D64 Superklausur 2021

Der Verein wächst und professionalisiert sich

Vor 10 Jah­ren wur­de D64 – Zen­trum für digi­ta­len Fort­schritt als Mit­mach-Think-Tank gegrün­det. Heu­te hat der Ver­ein 700 Mit­glie­der und so viel zu tun, dass er ver­mehrt auf haupt­amt­li­che Unter­stüt­zung setzt. Gleich­zei­tig lebt D64 von den vie­len klu­gen Köp­fen, die hier mit­den­ken wol­len. Am letz­ten Wochen­en­de tra­fen sich 70 von ihnen in Wals­ro­de zur „Super­klau­sur“.

Ham­burg. Klar, oder?

Die Super­klau­sur hat in die­sem Jahr end­lich wie­der live statt­ge­fun­den. Sie war Bar­Camp und Jah­res­haupt­ver­samm­lung zugleich. Am Frei­tag Abend sind wir in der Ver­di-Bil­dungs­stät­te in Wals­ro­de ein­ge­tru­delt, nach­dem uns die Ver­kehrs­la­ge und das Navi eine Stun­de über abstru­se Wege durch Ham­burg gelotst hat. 

10 Jahre D64

Nico Lumma, Henning Tillmann und Lars Klingbeil im Gespräch
Nico Lum­ma, Hen­ning Till­mann und Lars Kling­beil im Gespräch

Nach der Begrü­ßung durch den Vor­stand gab es einen Talk zu „10 Jah­ren D64″ mit den Grün­dungs­mit­glie­dern Nico Lum­ma und Lars Kling­beil. Die Idee für den Ver­ein ist damals ent­stan­den, als die bei­den als Teil einer Dele­ga­ti­on mit US-Think-Tanks gespro­chen hat­ten und sich über­legt haben, wie man das für Deutsch­land auch hin­be­kommt, dass sich klu­ge Leu­te außer­halb von Par­la­ment und Ver­wal­tung Gedan­ken über die Digi­ta­li­sie­rung machen können.

Gab es in der Anfangs­zeit noch eine „SPD-Nähe“, hat sich der Ver­ein mitt­ler­wei­le eman­zi­piert. Die Mit­glie­der mit und ohne Par­tei­zu­ge­hö­rig­keit kom­men aus allen poli­ti­schen Rich­tun­gen. Sie eint das Inter­es­se an digi­ta­len The­men und einer pro­gres­si­ven Gestal­tung der digi­ta­len Transformation. 

Der Ver­ein wird immer wie­der ange­fragt von Medi­en und in par­la­men­ta­ri­schen Bera­tun­gen. In einem Dut­zend Arbeits­ge­mein­schaf­ten erar­bei­ten die Mit­glie­der Posi­tio­nen von Digi­ta­ler Bil­dung oder Nach­hal­tig­keit bis zur Zukunft der Arbeit. Mehr und mehr for­mie­ren sich regio­na­le Grup­pie­run­gen neben der „Ber­li­ner Bubble“.

Gemeinsames Nachdenken

Dejan Mihajlović
Dejan Miha­j­lo­vić – Dr. Barcamp

Der Sams­tag star­te­te mit einem Bar­camp. In sechs par­al­le­len Ses­si­on und drei Zeit­slots boten die Mit­glie­der ein brei­tes Spek­trum an The­men – oft mit Blick auf Posi­tio­nie­run­gen des Vereins. 

Eine neue Charta für den Verein

In einer der Ses­si­ons, an denen ich teil­ge­nom­men habe, ging es dar­um, die Char­ta des Ver­eins neu zu fas­sen. Die aktu­el­le ist fast so alt wie der Ver­ein und das liest man auch an jeder Ecke. Nicht, dass sich grund­sätz­lich etwas ver­än­dert hät­te, aber das The­ma „Netz­po­li­tik“ hat sich heu­te wei­ter auf­ge­fä­chert, so dass man ein sol­ches Grund­satz­pro­gramm nicht mehr so aus­führ­lich und mit kon­kre­ten For­de­run­gen for­mu­lie­ren würde. 

Das Mis­si­on State­ment gibt die gro­be Rich­tung. Die Char­ta for­mu­liert das noch ein­mal brei­ter aus. Die Posi­tio­nen zu ein­zel­nen The­men gehen dann ins Detail. Im Sin­ne von Simon Sin­eks „Gol­den Cir­cle“:

  • Das Mis­si­on State­ment erklärt das Warum.
  • Die Char­ta erklärt das Wie.
  • Die Posi­tio­nie­run­gen sagt kon­kret Was.

Was kommt in den nächsten Jahren auf uns zu?

„Was denn, bit­te, [ist] wirk­lich neu oder ori­gi­nell in der Poli­tik? Die gro­ße poli­ti­sche Leis­tung [besteht] zumeist nicht im Pro­du­zie­ren neu­er Ideen, son­dern in der beharr­li­chen Ver­fol­gung und Durch­set­zung des­sen, was schon lan­ge als ver­nünf­tig und not­wen­dig, aber lei­der als nicht oder kaum durch­setz­bar galt.“

Karl Rickers
Sabine Berghaus und Vincent Patermann diskutieren vor einer Metaplanwand
Sabi­ne Berg­haus und Vin­cent Pater­mann dis­ku­tie­ren vor einer Metaplanwand

In der nächs­ten Ses­si­on haben wir dar­über gespro­chen, wel­che The­men die nächs­te Wahl­pe­ri­ode brin­gen wird. Dabei sind vie­le Klas­si­ker: eGo­ver­ment, Infra­struk­tur, Trans­pa­renz und Open-Data. Zu vie­len Din­gen hat der Ver­ein schon eine Posi­ti­on. Die Ses­si­on war viel­leicht eher für neue Mit­glie­der geeig­net, die sich hier erar­bei­ten konn­ten, was die Dau­er­bren­ner sind. 

