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Collaborative Consumption: Haben Sie mal ne Bohrmaschine?

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„Nur 12-15 Minuten läuft eine durch­schnitt­li­che Bohrmaschine wäh­rend ih­rer ge­sam­ten Lebensdauer“, er­klärt Rachel Botsman beim TEDxSydney und stellt die be­rech­tigte Fragen, warum man eine ei­gene Bohrmaschine braucht, wenn man ei­gent­lich nur Löcher will. Ihre Lösung nennt sie „Collaborative Consumption“ – Zu Deutsch in etwa „ge­mein­schaft­li­che Nutzung“. Mit die­sem Thema hatte sich auch Christof Ortmann beim WebMontag im Juni aus­ein­an­der ge­setzt und das Thema zur Diskussion ge­stellt.

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Im Prinzip ge­hen die Fans von Collaborative Consumption da­von aus, dass dank des Internets, nicht mehr je­der al­les selbst be­sit­zen muss. Es reicht, wenn je­der sein Hab und Gut per Internet zur Verfügung stellt. Auf ei­ner Plattform kann man ei­ner Bohrmaschine in der Umgebung su­chen, die Übergabe pla­nen und mich ver­si­chern, dass alle Teilnehmer der Transaktion or­dent­lich mit den Gegenständen um­ge­hen. Als Eigentümer der Bohrmaschine kann ich dann, die Bewertungen des Ausleihenden se­hen und ent­schei­den, ob ich die Maschine ver­leihe. Wer von an­de­ren Teilnehmer für un­zu­ver­läs­sig ge­hal­ten wird, fällt aus dem System und wer neu ist, be­kommt viel­leicht nicht di­rekt mei­nen Ferrari ge­lie­hen.

Komplett neu ist das na­tür­lich nicht – das ha­ben wir auch wäh­rend der Diskussion fest­ge­stellt:

  • Der Gärtner bringt auch Werkzeug mit, das man sich nicht selbst kau­fen muss. Das fällt dann in die Kategorie „Dienstleistungen“.
  • Genossenschaften sind schon im­mer aus der Idee ent­stan­den, dass man nicht al­les al­lein ma­chen muss. Wohnungsbaugenossenschaften stel­len den Mitgliedern Wohnungen für ihre je­wei­li­gen Bedürfnisse zur Verfügung, ohne dass man sich selbst eine Wohnung kau­fen muss. Landwirte tun sich oft in Genossenschaften zu­sam­men, um die ei­gene Produktion wei­ter zu ver­ar­bei­ten. So muss nicht je­der Milchbauer eine Meierei und je­der Winzer eine Kellerei be­trei­ben.
  • Bei Mitfahrgelegenheiten tei­len sich meh­rere Menschen ein Fahrzeug.
  • Der ge­samte öf­fent­li­che Sektor ba­siert auf dem Gedanken, dass man be­stimmte Angebote sich über­haupt nur ge­mein­schaft­lich leis­ten kann: Das Schwimmbad, die Bibliothek, die Schule.
  • Rachel Botsman er­wähnt in ih­rem Vortrag auch noch den Tauschhandel. Den gibt es viel län­ger schon.

Im Prinzip ist eine ar­beits­tei­lige Welt Collaborative Consumption: Ein aus­ge­las­te­ter Zulieferer ist in vie­ler­lei Hinsicht güns­ti­ger als der ei­gene, nicht aus­ge­las­tete Maschinenpark. Neu ist ei­gent­lich nur, dass man die­ses Prinzip jetzt auch auf den Bereich des Privaten (über die nor­male Nachbarschaftshilfe hin­aus) aus­wei­ten kann.

Die Frage ist al­ler­dings, ob man sich da wirk­lich drauf ein­las­sen will. Natürlich ner­ven die gan­zen Sachen, die man ge­rade nicht braucht. Und die Bohrmaschine nimmt Platz weg und ver­schwen­det Ressourcen, weil man sie so sel­ten be­nutzt und dann fast un­ge­nutzt und den­noch ka­putt ent­sorgt. Will man aber aber für ei­nen akut be­nö­tig­ten Gegenstand re­cher­chie­ren, wo man ihn lei­hen kann, ein Treffen aus­ma­chen, den Gegenstand ab­ho­len, und ihn dann ir­gend­wann zu ei­ner ver­ab­re­de­ten Zeit wie­der ab­ge­ben. Und wenn er ka­putt geht, strei­tet man sich drum, wer Schuld ist – Das al­les für ei­nen Gegenstand, für den ich ein­mal im Leben 50,- EUR be­zahle und dann im­mer habe?

Ich glaube, dass das Peer-to-Peer Prinzip alte, oh­ne­hin er­folg­rei­che Systeme ver­bes­sert. Flinc ist eine bes­sere Mitfahrzentrale als frü­here. Ebay ist bes­ser als der Kleinanzeigenteil in der Zeitung. Und viel­leicht kön­nen Platformen wie ta­myca durch ge­re­gelte Abläufe und ge­mein­same Versicherung ver­ein­fa­chen, Autos pri­vat zu ver­lei­hen. Das Gleich gilt für Wohnungen, die kurz­zeit­ver­mie­tet wer­den.

