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Stattauto: Ich kann jeden Tag mit einem anderen Auto fahren

Mit dem Wagen von Stattauto am Leuchturm Bülk
Mit dem Wagen von Stattauto am Leuchturm Bülk

„Bei dem hört man ja gar nichts,“ sag­te die Frau an der Norwegen-Fähre, die uns auf die rich­ti­ge Spur ein­wies. Für den Urlaub in Skandinavien hat­ten wir uns bei Stattauto ei­nen Toyota Yaris Hybrid ge­lie­hen, der nun ein­mal teil­wei­se mit Strom fährt und dann macht der kei­ne Geräusche. Mittlerweile bin ich seit fast zwei Jahren bei Stattauto und von der 2,53€-Fahrt bis zum 12-tägigen Urlaub ha­be ich al­les aus­pro­biert. Zeit für ein klei­nes Fazit.

In den letz­ten Jahren hat­te ich mir im­mer mal wie­der pri­vat ein Auto aus­ge­lie­hen. Manchmal ist es schlicht prak­ti­scher, wenn man nicht auf Bus und Bahn an­ge­wie­sen ist und mit dem Fahrrad komm ich auch nicht über­all hin.

Wenn ich aber über­le­ge, dass ich dau­er­haft nach ei­nem Parkplatz für so ein Gefährt su­chen müss­te, dann wür­de mi­ch das ziem­li­ch ner­ven. Für die paar Tage ha­be ich das dann im­mer so ge­macht, dass ich ein­mal ei­nen Bogen durch mei­ne Straße ge­fah­ren bin. Wenn da kein Parkplatz war, bin ich ein­fach zum Wissenschaftspark ge­fah­ren, weil dort im­mer ei­ner ist. Das ist 5 Minuten zu Fuß. Mal geht das. Dauerhaft wür­de mi­ch das ner­ven.

Wie funktioniert Stattauto?

Stattauto ist ei­ne Genossenschaft, die an ei­ni­gen Plätzen in der Stadt Leihwagen ste­hen hat. Bei mir im Umkreis von ei­nem Kilometer steht gut ein Dutzend Autos in ver­schie­de­nen Größen. Über das Internet kann ich die Autos stun­den­wei­se bu­chen. Der Schüssel ist ent­we­der in ei­nem Tresor am Parkplatz oder im Handschuhfach zu fin­den. Jedes Auto muss wie­der auf dem Parkplatz ab­ge­stellt wer­den, von dem man es holt.

Wer ein Auto bu­chen will, muss bei Stattauto ent­we­der Kunde oder Mitglied wer­den. In bei­den Fällen muss man 750 Euro bei Stattauto hin­ter­le­gen. Mitglieder sind dann stimm­be­rech­tig­te Miteigentümer der Genossenschaft. Man be­zahlt dann 8,- Euro Grundgebühr im Monat. Wenn man si­ch ein Auto leiht, muss man das vor­her per mo­bi­ler Webseite bu­chen. Die Kosten set­zen si­ch aus ei­ner Zeitmiete und ei­nem Kilometerpreis zu­sam­men. Pro Stunde be­zahlt man zwi­schen 2 und 5,50 Euro – je nach Größe des Autos. Pro Kilometer sind das 12 Cent für Elektroautos bis zu 39 Cent für die Transporter oder Kleinbusse. Der Treibstoff ist in die­sem Preis schon ent­hal­ten.

Kostenvergleich

Natürlich sind im di­rek­ten Vergleich Fahrten mit dem ei­ge­nen Auto bil­li­ger – oft auch Tickets für den öf­fent­li­chen Verkehr. Sobald man aber nicht mehr al­lei­ne fährt, ist das Stattauto un­ge­fähr so teu­er wie Bahnfahren. Quarks & Co. hat ein­mal aus­ge­rech­net, was man ei­gent­li­ch spart, wenn man kein Auto hat und trotz­dem nicht auf Mobilität ver­zich­tet – über die Jahre kommt da ei­ne statt­li­che Summe zu­sam­men.

Das erweiterte Angebot

Das Angebot von Stattauto gilt nicht nur für Kiel – zum ei­nen ge­hö­ren Stattauto Kiel und Lübeck zu­sam­men, zum an­de­ren gibt es ei­ne Kooperation mit über 300 Carsharing-Anbietern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Über das Kieler Buchungssystem kann ich auch dort Autos bu­chen. Das ha­be ich al­ler­dings no­ch nicht ge­macht.