Mir hat dabei die Metho­de gefal­len: 1–2‑4-Alle. Zuerst über­legt man allei­ne eine Minu­te, was wohl wich­ti­ge The­men sein wer­den. Dann dis­ku­tiert man zwei Minu­ten lang zu zweit. Dann vier Minu­ten zu viert. Und dann mit allen zusam­men die Ergeb­nis­se. Dadurch haben alle mal etwas gesagt – alle konn­ten sich ein­brin­gen. Die Zei­ten haben wir ein wenig ver­län­gert, weil wir mehr Zeit hatten.

Wie verändert Geld Open-Source?

In der drit­ten Ses­si­on haben wir dar­über dis­ku­tiert, wie sich Open-Source-Pro­jek­te ver­än­dern, wenn Staat und Wirt­schaft jetzt viel Geld dort hin­ein ste­cken. Dazu wer­de ich noch ein­mal geson­dert blog­gen, weil mich das The­ma wirk­lich beschäftigt.

Gleich­zei­tig haben wir einen Neu­start für die AG Open-Source orga­ni­siert. Da soll es jetzt ein klei­nes Online-For­mat mit Gäs­ten geben und im Janu­ar eine Kick-Off-Klausur. 

Satzungsdiskussion! GO-Anträge!

Dis­kus­si­on im Plenum

Am Nach­mit­tag fand dann noch die Jah­res­haupt­ver­samm­lung des Ver­eins statt. Es ging um die Neu­fas­sung und Erwei­te­rung der Sat­zung. Vor allem sind jetzt die Arbeits­ge­mein­schaf­ten in der Sat­zung verankert. 

Eine inten­si­ve Dis­kus­si­on gab es um die Fra­gen, ob man Per­so­nen, die als Lob­by­is­ten im kom­men­den Lob­by­re­gis­ter des Bun­des­tags ein­ge­tra­gen sind, von Vor­stands­äm­ter aus­schlie­ßen soll. Im Ziel sind sich wohl alle Mit­glie­der einig: Der Ver­ein darf kein Vehi­kel für Unter­neh­men-Lob­by­is­mus wer­den. Aber das kann die Mit­glie­der­ver­samm­lung auch selbst von Fall zu Fall bei den Wah­len entscheiden. 

Das Lob­by­re­gis­ter gibt es noch nicht und es ist unklar, wie leicht oder schwer man dort lan­det. Der Antrag wur­de abge­lehnt. Aber das Bewusst­sein für die­se Pro­ble­ma­tik ist da.

Die Mit­glie­der­ver­samm­lung hat des wei­te­ren dafür gestimmt, den Vor­stand zu beauf­tra­gen, Dritt­mit­tel ein­zu­wer­ben, um eine haupt­amt­li­che Geschäfts­füh­rung zu ermög­li­chen. Zur­zeit wird der Vor­stand von zwei stu­den­ti­schen Aus­hil­fen unter­stützt. Die­se Unter­stüt­zung soll aus­ge­wei­tet wer­den. Zu vie­le Anfra­gen gibt es mitt­ler­wei­le an den Ver­ein, als dass das noch kom­plett ehren­amt­lich hand­zu­ha­ben wäre.

Bei all den Dis­kus­sio­nen hat man gemerkt, dass der Ver­ein eine gan­ze Rei­he Mit­glie­der mit Par­tei-Hin­ter­grund hat und als es GO-Anträ­ge zum Ände­rungs­an­trag zum Ände­rungs­an­trag zur Neu­fas­sung der Sat­zung gab, wur­de es sogar kurz pira­tig. Es blieb aber immer kon­struk­tiv und ehr­lich gesagt, hat es Spaß gemacht.

Weiter geht’s

Am Sonn­tag haben wir noch ein­mal The­men aus dem Bar­camp auf­ge­grif­fen und das wei­te­re Vor­ge­hen ver­ein­bart. Hier haben wir den Neu­start der AG Open-Source bespro­chen. Nach dem Mit­tag­essen gings nach Hau­se. Dies­mal ohne Irr­we­ge durch Hamburg.

Wer Lust hat, auch mit­zu­ma­chen, soll­te das tun. Mit­glied wer­den ist ein­fach. Viel Ver­eins­ar­beit läuft im „Ver­eins­heim“ – einem Hum­hub, in dem ganz ok was los ist. Und wer dann merkt, dass es nichts für ihn oder sie ist, kann auch wie­der aus­tre­ten. Das ist nicht wie ein 24-Monats-Abo. 

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Meine Name ist Steffen Voß. Ich lebe in Kiel. In diesem Blog versammel ich Ideen und Gedanken zu Technologie und Gesellschaft.

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  1. […] Du möch­test noch mehr über die dies­jäh­ri­ge Super­klau­sur wis­sen? Dann schau doch Mal auf den Web­sites unse­rer Mit­glie­der vor­bei – auch dort wur­den Rück­bli­cke for­mu­liert: Oswald, Steffen. […]

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