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re:publica14 Rückblick Teil I: Der Snowden Report

Kunst auf der re:publica14
Nicht Meckern. Besser Machen | Kunst auf der re:publica14

Letzte Woche fand wie­der das „Wacken der Netzgemeinde“ statt: 6000 Menschen aus Deutschland und al­ler Herren Länder ver­sam­mel­ten sich im ehe­ma­li­gen Postbahnhof am Berliner Gleisdreieck, um sich über das Internet und seine Folgen zu un­ter­hal­ten. Im Jahr 1 nach den Enthüllungen von Edward Snowden war die re:publica po­li­ti­scher denn je zu­vor.

Man hätte er­war­ten kön­nen, dass die Totalüberwachung ir­gend­wie do­mi­nie­ren­der the­ma­ti­siert würde auf ei­ner Konferenz, auf der schon in frü­he­ren Jahren im­mer wie­der vor die­sen Überwachungsszenarien ge­warnt wurde. Es war eher sub­til. Kaum ein Vortrag aber kam ohne ei­nen Verweis auf den NSA-Whistleblower aus. Einfache Lösungen hatte da­bei nie­mand. Es gab aber in­ter­es­sante Analysen und zwei Ansätze zeich­nen sich ab: Zum ei­nen muss Technik si­che­rer wer­den und si­che­rer Technik muss ein­fa­cher be­dien­bar sein. Und zum an­de­ren wird sich Politik nur än­dern, wenn wir uns selbst darum küm­mern.

Ich habe Euch mal ein paar se­hens­werte Vorträge zu die­sen Themen raus­ge­sucht. Eine un­voll­stän­dige Liste:

Überwachtes Netz

Markus Beckedahl mit sei­nem Eröffnungsbeitrag für die Unternkonferenz „Überwachtes Netz“ ist ein gu­ter Einstieg:

Only a Monster has Five Eyes

„Five Eyes“ ist die Geheimdienst-Allianz von USA, Vereinigtem Königreich, Australien, Neuseeland und Kanada, die laut der Informationen, die Snowden ans Licht ge­bracht hat, die Welt ge­mein­sam über­wacht. Eric King führt in die Geschichte die­ser Zusammenarbeit ein:

Civil Society Information Defense

Der ös­ter­rei­chi­sche Journalist Erich Moechel er­klärt, wie die NSA seit Jahrzehnten tech­ni­sche Standards sa­bo­tiert, um wei­ter­hin auf be­lie­bige Daten zu­grei­fen zu kön­nen. Dass die glei­chen Schwachstellen von al­len Angreifern auch ge­nutzt wer­den kön­nen, ist ih­nen of­fen­bar egal.

„Überwachung macht impotent“

Eigentlich wollte Friedemann Karig über neue Narrative im Kampf ge­gen die Totalüberwachung prä­sen­tie­ren. Leider hat er ei­nen sehr lan­gen Analyseteil und erst ab Minute 49 geht es um neue Narrative.

Geheimdienste vs. Demokratie

Markus Löning von der Stiftung Neue Verwantwortung dis­ku­tierte mit Katja Gloger vom Stern, und Christian Flisek (SPD), Mitglied des NSA-Untersuchungsausschusses über die po­li­ti­schen Schlüsse aus dem Überwachungsskandal.

Rede zur Lage der Nation

Sascha Lobos ob­li­ga­to­ri­scher Rant zur re:publica. Ein un­ter­halt­sa­mes Themen-Sammelsurium – aber un­ge­wohnt ernst. Noch vor ein paar Jahren hat Sascha Lobo in sei­ner re:publica-Rede über Shitstorms ge­spro­chen. Meiner Meinung nach ist er über die Jahre po­li­ti­scher ge­wor­den. In die­sem Jahr hat er so­gar dazu auf­ge­ru­fen, den „Marsch durch die Institutionen“ an­zu­ge­hen.

Welches war der Vortrag auf der re:publica14 zum Thema Überwachung, der Dir am Besten ge­fal­len hat?

Kommentare

Thilo P

Ich habe von den obi­gen Vorträgen nur den von Sascha Lobo ge­se­hen. Mir gehts so, dass ich eher denke das viele das Ausmaß von NSA vor­her er­ahnt ha­ben. Bereits in den 80er Jahren konnte ich in den Mailboxen ein Skript her­un­ter­la­den, dass in Emails au­to­ma­ti­sch Wörter wie „bom­bing, …“ ein­fügte um das FBI beim au­to­ma­ti­sier­ten Lesen be­schäf­tigt. Und ich denke seit spä­tes­tens ca. 2000, dass so­wieso jede mei­ner un­ver­schlüs­sel­ten Mails au­to­ma­ti­siert ge­le­sen wer­den. Das Behörden auch Surfverhalten über­wa­chen, sollte je­dem auch durch die ganze VDS (Vorratsdatenspeicherung)-Sache be­kannt sein. Mich nervt es da­her auch et­was, wenn der Eindruck ver­mit­telt wird, das al­leine das Ausmaß und die Technik im NSA-„Skandal“ jetzt eine neue Dimension wä­ren. Da be­kla­gen die glei­chen Politiker Totalüberwachung, die für die VDS ge­stimmt ha­ben. Einen Meinungswechsel würde ich be­grü­ßen. Allerdings schei­nen ei­nige da lie­ber ans Überwachungswettrüsten zu den­ken. Für mich da­her nicht erst seit Snowden al­les an­ders. Mir macht die NSA auch we­ni­ger Angst als die hei­mi­sche Überwachung. Letztlich lebe ich in Deutschland und was das FBI über mich denkt ist für mich eher se­kun­där – auch bin ich für die si­cher auch we­ni­ger in­ter­es­sant, so­lange ich keine Bedrohung dar­stelle. Bedrohlicher ist die ganz all­täg­li­che Überwachung, die auch nicht erst seit VDS (Stichwort: Großer Lauschangriff) statt­fin­det. Und die vie­len klei­nen Informationen die ge­sam­melt und teils be­hörd­lich teils pri­vat ge­sam­melt, zu­sam­men­ge­fasst und ver­kauft wer­den. Facebook, Spam, NSA, Adressdatenbanken, IHK, Amazon, WhatsApp, … im Grunde ein gro­ßer Pool von Datensammlern und Händlern. Wir wis­sen da­bei oft gar nicht mehr wann, wo und ob Informationen von uns ge­sam­melt wer­den und wo sie re­le­vant wer­den. Beim Beantragen ei­nes Kredits, beim nächs­ten Anruf den wir be­kom­men, beim nächs­ten Vorstellungsgespräch, Einkauf, Demo an der wir teil­neh­men, Reise die wir ma­chen,…

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