Seit ich bei Stattauto bin, wur­de das Angebot lau­fend wei­ter­ent­wi­ckelt und mo­der­ni­siert – so muss man in­zwi­schen kei­ne Fahrtenzettel mehr aus­stel­len. Ab April/Mai die­sen Jahres will Stattauto in Kiel ein Experiment mit ei­nem Dutzend nicht sta­ti­ons­ge­bun­de­ner Fahrzeuge vom Typ VW Up star­ten – so ähn­li­ch wie bei Car2Go. Die Fahrzeuge kön­nen spon­tan ge­nutzt wer­den, und man muss kein Buchungsende an­ge­ge­ben. An den Einzelheiten ar­bei­tet Stattauto zur­zeit no­ch.

In der Praxis

Für die meis­ten Fahrten rei­chen die klei­nen Citroen C1 oder VW Up. Nun bin ich nicht so ganz klein und vor al­lem aus dem C1 kann man beim Rangieren hin­ten prak­ti­sch nicht aus dem Fenster gu­cken. Ich fin­de die des­we­gen eher un­an­ge­nehm und bu­che in der Regel et­was grö­ßer. Der Toyota Yaris Hybrid ist ein tol­les, spar­sa­mes Auto mit Automatikgetriebe, in dem auch ich ge­nü­gend Platz ha­be – lei­der steht der re­la­tiv weit ent­fernt im Grasweg. Immer prak­ti­sch sind die Opel Combo. Die sind zwar karg aus­ge­stat­tet – man kann froh sein, dass man nicht auch no­ch selbst sin­gen muss – aber die bie­ten gut Platz. Damit kann man auch mal ei­nen klei­nen Transport ma­chen. Für lan­ge Strecken ist der Renault Megane su­per – das ist ne rich­ti­ge Familienkutsche mit al­lem Zip und Zap. Die Kleinbusse und Transport ha­be ich no­ch nicht ge­nutzt – aber al­lein die Möglichkeit mal mit 9 Leuten ir­gend­wo hin­fah­ren zu kön­nen, fin­de ich su­per.

Einmal hat­te ich bis­her ei­ne Panne mit ei­nem Wagen. Auf der Standspur ei­ner Autobahn zu ste­hen war ziem­li­ch un­an­ge­nehm und die Telefoniererei mit meh­re­ren Hotlines war ziem­li­ch ner­vig. Die Leute von der Stattauto-Hotline aber wa­ren sehr hilfs­be­reit und am Ende kam der Abschlepper und ich konn­te mit ei­nem an­de­ren Stattauto wei­ter­fah­ren.

Ein we­nig dar­an ge­wöh­nen muss ich mi­ch no­ch, dass ich im­mer no­ch ein­mal al­les durch­schaue, wenn ich das Auto ab­stel­le. Ansonsten war ich schon mehr­fach in der Stattauto-Zentrale, um ver­ges­se­ne Gegenstände ab­zu­ho­len. Das ist na­tür­li­ch beim ei­ge­nen Auto prak­ti­scher. Das kann man nach Herzenslust voll­müllen.

Fazit

Ich kann mit dem Auto fah­ren, wenn an­de­re Verkehrsmittel nicht pas­sen. Ich spa­re mir aber den gan­zen Ballast ei­nes ei­ge­nen Autos. Keine Steuer, kei­ne Versicherung, kei­ne Parkplatzsuche, kei­ne Reifenwechsel, kei­ne Inspektionen, kei­ne Reparaturen – in der Regel muss ich nicht ein­mal tan­ken. Ich kann Stattauto nur emp­feh­len.

Kommentare

Christian Reimer

In Flensburg gibt es ein et­was an­de­res Konzept, das aber auch zu funk­tio­nie­ren scheint.
http://www.shz.de/lokales/flensburger-tageblatt/macht-es-wie-die-flensburger-id13194391.html

Steffen Voß

Cambio hat vor al­lem kei­ne so ho­he Einlage zu Anfang. Dafür ist der Monatspreis ein we­nig hö­her.

Geschäftspartner ma­chen es Carsharing leich­ter Fuß zu fas­sen. In Kiel brau­chen die an neu­en Stationen mög­lichst auch die Garantie, dass je­mand die Wagen häu­fi­ger nutzt.

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