Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Wordpress : Software verändert sich. Sprache auch.

Abbiegepfeil
Foto: Phil Whitehouse - CC BY 2.0

Steffen Voß

WordPress soll gender-gerecht werden! Die Aufregung war groß, vor allem als im letzten Jahr WordPress-Guru Vladimir Simović aka Perun erklärte „Warum es wichtig ist, dass WordPress frei von Ideologien bleibt“. Nun ist es aber so: Software verändert sich. Sprache auch.

Open-Source Projekte starten oft als Hobby einer einzelnen Person, die ihre Arbeit der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. Viele Projekte ignoriert die Öffentlichkeit. Einige schlagen ein und werden groß. So wie das Blog-Redaktionsystem WordPress.

Zunächst sind dann alle froh, dass das Projekt steht und die Software läuft. Dann kommen Leute aus anderen Ländern an und wollen die Bedienoberfläche auch in ihrer Sprache haben. Jemand beginnt mit der Übersetzung.

Mit der ersten Übersetzung werden Sprach-Standards gesetzt: Wie heißen denn jetzt diese zusätzlichen Teile der Software, die man dazuladen kann, um die Funktionalität des Systems zu erweitern? Modul? Erweiterung? Oder behält man einfach das Englische Wort? Extension? Plugin? Addon?

Diese und andere Fragen werden bei der ersten Übersetzung entschieden und dann in der Regel nie wieder angetastet. Alle sind froh, dass es eine vollständige, deutsche Sprachversion gibt.

Die Welt dreht sich. Das Internet verändert sich. Die Community verändert sich. Wichtige Teile der Software werden von Grund auf neu geschrieben. Alte Zöpfe werden abgeschnitten, Ballast über Bord geworfen. Den Kern der Übersetzungen packt aber niemand wieder an. Was aber vor 10 Jahren ganz klar ein „Modul“ war heißt in aktuellen Projekten wie Nextcloud „App“. Alle, die neu mit Nextcloud starten, verstehen das.

Das Projekt „Stringintelligenz“ ist gestartet, die aktuellen Bezeichnungen in der deutschen Bedienoberfläche von WordPress zu hinterfragen. Anlass dafür waren die durchgehend männlichen Bezeichnungen in der deutschen Übersetzung wie „Benutzer“ oder „Administrator“.

Die Motivation war also durchaus eine gender-gerechte Sprachversion, in der sich Menschen aller Geschlechter wiederfinden. In dem Screenshot von Vladimir Perun sieht man nun lauter Gender-Sternchen: Administrator*in, Redakteur*in usw. Den Kritikern des Sternchens gibt das natürlich Gänsehaut. Tatsächlich ist es aber so, dass die Rollen-Namen die größte Herausforderung waren, wie der Entwickler des Projekts Caspar Hübinger beim „Presswerk-Podcast“ erklärt. Für die meisten anderen Begriffe hat er Formulierungen gefunden, die oft vermutlich gar nicht auffallen und sogar kürzer sind. Und in der aktuellen Version heißt „Administrator*in“ jetzt „Administration“.

„Benutzerdefinierten Felder“ werden „Eigene Felder“

Eine der Lösungen ist, dass jetzt nicht mehr die „Benutzer“ verwaltet werden, sondern deren „Profile“. Die „Benutzerdefinierten Felder“ heißen jetzt „Eigene Felder“ und in den folgenden Beschreibungen wird einfach nur noch von den „Feldern“ gesprochen.

Ich muss mich nur selten mit den Rechte-Rollen beschäftigen. Ich muss jede Mal nachschauen, welche Rolle welche Rechte hat. Im Grunde wäre es deswegen egal, wie die heißen – und wenn sie „Super-Wichtig“, „Nicht-Ganz-So-Wichtig“ und „Unwichtig“ hießen… Man kann aber auch schauen, wo diese Begriffe überhaupt verwendet werden, und ob man das Rechte-System nicht gleich intuitiver machen könnte.

In der Profil-Verwaltung zum Beispiel kann ich einstellen, welche Rolle jemand hat. Wenn in dem Dropdown stünde, was die Rechte konkret sind, wäre das für mich eine große Hilfe: „Nur Lesen“, „Schreiben“, „Schreiben + Veröffentlichen“, „Schreiben + Veröffentlichen + Administrieren“ – Das wiederum wäre nicht nur eine Übersetzung aus dem Englischen, sondern eine Verbesserung, die gerne auch im Englischen übernommen werden sollte.

Ich finde es schade, dass diese Projekt teilweise auf solch eine Ablehnung gestoßen ist. Aber das hatte der Linguist Anatol Stefanowitsch in seinem Vortrag auf dem 29c3 bereits gefragt: Warum ist es für Menschen die sich das „Hacken“ auf die Fahnen geschrieben haben, so schwer auch die Sprache so zu hacken, dass sie besser passt?

Ideologie = Ideen, die einer Logik folgen

Ja, die Vorstellung, dass Ungleichbehandlung abgeschafft gehört, ist eine Ideologie: Ihre Anhänger*innen wollen, dass Menschen aller Geschlechter-Identitäten die gleichen Rechte haben. Wer diese Idee für richtig hält, findet logisch, dass das dann auch im Sprechen gilt. Und um konkret auf Vladimir Simovićs Vorwurf zu antworten: Open-Source ist eine Ideologie von WordPress. Einen Closed-Source Blob im WordPress-Core würde niemand akzeptieren, egal wie genial seine Funktionen wären.

