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Debatte: Renaissance des Bloggens statt Facebook und Google+

Was schreibst Du da?
Was schreibst Du da? | No known copyright restrictions

Sascha Lobo woll­te das Jahr 2012 zum Jahr der Blogs ma­chen. Johnny Haeusler möch­te es in die­sem Jahr no­ch ein­mal ver­su­chen. Ihnen liegt am Herzen, dass das Internet nicht zu ei­ner Hand voll ge­schlos­se­ner Plattformen wird und die Menschen nur no­ch mit ih­ren oh­ne­hin schon vor­han­de­nen Freunden auf Facebook dis­ku­tie­ren. Das Internet bie­tet doch ge­ra­de die span­nen­de Möglichkeit, si­ch auf ei­ne klei­ne Kiste zu stel­len und der Welt zu sa­gen, was man für rich­tig hält. Und es bie­tet die Möglichkeit, dass es Menschen le­sen, die ih­rer­seits et­was da­von ha­ben und ei­nen Input ge­ben kön­nen. Als Fan des frei­en Internets und des di­gi­ta­le Do-It-Yourselfs fra­ge ich mi­ch na­tür­li­ch, wie si­ch die Idee von Blogs mit der Kraft so­zia­ler Netzwerke ver­bin­den las­sen.

Die Beliebtheit von Facebook liegt dar­an, dass man dort vor­han­de­ne so­zia­le Verbindungen di­gi­tal sehr ein­fach nach­bil­den kann. Ich kann man dort an­mel­den und Familie, Freunde und Bekannte mit ei­nem Klick zu­sam­men sam­meln. Facebook bie­tet so­gar an, mir die Sucharbeit ab­zu­neh­men, wenn ich mein Adressbuch zur Verfügung stel­le. Dann muss ich nur no­ch be­stä­ti­gen, mit wem ich auch bei Facebook ver­bun­den sein will. So ein­fach funk­tio­niert es auch, Informationen von Personen, Organisationen und Firmen zu abon­nie­ren, für die ich mi­ch in­ter­es­sie­re. So kann ich mir in der glei­chen, ein­fa­chen Art und Weise mei­nen per­sön­li­chen Nachrichten-Strom ein­rich­ten: Alle Infos an ei­nem Ort und ich kann al­les auf die glei­che Art kom­men­tie­ren oder wei­ter­rei­chen. Es ist qua­si der Vor- und der Nachteil, dass Facebook sagt, wie Facebook funk­tio­niert. Denn was mir in der Timeline an­ge­zeigt wird, kann ich nur theo­re­ti­sch ein­fach selbst kon­fi­gu­rie­ren. Faktisch ge­hört es zum Geschäftsmodell von Facebook, selbst zu be­stimm­ten, was mir an­ge­zeigt wird. Wer si­cher ge­hen will, ge­se­hen zu wer­den, muss be­zah­len.

Es gibt freie Alternativen zu Facebook: Diaspora, Friendica… Die aber ha­ben zwei Nachteile: Die ge­rin­ge Zahl Benutzer und mei­ne Inhalte ver­schwin­den da in der Datenbank ge­nauso wie bei Facebook. Es ist al­so lang­wei­lig und man hat nicht so vie­le Möglichkeiten von Blogs. Nun gibt es schon vie­le, wun­der­ba­re, ak­ti­ve Blogs, die ei­ne tol­le Basis für ei­ne Blog-basiertes Netzwerk sein könn­ten.

Steve Burge schrieb im Juni 2012: „There is an Open Source Rival to Facebook: WordPress“ – Er zählt auf, dass ca. 17% al­ler Webseiten welt­weit mit WordPress be­trie­ben wer­den. Würde man WordPress die nö­ti­gen Funktionen hin­zu­fü­gen, wä­re das ei­ne ech­te Ausgangsbasis für ei­ne Konkurrenz mit Facebook. Ein Vorteil ge­gen­über Diaspora ist, dass WordPress auf ei­nem ein­fa­chen Webspace läuft. Der Vorteil ge­gen­über Friendica ist, dass es schon ei­nen eta­blier­ten Hoster für WordPress gibt: WordPress.com – wer WordPress ein­fach nur nut­zen und nicht ad­mi­nis­trie­ren will, kann si­ch dort ei­nen Account ein­rich­ten. Also: Mitmachen ist schon ein­mal ein­fach und es ma­chen schon vie­le Menschen mit. Das wä­re der er­s­te Schritt. Und mit der Einrichtung ei­nes Blog kann man auch das schon ab­bil­den, was die Chronik bei Facebook ist – es ist ein­fach die chro­no­lo­gi­sche Liste der Blogposts. Deutlich wird das, wenn man si­ch das Timeline-Theme für WordPress an­schaut.

