Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Flughafen Holtenau : Wenn er weg ist, ist er weg

Flughafen Holtenau
Flughafen Holtenau | Foto: Rüdiger Stehn - CC BY-SA 2.0

Steffen Voß

Der Flughafen Holtenau soll weg, wenn es nach Bündnis90/​Die Grünen in Kiel geht. Stattdessen könnten dort Wohnungen entstehen. Weil es für diese Idee zurzeit in der Ratsversammlung keine Mehrheit gibt, schieben die Grünen nun ein Bürgerbehren an – Linkspartei, Piratenpartei, BUND sowie verschiedene Initiativen haben sich ihnen angeschlossen. Die Kielerinnen und Kieler sollen zur Kommunalwahl über die Zukunft des Flughafens entscheiden.

Mehr Menschen ziehen nach Kiel – die Mieten steigen. 23000 zusätzliche Wohnungen benötigt Kiel bis zum Jahr 2030 – pro Jahr 1750. Wo diese Wohnungen entstehen sollen, ist nicht klar.

Einen Teil sollen Aufstockungen bringen. Es gibt noch eine ganze Zahl eingeschossiger, ehemaliger Behelfsläden, wie sie direkt nach dem Krieg gebaut wurden. Die könnte man auf die gleiche Höhe wie die anderen Häuser in der Nachbarschaft bringen. Hier und da gibt es große Hinterhöfe, in denen früher Gewerbe getrieben wurde. Auch dort ist manchmal Platz für Wohnungen. In der Summe könnten dadurch 5000 Wohnungen geschaffen werden.

Ein großes Gelände, dass heute nicht mehr so intensiv wie einst genutzt wird, ist der Flughafen Holtenau. Platz für bis zu 1800 Wohnungen, finden die Grünen. Das könnte sein. Es gibt aber noch eine ganze Reihe Fragen und ich finde deswegen, dass es der falsche Zeitpunkt für diese Entscheidung ist und ich finde, dass es keine Frage für einen Bürgerentscheid ist.

Falsche Zeit, Falsche Frage

Bürgerentscheide haben die Eigenschaft, dass am Ende oft nicht über die Sachfrage abgestimmt wird, sondern über ganz andere Fragen. Beim Brexit ging es nicht mehr um die Mitgliedschaft in der Europäischen Union und deren Vor- und Nachteile, sowie die Vor- und Nachteile eines Austritts – es ging um Ausländer und „die da oben”. Das Ergebnis sehen wir jetzt.

In Kiel hat es bisher zwei Bürgerentscheide gegeben: Den zu Möbelkraft, der gleichzeitig mit der Wahl des Oberbürgermeisters stattgefunden hat und die Abstimmung über Olympia in Hamburg und Kiel. 45,6 % haben sich an der Abstimmung über Möbelkraft beteiligt – 31,7 % an der Frage nach Olympia. Das Interesse an diesen Fragen ist recht gering. Doch wer da am Ende abstimmt, ist absehbar: Düsterbrook stimmt ab. Gaarden nicht. Um das zu verkürzen. Ich finde das nicht gut.

Wenn es aber um die Zukunft des Flughafens Holtenau geht, sollte man die Leute fragen, die dort arbeiten, die dort ihr Hobby ausführen. Man sollte die Leute fragen, die direkt daneben wohnen. Man sollte die Leute fragen, die tatsächlich gerade eine Wohnung suchen und die bereit wären nach Holtenau zu ziehen. Man sollte die Wohnungswirtschaft fragen, was sie bereit wären dort zu bauen. Man sollte die Fachleute fragen, die sich mit dem Boden dort auskennen und wissen, ob das da belastet ist oder nicht. Man sollte die Altenholzer fragen, was sie von der neuen Nachbarschaft halten – die sind aber in Kiel gar nicht wahlberechtig. Das ist dann auch kein Bürgerentscheid mehr, sondern klassische Politik.

Keine konkreten Pläne

Es gibt im Moment auch keinerlei konkreter Pläne für die Bebauung des Flughafens Holtenau. Was damit nach der Schließung passiert, ist vollkommen unklar. Da kann man sich vorstellen was man will: Luxus-​Wohnungen, Einfamilienhäuser, Sozialwohnungen, eine Mischung, vielleicht doch auch Gewerbe, eine tolle Wohnung für mich mit Fördeblick – was auch immer. Und vielleicht kommt dabei in den Planungen etwas heraus, was ich total scheiße finde.

Für die Befürworter der Schließung ist es ein Vorteil, dass die Frage so offen ist. Das weckt die Fantasie der Kielerinnen und Kieler. Die Grünen können deswegen natürlich auch alles Mögliche erzählen, was da Tolles passieren könnte – ob sie für ihre Pläne dann hinterher eine Mehrheit in der Ratsversammlung haben, weiß man nicht.

Die Entscheidung ist unumkehrbar

Man sollte sich auch klar machen, was es bedeutet, wenn der Flughafen Holtenau weg ist: Wenn er weg ist, ist er weg. So schnell wird man nicht wieder einen einrichten können – wer möchte schon einen Flugplatz vor der Haustür bekommen? Zurzeit liegt der Platz relativ brach. Mein persönliches Erleben ist natürlich kein Maßstab, aber unser Garten ist in der Nähe des Flugplatzes und bis auf ein paar kleine Propellermaschinen, Segelflieger und Fallschirmspringer ist da nichts los.

Aber wer weiß denn, wie sich die Mobilität in Zukunft verändert? Warum sollte die Elektrifizierung und der Trend zu autonomen Fahrzeugen denn vor dem Fliegen halt machen? DeLorean arbeitet gerade an einem autonom fliegenden Auto. Vielleicht gibt es ja in ein paar Jahren Fluggeräte wie heute die kleinen Drohnen, mit denen auch größere Dinge transportiert umweltfreundlich werden können. Die können dann ja nicht auf dem Alten Markt oder im Schrevenpark landen.

Geduld wird sich mehr auszahlen

Ich finde, wir sollten uns mit dieser Entscheidung Zeit lassen. Selbst wenn es die versprochenen 1800 Wohnungen geben könnte, wäre das noch keine grundsätzliche Lösung für das Wohnungsproblem in Kiel. Wir hätten uns dafür aber die Option eines Flughafen in Stadt-​nähe genommen. Es sollte deswegen eine zukünftige Ratsmehrheit zusammen mit allen Betroffenen einen soliden Plan für das Gelände erarbeiten. Über diesen Plan könnte man dann abstimmen lassen – wenn sich die Kielerinnen und Kieler dafür interessieren.

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