Nun gibt es diese alternative Sprachversion als Plugin, das man sich zusätzlich installieren kann. Es stellt ein paar wichtige Fragen an die Übersetzungs-Community von WordPress und es stellt auch ein paar Frage grundsätzlich an die Entwicklung der Bedienungsoberfläche. Sind Männer, die etwas tun tatsächlich die beste Metapher, um zu erklären, was Teile von WordPress tun? Die Community sollte dem Projekt „Stringintelligenz“ eine Chance geben, WordPress zu verbessern. Es hat doch gerade erst begonnen.

Kommentare

Vlad
Vlad:

Hallo Steffen,

sich nur auf Anatol Stefanowitsch zu berufen ist ein bisschen zu einseitig. In dem von dir verlinkten Artikel habe ich auf ein paar Gegenstimmen verlinkt und hier ein weiteres Statement eines anderen Sprachforschers:

Grammatisches Geschlecht ≠ biologisches Geschlecht:

„Das Genus in den indoeuropäischen Sprachen ist entstanden durch Zweiteilung in Bezeichnungen für Belebtes (später Maskulinum) und Unbelebtes (später Neutrum). Das Femininum kam als drittes Genus hinzu und spezialisierte sich auf Kollektiva und Abstrakta. Mit dem natürlichen Geschlecht weiblich hatte es nichts zu tun, und dabei ist es bis heute im Wesentlichen geblieben.“

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/kultur/essay-das-missbrauchte-geschlecht-1.3402438

„Ja, die Vorstellung, dass Ungleichbehandlung abgeschafft gehört, ist eine Ideologie: Ihre Anhänger*innen wollen, dass Menschen aller Geschlechter-Identitäten die gleichen Rechte haben.“

Netter rhetorischer Trick, weil jeder der anderer Meinung ist, ist dann automatisch gegen gleiche Rechte für alle.

Mit dem sog. Gender-Mainstreaming wird man imho keine Ungleichheiten abschaffen sondern nur neue schaffen. Probleme gibt es bei Lesegeräten, bei Menschen mit Leseschwächen und vor allem bei Menschen, denen deutsche Sprache nicht die Muttersprache ist. Also bei Bevölkerungsschichten, die es eh schon sehr schwer haben.

Wenn man Ungleichheiten abschaffen möchte, dann erledigt man dies mit konkreten Maßnahmen vor Ort: z.B. in dem man seinen Söhnen und Töchtern als Vorbild dient… etwas was ich tagtäglich zusammen mit meiner Frau unseren Kindern vorlebe.

„Sind Männer, die etwas tun tatsächlich die beste Metapher, um zu erklären, was Teile von WordPress tun?“

Ich weiß jetzt nicht ob das auf mich und meinen Text abzielt, aber falls ja, dieser Text ist eine gemeinsame Arbeit von meiner Frau und mir. 😉

Grüße

3.4.2017 um 21:58
Steffen Voß
Steffen Voß:

Hej, danke für die flotte Antwort!
bei der Frage nach dem grammatikalischen Geschlecht bist Du in einer anderen Diskussion. Es geht nicht darum, ob es „der Benutzer“ oder „die Benutzer“ oder „das Benutzer“ heißt. Es geht darum, dass „Benutzer“ männliche Personen bezeichnet und „Benutzerin“ weibliche.

Wenn man nur von „Benutzern“ spricht, sind nur die männlichen Personen explizit genannt. Über das Konstrukt des generischen Maskulinums sollen implizit Frauen mitgemeint sein. Der Begriff schließt sie aber explizit aus, weil es einen weiblichen gibt.

Ich finde die Lösung mit „Profil“ statt „Benutzer“ ziemlich schlau, denn genaugenommen werden ja gar nicht die Benutzerinnen und Benutzer verwaltet, sondern deren Profile.

Glaube mir: Ich bin auch kein Freund davon, diese Sache auf die Spitze zu treiben, denn soweit gebe ich Dir recht: WordPress ist nicht der Platz um in dieser Sache ein Zeichen zu setzen. Dafür leben zu viele Menschen davon, WordPress auch an Leute zu verkaufen, die mit so einem Exempel nichts anfangen können.

Ich glaube aber, dass es oft kluge Lösungen geben kann, die WordPress tatsächlich für alle besser benutzbarer machen können – und gleichzeitig müssen sich Frauen nicht mehr mitgemeint fühlen.

3.4.2017 um 22:18
Vlad
Vlad:

Hallo Steffen,

danke für deine schnelle Antwort:

„Wenn man nur von „Benutzern“ spricht, sind nur die männ­li­chen Personen ex­pli­zit ge­nannt. Über das Konstrukt des ge­ne­ri­schen Maskulinums sol­len im­pli­zit Frauen mit­ge­meint sein. Der Begriff schließt sie aber ex­pli­zit aus, weil es ei­nen weib­li­chen gibt.“

Wenn ich mir das von dir durchlese, dann weiß ich nicht ob du den Text des Sprachforschers gelesen hast. Genau dem widerspricht er, was du behauptest. Das biologische Geschlecht hat mit dem grammatischen Geschlecht nichts zu tun. Und damit ist dieser Sprachforscher nicht allein.

Denn sonst wären ja „die Männer“ (Mehrzahl) auch alle auf einmal weiblich. Die Gabel wäre dann eine Frau und der Stuhl ein Mann. Das ergibt keinen Sinn.

„Ich glau­be aber, dass es oft klu­ge Lösungen ge­ben kann, die WordPress tat­säch­li­ch für al­le bes­ser be­nutz­ba­rer ma­chen kön­nen“

Gibt es Untersuchungen, die belegen, dass Nutzer WP nicht bedienen können oder konnten, weil wo jetzt „Profil“ steht vorher „Benutzer“ stand? Gibt es evtl Untersuchungen, die belegen, dass es jetzt besser klappt? Was darf ich mir unter „kluge Lösungen“ vorstellen?

