Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Haushalt : Digitalisiert das!

Schwarz/Weiß-Foto: Frau fegt mit Handfeger und Kehrblech den Küchenboden.
Haushalt. Immer noch viel nervige Handarbeit | Foto: Cornell University Library - Flickr Commons

Steffen Voß

Auf Sylt sollen jetzt Busse ohne Fahrer pendeln. Dabei haben die meisten Menschen Autofahren bisher nicht für ein Problem gehalten. Und die meisten Busfahrer, die ich getroffen habe, waren echt nett. Will ich in Zukunft wirklich von einer Maschine angeblökt werden, wenn ich in Gedanken versunken mal wieder die hintere Tür blockiere?

Warum beschäftigen sich eigentlich die meisten Fortschritte in der Digitalisierung mit unnützen Sachen, wie der noch besseren Ausforschung meiner Privatsphäre. Nur um mir noch mehr, noch bessere Reklame anzeigen zu können? Brauche ich noch mehr Reklame?

Warum packen Google, Apple & Co. nicht die echten, praktischen Probleme des Lebens an und erfinden etwas, dass das Bad putzt, den Kühlschrank abtaut, den Ofen reinigt, den Müll sortiert und raus bringt, morgens frische Brötchen backt und den Kaffee im richtigen Verhältnis mit der Milch mischt? Stattdessen baut Google Thermostate! Ich hatte noch nie ein Problem damit, die Heizung zu regeln. Die meiste Zeit des Jahres ist die Heizung sowieso aus – selbst in einem Sommer wie diesem.

Ich hätte gerne einen Roboter, der den Haushalt erledigt. Dafür sind mir aber nicht einmal Ansätze bekannt. Diese kleinen, runden Staubsauger-Roboter kann ich nicht ernst nehmen. Ich sehe nicht, wie die irgendwann mal meinen Abwasch machen. Der hat keine Arme und an das Waschbecken kommt der sicher auch nicht. Vielleicht kann der irgendwann mal fliegen -wie diese Quadrocopter. Allerdings müsste der dann erst saugen. Sonst pustet der beim Fliegen den ganzen Staub durch die Wohnung.

Und dann kam jetzt raus, dass auch diese Staubsauger-Roboter von dem Hersteller vor allem dazu genutzt werden sollen, meine Wohnung zu vermessen und diese Daten zu verkaufen. Vermutlich, damit Google mir keine Vorschläge mehr für den Kauf von Büchern oder CDs macht. Damit ist meine Wohnung schon jetzt voll. Andererseits ist das bisher die Kernlogik digitaler Reklame: „Leute, die schon viele Bücher haben, kauften auch: Noch mehr Bücher.“ Ach!

Dieser Artikel ist auch als Kolumne bei shz.de erschienen.

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  1. Ist gesprochene Sprache gut bedienbar?

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