Wie aber funk­tio­niert die Vernetzung? Wie kann ich die Chroniken der Anderen Leute fin­den, abon­nie­ren? Wie kann ich ein­fach kom­men­tie­ren? Die ak­tu­el­le Vernetzung von Blogs per Trackback/Pingback ist zu lo­se. Die Hürde, das Blog zu wech­seln ist viel zu groß.

Das Austauschformat für die Posts ist RSS. Zusammenführen kann ich die ver­schie­de­nen RSS-Feeds in ei­nem Aggregator. Wenn mei­ne Blogposts das Äquivalent zur Facebook Chronik sind, dann wä­re so ein Aggregator das Äquivalent zur Timeline. Problem: Ich kann in die­ser Timeline nicht kom­men­tie­ren. Ich muss den Artikel an­kli­cken und auf dem Ursprungsblog kom­men­tie­ren. Aber könn­te man das nicht per Trackback lö­sen? Mein Aggregator zeigt mir un­ter je­dem ag­gre­gier­ten Post ein Kommentarfeld an, in dem ich schrei­ben kann. Der Kommentar wird bei mir im Blog ge­spei­chert und per Trackback an das Ursprungsblog ge­schickt. Keine Ahnung, ob Trackback das kann. Aber war­um soll­te das nur mit Blogposts funk­tio­nie­ren? Das nächs­te Problem ist, dass ich nicht die an­de­ren Kommentare se­hen kann – ich kann nicht ein­fach so dis­ku­tie­ren…

Es kom­men da ei­ni­ge prak­ti­sche Probleme zu­sam­men, die ei­gent­li­ch schon ge­löst wur­den: In Friendica. Dort kann ich mir ein ei­ge­nes Friendica in­stal­lie­ren, pos­ten und kom­men­tie­ren und es ist egal, wo mei­ne Gesprächspartner pos­ten und kom­men­tie­ren. Man könn­te ver­su­chen, WordPress per Plugin zu ei­nem Friendica-Node zu ent­wi­ckeln – die sim­pels­te Form, Crosspost to Friendica, gibt es schon. Ich ha­be schon ein­mal pro­biert, ob man Friendicas Optik nicht so um­bau­en kann, dass es wie ein Blog aus­sieht. Leider schei­tert das an dem un­mög­li­chen Templating von Friendica. Ich glau­be aber, dass si­ch über das Protokoll von Friendica vie­le Dinge lö­sen las­sen.

Versteht mi­ch nicht fal­sch: Da steckt ei­ne Menge Arbeit drin – vor al­lem muss es gut ge­macht wer­den. Die Komponenten müs­sen wirk­li­ch gut zu­sam­men ge­führt wer­den, so dass si­ch ei­ne wirk­li­ch kon­sis­ten­te Bedienung er­gibt. Die Nutzung des Accounts bei wordpress.com darf si­ch im Prinzip nicht vom Account bei Facebook un­ter­schei­den. Das könn­te schon rei­chen. Viele Menschen se­hen Facebook kri­ti­sch und wür­den lie­ber heu­te als mor­gen wech­seln – wenn das Angebot stimmt. Ich fin­de die Idee ganz in­ter­es­sant und ge­be sie des­we­gen auch ger­ne wei­ter. Letztlich liegt es aber in der Hand von WordPress, et­was dar­aus zu ma­chen. Denn wenn die­se Funktionen nicht zu­min­dest bei Neuinstallationen von WordPress stan­dard­mä­ßig mit in­stal­liert und ein­ge­schal­tet sind, hat das kei­ne Chance. Nur mit Appellen von Sascha Lobo und Johnny Haeusler wird so et­was nicht vor­an kom­men – aber na­tür­li­ch ha­ben sie ei­ne Reichweite, mit der die Idee bei den rich­ti­gen Leuten an­kom­men könn­te.

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Kommentare

Thilo P

Da gibt es vie­le Aspekte. Ich fän­de es z.B. recht hilf­reich, wenn Blogger ge­ne­rell den Datenschutz bei Facebook of­fen kri­ti­sie­ren und auch die­se gan­zen Spielchen mit „Gefällt Mir“ nicht mit­spie­len. Stattdessen muss si­ch der ULD da ja viel Kritik sei­tens der Blogger an­hö­ren, weil sie den Kampf ge­gen Facebook auf­ge­nom­men ha­ben. Das Thema Datenschutz wä­re längst ge­lau­fen, wür­de es da mehr Solidarität im ei­ge­nen Interesse ge­ben.