Viele Grüße

3.4.2017 um 22:46
Steffen Voß
Steffen Voß:

Sprache ist gesellschaftliche Konvention. Entsprechend ist es eine Sache, was die Linguistik darüber sagt wie grammatikalisches und natürliches Geschlecht zusammen hängen. Eine andere Sache ist, wie Menschen heutzutage sprechen.

Es gibt viele Menschen, die der Meinung sind, dass ein Bäcker keine Bäckerin ist. Und es gibt viele Menschen, die der Meinung sind, dass es Rollenbilder prägt, wenn wir von Ärzten und von Schwestern sprechen. Da kannst Du auch noch 10 Studien von Linguisten heraussuchen, die nachweisen wollen, dass diese Menschen falsch empfinden.

Ein Großteil unserer Sprachentwicklung stattgefunden hat in Gesellschaften, in denen Männer gemacht haben und Frauen Beiwerk waren. Insofern haben die Studien sogar recht. Mit dem „Bäcker“ waren auch die raren Fälle gemeint, in denen Frauen diesen Beruf ausgeübt haben. Der Maßstab war aber der Mann.

An diesem Punkt kann man sich fragen, ob sich nicht auch Sprache verändern sollte, wenn sich Gesellschaft verändert. Wenn Frauen heute gesellschaftlich voll anerkannt administrieren, schreiben, redigieren – warum sollten WordPress dann noch weiter sind sagen: „Männer administeren, schreiben, redigieren und Frauen manchmal auch.“

Vor allem, wenn es sich so einfach lösen lässt wie „Benutzerdefinierten Felder“ in „Eigene Felder“ umzubenennen.

Ich weiß nicht, wie groß der Frauenanteil in der WordPress-Community ist – wie viele Frauen am Core arbeiten, wie viele Frauen auf WordCamps sprechen. Meine Erfahrung aus anderen Open Source Projekten ist: Vermutlich nicht 50%.

Wenn wir aber der Meinung sind, dass Frauen das natürlich könnten, kann man sich ja fragen welche Faktoren dabei eine Rolle spielen. Die Sprachdateien werden am Ende sicher nicht die größte Rolle dabei spielen. Aber warum nicht?

Ich versteh dieses engagierten Widerstand nicht gegen Änderungen, die einen Bruchteil des Backends betreffen. Neulingen werden die meisten davon überhaupt nicht auffallen. Wenn WordPress „Plugins“ in „Apps“ umbenennen würde, wäre der Widerstand vermutlich ähnlich groß und ich versteh nicht, warum solche Veränderungen so bedrohlich empfunden werden.

3.4.2017 um 23:26
Anon
Anon:

Stringintelligenz macht genauso wie andere halbgare Versuche an der Sprache Rumzudoktern den Fehler, dass es die Bedeutung entstellt. Ein Benutzer ist halt was anderes als ein Benutzender und ebenso was anderes als ein Profil.

4.4.2017 um 01:48
seben
seben:

Wer sich und sein Leben unbedingt durchgendern will, soll sich das entsprechende Plugin laden und bitte die Allgemeinheit mit dem Rotz in Ruhe lassen.

4.4.2017 um 06:32
Caspar Hübinger
Caspar Hübinger:

(Hintergrund dieses Kommentars: Ich bin der Autor des besprochenen WordPress-Plugins.)

„Das Femininum kam als drit­tes Genus hin­zu und spe­zia­li­sier­te si­ch auf Kollektiva und Abstrakta. Mit dem na­tür­li­chen Geschlecht weib­li­ch hat­te es nichts zu tun, und da­bei ist es bis heu­te im Wesentlichen ge­blie­ben.“

… sagt Peter Eisenberg, ein Sprachwissenschaftler und Duden-Autor. Das ist im Wesentlichen eine sprachhistorische Aussage, und wen dieser Aspekt besonders fasziniert, wird Freude an einer Untersuchung von Ursula Doleschal im gleichen Kontext haben.[1]

Den Stand psycholinguistischer Forschung, bei der es u.a. um die Wahrnehmung von Sprache durch Individuen geht, die nicht allesamt den akademischen Bildungshorizont eines Germanisten haben, streift Eisenberg mit seinem Artikel in der Süddeutschen nicht einmal.

Stand psycholinguistischer Forschung ist es, dass das generische Maskulinum in Bezug auf menschliche Wahrnehmung eben nicht „generisch“ funktioniert, sondern die Entscheidung des „Gemeint-seins“ der wahrnehmenden Person überlässt.

Im Kontext des user experience design in der Software-Entwicklung ergibt sich daraus eine nicht ganz triviale Fragestellung, und an dieser Stelle hakt das Interesse hinter dem WordPress-Plugins ein. Es betrachtet gender-neutrale bzw. gender-sensitive Sprache als als Mittel um Zweck der Verbesserung von user experience. Idealerweise geht es darum, die latente Frage des Geschlechts aus der Sprache im user interface zu eliminieren, um Ablenkung und cognitive load zu reduzieren. Wo die Eliminierung praktisch schlecht möglich ist, soll geschlechter-gerecht formuliert werden.

Kurz: Das Plugin versteht sich als UX-Experiment. Es setzt Bemühungen, die im englischen WordPress Core begonnen haben[2][3], in den lokalisierten Kontext fort. Grundsätzlich geht es um Vereinfachung und leichteres Verständnis des user interface. Gender-bezogene sprachliche Anpassungen sind ein Teil davon.

