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Freie Lizenzen: Warum ich um CC-NC einen großen Bogen mache

Geldschein, Nahaufnahme
Paper money, extreme macro / undefined

Es ge­schieht ein­mal mehr, dass das Landgericht Köln eine Entscheidung ge­trof­fen hat, die durchs Internet geht: Das Deutschlandradio, das ei­nen öffentlich-rechtlichen und kei­nen Auftrag zum Profit hat, wurde als „kom­mer­zi­ell“ ein­ge­stuft. Dabei ging es um die Frage, ob der Sender Bilder un­ter der „Non-Commercial“-Lizenz der Creative Commons nut­zen kann. Ich bin neu­lich schon ein­mal nach der NC-Lizenz ge­fragt wor­den – diese Entscheidung aber zeigt mir noch ein­mal, warum ich ei­nen gro­ßen Bogen um diese Lizenz ma­che.

Das Problem der Non-Commercial-Lizenz ist: Share-Alike (SA) kann man ob­jek­tiv rich­tig er­fül­len. Das steht dann an dem Bild in glei­cher Form, wie bei der Quelle, wel­che Lizenz gilt. Das Gleiche gilt für Attribution (BY). Da schreibt man halt den Namen dran. Früher habe ich mir dazu den HTML-Code von Flickr ko­piert – wo ich das Bild her hatte. Wenn es da rich­tig ist, muss es bei mir dann auch rich­tig sein. Inzwischen be­nutz ich das OpenAttribute Plugin für Firefox. Da ist das ko­pie­ren noch leich­ter.

Non-Commercial (NC) kann man aber nicht so ein­fach er­fül­len. Da ist man der Willkür der Urheber aus­ge­setzt, ob die nun mei­nen, ein Arbeitskreis ei­ner Partei wäre eine kom­mer­zi­elle Anwendung. Oder ein Blog mit ei­nem Banner drin, das ge­rade mal eine Vereinskasse auf­bes­sert wäre kom­mer­zi­ell. Natürlich ist „kom­mer­zi­ell“ nicht gleich­be­deu­tend mit „pro­fi­ta­bel“. Ein schlecht ge­hen­des Geschäft ist kom­mer­zi­ell und auch eine schwa­che Geschäftsidee ist kom­mer­zi­ell. Die Tatsache, dass man kein Geld da­mit ver­dient al­leine, de­fi­niert nicht „un­kom­mer­zi­ell“.

Creative Commons de­fi­niert selbst:

„Kommerziell ist eine Nutzung dann, wenn sie in ers­ter Linie auf kom­mer­zi­ell re­le­vante Vorteile oder auf eine Vergütung ab­zielt.“

Das Deutschlandradio ist mit ei­nem Jahresetat von 180 Millionen Euro (2006) si­cher ein Nutzer, der Geld hat. Das Radio-Angebot aber ist laut öf­fent­li­chem Auftrag nicht aus­ge­rich­tet auf „kom­mer­zi­ell re­le­vante Vorteile“ oder eine „Vergütung“.

Hier im Blog habe ich schon lange keine Werbung mehr. Aber es könnte in ir­gend­ei­ner Zukunft je­mand auf die Idee kom­men, dass ich mich mit dem Blog selbst ver­markte und mir des­we­gen ei­nen Brief vom Anwalt schi­cken las­sen. Was weiß ich, wie sich die Nutzung mei­nes Blog ver­än­dert – die Bilder blei­ben aber wei­ter­hin in den al­ten Artikeln.

Weil ich auf die­sen Scheiß keine Lust habe, ma­che ich in der Regel ei­nen Bogen um „Non-Commercial“-Inhalte. Eigentlich auch um „No-Derivates“ – mein CMS schnei­det die Bilder schon von al­leine zu­recht und ein biss­chen mehr Kontrast und Helligkeit scha­det vie­len freien Bildern auch nicht.

