Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

ActivityPub : WordPress – aber als Soziales Netzwerk

Dezentrale Freundschaften mit ActivityPub
Dezentrale Freundschaften mit ActivityPub | Foto: rawpixel / Pixabay

Steffen Voß

Seit Januar gibt es mit ActivityPub einen Standard für Soziale Netzwerke. 30 Prozent aller Internetseiten werden derzeit mit WordPress betrieben. Wenn Automattic es möglich machen würde, dass man mit ein paar Klicks Teil des Netzwerks wird, wäre das ein riesiges Soziales Netzwerk.

Den gleichen Vorschlag habe ich vor fünf Jahren schon einmal gemacht: Damals ging es noch darum, WordPress an Friendica oder Diaspora anzubinden. Inzwischen hat das World Wide Web Consortium mit ActivityPub einen offiziellen Standard für dezentrale Netzwerke verabschiedet. WordPress könnte einfach selbst zum Netzwerk werden und den Austausch mit anderen Netzwerken ermöglichen.

Statt Dropbox, Twitter, Youtube

Die freie Dropbox-Alternative Nextcloud nutzt das Protokoll bereits, um den Austausch von Dateien unter verschiedenen Installationen von Nextcloud zu ermöglichen. So kann man die eigenen Daten auf einem eigenen Server speichern, und Dateien oder Verzeichnisse für andere Benutzer auf anderen Servern freigeben. Das funktioniert sehr unkompliziert – wenn man kein Problem mit URLs hat.

Es gibt auf Basis von ActivityPub sogar schon eine verteilte Videos-Plattform. Bei PeerTube kann ich meine eigenen Videos hochladen wie bei Youtube hochladen und anderen Nutzern zur Verfügung stellen.

Mit Mastodon gibt es einen Twitter-Klon für ActivityPub. Beide lassen sich miteinander verbinden. Wer bei Mastodon einem PeerTube-Kanal folgt, sieht neue Videos wie einen Tweet mit eingebetteten Video. Kommentare von Mastodon werden als Kommentare bei PeerTube angezeigt. So wie „Web 2.0“ mal gedacht war, oder? Per API sollten alle Dienste des Internets zusammenwirken.

WordPress statt Facebook-Page

Nur mal als gedankliche Skizze: WordPress könnte eine Alternative zu Facebook-Pages sein. Die Posts sind die Blogbeiträge. Kommentieren kann man dann weiterhin über das Formular oder zum Beispiel per Mastodon-Kommentar.

WordPress könnte dann im Dashboard die Möglichkeit anbieten, dass man anderen WordPress-Blogs folgt. Das könnte so aussehen, wie ein RSS-Reader – nur mit einer Like- und einer Kommentarfunktion, mit der man als Blog auf einem anderen Blog kommentieren kann.

Wenn ich mir anschaue, dass es praktisch keine anderen Traffic-Quellen als Google und Facebook mehr gibt, könnte das eine nette Alternative sein – zumal die Reichweite von Facebook-Seiten in den letzten Monaten immer weiter reduziert wurde und man von vielen abonnierten Seiten gar nichts mehr mitbekommt.

WordPress mit seiner riesigen Nutzerschaft könnte per Fediverse zur wirklichen Community werden.

Update 6.8.2018

Es gibt eine Plugin-Sammlung, die dafür sorgt, dass die Inhalte von WordPress zum Beispiel bei Mastodon abonnierbar sind, ohne dass man einen Umweg über einen RSS-Bot gehen muss. Jedes Benutzerprofil von WordPress ist dann auch ein Benutzer im Fediverse. Bei Mastodon sucht man dann nach @benutzername@blogdomain.com und folgt dem. Profilbild, Beschreibung usw. werden automatisch aus dem WordPress-Profil übernommen. Der Benutzer sieht in Mastodon wie ein normaler Account aus.

Cool ist, dass man dafür überhaupt nichts einstellen muss. Nach dem OStatus-Plugin muss man noch das WebSub/PubSubHubbub-Plugin, das Host-Meta-Plugin, das WebFinger-Plugin, das Salmon-Plugin und das ActivityStreams-Plugin installieren. Das geht alles aus dem OStatus-Plugin, so dass es nur ein paar Klicks sind. Keines der Plugins muss irgendwie eingestellt werden. Sobald alle installiert sind, funktioniert die Fediverse-Integration. Der Autor dieser Plugins, Matthias Pfefferle, arbeitet offenbar auch schon an einem richtigen ActivityPub-Plugin.

Technisch ist das schon ganz chic. Selbst, wer nicht an das Fediverse glaubt, kann ohne Aufwand dabei sein. Mir fehlt noch der echte Eindruck eines Netzwerks. Schöne wäre ein Dashboard-Widget, das wie ein Mastodon-Client funktioniert. Eine WordPress-Installation wäre dann auch eine Mastodon-Instanz.