[1]http://www.linguistik-online.de/11_02/doleschal.html
[2]https://core.trac.wordpress.org/changeset/30089
[3]https://core.trac.wordpress.org/ticket/36702

4.4.2017 um 11:10
Stefan Kremer
Stefan Kremer:

Vor (fast) 10 Jahren hiess Nextcloud noch ownCloud und »Modul« hieß dort schon immer »App«. Alle, die schon immer mit ownCloud gearbeitet haben, es immer noch tun und nicht auf die nexte Sau setzen, die gerade durch’s Dorf getrieben wird, verstehen das ;-).

Ansonsten bin ich ein großer Freund von Caspars Bemühungen die Welt ein kleines bisschen besser, weil gerechter zu machen.

4.4.2017 um 13:55
Das Fräulein E.
Das Fräulein E.:

Menschinnen und Menschen programmierten, so das Kindinnen und Kinder spielend lernen können.

Das Genus (grammatische Geschlecht) hat nur sehr selten etwas mit dem Sexus (biologisches Geschlecht) zu tun. 🙂

Die Menübezeichnung ist in WordPress user und nicht profile. Aber ich finde die Umbenneng gut und zum Bereich Profil könnte man Profil bearbeiten sagen.
Benutzerdefinierte Felder in eigene Felde umzubenennen, ist an sich auch nicht schlecht, da das Wort sehr sperrig ist. Die Originalbezeichnung Common Fields gefällt mir noch besser. Man hat ja auch Customizer wieder umbenannt. Custom Post Type wird auch immer geläufiger.
Zudem möchte ich noch betonen und auch Danke sagen, dass die Arbeit der freiwilligen Übersetzter eine großartig ist. 🙂

4.4.2017 um 15:16
Bego Mario Garde
Bego Mario Garde:

„Software ändert sich. Sprache auch“ – was für eine schöne und gelungene Einleitung für diesen Beitrag. Danke, dass hier auch mal jemand die Perspektive der Übersetzer eingenommen hat, die ständig vor der Herausforderung stehen, für englische, oft fachspezifische Texte das passende deutschsprachige Gegenstück zu finden. Den Übersetzern ist das bisher mit viel Liebe zum Detail und vielen (aus meiner Erfahrung nicht immer ganz einfachen) Diskussionen sehr gut gelungen. Vom Ergebnis profitieren wir alle.

Die Community des OpenSource-Projekts WordPress hat sich immer dafür stark gemacht, dass niemand (u.a.) wegen Herkunft, Religion oder auch Geschlecht diskriminiert wird. Der Translation Style Guide, das lange vor der Diskussion um das Plugin „Stringintelligenz“ gemeinschaftlich erarbeitete Rahmenwerk für WordPress-Übersetzer, schreibt verbindlich vor, dass alle Übersetzer eine „sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern anzustreben“. Der Style Guide weist aber auch darauf hin, dass es häufig keine „praktikablen, gleichermaßen verständlichen und stilistisch ansprechender Alternativen“ gibt. Hier hilft das Plugin „Stringintelligenz“, solche Alternativen zu finden und auf ihre Praktikabilität zu prüfen: „Passt das Wort da überhaupt hin? Welche Auswirkungen hat das? Ist das genauso verständlich? …“

Während jeder im Übersetzungs-Team, der eine Übersetzung freigibt, auch eine Entscheidung trifft, wurden nach meiner Erfahrung gewichtige Entscheidungen immer gemeinschaftlich im Team diskutiert. Das Ziel aller Übersetzer ist nach wie vor, WordPress für die Gemeinschaft aller WordPress-Nutzer und -Nutzerinnen optimal zu machen. Manchmal, das zeigt diese Diskussion, ist das schwierig. Entscheiden kann aber nur, wer auch an der Diskussion teilnimmt. Wer sich nicht beteiligt, gleichzeitig aber von undemokratischen, willkürlichen Alleingängen Einzelner fabuliert, hat – pardon – keine Ahnung, wovon er/sie spricht. Von einigen, die sehr lautstark Vorwürfe geäußert haben hätte ich mir gewünscht, dass sie Absichten erst einmal hinterfragt und dann an einer gemeinschaftlichen, konstruktiven Diskussion teilgenommen hätten.

„Wer si­ch und sein Leben un­be­dingt durch­gen­dern will, soll si­ch das ent­spre­chen­de Plugin la­den und bit­te die Allgemeinheit mit dem Rotz in Ruhe las­sen.“

Diesem Kommentar möchte ich ganz heftig widersprechen. Es geht nicht um die Durchsetzung individueller Ideologien, sondern darum, wie die Vorgaben der Community (s.o.) umgesetzt werden können. Statt eines andauernden Bashing sollten wir denen dankbar sein, die mutig sprachliche Alternativen mit dem Plugin „Stringintelligenz“ aufgezeigt haben. Wir können gerne diskutieren, ob diese Alternativen alle gut sind. Nichts zu tun und „die Allgemeinheit mit dem Rotz in Ruhe las­sen“ wäre der falsche Weg.

„Software ändert sich. Sprache auch.“ – Eben.

4.4.2017 um 16:11
Bego Mario Garde
Bego Mario Garde:

@Vlad

Gibt es Untersuchungen, die be­le­gen, dass Nutzer WP nicht be­die­nen kön­nen oder konn­ten, weil wo jetzt „Profil“ steht vor­her „Benutzer“ stand?