Ich nutze ei­gene Bilder oder Bilder un­ter BY oder BY-SA oder ich kauf mir Bilder zum Beispiel bei Photocase. Natürlich kann auch da ein Vogel auf die Idee kom­men, und noch wei­ter­ge­hende Kennzeichnungen sei­ner Bilder ver­lan­gen – und vom Landgericht Köln Recht be­kom­men. Das scheint aber re­la­tiv un­wahr­schein­lich zu sein.

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Kommentare

Christoph

Bin da ganz dei­ner Meinung. Es ist nicht leicht, wenn nicht gar oft ge­nug un­mög­lich, zwi­schen ei­ner wirk­lich kom­mer­zi­el­len und ei­ner ich-möchte-wenigstens-ein-paar-Unkosten-reinholen Nutzung zu un­ter­schei­den. Ich habe bei mir im Blog da­her auch schon vor län­ge­rer Zeit auf CC-BY-SA um­ge­stellt.

Viele Grüße
Christoph

AndreasP

Völlig rich­tig. ND und ND sind un­brauch­bare Lizenzen, und frei sind sie schon gar nicht.

AndreasP

NC und ND meinte ich na­tür­lich.

seba

Guter Hinweis. Nur klei­ner Bug in der Überschrift: CCNC und CCND sind eben keine freie Lizenzen, son­dern wer­den lei­der oft mit wel­chen ver­wech­selt, weil CC die Namen zu ähn­lich be­nutzt für die freien und die un­freien Lizenzen im CC Angebot. http://blog.sebaso.net/2011/11/warum-cc-nicht-gleich-cc-ist-und-man-nc-nicht-benutzen-sollte/

Jan

Schon ein Flattr Button auf der Webseite könnte als kom­mer­zi­ell ge­wer­tet wer­den, da­her nutze ich auch nur BY Lizenzen.

Gast

Das Lizenzgehabe und rechte bei Bildern ist of­fen ge­stan­den kaum zu ver­ste­hen, wenn man nicht zu den Rechtsgelehrten des je­wei­li­gen Landes ge­hört. International ist das ganze dann noch eine Spur kom­ple­xer.
Am bes­ten macht man ei­gene Fotos. Wobei auch hier das Motiv, die Person die Aufgenommen wurde oder ver­gleich­ba­res das ganze schwie­rig macht.
Schade 🙁

Stephan

Weil ich mit der Zeit müde werde, es im­mer wie­der neu zu schrei­ben, paste ich hier jetzt ein­fach mal meine Antwort zu ei­nem ähn­li­chen „CC-NC ist vom Teufel“-Posting hier rein:

„Es gibt sehr gute Gründe für NC und ebenso für ND.
Und es geht mit­nich­ten nur darum, dass keine ‚große Firma‘ das Werk ver­wen­det und das ‚große Geld‘ da­mit macht – nein, es geht darum, dass bit­te­schön über­haupt nie­mand das Werk ver­wen­det und Geld da­mit macht, ohne dass ich das ge­neh­migt habe…
Denn un­ter Umständen habe ich mein gan­zes Vermögen und mein gan­zes Herzblut in die­ses Werk ein­ge­bracht und bin mir schmerz­lich der Tatsache be­wusst, was es mir wert ist (und was ich na­tür­lich nie­mals wie­der zu­rück be­kom­men werde, aber das ist ne an­dere Geschichte).“

Oder an­ders ge­sagt: Mensch, Leute, wenn’s euch nicht passt dass ich mein sehr teuer pro­du­zier­tes ver­schenke und mir nur die­ses kleine Recht her­aus­nehme, mir jede kom­mer­zi­elle Nutzung ohne vor­he­rige Absprache zu ver­bit­ten… dann gibt’s von mir halt gar nix mehr zu sehen/hören/lesen und ihr könnt eu­ren Content selbst ma­chen. Viel Spaß da­bei.

