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Polemik: Google kann sich selbst helfen

Auf in die Schlacht für einen fremden Herrn!
Auf in die Schlacht für einen fremden Herrn! / https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Ich wundere mich immer, wie viele Menschen ihr Herz für Konzerne entdecken, wenn jemand es wagt, einen der Internet-Konzerne, wie aktuell Google, zu kritisieren. Ich wundere mich aber noch mehr, auf welch niedrigem Niveau die Google-Apologeten zum Teil argumentieren.

  1. „Das ist der Markt und der Markt regelt das.“ Das ist Vulgär-Liberalismus. Markt funktioniert, wenn Wettbewerb funktioniert. Wenn Wettbewerb nicht funktioniert, muss der Staat den Wettbewerb wieder herstellen. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten.
  2. „Man kann ja im Internet mit einem Klick wechseln.“ Lies bitte zum Einstieg den Wikipedia-Eintrag zu „Netzwerkeffekt„. Von Google weg zu wechseln ist oft eine Schimäre. Eine Pseudooption. Gerade, wenn man Geld verdienen muss.
  3. „Die Verlage haben alles verschlafen.“ In der Analyse mag das stimmen oder nicht. Es ändert aber nichts: Egal, ob durch eigene Leistung oder Fremdversagen oder beiden – wenn ein Unternehmen marktbeherrschend wird, ist das schlecht.
  4. „Axel Springer ist nicht besser als Google.“ Zwei mal falsch ergeben nicht ein mal richtig. Herr Döpfner ist sicher kein Heiliger und kein armes Würstchen. Trotzdem gibt es zumindest die Chance, dass er recht haben könnte. Das sollte man beim Lesen einkalkulieren. Wenn er dann Unrecht hat, sollte man ihn in seiner Argumentation stellen. Argumente abzulehnen, weil der Absender einem nicht passt, ist dumm.
  5. Und am dümmsten aber ist: „Döpfner sollte sich an die EU-Kommission wenden – nicht an Schmidt.“ Ein offener Brief ist ein rhetorisches Mittel, das mehr als den angegebenen Adressaten hat. Sonst könnte man auch einen geschlossenen Brief verschicken.

Und überhaupt: Wo seid ihr eigentlich, wenn mal wieder über Monsanto geschimpft wird? Monsanto ist im landwirtschaftlichen Bereich total innovativ und ein echt großer Player. Die könnten auch mal ein wenig Unterstützung brauchen, wenn gestrige NGOs ihre Kampagnen gegen Gen-Mais und für die verschlafene deutsche Landwirtschaft fahren. Immerhin will Monsanto den Hunger in der Welt besiegen.

Ich denke, diese Unternehmen können sich sehr gut, um sich selbst kümmern. Reden wir lieber darüber, welche Art von Internet, Journalismus oder Landwirtschaft und Ernährung wir wollen. Reden wir darüber, ob wir da schon sind, oder wie wir dort hinkommen.

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  1. Ergebnisse der Woche ab dem 2014-04-11 | Iron Blogger Kiel

Kommentare

Nils Courvoisier

Nun, ich ge­hö­re zu den­je­ni­gen, die Google ver­tei­di­gen, aber die­se 5 Punkte sind mir fremd. Natürlich muss ich Google auch ver­tei­di­gen, im­mer­hin hat Google es mir mit AdWords er­mög­licht, mein Geld be­quem vom Home Office aus zu ver­die­nen. Viele Google Produkte nut­ze ich zu­dem be­ruf­li­ch, ich ken­ne schlicht kein so gu­tes E-Mail-Programm wie GMail für mei­ne Zwecke.
Bislang se­he ich ins­be­son­de­re in mei­nem Bereich der Suchmaschinen auch no­ch nicht die ab­so­lu­te Marktmacht. Dafür hat Google in Teilen der Welt schlicht zu we­nig Einfluss, da wer­den neue Global Player auf­tau­chen, ob Yandex oder Baidu. Auch Bing funk­tio­niert im eng­lisch­spra­chi­gen Raum ver­nünf­tig. Dort ma­chen die or­dent­li­ch Fortschritte im Bereich der Suchmaschinenwerbung.
Richtig ist, dass die Vernetzung al­ler Produkte kri­ti­sch zu se­hen ist, da kann ich fol­gen. Für fal­sch hal­te ich aber Argumente der Google Gegner, die teil­wei­se vor dem EGH kla­gen (Preissuchmaschinen füh­len si­ch durch in­trans­pa­ren­ten Algorithmus aus­ge­boo­tet). Gerade die Intransparenz sorgt doch da­für, dass wir in den Suchmaschinen halb­wegs si­cher sind vor all­zu viel Spam. Wozu be­nö­ti­gen wir 5 Preissuchmaschinen in den SERPs, wenn nach ei­nem Produkt ge­sucht wird, zu­mal die Ihre Anbieter nicht per güns­ti­gen Preis aus­wäh­len son­dern si­ch die Eintragung be­zah­len las­sen und hier­bei ei­ne grö­ße­re Markteintrittsschwelle ha­ben, dass si­ch vie­le dort nicht an­mel­den kön­nen. Google Shopping hat ei­ne sehr viel nied­ri­ge­re Schwelle. Hier ent­schei­det letzt­li­ch der Verbraucher, wel­che Angebote si­ch loh­nen, da­ne­ben der Anbieter durch Relevanz sei­nes Angebots. Google ver­mit­telt le­dig­li­ch. Das ist ein deut­li­ch bes­se­res Modell als die an­de­ren Preis-SuMas.
Auch dass Google den Besuch bei Portalen über­flüs­sig macht, da wich­ti­ge Infos schon bei Google di­rekt an­ge­zeigt wer­den, nutzt den Verbrauchern. Ich se­he hier auch kei­nen Schaden bei den se­riö­sen Anbietern. Wer si­ch mit Kurzinfos zu­frie­den gibt, wä­re so­wie­so kein wert­vol­ler Werbekunde. Damit sin­ken zwar ggf. mas­siv die Seitenbesuche, mit­tel­fris­tig dürf­ten aber die CPM oder Klickpreise der Ads auf die­sen Seiten stei­gen, da de­ren Besucher dann län­ger auf der Seite blei­ben und ei­ne hö­he­re Relevanz für Werbung ha­ben.