Rosa Louise Parks wurde laut Wikipedia „am 1. Dezember 1955 in Montgomery, Alabama verhaftet, weil sie sich weigerte, ihren Sitzplatz im Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen.“ Gab es eine Untersuchung, die belegt, dass sie mit einem Stehplatz nicht ans Ziel gekommen wäre? Konnte sie etwa nicht in dem Bus mitfahren, in dem Sitze für Weiße reserviert waren?

Rosa Louise Parks fühlte sich diskriminiert und empfand es als ungerecht, dass sie ihren Sitzplatz an einen Weißen abgeben sollte. In der WordPress-Community haben sich Frauen geäußert, die sich durch Teile der Übersetzung diskriminiert fühlen. WordPress mag für diese Frauen genauso funktionieren wie für alle anderen Nutzer, trotzdem bleibt die Übersetzung für sie diskriminierend.

4.4.2017 um 16:49
Johannes
Johannes:

Das ganze *in ist meiner Meinung nach sexistisch. Ein Lehrer ist ein Lehrer egal ob man oder Frau. Genauso kann ein Benutzer männlich oder weiblich sein. Was hier getrieben wird ist das Gegenteil von Gleichberechtigung nämlich Spaltung.
Und wer Module nicht versteht dem helfen auch keine Apps sondern der benötigt Grundbildung.
Arme deutsche Sprache.

5.4.2017 um 18:04
abbc
abbc:

Danke Johannes!

Genau das denke ich auch. Vollkommen richtig.

7.4.2017 um 08:09
Bego Mario Garde
Bego Mario Garde:

Arme deutsche Sprache? Ich freue mich, dass ich mich auf Deutsch sehr präzise ausdrücken kann. Der Titel Bürokaufmann bezeichnet zum Beispiel einen Beruf, der von einer männlichen Fachkraft ausgeführt wird; für die weibliche Fachkraft gibt es den Titel Bürokauffrau. Würde eine Software, die für Büroangestellte entwickelt wurde, nur Anweisungen enthalten, wie der Bürokaufmann das Programm nutzen kann, würden sich Anwenderinnen zu Recht diskriminiert fühlen. Dabei wäre es nicht einmal schwierig, eine Gleichbehandlung zu erreichen, z.B. durch verwendung des Begriffs „Bürokaufleute“.

Frauen werden in Deutschland benachteiligt. Das ist keine Ideologie, die irgendwelche Spinner verbreiten wollen, sondern eine mess- und feststellbare Tatsache. Die Bundesregierung hat gerade festgehalten, dass Frauen überall in Europa weniger verdienen als Männer. In Deutschland liegt der Unterschied bei 21%. (Quelle: BMFSFJ) Wen wundert es da, dass Frauen sensibel darauf achten, ob sie angesprochen oder nur „mitgemeint“ sind? Mehr Sensibilität für eine Gleichbehandlung einzufordern, hat nichts mit Ideologie zu tun.

Bei der ganzen Diskussion geht es nicht um Inhalte von Blogbeiträgen und -Seiten. Es geht darum wie die Übersetzungen der Menüs im WordPress-Backend möglichst gerecht (und damit geschlechtsneutral) sein kann. Das Plugin „Stringintelligenz“ sollte denen, die sich an der Übersetzung beteiligen, zeigen, wie sich Übersetzungs-Varianten auswirken. Dabei ist schon sehr früh herausgekommen, dass die Verwendung eines Trenn-Zeichens (z.B. in Benutzer*innen) nicht barrierefrei wäre, weil Screenreader das Sternchen mit vorlesen und damit den Begriff unlesbar machen. Wer sich immer noch darüber auskotzt, dass „das gan­ze *in […s]ei­ner Meinung nach se­xis­ti­sch“ sei, hat wahrscheinlich die Diskussionen nur zum Teil verfolgt, meint aber, jetzt mitreden zu müssen.

WordPress ist Open Source. Wer etwas bewirken möchte, kann sich aktiv beteiligen und an der Übersetzung teilnehmen. Das ist allerdings Arbeit und setzt ein Grundverständnis der deutschen Sprache voraus. Von denen, die das Plugin „Stringintelligenz“ als „Ideologie“ bezeichnen und sich rege (und am liebsten anonym) an der Diskussion beteiligen, hat sich bisher nach meinem Wissen nur ein einziger Anwender für einen sehr überschaubaren Zeitraum an der Übersetzung einiger weniger Zeichenketten beteiligt.

7.4.2017 um 11:32
Drop
Drop:

Es sind immerwieder dieselben wenigen Personen, die hier das Stringintelligenz-Plugin promoten und die Übersetzungen des Plugins am liebsten direkt im WordPress-Core hätten. Gegen die Verwendung eines Plugins hat eigentlich niemand etwas. Gewehrt wird sich nur gegen die diktatorische Art, wie die Genderungen den Nutzern aufs Auge gedrückt werden sollen. Nämlich „hintenrum“ und/oder mit Zwang. Und gerne auch durch das Löschen negativer Bewertungen. Gell Herr Hübinger?

Ließe man den Menschen die Freie Wahl würde man recht schnell feststellen, dass WordPress-Nutzer andere, eher technische Sorgen haben. Man betrachte dazu einfach mal die Download-Statistiken der populärsten Plugins mit den Statistiken des Stringintelligenz-Plugins.

