Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Open Source : Mit OpenElec zum DIY-​Smart-​TV

Raspberry Pi | Eigenes Foto
Raspberry Pi | Eigenes Foto

Steffen Voß

So ein moderner Flachbild-​Fernseher ist ein tolles Ding: Nichts anderes als ein Computermonitor – nur größer. Damit sollte man doch eigentlich auch Computersachen machen können, denken sich Kunden wie Hersteller und so sind viele der Geräte heute sogenannte Smart-​TVs, also Fernseher mit Internetfunktionen. Im Prinzip finde ich das eine feine Sache. Ich traue den Herstellern aber nicht. Deswegen habe ich mir mit meinem zweiten Raspberry Pi eine eigene Lösung gebaut.

Ich traue den Herstellern von Smart-​TVs nicht. Das hat nur in zweiter Linie etwas damit zu tun, dass kürzlich öffentlich wurde, dass die Fernseher von LG ihre Kunden ausspionieren. Ich glaube einfach nicht, dass die Hersteller ein Interesse daran haben, eine gute Software zu entwickeln und dafür vielleicht sogar noch Updates zu liefern. Mir wäre auch nicht bekannt, dass diese Betriebssysteme so offen sind, dass einfallsreiche Entwickler eigene Funktionen hinzufügen könnten. Meine Befürchtung ist, dass die Unternehmen mehr davon haben, wenn in zwei Jahren die Smart-​TV-​Software in meinem Fernseher verkümmert ist: Keine neuen Funktionen und von den alten sind immer mehr irrelevant, weil sie nicht mehr funktionieren oder sich die Internetnutzung verändert hat.

Da spare ich mir lieber das Geld für einen dieser schlauen Fernseher und kaufe mir einen weiteren Raspberry Pi. Auf dem habe ich versucht RaspBMC zu installieren. Das ist ein Debian Linux, das direkt die Mediencenter-​Software XBMC (ursprünglich: „X‑Box Media-​Center”) startet. Leider hat das mit dem aktuellen Release mehrfach nicht geklappt. Deswegen bin ich auf OpenElec umgestiegen. Das ist auch XBMC – allerdings nur mit dem notwendigsten an Linux darunter. Entsprechend hat es den Ruf etwas flotter zu sein als RaspBMC.

Die Software war schnell installiert: Die größte Schwierigkeit und tatsächlich ziemlich nervig war es, herauszufinden, unter welchen Device-​Pfad meine SD-​Karte unter Ubuntu hat. Das ist unter Windows natürlich einfacher. Das mitgelieferte Skript schreibt die nötigen Dateien für den Installer auf die SD-​Karte. Die steckt man dann in den Raspberry und startet ihn. Nun läuft die Installation ab: Der Raspi lädt sich OpenElec herunter, konfiguriert die SD-​Karte und richtet alles ein. Nach ca. 10 Minuten und einem Neustart hat man dann sein eigenes Medien-​Center. Zu Anfang hatte ich noch Maus und Tastatur am Rapsberry Pi, um die Basiseinstellungen vornehmen zu können. Mit dem WLAN-​Adapter war ich schnell im Netz. Und danach konnte ich OpenElec auch mit der hervorragenden Fernbedienungsapp Yatse per WLAN bedienen.

OpenElec bietet einige Grundfunktionen: Wenn man eine Festplatte mit Musik und Videos anschließt, kann man die entsprechenden Verzeichnisse einbinden. OpenElec legt dann eine Bibliothek an und sucht im Internet nach Covern und Zusatzinformationen. Da meine Medien auf der Festplatte auf dem anderen Raspberry Pi liegen, habe ich dort entsprechende NFS-​Freigaben eingerichtet. Die hat OpenElec gefunden und genauso eingebunden. Allerdings dauert es eine Weile, bis so eine MP3-​Sammlung per WLAN abgeglichen ist.

Darüber hinaus hat OpenElec ein Plugin-​System, das über App-​Store-​artige „Repositories” erweitert werden kann. So gibt es zum Beispiel ein Plugin, mit dem man die Mediatheken verschiedener deutschsprachiger Sender einbinden kann. Mit einem anderen kann man Youtube- oder Vimeo-​Videos abspielen. Das Youtube-​Plugin ist an sich ein wenig unhandlich. Per Fernbedienungsapp, dauert es eine ganze Weile, bis man ein bestimmtes Video gefunden hat und es abspielen kann. Die App hat aber noch eine Funktion, die eher an Googles „Chromecast” erinnert: Ich kann in meiner Youtube-​App ganz normal in den Videos stöbern und dann über den „Teilen”-Button den Link an die Fernbedienungsapp weiterreichen. Die gibt den Link dann automatisch an OpenElec weiter und spielt das Video ab. So kann man parallel auch schon das nächste Video suchen.

Zu Anfang war ich von OpenElec enttäuscht. Da hatte ich aber viele Funktionen aber noch gar nicht verstanden und viele Möglichkeiten noch gar nicht entdeckt. Seit die Bibliothek eingelesen ist, der WLAN-​Empfang stabil ist und ich die Sache mit Youtube vom Smartphone entdeckt habe, bin ich schlicht begeistert.

Es bleiben zwei Punkte, die ich noch lösen möchte:

  1. Sowohl der Raspberry Pi und OpenElec als auch mein Fernseher können prinzipiell CEC. Wenn ich aber die Richtungstasten auf meiner Fernbedienung benutze, wandern nur das Bild pixelweise in die entsprechende Richtung. Keine Ahnung, woran das liegt. „EasyLink” ist im Fernseher aktiviert und OpenElec sagt auch, dass die Verbindung hergestellt wurde. Auf dem Fernseher läuft die aktuellste Firmware.
  2. Im Moment läuft der Raspberry Pi mit dem winzigen Edimax-​WLAN-​Adapter. Der hat im Wohnzimmer keinen guten Empfang. Ich habe auch einen Belkin N300 – der hat eine richtige Antenne. Der soll soweit ich das gelesen habe, den gleichen Chipsatz haben, wie der Edimax und sollte deswegen eigentlich auch laufen. Tut er aber nicht. Auch nicht unter Raspbian. Bei den missglückten RaspBMC-​Installationen hat er zumindest geblinkt und unter Ubuntu funktioniert er direkt nach dem Einstecken vollkommen unkompliziert. Den würde ich noch gerne zum Laufen kriegen.

Für Tipps wäre ich in beiden Fragen sehr dankbar.

Das einzige, was mir wirklich fehlt, ist die Unterstützung von kommerziellen Streaming-​Diensten wie Watchever, Lovefilm & Co. Die sind aber auf DRM angewiesen und deswegen wird es dafür keine vermutlich so schnell keine offizielle Unterstützung geben. Ein Ausweg könnte das Projekt Android Pi sein, das Android auf dem Raspberry Pi zu Laufen bekommen hat. Es gibt XMBC für Android und es gibt die offiziellen Apps von Watchever und Lovefilm. Allerdings sieht Android Pi noch nicht wirklich zuverlässig aus.

Samt Gehäuse, Netzteil, SD-​Karte, HDMI-​Kabel, USB-​Hub und WLAN-​Adapter kostet der Raspberry Pi zwar deutlich mehr als die 35,-EUR mit denen er immer angepriesen wird. Für deutlich unter 100,-EUR und ein wenig Zeitaufwand, gibt es aber eine Medien-​Centerlösung, die fast alles kann. Und wenn ich irgendwann keine Lust mehr drauf habe, kann der Raspberry Pi immer noch etwas anderes machen. Probier das mal mit Deinem Smart-​TV.

Links

Hat’s Dir gefallen? Bitte teilen:



Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.