Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Eigenheim adé : Die Reichen ziehen in die Innenstadt

Fassaden in der Steinstraße von Kiel
Kieler Innenstadt | Foto: Steffen Voß - CC BY 2.0

Steffen Voß

Bis vor Kurzem galt: Wer es sich leisten kann, baut sich ein Häuschen im Grünen. Dort können die Kinder über die Äcker rennen und es ist still und friedlich. Wenn aber beide Ehepartner zum Arbeiten aus den Wohnsiedlungen in die Innenstadt pendeln und Kinder hin- und hergefahren werden müssen, stellt Stadtforscher Hartmut Häußermann bei Spiegel Online fest, „ist die Innenstadt der Wohnort der Wahl.“

Die Innenstädte werden so immer weiter aufgewertet und für Haushalte mit kleineren Einkommen oder gar Abhängigkeit von Transferleistungen unbezahlbar. Sie werden so an den Rand der Städte verdrängt.

Daraus ergeben sich 2 Probleme:

  1. Die soziale Durchmischung in den Quartieren geht verloren: In den einen Vierteln leben die Reichen, in den anderen die Armen.
  2. Der Effekt der Entmischung verstärkt sich noch zusätzlich, weil es schon immer schwierig war, die Fläche mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu versorgen. Für die Mittel- und die Oberschicht war das dank des Autos kein Problem – wer aber auf Busse angewiesen ist, merkt schnell, wie eingeschränkt die Möglichkeiten hier sind.

Kaspar Rosenbaum äußert sich zu dieser Problematik recht polemisch:­

„Doch das wäre ja gelacht, wenn Menschen bauen und wohnen und leben, wo und wie und mit wem sie wollen. Da weiß Häußermann eine bessere Lösung, seine eigene: Es müsse fortan „kleinteilig gebaut werden – und zwar von vielen Trägern mit Gemeinwohlorientierung, um einen guten Bewohner-Mix hinzubekommen.“ Staatseigene Betriebe sollten für ein amtlich gewünschtes Mischungsverhältnis wie beim Tabak sorgen.“

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Dabei sind Häußermanns Ideen wesentlich zurückhaltender als noch die Stadtplaner der 50er, 60er und 70er, die mit großen städtischen Umbaumaßnahmen Leben und Gesellschaft verändern wollten. Er spricht eigentlich nur von gemeinsamen Schulen, in denen alle die gleichen Chancen bekommen sollen.

Segregation ist ein Problem

Was wäre denn auch die Alternative zum „durchmischten Wohnen“? Wir leben in diesem Land zusammen und wir können nicht so tun, als könnten wir uns durch Geld eine Insel der Glückseligen schaffen: Natürlich wird es immer soziale Unterschiede geben. Es gibt Menschen mit mehr Geld und welche mit weniger. Es gibt klügere und dümmere Menschen. Es gibt schöne und hässliche. Und alle sollen so leben können, wie sie es wollen – bis an die Grenze der Freiheit der Anderen.

Der Erfolg der Einen ist nur die eine Seite der Medaille, auf deren anderer Seite der Misserfolg der Anderen steht. Und natürlich muss dort der Staat eingreifen. Der Staat fördert alle möglichen Verhaltensweisen, die wir gesellschaftlich als erstrebenswert erachten: Eigenheimzulage, Pendlerpauschale, Elterngeld… ­Wenn durch Segregation kein Austausch mehr zwischen den Schichten erfolgt, heißt es nur noch „Jeder gegen Jeden“ – in allen sozialen wie politischen Belangen.

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Kommentare

Gast
Gast:

In München gibt es hier inzwischen eine interessante Regelung (so genannte Erhaltungssatzung), die die „Luxussanierung“ von Immobilien nur noch dann erlaubt, wenn der Eigentümer selbst füer mindestens 7 Jahre in die Wohnung zieht. Ansonsten wird eine Zusammenlegung von Wohnungen, große Aussenbalkons, etc. nicht mehr genehmigt. Grüße, Andi

28.7.2008 um 11:01

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