Man würde auch erkennen, dass die Überschrift dieses Artikels („Software verändert sich. Sprache auch.“) eine recht einseitige Darstellung ist. Zusammen mit dem Artikelinhalt wird ja geradezu so getan als wolle man die Sprache in der deutschen WordPress-Gui lediglich dem gängigen aktuellen Sprachgebrauch anpassen. Das Gegenteil ist aber der Fall. Man will hier, so meine Interpretation, die Menschen erziehen und ihnen eine Sprache aufdrängen, die sie so nicht verwenden und/oder verstehen. Anbei ein Auszug aus dem Wikipediaartikel zu „Ideologie“. Der zitierte Part trifft meiner Meinung nach auf die Promoter der Sprachgenderung in WordPress vollauf zu, Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ideologie :

Ideologie: Kritischer Rationalismus

In seinem Werk Die offene Gesellschaft und ihre Feinde kritisiert Karl R. Popper den totalitären Charakter bestimmter Ideologien, insbesondere des Nationalsozialismus und des Stalinismus.

Totalitäre politische Ideologien mit umfassendem Wahrheitsanspruch weisen oftmals Elemente von Mythenbildung, Geschichtsklitterung, Wahrheitsverleugnung und Diskriminierung konkurrierender Vorstellungen auf. Nach den Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus und dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus ist die Skepsis gegenüber umfassenden und mit Heilsversprechungen durchsetzten Theoriengebäuden gewachsen, insbesondere wenn sie mit Handlungsaufforderungen oder mit der Unterdrückung abweichender Ideen verbunden sind. Ideologiekritik im Sinne von Karl Popper umfasst dabei insbesondere die Analyse folgender Punkte:

– Dogmatisches Behaupten absoluter Wahrheiten
– Tendenz zur Immunisierung gegen Kritik
– Vorhandensein von Verschwörungstheorien
– utopische Harmonieideale
– die Behauptung von Werturteilen als Tatsachen.

Ich bin ganz klar für das korrekte Übersetzen aus dem englischen Original. Dort wo auf Personen/Personengruppen und deren Ableitungen (z.B. Berufsbezeichnungen) Bezug genommen wird, sollte man (wo es technisch möglich ist, zB. Im Fließtext von Tutorials und Anleitungen) pragmatische und passende Übersetzungen wählen. Idealerweise – wo möglich – durch erwähnen „beider“ Geschlechter („Programmierer oder Programmiererin“). Absolut dagegen bin ich beim Versuch, alle Wörter, die auf „er“ enden zu gendern, weil diese Wortendung zu „männlich“ klingt. So wurde in einer Version des Plugins für den Begriff „Webhoster“ vorgeschlagen, das Wort nach „Webhosting“ zu gendern. Absurd.

7.4.2017 um 19:45
Bego Mario Garde
Bego Mario Garde:

Gewehrt wird si­ch nur ge­gen die dik­ta­to­ri­sche Art, wie die Genderungen den Nutzern aufs Auge ge­drückt wer­den sol­len. Nämlich „hin­ten­rum“ und/oder mit Zwang.

Wer ist diktatorisch? Übersetzer, die sich letztendlich für eine Version entscheiden müssen und das bei gravierenderen Änderungen per Slack im Übersetzungs-Team abstimmen?
Was soll „hin­ten­rum“ und/oder mit Zwang … aufs Auge gedrückt werden? In der Keynote eines WordCamps das Thema vorzustellen und sich anschließend Diskussionen zu stellen ist genau das Gegenteil von „hintenrum“. Es wird auch niemand zu irgendwas gezwungen – oder musstest du das Plugin „Stringintelligenz“ installieren? Und was wurde dir „aufs Auge gedrückt“? Die kostenlose Software WordPress, die du nach Belieben benutzen und nach deinen eigenen Wünschen anpassen kannst? Oder die kostenlos mitgelieferte deutschsprachige Übersetzung, die du auch nach Belieben austauschen kannst?
Caspar hat auch keine negativen Bewertungen gelöscht, auch wenn der Kommentar das suggeriert.

Ließe man den Menschen die Freie Wahl wür­de man recht schnell fest­stel­len, dass WordPress-Nutzer an­de­re, eher tech­ni­sche Sorgen ha­ben.

Stimmt. Deshalb wird auch aktiv an Lösungen gearbeitet. Das Ergebnis mag nicht jeden zufriedenstellen, aber interessanterweise melden sich vor allem die lautstark in Blog-Kommentaren zu Wort, die sich ansonsten in keiner Form an der Weiterentwicklung beteiligen. Mit welcher Erwartungshaltung beklagen eigentlich Nutzer Fehler in Open Source-Anwendungen und drohen damit, künftig eine andere Software zu nutzen? Sollen Entwickler, die ihr Plugin oder Theme kostenlos anbieten, in Ehrfurcht erstarren? Ganz abgesehen davon – was hat das mit der Übersetzung zu tun? Soll die Übersetzung ab sofort eingestellt werden, weil andere Dinge auch wichtig sind?

Man be­trach­te da­zu ein­fach mal die Download-Statistiken der po­pu­lärs­ten Plugins mit den Statistiken des Stringintelligenz-Plugins.

Du verstehst offensichtlich den Sinn des Plugins „Stringintelligenz“ nicht. Das Plugin sollte lediglich aktiven Übersetzern Sprach-Alternativen demonstrieren. Download-Statistiken spielen hier überhaupt keine Rolle. Lies dir doch bitte nochmal den Beitrag des Übersetzer-Teams zu diesem Plugin durch.

Zusammen mit dem Artikelinhalt wird ja ge­ra­de­zu so ge­tan als wol­le man die Sprache in der deut­schen WordPress-Gui le­dig­li­ch dem gän­gi­gen ak­tu­el­len Sprachgebrauch an­pas­sen.

Genau darum geht es. Fast hättest du es verstanden.

