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Verkehr : Warum halten sich Radfahrer nie an die Verkehrsregeln?

Foto: Pexels auf Pixabay

Steffen Voß

Falsche Straßenseite, verkehrt herum in der Einbahnstraße, rote Ampeln und drängeln in der Schlange davor – Drei Gründe, warum sich Radfahrer nie an die Verkehrsregeln halten.

Die Regeln sind nicht immer klar

Straßen wurden seit ca. 1950 für Autos optimiert. Alle anderen Verkehrsteilnehmer müssen sich irgendwie darin einfügen – oder besser: unterordnen. Während die Regelungen für das Auto sehr intuitiv sind, ist es für bspw. Radfahrer ein einziges Durchwurschteln. Selbst wenn man sich an alle Regeln halten will, übersieht man irgendeines der winzigen Schilder für Radfahrer und landet plötzlich im Gegenverkehr.

Ähm ja, und nu?

Mal gibt es einen richtigen Radweg, dann wird man auf die Straße gelotst – mit und ohne „Schutzstreifen“, dann soll man auf die andere Straßenseite wechseln oder sich den Weg mit den Fußgängern teilen. Und alle 50 Meter kann sich das ändern, ohne dass man es mitbekommt oder es werden über Nacht neue Schilder aufgestellt und man weiß gar nicht mehr weiter.

Ich habe beispielsweise noch keine legale Möglichkeit gefunden, mit dem Fahrrad, aus der Adalbertstraße in Richtung Innenstadt zu fahren. Das hat die Stadtplanung einfach vergessen.

Autos werden bevorzugt

Wo man steht, man steht im Weg

Für Radfahrer ist jede Ampel rot, weil die auf die Geschwindigkeit von Autos ausgelegt sind. Wenn man als Radfahrer links abbiegen will, hat man meisten zweimal rot an der gleichen Kreuzung. Es ist nicht einmal Platz vorgesehen, auf dem man warten kann. 

Egal, wo man mit dem Fahrrad steht, man steht dem anderen Verkehr im Weg. So als gebe es für Autos nur eine einzige Ampel in der Mitte der Kreuzung.

In den älteren Stadtteilen gibt es oft noch Kopfsteinpflaster-​Straßen, die für Radfahrer echt unangenehm zu fahren sind. Oft weichen sie dann vorsichtig auf den Fußweg aus. Weil diese engen Kopfsteinpflaster-​Straßen oft auch noch komplett mit Autos zugeparkt sind, ist auf dem Gehweg wenig Platz. Klar, führt das zu Konflikten.

Bedarfsampel auf rot.
Eigenes Foto – ich hatte ja genug Zeit, ein Foto zu machen. 

Jede Bedarfsampel braucht ewig, bis sie sich irgendwann mal bequemt, auf grün zu springen. Bedarfsampeln sind nämlich nicht so geschaltet, dass sie den Bedarf des Drückenden bedienen, sondern den Bedarf der Autofahrer. Erst wenn alle durchgefahren sind, schaltet sie um. Das nennt sich „Grüne Welle“ – für Autos. Für alle anderen ist es rote Ebbe. Bei mir um die Ecke ist so eine Ampel, die die Kinder die „hundertjährige Ampel“ nennen.

Wenn man da wartet, fühlt man sich echt verarscht – genau wie bei den Ampeln, die man eigentlich nur braucht, weil es Autos gibt, die dann aber trotzdem rot für Fußgänger und Radfahrer sind, obwohl kein Auto weit und breit zu sehen ist. In Kiel ist das auf der Veloroute am Landeshaus immer so. Wie oft musste ich da schon als einziger Verkehrsteilnehmer weit und breit anhalten? 

Dass sich da einige die Freiheit nehmen, um irgendwann mal ans Ziel zu kommen, muss man verstehen. So wie Autofahrer ihr Auto einfach irgendwo abstellen – egal, ob das legal ist oder nicht. „Stört ja keinen.“

Sonderregeln für Radfahrende

Als dritten Faktor gibt es Regeln, an die Radfahrer sich halten, die Autofahrer oft nicht kennen: 

Es gibt auch schlechte Radfahrer

Viele Autofahrer kennen die Verkehrsregeln in ihrer ganzen Breite nicht und würden durch die theoretische Prüfung fallen. So wie es viele schlechte Autofahrer gibt, gibt es auch viele schlechte Radfahrer. Die allermeisten Menschen fahren nicht ständig Rad und sind deswegen und auf Grund der oben genannten Gründe unsicher. Aber genau wie beim Auto, müssen wir bei Fahrrädern damit leben und uns an die Grundregel erinnern: Gegenseitige Rücksichtnahme.

StVO: Paragraf 1

(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.

(2) Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr als nach den Umständen unvermeidbar behindert oder belästigt wird.

Insgesamt entsteht der Eindruck, Radfahrer halten sich nie an Regeln. Dabei sind es meisten Autofahrer, die zu schnell fahren, nicht blinken, keine Abstände einhalten und ihr Auto abstellen, wo es ihnen gerade am besten passt – ohne Rücksicht auf alle, die da auch noch vorbei müssen. 

Gerade deswegen ist es wichtig, dass eine ordentliche Fahrrad-​Infrastruktur entsteht. Dann kommen sich Autos und Radfahrer nicht mehr in die Quere. Das würde mich als Autofahrer freuen, weil ich zu denen gehöre, die ungerne Radfahrer anfahren und weil ich zu den Radfahrern gehöre, die ungerne von Autos angefahren werden.

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