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Jean Ziegler : Der Hass auf den Westen

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Steffen Voß

In seinem Buch „Der Hass auf den Westen: Wie sich die armen Völker gegen den wirtschaftlichen Weltkrieg wehren“ geht Jean Ziegler der Frage nach, wie sich die Jahrhunderte Kolonisalismus auf das kollektive Gedächtnis der unterjochten Völker ausgewirkt hat. Jean Ziegler ist UN-Sonderbotschafter für das Welternährungsprogramm und er schöpft für seine Argumentation aus einem reichhaltigen Erfahrungsschatz.

In der Schule lernt man, was der Dreieckshandel war und wie die Sklaven aus Afrika nach Amerika verschleppt wurden. Dass sie nicht gut behandelt wurden, wird dabei schon klar. Welches Ausmaß an grausamer Unmenschlichkeit der Kolonialismus aber hatte, können ein paar Stunden mit dem Schulbuch nicht verdeutlichen. Und dann ist schließlich in Deutschland mit Ende des Ersten Weltkriegs auch der Kolonialsmus zu Ende. In einigen Ländern dauert es noch bis in die 60er. Und seither sind die ehemaligen Kolonien frei. Wie eng aber auch heute noch die Verzahnung der Wirtschaft der Industrieländer und der Politik des Südens ist, findet dann vielleicht in Erdkunde statt. Da gibt es dann aber nur „enge wirtschaftliche Beziehungen mit den alten Kolonialmächten.“

Ziegler behauptet, dass die Menschen des Südens ihre heutige Situation als Fortsetzung der Ausbeutung und Unterdrückung des Kolonialismus empfinden. Und er gibt Beispiele: Von Südamerika bis Afrika. Und er gibt Beispiel dafür, dass der Süden sich seiner selbst bewusst wird – Selbstbewusstsein entwickelt. Evo Morales ist der erste Nachkomme der südamerikanischen Urbevölkerung, der in Südamerika Präsident wurde. Und er entreisst den Reichtum seines Landes den Händen des Westens, um mit ihm neue, fairere Verträge auszuhandeln. Ob er damit langfristig Erfolg hat, hängt von vielen Faktoren ab. Auch davon, ob der Westen ihn gewähren lässt oder seine Bemühungen sabotiert, um weiterhin einfachen, billigen Zugang zu den Ressourcen zu haben.

Das Gegenbeispiel ist Nigeria. Ein Land, das von den verschiedenen zerstrittenen Gruppen zerstört wird. Befeuert wird die Situation vom Westen nach dem Motto „Teile und Herrsche“. Nigeria verfügt über große Ölvorkommen. Die Bevölkerung hat davon nichts.

Anhand verschiedener Zitate von Sarkozy bis zum Papst zeigt Ziegler den im Prinzip immer noch arroganten Kern aktueller Politik im Umgang mit den Süden. Die nimmt Leid und Tod hunderttausender von Menschen im Süden in Kauf und versucht glauben zu machen, so wäre der Süden eben.

Jean Ziegler eröffnet eine Perspektive, die in der Wahrnehmung des Westens oft vernachlässigt wird: Kolonialismus ist eine rassistische Ideologie, die Ausbeutung durch wirtschaftliche Abhängigkeit rechtfertigt und nicht nur sekundär ein System politischer Abhängigkeiten. Sein Buch ist eine Warnung und eine Mahnung an den Westen, den Süden ernst zu nehmen und als gleichberechtigten Partner zu behandeln.

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