7.4.2017 um 20:49
Caspar Hübinger
Caspar Hübinger:

@Drop Richtigstellung: Ich habe keine technische Berechtigungen, Reviews zu löschen. Ich habe im Einzelfall Forenmoderatoren gebeten, einen Review zu überprüfen. Aber sicher, ansonsten bin ich das Böse und hege die Absicht, Ihnen WordPress so kaputt wie möglich zu machen. Freut mich, dass wir das klären konnten. Und nun hoffentlich zurück zu Kommentaren, die sich mit dem Artikel weiter oben auseinander setzen.

7.4.2017 um 22:12
Drop
Drop:

@Hübinger Wie Sie das verklausulieren, ist mir relativ egal. Im Ergebnis haben Sie direkt oder indirekt dafür gesorgt, das eine ein-Sterne-Bewertung entfernt wurde. Diese Bewertung kritisierte in sachlichem Tonfall die beabsichtigte, ideologisch gefärbte Zielsetzung Ihres Plugins (das Plugin als Vorbereitung für die Übernahme in den Core) und mindestens eine konkrete Übersetzung darin. Es gibt Bewertungen zu Ihrem Plugin, die „inhaltsleerer“ bzw. „nichtssagender“ sind als jene eine, auf die ich mich gedanklich beziehe. Da es sich aber um 5-Sterne-Bewertung handelt, sind diese nach wie vor online. Wenn Sie also einräumen, dass sie „im Einzelfall“ um Überprüfung der Reviews gebeten haben, muss ich feststellen, dass sie dabei sehr selektiv vorgehen und dadurch die Aussagekraft der Bewertungen zu Ihren Gunsten verfälschen. An kritische oder negative Bewertungen legen Sie offensichtlich andere Maßstäbe an, als an positive.

Auf den Rest der Antwort von Herrn Hübinger gehe ich nicht ein, weil er dort lediglich einen Strohmann aufbaut. Wer sich meinen ersten Kommentar durchliest, wird erkennen, dass ich mich nicht gegen sinnvolle Übersetzungen stelle. Vielmehr habe ich – ähnlich wie Herr Simovic – ein Problem damit, wie WordPress von Ideologen instrumentalisiert und wie die Partikularinteressen einer Handvoll von Leuten gegen den Willen einer Mehrheit durchgedrückt werden soll.

8.4.2017 um 01:09
Steffen Voß
Steffen Voß:

Man wür­de auch er­ken­nen, dass die Überschrift die­ses Artikels („Software ver­än­dert si­ch. Sprache auch.“) ei­ne recht ein­sei­ti­ge Darstellung ist. Zusammen mit dem Artikelinhalt wird ja ge­ra­de­zu so ge­tan als wol­le man die Sprache in der deut­schen WordPress-Gui le­dig­li­ch dem gän­gi­gen ak­tu­el­len Sprachgebrauch an­pas­sen.

Wer Software entwickelt, passt sie nicht nur dem aktuellen Stand der Technik an. Das machen Administrator.innen. Die verwalten. Entwickeln heißt vorwärts gehen. In diesem Fall ist das offenbar zu schnell für einige Menschen.

8.4.2017 um 08:39
Drop
Drop:

Herr Voss, Entwickeln heisst sehr häufig auch „bewahren“, „Augenmaß“ und sehr genaue „Bedarfsermittlung“ beim Kunden/User. Und dass man auf die Nase fallen und eine Menge Geld und Arbeit „verbrennen“ kann, wenn man sich gegen die Community stellt, zeigt nun aktuell Canonicals Entscheidung, mit dem Desktop von Unity zu Gnome 3 zu zurückzuwechseln. Und aus eigener Erfahrung weiß ich, das das eine oder andere IT-Projekt an der Hybris avangardistischer Programmierer scheiterte, die nicht den Kunden/Nutzer im Sinn hatten, sondern stets nur den „neuesten technischen Schrei“ implementieren wollten.

Einem Nutzervotum will sich das WordPress-Übersetzerteam nun gerade nicht stellen. Das haben sie an mehreren Stellen ausdrücklich gesagt. Und auch hier in diesem Blog versucht man, den „normalen“ Nutzern ein Mitspracherecht abzusprechen, indem man verlangt, dass nur jene sich zu dem Thema äußern sollen, die selbst am Übersetzungs- bzw Entwicklungsprozess dabei sind. Eine ziemlich willkürliche und nachträglich eingeführte Regelsetzung, finden Sie nicht auch?

Ich bin überzeugt, dass bei einem einem öffentlichen Votum sehr klar werden würde, dass es nicht nur „einige“ Menschen sind, denen die beabsichtige Sprachveränderungen „offenbar zu schnell“ kommen.

8.4.2017 um 12:41
Bego Mario Garde
Bego Mario Garde:

Einem Nutzervotum will si­ch das WordPress-Übersetzerteam nun ge­ra­de nicht stel­len. Das ha­ben sie an meh­re­ren Stellen aus­drück­li­ch ge­sagt.

Wer hat das wo gesagt? Wenn das „an mehreren Stellen ausdrücklich gesagt“ wurde, sollte sich das belegen lassen.

Und auch hier in die­sem Blog ver­sucht man, den „nor­ma­len“ Nutzern ein Mitspracherecht ab­zu­spre­chen, in­dem man ver­langt, dass nur je­ne si­ch zu dem Thema äu­ßern sol­len, die selbst am Übersetzungs- bzw Entwicklungsprozess da­bei sind.

