adapter. Der hat im Wohnzimmer kei­nen gu­ten Empfang. Ich ha­be auch ei­nen Belkin N300 – der hat ei­ne rich­ti­ge Antenne. Der soll so­weit ich das ge­le­sen ha­be, den glei­chen Chipsatz ha­ben, wie der Edimax und soll­te des­we­gen ei­gent­li­ch auch lau­fen. Tut er aber nicht. Auch nicht un­ter Raspbian. Bei den miss­glück­ten RaspBMC-Installationen hat er zu­min­dest ge­blinkt und un­ter Ubuntu funk­tio­niert er di­rekt nach dem Einstecken voll­kom­men un­kom­pli­ziert. Den wür­de ich no­ch ger­ne zum Laufen krie­gen.

Für Tipps wä­re ich in bei­den Fragen sehr dank­bar.

Das ein­zi­ge, was mir wirk­li­ch fehlt, ist die Unterstützung von kom­mer­zi­el­len Streaming-Diensten wie Watchever, Lovefilm & Co. Die sind aber auf DRM an­ge­wie­sen und des­we­gen wird es da­für kei­ne ver­mut­li­ch so schnell kei­ne of­fi­zi­el­le Unterstützung ge­ben. Ein Ausweg könn­te das Projekt Android Pi sein, das Android auf dem Raspberry Pi zu Laufen be­kom­men hat. Es gibt XMBC für Android und es gibt die of­fi­zi­el­len Apps von Watchever und Lovefilm. Allerdings sieht Android Pi no­ch nicht wirk­li­ch zu­ver­läs­sig aus.

Samt Gehäuse, Netzteil, SD-Karte, HDMI-Kabel, USB-Hub und WLAN-Adapter kos­tet der Raspberry Pi zwar deut­li­ch mehr als die 35,-EUR mit de­nen er im­mer an­ge­prie­sen wird. Für deut­li­ch un­ter 100,-EUR und ein we­nig Zeitaufwand, gibt es aber ei­ne Medien-Centerlösung, die fast al­les kann. Und wenn ich ir­gend­wann kei­ne Lust mehr drauf ha­be, kann der Raspberry Pi im­mer no­ch et­was an­de­res ma­chen. Probier das mal mit Deinem Smart-TV.

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Kommentare

Jochen

Kann es viel­leicht sein, dass der an­de­re Stick ne Firmware braucht, die bei den Rasp-Systemen nicht mit­ge­lie­fert wird. Was sagt denn ein dmesg-Auszug beim Anstecken des Sticks?

I-Catch

Wenn du so­wie­so an­dro­id will­st, wie­so hast du dir dann nicht gleich ei­nen an­dro­id­stick ge­kauft?

Stefan

Größere WLAN Sticks brau­chen ei­nen ge­power­ten USB Hub da­zwi­schen weil der Raspberry Pi sie nicht ge­nü­gend mit Strom ver­sor­gen kann. Vielleicht liegt es dar­an! Viel Glück!
Unter Linux zeigt dir der ein­fa­che Terminal-Befehl „df“ an wel­che Medien mit wel­chem Devicepath wo ge­moun­ted sind! Auch der System Monitor (ein vor­in­stal­lier­tes Programm un­ter Gnume) hat ei­nen Reiter für ge­n­au die­se in­for­ma­ti­on. Fürs nächs­te mal!
Toller Bericht!

Steffen

@Jochen: Angeblich wird RTL8192CU von OpenElec un­ter­stützt. Angeblich lie­fert OpenElec die ak­tu­el­le Firmware für den Raspi mit.

@Stefan: Der Stick hängt an ei­nem gu­ten power­ed Hub. dmesg sagt, so­weit ich das se­he, gar nichts zu dem Belkin-Stick. :-/

Stefan

Probier doch ein­mal ein lsusb! Falls hier nichts auf­scheint, dann funk­tio­niert der Stick, der Hub oder ir­gend­et­was nicht.
Falls hier de­in Stick da­bei steht kann es im­mer no­ch sein, dass du ei­ne neue­re Hardware-Version be­kom­men hast, die ei­nen an­de­ren Chipsatz hat. Das ist mir mit ei­nem TP-Link Stick ein­mal pas­siert. Der al­te ging su­per mit athe­ros Chipsatz, hal­bes Jahr dar­auf sel­ben don­gle ge­kauft und nicht zum lau­fen ge­bracht weil ein neu­er re­al­tek chip sei­nen war.
Openelec soll­te die gän­gi­gen firm­wares mit lie­fern… not­falls mus­st du selbst kom­pi­lie­ren.

Thomas

Auf dei­nem Bild hast du den RPi per Composite mit dem Fernseher ver­bun­den. CEC funk­tio­niert aber nur per HDMI. Das könn­te das er­s­te Problem er­klä­ren…

Steffen

@Thomas: Danke für den Tipp, aber das ist ein „Archivbild“ von mir 🙂 Der Raspi ist per HDMI an­ge­schlos­sen. Und ich ha­be auch schon ein an­de­res Kabel aus­pro­biert.

Chris

Wenn es dir um Lovefilm geht: Spar‘ dir die Mühe, die ha­ben nur ei­ne Android-App um die DVD-Leihliste zu ver­wal­ten.

Und Watchever läuft mW auf den gan­zen Android-Sticks und ver­mut­li­ch dann auch auf dem RasPi nicht, weil er die als ge­roo­te­te Devices er­kennt. 🙁

Ich ha­be üb­rin­gens den TP-Link TL-WN821N an mei­nem Raspi im WZ hän­gen. Läuft OOTB oh­ne Probleme.

Chris

Andy

Wenn Du eh schon ein Android-Phone oder -Tablet hast, emp­feh­le ich Dir Yatse (kos­ten­los im Play-Store) zu in­stal­lie­ren. Diese App Steuert de­in XBMC und kann auch hin und zu­rück strea­men (die­se Funktion kos­tet je­doch et­was).

Vieleicht hilft Dir das ja!

Andy

daschacka

de­in hdmi ka­bel un­ter­stützt kein cec.
war bei mir ge­nauso.

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