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Integration: Deutsch lernen per Smartphone

Foto: Manny Valdes - CC BY 2.0
Foto: Manny Valdes - CC BY 2.0

Der Handwagen ist das Symbol für die Flüchtlinge 1945. Auf den Wagen hat­ten die Menschen da­mals, was ih­nen lieb und teu­er war. Heute ha­ben Flüchtlinge die­se Dinge oft auf ih­ren Smartphones. Was frü­her das Album mit den Familienfotos war, ist heu­te das Smartphone. Es er­setzt das Büchlein mit den Adressen von Freunden und Verwandten, und wer schnell no­ch vor der Flucht sei­ne Zeugnisse und an­de­re Urkunden ab­fo­to­gra­fiert hat, kann in der neu­en Heimat sei­ne Qualifikationen nach­wei­sen.

Das Mobiltelefon hat in vie­len Ländern oh­ne­hin ei­nen ganz an­de­ren Stellenwert – nicht nur, weil die Tarife oft bil­li­ger sind. In vie­len Ländern er­setzt das Mobiltelefon die feh­len­de öf­fent­li­che Infrastruktur. „Mobiltelefone sind der Schlüssel zur Transformation der Entwicklungsländer“, hat der po­li­ti­sch en­ga­gier­te Musiker Peter Gabriel schon vor fast zehn Jahren fest­ge­stellt – da hat­ten die Geräte no­ch nicht ein­mal ei­nen or­dent­li­chen Internetzugang. Die Menschen kön­nen si­ch schnell und un­kom­pli­ziert über die ak­tu­el­len Marktpreise ih­res Getreides in­for­mie­ren, und Überweisungen sind per SMS mög­li­ch – da­zu be­nö­tigt man nicht ein­mal die neu­es­ten Geräte. Ein Second-Hand-Gerät reicht voll­kom­men aus.

Hier liegt auch ei­ne Chance für die Integration der Flüchtlinge in Schleswig-Holstein: Deutsch ler­nen kön­nen un­se­re neu­en Nachbarn auch durch das Smartphone. Vielleicht in ei­ner klu­gen Mischung aus auf­ge­zeich­ne­ten Lektionen und di­rek­tem Kontakt zu Deutschlehrern und Mitschülern. Warum die Menschen zur Bildung brin­gen, wenn auch die Bildung zu den Menschen kom­men kann?

Wir bräuch­ten ei­nen staat­li­ch ver­bil­lig­ten Sozialtarif für al­le Menschen, die si­ch son­st nicht ge­nü­gend mo­bi­les Internet leis­ten kön­nen. Den Internet-Unterricht könn­te man dann auf an­de­re Themen und al­le Menschen aus­wei­ten, die et­was ler­nen wol­len. Das könn­te ein rie­si­ger Schub für die Digitalisierung der Bildung in un­se­rem Flächenland wer­den. Die Flüchtlinge 1945 ha­ben al­te Strukturen auf­ge­bro­chen. Das Land wur­de mo­der­ner. Das kann wie­der pas­sie­ren.

Dieser Artikel ist zu­er­st auf shz.de er­schie­nen.

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