Ich möchte, dass ich mit meinem WordPress-Benutzer, der ja schon ins Fediverse postet, auch Leuten folgen kann. In dem Widget wird mir dann meine Timeline angezeigt, ich kann Leuten folgen und antworten. Wenn sich Diskussionen auf einen Blogpost beziehen, wird die Diskussion in den Kommentaren dargestellt. Dann könnte man sich sparen, zwei Accounts zu haben – den für die WordPress-Posts und einen, um wirklich bei Mastodon & Co. zu sein.

Wenn Du das mal testen willst, kannst Du meinen Blogbeiträgen bei Mastodon folgen: – Und gerne auch dort kommentieren.

 

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Kommentare

Marek Walther
Marek Walther:

Wenn ich mich umschaue, ist die Blogosphäre seit ca. 15 Monaten am dahinsterben. Selber hosten ist seit Inkrafttreten der DSGVO out und das Facebookurteil der EU bezüglich der Mithaftbarkeit für Facebookseiten gilt auch für andere großen Anbieter wie WordPress, was sicher für Abschreckung sorgen wird.

Mastodon und Co. sind vielleicht der letzte Versuch die Dezentralität des Internets zu retten, für die es angetreten war. Ich selber sehe das eher pessimistisch, denn im Grunde hatten wir dafür schon alles. Wir hatten XMPP (Jabber), was uns dezentrale Kommunikation über Anbietergrenzen hinweg ermöglichte, aber der goldene Käfig bei Whatsapp und Co. waren halt verlockender. Wir hatten das UseNet, wo wir uns dezentral in Store and Forward Manier austauschen konnten und wo gepflegte Diskussionen mit Netikette geführt wurden. Heute rotzt jeder seinen Mist mit 280 Zeichen in irgendwelche Timelines und denkt, das wäre der Nabel der Welt. Für Aggregartion hatten wir mal etwas wie RSS-Feeds, aber heute werden diese auch von Newsseiten und -portalen nur noch unmotiviert und halbherzig gefüttert. Viele Seiten nutzen die gar nicht mehr und würde WordPress die Feeds nicht automatisch erstellen, gäbe es auch kaum noch Blogs mit diesen.

So interessant die Idee auch ist ein dezentrales Netz über Mastodon und WordPress aufzubauen, ich denke die Zeit ist vorbei. Der Informationsdrang der Leute lässt nach und die Art verändert sich, was man an den Facebookzahlen gut ablesen kann. Auch ist heute kaum noch jemand bereit etwas selber zu hosten. Alles muss as a Service bereitgestellt werden und so funktionieren dezentrale Netzte schlecht, wenn denn ihre Komponenten wieder bei drei großen Anbietern liegen.

5. August 2018 um 21:28
Tim Schlotfeldt
Tim Schlotfeldt:

Leider wird es mit ActivityPub nicht funktionieren, da der Standard alles andere als genau ist und somit viel Spielraum für Interpretationen lässt. Beispielsweise der Austausch von Nachrichten: Grundlage ist HTML, aber im Standard ist nirgendwo definiert, welche HTML-Elemente unterstützt werden müssen und welche nicht erlaubt sind. Mastodon beispielsweise, das aktuell größte Netzwerk auf ActivityPub-Basis, filtert radikal alle HTML-Elemente außer a, b br raus. Andere Implementierungen wie beispielsweise die von Hubzilla, gestatten weitaus mehr Elemente, die dann Mastodon-User nicht zu Gesicht bekommen.
Mehr dazu ein Austausch von Entwicklern im Fediverse: https://hub.tschlotfeldt.de/display/e18176ef665a6f88865c73b988120387?f=&jsdisabled=0
Ein viel interessanteres Protokoll wäre übrigens Zot (Basis von Hubzilla): https://project.hubzilla.org/help/en/developer/zot_protocol

5. August 2018 um 21:28
Steffen Voß
Steffen Voß:

WordPress kann nur gewinnen.
28 Prozent aller Websiten weltweit werden mit WordPress betrieben. Auch wenn davon sicher viele WordPress mehr als CMS denn als klassisches Blog nutzen: Eine News-Funktion haben dann doch viele. Wenn man die News von einem Viertel aller Internetseiten in Inhalte für ein Soziales Netzwerk verzaubern könnte, wäre das ziemlich mächtig.
Und wenn am Ende niemand einen Mastodon-Account hat – man hätte immer noch das Netzwerk untereinander und könnte es zumindest wie einen Feedreader nutzen.
@Tim: Das Tolle an so einem dezentralen System ist doch, dass sich jedes Teil davon selbst überlegen kann, wie es die Inhalte aus den anderen Teilen darstellen will. Einen kompletten Blog-Post in Mastodon zu bekommen, ist sicher nicht praktisch. Die Nutzer.innen erwarten doch eher Kurznachrichten, die sie auf dem Smartphone lesen können. Also würde Mastodon Blogposts mir einer Vorschau darstellen. So wie das bei Links in Twitter und Facebook gemacht wird. So funktioniert ja prinzipiell auch eine Facebook-Page…
Ich glaube, Mastodon wäre ziemlich grässlich mit mehr HTML-Elementen. Das wäre dann eher wie MySpace 😀