Ein gro­ßes Problem se­he ich dar­in, wie Open Source-Projekte meis­tens ge­lei­tet wer­den. Meist gibt es ei­ne Organisation oder Firma, die die Verwendung ei­ner Software pro­pa­giert (z.B. Joomla, Drupal, Zikula, WordPress, …). Es be­steht das Bemühen die Verbreitung die­ser Software zu er­hö­hen. es geht viel Energie bei der Konkurrenz dauf. Fälschlicher wei­se glau­ben vie­le User, das die Vielzahl an Auswahl oder auch das Existieren von Forks ei­ne Stärke von Open Source ist. Ich wür­de sa­gen: JEIN, dann wenn es ei­nen gu­ten Grund gibt. Generell ist es aber so, dass vie­le Augen mehr se­hen. Je mehr gu­te Programmierer mit­ar­bei­ten, desto besser.Die Software, die für Soziale Netzwerke und Blogs zur Verfügung steht ist häu­fig nicht auf dem Standard kom­mer­zi­el­ler Projekte. Dazu kommt, dass es meist kei­ne weit­sich­ti­ge Marketingstrategie gibt. Positive Ausnahme ist für mi­ch z.B. die Mozilla Foundation, auch wenn die­se si­ch doch auch auf we­ni­ge Softwareprojekte kon­zen­trie­ren.

Was nö­tig wä­re, wä­ren Organisationen oder ei­ne Organisation, die so­wohl die Weiterentwicklung als auch das Hosting an­bie­tet und da­für auch ei­ne Finanzierung aus ver­schie­de­nen Quellen si­cher­stellt. Status.Net wird m.E. nie­mals ge­gen Twitter ge­win­nen, weil es si­ch dar­auf be­schränkt die ei­ge­ne Software wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Das Hosting au­ßer­halb wird ganz ge­zielt be­wor­ben, ins­be­son­de­re wenn es mal wie­der Technikprobleme bei identi.ca gibt. Eine kri­ti­sche Masse wird es so nie ge­ben. Firmen wir Google oder Facebook oder Twitter ha­ben aber IMMER ei­ne Strategie und ver­su­chen User an si­ch zu bin­den. Wir mö­gen de­ren Methoden nicht.Aber die Open Source-Gemeinde zer­fleischt si­ch oft­mals selbst. So ist man dann oft auf ei­ner Softwareplattform ge­fan­gen, weil Daten und Technik ei­ne Verbindung ein­ge­hen, Einfach mal von Drupal nach WordPress swit­chen als Blog geht z.B. nicht oh­ne wei­te­res. Auch wenn man teil­wei­se Daten ja ex­por­tie­ren kann. Am Ende ist man bei der Wahl ei­ner Software oft­mals stär­ker iso­liert und ge­n­au so von Datenverlusten be­droht, als bei kom­mer­zi­el­len Plattformen. Kollaborative Plattformen ha­ben ih­re Vorteile. Aber die sind lei­der fast im­mer kom­mer­zi­ell, weil die frei­en Plattformen si­ch nicht von der un­nö­ti­gen Konkurrenz ver­ab­schie­den wol­len. Für ei­ne Strategie reicht es aber eben nicht aus, wenn ei­ne klei­ne Softwareklitsche ver­sucht ih­re Plattform als Facebook-Konkurrenz zu ver­kau­fen. Der Egoismus killt da wie bei Diaspora all zu oft mal wie­der je­de Initiative. 

Es ist oft­mals über­haupt nicht die Leistungsfähigkeit und Qualitäten ei­ner Software. Es fehlt eher oft an ei­nem über­zeu­gen­den Konzept und Vorteilen für die User. Deswegen bin ich auch ir­gend­wann ganz weg von identi.ca: Twitter ist der de­fak­to Standard – und ein zwei­ter Namespace auf identi.ca funk­tio­niert nicht. identi.ca müss­te die Probleme lö­sen, die si­ch dar­aus er­ge­ben. ins­be­son­de­re fehlt da aber ein den­ken „jen­seits von Software“. Es sind ja die Funktionen, die zäh­len. Große Portale wech­seln manch­mal die dar­un­ter­lie­gen­de Software, bie­ten hin­ter­her aber die glei­che Funktion an. Bei Open Source gehts all zu oft dar­um die be­stehen­de Software wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und fort­zu­set­zen – die Oberfläche wird dann ein­fach an­ge­passt. Das ist m.E. ge­n­au der fal­sche Ansatz.

Tim O.

Und wo kann ich jetzt li­ken? 😉 (Das hat WP doch schon in­te­griert…)

Luca

Also ich ha­be für mei­nen pri­va­ten Blog mitt­ler­wei­le tum­blr lieb ge­won­nen. Da kann man viel an­pas­sen und liken/rebloggen geht auch. Außerdem hört tum­blr auch auf sei­ne Nutzer.

Facebook soll end­li­ch ein Lösch-Feature ein­bau­en, was nicht nur Augenwischerei ist!

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