Skeptisch bin ich aber, ob sich das Leihen in der Breite durch­setzt. Die von Rachel Botsman er­wähn­ten Bücher, CDs und Filme wer­den ver­mut­lich oh­ne­hin größ­ten­teils di­gi­tale über das Internet ge­nutzt und be­nö­ti­gen kei­nen Raum mehr. Was für mich vom Konzept „Collaborative Consumption“ zur Zeit üb­rig bleibt, ist die im­mer gute Idee, dass man mehr ge­mein­sam ma­chen sollte und die Frage, ob ich wirk­lich al­les selbst be­sit­zen muss.

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Kommentare

Dirks

ich bin da et­was skep­ti­sch. Eigentum und bloße Nutzungsmöglichkeit sind un­ter­schied­li­che Dinge und des­halb ist es mE auch nur sehr theo­re­ti­sch mög­lich, das eine durch das an­dere zu er­set­zen.

Ich meine – Warum bauen Menschen ei­gent­lich Häuser, ob­wohl es in der Regel we­der not­wen­dig noch sinn­voll ist und man auch mie­ten kann? (..si­cher idR nicht als sinn­volle Geldanlage, das wol­len Euch nur die Gehirnwaschanlagen bei der Bank er­zäh­len).

Warum kau­fen sich Menschen teure Neuwagen, die die Hälfte ih­res Wertes schon auf dem Weg zur Zulassungsstelle ein­bü­ßen?

Wieso bloß schaf­fen sich im­mer mehr Leute über­teur­tes Technik-Spielzeug von Apple oder mei­net­we­gen Hutschenreuther-Porzellan an, ob­wohl das wirt­schaft­lich nicht den ge­rings­ten Sinn macht?

Weil es et­was „an­de­res“ ist, eine Sache be­nut­zen zu dür­fen als sie zu be­sit­zen. Dabei ist die je­der­zei­tige Verfügbarkeit noch zu ver­nach­läs­si­gen. Es spie­len bei so gut wie al­len Gegenständen – und zwar auch bei: Bormaschinen, Kaffeautomaten, Rasenmähern und Spannungsprüfungsgeräten usw. – af­fek­tive Gesichtspunkte, Status, Sammlertrieb und an­de­res eine wich­tige Rolle.

Homer be­hält Neds ge­lie­he­nes Zeug ja auch nicht des­halb, weil er stän­dig den Rasen mä­hen oder Löcher boh­ren muss.

Steffen Voß

Ich glaube, die Leute, die ihr Sein über Haus, Auto, Porzellan de­fi­nie­ren, sind nicht die Leute, die von Collaborative Consumption an­ge­spro­chen wer­den – das Thema zieht ja durch­aus Menschen an. Und wie ge­sagt: Es gibt ja auch Leute, die sich seit je­her für ge­nos­sen­schaft­li­che Lösungen ein­set­zen.

Chris

„Warum kau­fen sich Men­schen teure Neu­wa­gen, die die Hälfte ih­res Wer­tes schon auf dem Weg zur Zulas­sungs­stelle ein­bü­ßen?“

Die Frage geht ge­nau in die rich­tige Richtung. Unser Verhalten ist nicht im­mer be­son­ders ra­tio­nal ge­steu­ert. Und so­fern es nur um die Frage geht, was ich mit dem Geld an­stelle, dass in mei­ner Wohnung ver­staubt, hilft Collaborative Consumption si­cher nicht wei­ter. Klar ist es im­mer ein­fa­cher und v.a. be­que­mer Dinge zu be­sit­zen und un­ein­ge­schränkt zur Verfügung zu ha­ben, als sie zu tei­len und ge­mein­sam zu nut­zen.

Das Thema Collaborative Consumption hin­ter­fragt un­ser be­stehen­des (Über-)Konsumverhalten. Durch die ge­mein­same Nutzung von Dingen lässt sich nicht nur Geld spa­ren – es wer­den z.B. auch Ressourcen ein­ge­spart und da­mit die Umwelt ge­schont. Vielleicht ent­steht da­durch mehr so­zia­les Miteinander. Schön dar­ge­stellt wird die Idee auf die­ser Grafik:
http://www.collaborativeconsumption.com/spreadables_downloads/CC_Spreadables_Charts/CC_Chart_The_Complete_Picture.gif

In wel­chen Bereichen sich das durch­setzt wird sich zei­gen. Ich fahre auch keine 10km Fahrrad um mir eine CD aus­zu­lei­hen….
Aber ich finde es eine gute Anregung seine Bequemlichkeit in der ein oder an­de­ren Hinsicht zu über­den­ken. Und dank der Verknüpfung mit der di­gi­ta­len Welt ist das in vie­len Bereichen ziem­lich ein­fach mög­lich.

Mina

Der Grundgedanke ist gut und wird auch schon in vie­len Bereichen um­ge­setzt. Carsharing, Bikesharing, Gardensharing – al­les Begriffe, die in letz­ter Zeit im­mer mehr an Bedeutung ge­win­nen. Es liegt im Trend, zu tei­len oder zu mie­ten, was man sonst selbst kau­fen müsste. Grundsätzlich finde ich das auch rich­tig und es ist auch si­cher­lich ein gu­ter Weg, das Ganze on­line auf­zu­zie­hen. Dennoch glaube ich, dass es für den ganz gro­ßen Erfolg die­ses Modells noch ein biss­chen zu früh ist. In ei­ni­gen Jahren kann das schon wie­der ganz an­ders aus­se­hen.

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