5. August 2018 um 22:06
Steffen Voß
Steffen Voß:

Es scheint sogar schon eine Teillösung zu geben: https://de.wordpress.org/plugins/ostatus-for-wordpress/

5. August 2018 um 23:35
Marek Walther
Marek Walther:

Die Information für Mastodon könnten aus den Kurzinformationen des RSS Feeds gespeist werden.

6. August 2018 um 7:31
Steffen Voß
Steffen Voß:

Ich will aber keinen Bot, der Sachen crosspostet. Ich will, dass WordPress ein Soziales Netzwerk wird.

6. August 2018 um 8:45
kaffeeringe
kaffeeringe:

@steffen Test-Antwort von meinem Mastodon-Account aus.

6. August 2018 um 13:16
Tim Schlotfeldt
Tim Schlotfeldt:

@Steffen: Mein einziger Punkt war, das der Standard schlecht geschrieben ist, da er sehr viel im Unklaren lässt und damit eine Interoperabilität zwischen verschiedenen Implementierungen eher unwahrscheinlich ist. Das mit dem HTML war nur ein Beispiel, es gibt da auch noch so Dinge:
„Postings are technically HTML (according to AS) but inline media is not allowed and most tags are filtered away. This was not in the spec but it is the de facto standard because it is Mastodon’s implementation. The only tags Mastodon allows are a,p, and br. It is a very aggressive filter. Media, including images, is only accomplished by using attachments and placed at the end of the text. I believe you are also restricted to 500 characters, and the summary field is used for Mastodon content warnings and is unavailable for its intended use without presenting warnings on some platforms.“

6. August 2018 um 17:10
Steffen Voß
Steffen Voß:

Ich glaube, dass das nicht zu verhindern ist, dass beim Übergang vom einen zum anderen Netz Reibung passiert. Wenn ich einen langen Blogpost in einen Kurznachrichtendienst schiebe, muss damit ja irgendwas passieren.
Reibung gibt es vor allem auch, weil es den Standard noch nicht so lange gibt, wie es Mastodon gibt. Soweit ich weiß, hat die Mastodon-Community aber mit an dem Standard gearbeitet.
Ich finde es erst einmal erstaunlich, wie gut das funktioniert: Ich folge Dir von Mastodon aus auf Deiner Friendika-Instanz und Du meiner WordPress-Instanz auf Friendika. So war Web 2.0 mal gedacht, oder? Statt aber zum Beispiel Youtube-Videos und Tweets so gut wie möglich in Facebook anzuzeigen, wird man algorithmisch abgestraft, wenn man externe Inhalte postet. Youtube-Videos werden extra blöd dargestellt, damit die Facebook-eigene Video-Funktion toller aussieht. Im Fediverse kann man das alles so machen, dass es möglichst gut zusammen funktioniert.

6. August 2018 um 17:42
Steffen Voß
Steffen Voß:

@Tim: Ich hab übrigens Deine Friendika-Session beim BarCamp vermisst. 😉

6. August 2018 um 17:43
Tim Schlotfeldt
Tim Schlotfeldt:

Ich war dieses Jahr nicht gut vorbereitet 🙁
Nächstes Jahr wieder. Wie wärs: wir machen zusammen einen Ritt durch die angesagten verteilten sozialen Netzwerke 😉

6. August 2018 um 20:54
Hagen Graf
Hagen Graf:

Hallo Steffen,
Danke für den Blog Post.
Ich habe das gerade mal auf meinem Blog ausprobiert mit dem OStatus Modul (und den anderen).
Es klappt irgendwie nicht mit der Anzeige bei Mastodon.
Mein User Name im WordPress ist hagen-graf
Dann müsste das doch mit @hagen-graf@hagen.cocoate.com gehen.
Hast du irgendeine Idee oder einen Link oder, oder …
Mein Mastodon User ist @hagen@mastodon.social
Viele Grüsse und vielen Dank
Hagen

22. September 2018 um 19:15
Hagen Graf
Hagen Graf:

Ich habe die Lösung gefunden … es liegt an dem Bindestrich. Ich habe einen Testuser mit dem Namen test angelegt und zack, da hat es geklappt 🙂

22. September 2018 um 19:44

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