Unfug. Alle können bei der Übersetzung mitwirken. Alles sind herzlich eingeladen, sich mit konstruktiven Vorschlägen zu beteiligen. Letztendlich müssen aber die Team-Leads des Übersetzer-Teams für den WordPress Core Übersetzungen freigeben. Die Grundlage hierfür habe ich im bereits zitierten Blogbeitrag beschrieben:

… wir alle sind jetzt aufgerufen, als deutschsprachige Community diesen Vorschlag zu testen und wo nötig zu verfeinern und abzurunden. Erst wenn wir zu einem für die Community verträglichen Ergebnis gekommen sind, das für den kleinen Blog genauso gut funktioniert wie für große aus dem Enterprise-Bereich, wird der Vorschlag von den Team-Leads der deutschsprachigen Übersetzer abschließend geprüft und in die Übersetzung übernommen.

Das ist keine willkürliche und auch keine nachträglich eingeführte Regelsetzung.

Ich bin über­zeugt, dass bei ei­nem ei­nem öf­fent­li­chen Votum sehr klar wer­den wür­de, dass es nicht nur „ei­ni­ge“ Menschen sind, de­nen die be­ab­sich­ti­ge Sprachveränderungen „of­fen­bar zu schnell“ kom­men.

Das mag so sein. Ebenso gibt es viele, die sich dafür aussprechen, endlich die Sprachanpassungen vorzunehmen, die bereits auf dem Contributor Day des WordCamp Hamburg 2014 vereinbart wurden. Vorschläge für eine genderneutrale Übersetzung als Ideologie abzutun, führt nicht zu einem konstruktiven Dialog.

8.4.2017 um 15:42
Drop
Drop:

Wer sich über den letzten Stand in dieser Diskussion informieren möchte, möge sich den Beitrag von Vladimir Simovic durchlesen. (https://www.perun.net/2016/10/21/warum-es-wichtig-ist-dass-wordpress-frei-von-ideologien-bleibt/). Es lohnt sich auch, die 220 Kommentare unterhalb seines Blogposts zu lesen.

Eine zweite Quelle, die die Haltung Haltung des Übersetzungsteams und der Pluginbefürworter spiegelt, ist das Forum zum Stringintelligenz-Plugin auf WordPress. Ich verlinke mal auf dieses Forum und zwar gleich einen Beitrag, in welchem Torsten Landsiedel (meines Wissens einer der Übersetzer) seine ablehnende Haltung für eine Communitybefragung begründet. (https://wordpress.org/support/topic/extrem-einseitig/page/2/#post-8345100).

Diese ablehnende Haltung zur Community-Befragung wird von Angelika Reisinger aufgegriffen:

Zitat:

Reisinger: Weil die Meinung der Community nicht zählt:

Landsiedel: Und jede Abstimmung/Befragung der Community wird daran kranken, dass wir nur die zählen, die es mitbekommen. Jede Seite würde berechtigterweise das Ergebnis als nicht repräsentativ kritisieren können.

Reisinger: Wenn stattdessen 6 Leute GTEs das entscheiden, ist das natürlich reräsentativ. Mit genügend Anstrengung, kann man – über einen längeren Zeitraum – sehr wohl alle erreichen, denen das Thema wichtig ist. Die werden sich auch zu Wort melden und abstimmgen. Wer die Chance versäumt, braucht nachher echt nicht zu meckern.
Zitat ende:

In beiden Quellen sind die Beiträge von Angelika Reisinger in Gänze lesenwert und spiegeln mMn die Haltung der meisten Kritiker eloquent wider. Es ist mir ziemlich unverständlich, warum Herr Garde (als einer der Übersetzer-Team) hier fragt, wer sich gegen ein Nutzer-Votum gesperrt haben soll, denn ich gehe sehr stark davon aus, das er die Debatte mitverfolgt hat. Ich finde das ziemlich unehrlich und verlogen. Ich lasse mich aber gerne eines besseren belehren. Herr Garde könnte hier einfach sagen, dass er einer Abstimmung über die Übernahme der Plugin-Übersetzungen in den Core zustimmen würde. Dann würde ich leichten Herzens meine Behauptung als „veraltet“ zurücknehmen.

8.4.2017 um 21:55
Bego Mario Garde
Bego Mario Garde:

@Drop
In Ihrem Kommentar stecken schon wieder so viele Fehler. Ist das Absicht?
Weder Torsten Landsiedel noch ich sind zzt. General Translation Editor. Wir tragen also beide nicht direkt zu Entscheidungen bei.
Ich hätte auch nie alleine und ohne Abstimmung mit anderen Team-Mitgliedern die Übersetzungsvorschläge aus dem Plugin Stringintelligenz übernommen. Das habe ich hier schon ausgiebig erläutert, Links inklusive. Was war daran schwer zu verstehen?
In der zitierten Diskussion über ein „Votum“ für oder gegen eine genderneutrale Übersetzung erläutert Torsten, weshalb ein Votum Probleme bereiten könnte. Daraus abzuleiten, dass einige wenige die Tyrannei ausrufen, ist schon arglistig.
Übrigens: ist Ihnen bekannt, dass das OpenSource-Projekt WordPress nie demokratisch, sondern als Meritokratie geführt wird?
Ich bin in der Diskussion um „Stringintelligenz“ so häufig angegriffen, beleidigt und verleumdet worden und habe den Eindruck, dass meine Beiträge dazu (z.B. auch hier) bewusst ignoriert werden, weil sie nicht zur mühsam konstruierten Verschwörungstheorie passen. Trollen Sie ruhig anonym weiter, meine Meinung habe ich auch in diesem Thread ausführlich dargestellt und mit den notwendigen Informationen ergänzt. Ignorieren Sie das ruhig weiter und spinnen Sie weiter an ihrer Opferrolle. Die Community ist längst weiter (siehe WordCamp Turin vom 8.4.).

9.4.2017 um 13:04

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