Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Gesellschaft : Frauen + Open Source

Männer unter sich…

Steffen Voß

Der Frauenanteil in der IT-​Branche liegt bei etwa 25% – mit abnehmender Tendenz. Im Open Source Bereich ist es sogar nur 1%. Das sind so wenig ehrenamtlich engagierte Entwicklerinnen, dass es oft gar nicht auffällt, dass keine Frauen da sind. Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass es für die Teilnahme an Open Source Projekten keine Auswahl gibt – kein sexistischer Chef, der Frauen nichts zutraut.

Open-​Source-​Projekten könnte man unterstellen, Männerclubs zu sein, die den Umgang mit Frauen nicht gewohnt sind und die Diskriminierung würde subtiler stattfinden.

Natürlich ist es bedingt durch den geringen Frauenanteil ungewöhnlich, wenn eine Frau ankäme und mit programmieren will. Das wird sicher anders wahrgenommen, und die Begeisterung über die Frau im Team wäre gemischt mit Skepsis, ob die das denn überhaupt kann. Ich denke aber, dass einige Arbeitsproben die Qualität beweisen würden – ohne die wird aber üblicherweise auch kein Mann an den Code gelassen.

Sexismus?

Auch bekannte Bloggerinnen gibt es wenig – zu dem Thema maßt man eine Menge mut: Vor allem basiert die gängige Art Bekanntheit oder Relevanz von Blogs zu messen auf männlichen Maßstäben. Gerade beim Bloggen scheinen Frauen aber auch besonders mit anonymen Sexismus in Form beleidigender Kommentare konfrontiert zu werden.

Dieses offene Sexismus-​Problem, das es beim Bloggen offenbar gibt, ist mir im Open Source Bereich aber nicht bekannt. Sicher gibt es da auch ab und zu Typen, die zudringlich werden. Das ist dann wohl eher per Mail – also nicht öffentlich. Warum sollte das aber im Open Source Bereich häufiger sein, als im Sportverein oder bei der freiwilligen Feuerwehr?

Wenig Frauen bei WebMontagen und BarCamps

Mir begegnet ein ähnliches Phänomen, wenn ich mit Frauen über den WebMontag spreche: Einmal im Monat treffen sich in Kiel Leute, die sich professionell mit dem Internet beschäftigen, halten sich ein paar kleine Vorträge über das, was sie gerade beschäftigt und dann wird diskutiert, geschnackt und netzgewerkt.

Die Leute sind aus total unterschiedlichen Branchen – es sind aber auch zu 95% Männer. Jede Frau kann sich wie jeder Mann im Wiki als Teilnehmerin eintragen und einen Vortrag halten oder nicht. Darüber entscheidet keine Redaktion aus Männern. Sie tun es einfach nicht.

Warum ist ein derart offenes Format wie der WebMontag oder ein Open Source Projekt unfreiwillig einer der letzten (quasi) Frauen-​freien Orte?

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