kaffeeringe.de

Nach der Bundestagswahl: Ein paar Fragen zur Geschichte und zur Zukunft

misterQM / photocase.com
misterQM / photocase.com

Wie war das ei­gent­li­ch frü­her, als nur drei Parteien im Bundestag wa­ren? Da gab es Regierungen in je­der denk­ba­ren Konstellation, OBWOHL die Parteien da an­geb­li­ch al­le viel wei­ter von ein­an­der ent­fernt wa­ren. Wie hat da­mals die Große Koalition funk­tio­niert? Hatte da vor­her kei­ne der bei­den Seiten ei­ne Koalition aus­ge­schlos­sen? Wie war das mit der sozial-liberalen Koalition? Wie war die FDP, dass sie das mit­ge­macht hat? Und wie die SPD? Und was hat si­ch ge­än­dert seit­her? Sind die Parteien wirk­li­ch nicht mehr un­ter­scheid­bar? Nehmen nur no­ch Parteimitglieder die Unterschiede wahr oder sind die al­le ver­rückt? Oder ver­ste­hen die Bürgerinnen und Bürger nichts mehr von Politik?

Haben die Menschen frü­her wirk­li­ch mehr von Politik ver­stan­den oder war die Gesellschaft no­ch kla­rer ge­glie­dert und man wuss­te, wo man hin­ge­hör­te, wel­che Partei für ei­nen da war? Wie ha­ben die Menschen ge­lernt, wie Demokratie funk­tio­niert? Haben die Menschen frü­her mehr oder we­ni­ger von Politik er­war­tet? Als die Parteien no­ch rich­tig vie­le Mitglieder hat­ten, konn­te man da mehr mit­ma­chen oder we­ni­ger? Haben frü­her die Medien bes­ser be­rich­tet, ana­ly­siert und er­klärt? Wie wur­de ei­gent­li­ch vor Sabine Christiansen im Fernsehen über Politik dis­ku­tiert? War frü­her wirk­li­ch al­les bes­ser? Und wenn ja: Wir krie­gen wir das wie­der hin?

Pingbacks

  1. Ergebnisse der Woche ab dem 2013-09-20 | Iron Blogger Kiel

Kommentare

Swen Wacker

Ich den­ke, die Antwort auf Deine Frage „Haben die Men­schen frü­her wirk­lich mehr von Poli­tik ver­stan­den oder war die Gesell­schaft no­ch kla­rer geglie­dert und man wuss­te, wo man hin­ge­hörte, wel­che Par­tei für ei­nen da war?“ hat mit den Umbrüchen in der Gesellschaft zu tun. Wir ha­ben heu­te nicht mehr so aus­ge­präg­te Schichten/Klassen wie no­ch vor 50 Jahren son­dern sind aus­dif­fe­ren­zier­ter ge­wor­den (und re­den wohl auch des­halb von Milieus): http://de.wikipedia.org/wiki/Soziales_Milieu#Sozialgeschichte_und_historische_Wahlforschung

Steffen

Danke für den Hinweis. Wenn al­so kei­ne Bindung mehr Bevölkerungsgruppen da­zu bringt, be­stimm­ten Parteien an­zu­ge­hö­ren und zu wäh­len, dann hängt das im­mer von der in­di­vi­du­el­len po­li­ti­schen Bildung und dem ei­ge­nen Lebensstil ab. Das ist na­tür­li­ch ziem­li­ch viel ver­langt – im­mer­hin ist Politik nicht im­mer toll.

Ein paar Antworten zu frü­he­rern Koalitionen ha­be ich auch hier ge­fun­den: http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2013/oktober/merkelland-die-blockierte-demokratie

Sabine W

Früher war al­les bes­ser …. kommt im­mer dar­auf an, wie viel frü­her. Früher hat­ten wir auch no­ch ei­nen Kaiser, frü­her lie­ßen si­ch die Menschen von ei­ner Partei über­töl­peln und wir hat­ten ei­ne Weile Nationalsozialisten an der Macht. Früher wäh­rend der Wirtschaftswunderzeit war man in ei­nem eu­pho­ri­schen Aufschwung und vie­le Menschen woll­ten in al­len Bereichen, auch der Politik, teil ha­ben nach der Lähmung di­rekt nach dem Krieg.
Früher hat­ten wir den Ostblock als iden­ti­fi­zier­ten Feind. 

Schauen wir doch mal ge­n­au ins Heute. Es gibt deut­li­ch mehr Menschen, die wirk­li­ch gut in­for­miert sind über das, was in Deutschland und in der Welt pas­siert. Skandale je­der Art, nicht nur Klatsch und Tratsch be­tref­fend, son­dern auch po­li­ti­sche, wer­den auf­ge­deckt. Wir sind al­ler­dings heu­te we­sent­li­ch mehr da­von ge­prägt, nicht selbst ins Schussfeld zu kom­men. Dies gilt so­wohl für den Normalbürger als auch für Parteien. Weder möch­te man ei­nen Shitstorm auf Facebook er­le­ben son­dern in der Presse zer­fetzt wer­den.

Die Angst vor Skandalen oder auf­grund be­stimm­ter Handlungen fer­tig ge­macht zu wer­den, nach­dem man et­was ent­schie­den hat, prägt Politiker ge­n­au wie Führungspersonen in Wirtschaft und Verwaltung. 

Bestes ak­tu­el­les Beispiel da­für ist die Kieler Oberbürgermeisterin. Mag man von ih­rem Verhalten der letz­ten Wochen NACH der Entscheidung hal­ten was man will, im­mer­hin hat sie si­ch ge­traut, ei­ne Entscheidung für die Stadt Kiel zu tref­fen. Und was pas­siert? Sie wird von der Presse und al­len – selbst der ei­ge­nen – Parteien fer­tig ge­macht, so dass es si­ch ge­sund­heit­li­ch nie­der­schlägt und sie si­ch der gan­zen THematik durch Krankheit ent­zieht bzw. ent­zie­hen muss. 

Dabei ist es doch letzt­li­ch so, dass man ge­ra­de dann vor­an­kommt, wenn man be­reit ist, Entscheidungen, mö­gen sie auch ein­mal un­be­quem oder fal­sch sein, auf lan­ge Sicht, zu tref­fen und da­zu zu ste­hen, Fehler ggf. ein­zu­ge­ste­hen, wenn es wirk­li­ch mal fal­sch war, dann auf­zu­ste­hen und wei­ter­zu­ma­chen.
Aber so, wie ak­tu­el­les Handeln ins­be­son­de­re der Medien ist, eben nicht sach­li­ch und neu­tral son­dern im­mer auch ein Stück per­sön­li­ch zu wer­den, wird nie­mand mo­ti­viert, si­ch ak­tiv am po­li­ti­schen Leben zu be­tei­li­gen oder gar als Frontmann oder Frontfrau sei­nen Kopf hin­zu­hal­ten.
Ich könn­te si­cher no­ch ei­nen Kilometer lang zu den an­de­ren auf­ge­wor­fe­nen Fragen Stellung be­zie­hen … aber das will doch kei­ner le­sen 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Möchtest Du benachrichtigt werden, wenn Dir hier jemand antwortet?