Steffen

@Stephan: Ich habe nie ge­sagt, dass Urheber kein NC nut­zen sol­len. Ich würde auch nie sa­gen, dass je­der al­les um­sonst her­ge­ben soll. Ich habe ja so­gar ge­schrie­ben, dass ich durch­aus auch Bilder kaufe. Urheber sol­len Lizenzen an­bie­ten, wie sie es wol­len.

Nur für _Nutzer_ sa­gen ich: Finger weg von NC. Denn was im­mer ihr glaubt – letzt­lich kann die Einschätzung der Urheber zu Eurer Kommerzialität eine an­dere sein. Und dann steht ihr dar, als hät­tet ihr das Bild ein­fach raub­ko­piert.

AndreasP

@Stephan: Das bleibt Dir un­be­nom­men. Aber dann schreib doch gleich „(c) Stephan. Alle Rechte vor­be­hal­ten“ hin. Alles an­dere täuscht nur vor, dass Du ir­gend­et­was er­lau­ben willst, was Du aber fak­ti­sch gar nicht tust, da „NC“ nie­mand rechts­si­cher ein­hal­ten kann.

jj preston

@AndreasP

Privater Blog, ei­gene Domain, keine Werbung, keine be­zahlte PR – Rechtssicherheit her­ge­stellt.

hiro

@Steffen: Es wird in Deinem Beitrag nur im­pli­ziert, dass Du aus­schließ­lich die Nutzerseite be­trach­test, nicht die Urheberseite. Vielleicht soll­test Du das klar­stel­len, um Missverständnissen vor­zu­beu­gen.

Nebenbei hatte ich tat­säch­lich Schwierigkeiten, die fast-weiß-auf-weißen Eingabefelder mit ih­ren nicht-ganz-weißen Rahmen auf Anhieb zu fin­den. „Ein biss­chen mehr Kon­trast“ würde auch dem Design hier nicht scha­den …

Steffen

@hiro: Ja, der Artikel be­trach­tet nur die Nutzerseite. UrheberInnen kön­nen dar­aus ihre ei­ge­nen Schlüsse zie­hen, denn sie bie­ten ihre Werke im­mer­hin NutzerInnen an. UrheberInnen soll­ten die Fallstricke für ihre po­ten­ti­el­len Kunden ken­nen. Wie ge­sagt: Ich nehme nur Bilder un­ter freier CC-Lizenz oder ich kaufe sie. Dann weiß ich, was ich habe.

Jeeves

Ich wollte ein­mal ein mit CC ge­kenn­zeich­ne­tes Bild be­nut­zen. Also in­for­mierte ich mich. Resultat: ich ver­zich­tete. Die Bedingungen für diese CC (etc.) Angebote sind der­art lang und um­ständ­lich, dass es für mich sinn­vol­ler und ein­fa­cher war, dar­auf zu ver­zich­ten.
Den Urheber zu kon­tak­ten und nach dem Preis fra­gen (es sind ja meist kleine Summen) ist ein­fa­cher. Oder eben auf das je­wei­lige Foto, Bild oder die Karte ver­zich­ten.

Thilo P

Es kommt ja noch bes­ser: Unkommerziel be­deu­tet so­zu­sa­gen „ge­werb­lich“. Gewerblich ist aber nicht nur das, was mit Geld ab­ge­wi­ckelt wird, son­dern auch im Tausch. Deswegen wurde im Lizenztext ex­tra auch File-Sharing aus­ge­nom­men. Das wäre sonst auch il­le­gal. Was man also nicht dürfte wäre ein CC-ND-Album mit je­mand an­de­ren tau­schen

Tom

@Steffen, ge­nau so sehe ich das auch. Eigene Werke ver­wen­den oder fremde Werke kau­fen oder in Auftrag ge­ben. Die Zeiten, in de­nen man sich Content im Netz ‚besorgt’e sind längst vor­bei und wer das bis heute nicht ver­san­den hat, sollte sich tun­lichst ‚je­den Schritt‘ im Netz gut über­le­gen oder gleich drau­ßen be­lei­ben 😉

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