Auch dass die or­ga­ni­schen Ergebnisse im­mer wei­ter ver­schwin­den, ist mei­nes Erachtens ein vor­ge­scho­be­nes Argument, schließ­li­ch gilt dies doch vor al­lem bei hart um­kämpf­ten „Money Keys“. Die or­ga­ni­schen Ergebnisse sind doch in der Regel stark ma­ni­pu­liert und ge­nauso be­zahlt wie die AdWords. Nur fließt das Geld dann an SEOs und nicht an Google. Für den Nutzer ist die­ser Fakt doch egal. Entscheidend ist aber das System von AdWords, die Faktoren für er­folg­rei­che und ge­winn­brin­gen­de AdWords sind sehr viel mehr in der Hand der Nutzer, sei es Klickrate, Bouncerate, Besuchsdauer uvm., tech­ni­sche Faktoren sind zu­dem be­kannt. Eine Seite mit ei­nem Angebot, das 5 Sekunden Ladezeit hat, hat bei AdWords ei­ne nied­ri­ge­re Relevanz als an­de­re Ads. Dies kann durch ein hö­he­res Gebot wett ge­macht wer­den, die Gebote stei­gen hier aber nicht li­ne­ar mit fal­len­der Relevanz son­dern deut­li­ch stär­ker. Wer sei­nen Nutzern al­so schlech­ten Service bie­tet, muss rich­tig tief in die Tasche grei­fen. Dies be­deu­tet, dass vie­le klei­ne Nischenfirmen ei­ne nied­ri­ge Markteintrittsschwelle ha­ben, um ge­gen die Großen an­zu­stin­ken (mit nur ei­nem Euro geht es los, da­zu et­was zeit­li­cher Aufwand). Beim SEO funk­tio­niert dies nicht.

Durch die­sen pe­ku­nä­ren Mechanismus sind Werbende bei AdWords qua­si ge­zwun­gen, re­le­van­te Werbung aus­zu­lie­fern. Und Relevanz ist das, was man von ei­ner Suchmaschine er­war­tet und eben nicht teu­er be­zahl­te Top-Ergebnisse wie bei den Money-Keys in den SERPs. Und eben die­se Grundidee bei Google ge­fällt mir. Schon bei Bing ist die Schwelle deut­li­ch hö­her, wenn man si­ch nicht aus­kennt.

Noch glau­be ich dem Leitspruch „don’t be evil“!

Steffen

Versteh mi­ch nicht fal­sch: Ich will Google auch nicht ver­teu­feln. Ich freue mi­ch auch über vie­le Services, die Google an­bie­tet. Und in der Vergangenheit war ja auch das meis­te voll­kom­men un­pro­ble­ma­ti­sch, was Google ge­macht hat. 

Ich re­de über die Zukunft und auch Döpfner re­det über die Zukunft. Jetzt mal ab­ge­se­hen von Springer und ab­ge­se­hen da­von, wie es zu der Situation ge­kom­men ist oder kommt: Ist es gut, wenn Wohl und Wehe des deut­schen Journalismus von ei­nem ein­zi­gen Unternehmen ab­hängt? Wäre es gut, wenn Monsanto mit sei­ner Zukunftsorientierung und Innovation wei­te Teile der land­wirt­schaft­li­chen Produktion be­lie­fert? Die Produkte sind in Widerstandsfähigkeit und Ertrag der ver­schla­fe­nen deut­schen Landwirtschaft bei Weitem über­le­gen. Trotzdem wol­len wir die­se Art Landwirtschaft nicht und weh­ren uns da­ge­gen.

Noch ein­mal: Das Problem ist nicht, dass Google ein schlech­tes Produkt durch ein bes­se­res er­setzt. Das Problem ist, dass Googles Produkte ei­nen Markt ka­putt ma­chen, auf dem sie kein Angebot ma­chen und von dem wir uns nicht leis­ten kön­nen, dass er ka­putt geht. Wir kön­nen uns ge­sell­schaft­li­ch nicht leis­ten, dass der Journalismus nicht mehr fi­nan­ziert wird. Wir dür­fen das nicht ein­mal ris­kie­ren.

All die tol­len, jour­na­lis­ti­schen Projekte, die zur­zeit ent­ste­hen (Bsp: http://upload-magazin.de/blog/8653-selbstbewusster-online-journalismus/) wis­sen im Prinzip no­ch nicht, wie sie si­ch fi­nan­zie­ren sol­len. Und schon gar nicht ha­ben sie ein Geschäftsmodell ge­fun­den, dass ei­ne brei­te Medienlandschaft und ei­ne ech­te Pluralität er­mög­licht.

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