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Jean Ziegler: Der Hass auf den Westen

Some rights reserved by United Nations Information Service - Geneva
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In sei­nem Buch „Der Hass auf den Westen: Wie si­ch die ar­men Völker ge­gen den wirt­schaft­li­chen Weltkrieg weh­ren“ geht Jean Ziegler der Frage nach, wie si­ch die Jahrhunderte Kolonisalismus auf das kol­lek­ti­ve Gedächtnis der un­ter­joch­ten Völker aus­ge­wirkt hat. Jean Ziegler ist UN-Sonderbotschafter für das Welternährungsprogramm und er schöpft für sei­ne Argumentation aus ei­nem reich­hal­ti­gen Erfahrungsschatz.

In der Schule lernt man, was der Dreieckshandel war und wie die Sklaven aus Afrika nach Amerika ver­schleppt wur­den. Dass sie nicht gut be­han­delt wur­den, wird da­bei schon klar. Welches Ausmaß an grau­sa­mer Unmenschlichkeit der Kolonialismus aber hat­te, kön­nen ein paar Stunden mit dem Schulbuch nicht ver­deut­li­chen. Und dann ist schließ­li­ch in Deutschland mit Ende des Ersten Weltkriegs auch der Kolonialsmus zu Ende. In ei­ni­gen Ländern dau­ert es no­ch bis in die 60er. Und seit­her sind die ehe­ma­li­gen Kolonien frei. Wie eng aber auch heu­te no­ch die Verzahnung der Wirtschaft der Industrieländer und der Politik des Südens ist, fin­det dann viel­leicht in Erdkunde statt. Da gibt es dann aber nur „en­ge wirt­schaft­li­che Beziehungen mit den al­ten Kolonialmächten.“

Ziegler be­haup­tet, dass die Menschen des Südens ih­re heu­ti­ge Situation als Fortsetzung der Ausbeutung und Unterdrückung des Kolonialismus emp­fin­den. Und er gibt Beispiele: Von Südamerika bis Afrika. Und er gibt Beispiel da­für, dass der Süden si­ch sei­ner selbst be­wusst wird – Selbstbewusstsein ent­wi­ckelt. Evo Morales ist der er­s­te Nachkomme der süd­ame­ri­ka­ni­schen Urbevölkerung, der in Südamerika Präsident wur­de. Und er ent­reisst den Reichtum sei­nes Landes den Händen des Westens, um mit ihm neue, fai­re­re Verträge aus­zu­han­deln. Ob er da­mit lang­fris­tig Erfolg hat, hängt von vie­len Faktoren ab. Auch da­von, ob der Westen ihn ge­wäh­ren lässt oder sei­ne Bemühungen sa­bo­tiert, um wei­ter­hin ein­fa­chen, bil­li­gen Zugang zu den Ressourcen zu ha­ben.

Das Gegenbeispiel ist Nigeria. Ein Land, das von den ver­schie­de­nen zer­strit­te­nen Gruppen zer­stört wird. Befeuert wird die Situation vom Westen nach dem Motto „Teile und Herrsche“. Nigeria ver­fügt über gro­ße Ölvorkommen. Die Bevölkerung hat da­von nichts.

Anhand ver­schie­de­ner Zitate von Sarkozy bis zum Papst zeigt Ziegler den im Prinzip im­mer no­ch ar­ro­gan­ten Kern ak­tu­el­ler Politik im Umgang mit den Süden. Die nimmt Leid und Tod hun­dert­tau­sen­der von Menschen im Süden in Kauf und ver­sucht glau­ben zu ma­chen, so wä­re der Süden eben.

Jean Ziegler er­öff­net ei­ne Perspektive, die in der Wahrnehmung des Westens oft ver­nach­läs­sigt wird: Kolonialismus ist ei­ne ras­sis­ti­sche Ideologie, die Ausbeutung durch wirt­schaft­li­che Abhängigkeit recht­fer­tigt und nicht nur se­kun­där ein System po­li­ti­scher Abhängigkeiten. Sein Buch ist ei­ne Warnung und ei­ne Mahnung an den Westen, den Süden ern­st zu neh­men und als gleich­be­rech­tig­ten Partner zu be­han­deln.

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