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Frühjahrsputz: Google entsorgt den Google Reader

Ab in den Müll!
Ab in den Müll! | Bestimmte Rechte vorbehalten von curank

Bis zum 1. Juli haben die Benutzer von Google Reader Zeit, sich eine Alternative für den Feed-Reader zu suchen. Der Dienst wurde Opfer des Frühjahrsputzes bei Google. Immer wieder stellt der der Konzern einige seiner viele Dienste ein, wenn sie nur von relativ wenigen Menschen genutzt werden oder keinen ausreichenden Beitrag zum Gesamtangebot leisten. Valide Gründe, die aber im Einzelfall äußerst ärgerlich sein können. Die Einstellung von Google Reader macht auch klar: Auf kostenlose Dienste sollte man sich nicht verlassen.

Es gab mal eine Zeit, da hatte Google vor, die Kommunikation im Internet zu revolutionieren. Mit viel Tamtam wurde 2010 Google Wave gestartet. Eine Art Wiki/Etherpad/Chat/Mail-Dienst. Bei Zikula haben wir recht intensiv damit gearbeitet und schmerzlich erfahren, was es bedeutet, wenn man sich auf diese Art Cloud-Angebote verlässt. Denn 2012 wurde Google Wave wieder eingestampft – samt all unserer Inhalte. Bereits 2010 hieß es, dass Yahoo den Social-Bookmarking-Service Delicious einstampfen wolle. Seither bin ich sehr vorsichtig, wenn ich meine Daten solchen Diensten überlasse.

Zum Einen betreibe ich eine ganze Reihe Dienste selbst – Neben meinem Blog, betreibe ich noch

Zum Anderen mache ich einen Bogen um neue, geschlossene Plattformen, wenn es geht. Auf so etwas wie App.net würde ich mich nicht einlassen, solange ich noch einen Bogen darum machen kann, ohne von zu viel Kommunikation ausgeschlossen zu werden. Letztlich ist aber auch das ein Dienst und keine dezentrale Infrastruktur. Und damit gibt es einen Bruchstelle: Den Betreiber. Wenn der keine Lust mehr hat oder Pleite geht, ist man aufgeschmissen.

Oft sind diese Open-Source-Lösungen nicht so schön. Sie haben nicht so einen großen Funktionsumfang, sind nicht so einfach zu bedienen und es fehlen die „social“-Features. Man muss sie installieren und pflegen. Aber niemand kann sie mir wegnehmen. Selbst wenn die Software nicht mehr weiter entwickelt wird: Ich kann mich darauf verlassen, dass sie erst einmal weiter läuft. Außerdem kenne ich meine AGB und die ändere ich nur, wenn ich das will.

TL;DR

Wenn Du nicht willst, dass das Internet nur noch das ist, was sich für Firmen lohnt und nach deren AGB erlaubt ist, muss Du wieder selbst aktiv werden.

Kommentare

Chris

Hey Steffen,
mein­st du wirk­li­ch das Problem hängt am „kos­ten­los“? Ein nicht pro­fi­ta­bler Dienst kann ge­nauso ein­ge­stellt wer­den. Wichtiger fin­de ich bei ei­ner Entscheidung für oder ge­gen ei­nen Dienst, die Frage, ob ich Daten je­der­zeit im­por­tie­ren und ex­por­tie­ren kann.
Ich möch­te ei­gent­li­ch kei­nen ei­ge­nen Server für Mail/Kalender/Adressen etc. be­trei­ben. Da gibt es Leute, die das bes­ser und schnel­ler kön­nen, da­für be­zahl ich auch ger­ne. Aber selbst da et­was pas­sen­des zu fin­den ist üb­ri­gens gar nicht so ein­fach….

Steffen Voß

Wenn ei­ne Firma plei­te geht, geht sie plei­te. Das ist rich­tig. Und Du sprichst da si­cher ei­nen wich­ti­gen Punkt an: Datenportabilität ist das ent­schei­den­de Element.Zum ei­nen aber ha­ben Bezahldienste eher die Chance kos­ten­de­ckend zu sein. Ich be­zahl bei Flickr 25$ im Jahr. Für den Festplattenplatz – und mehr ist das ja nicht für die meis­ten Fotos – soll­te das reichen.Zum an­de­ren kann man zah­len­den Kunden no­ch schlech­ter sa­gen, dass ihr Service in 3 Monaten ab­ge­schal­tet wird.

Boris Schneider

Ich ha­be schon öf­ter die Erfahrung ge­macht, dass ein Bezahldienst ein­fach so ab­ge­schal­tet wur­de. Ich fin­de auch, dass es kei­nen Unterschied macht, ob ein Dienst nun kos­ten­los ist oder et­was kos­tet: wenn es si­ch nicht aus­zahlt, auf wel­che Art auch im­mer, wird ge­schlos­sen. Ohne Rücksicht auf Verluste.

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