Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Frühjahrsputz : Google entsorgt den Google Reader

Ab in den Müll!
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Steffen Voß

Bis zum 1. Juli haben die Benutzer von Google Reader Zeit, sich eine Alternative für den Feed-Reader zu suchen. Der Dienst wurde Opfer des Frühjahrsputzes bei Google. Immer wieder stellt der der Konzern einige seiner viele Dienste ein, wenn sie nur von relativ wenigen Menschen genutzt werden oder keinen ausreichenden Beitrag zum Gesamtangebot leisten. Valide Gründe, die aber im Einzelfall äußerst ärgerlich sein können. Die Einstellung von Google Reader macht auch klar: Auf kostenlose Dienste sollte man sich nicht verlassen.

Es gab mal eine Zeit, da hatte Google vor, die Kommunikation im Internet zu revolutionieren. Mit viel Tamtam wurde 2010 Google Wave gestartet. Eine Art Wiki/Etherpad/Chat/Mail-Dienst. Bei Zikula haben wir recht intensiv damit gearbeitet und schmerzlich erfahren, was es bedeutet, wenn man sich auf diese Art Cloud-Angebote verlässt. Denn 2012 wurde Google Wave wieder eingestampft – samt all unserer Inhalte. Bereits 2010 hieß es, dass Yahoo den Social-Bookmarking-Service Delicious einstampfen wolle. Seither bin ich sehr vorsichtig, wenn ich meine Daten solchen Diensten überlasse.

Zum Einen betreibe ich eine ganze Reihe Dienste selbst – Neben meinem Blog, betreibe ich noch

Zum Anderen mache ich einen Bogen um neue, geschlossene Plattformen, wenn es geht. Auf so etwas wie App.net würde ich mich nicht einlassen, solange ich noch einen Bogen darum machen kann, ohne von zu viel Kommunikation ausgeschlossen zu werden. Letztlich ist aber auch das ein Dienst und keine dezentrale Infrastruktur. Und damit gibt es einen Bruchstelle: Den Betreiber. Wenn der keine Lust mehr hat oder Pleite geht, ist man aufgeschmissen.

Oft sind diese Open-Source-Lösungen nicht so schön. Sie haben nicht so einen großen Funktionsumfang, sind nicht so einfach zu bedienen und es fehlen die „social“-Features. Man muss sie installieren und pflegen. Aber niemand kann sie mir wegnehmen. Selbst wenn die Software nicht mehr weiter entwickelt wird: Ich kann mich darauf verlassen, dass sie erst einmal weiter läuft. Außerdem kenne ich meine AGB und die ändere ich nur, wenn ich das will.

TL;DR

Wenn Du nicht willst, dass das Internet nur noch das ist, was sich für Firmen lohnt und nach deren AGB erlaubt ist, muss Du wieder selbst aktiv werden.

Kommentare

Chris
Chris:

Hey Steffen,
meinst du wirklich das Problem hängt am „kostenlos“? Ein nicht profitabler Dienst kann genauso eingestellt werden. Wichtiger finde ich bei einer Entscheidung für oder gegen einen Dienst, die Frage, ob ich Daten jederzeit importieren und exportieren kann.
Ich möchte eigentlich keinen eigenen Server für Mail/Kalender/Adressen etc. betreiben. Da gibt es Leute, die das besser und schneller können, dafür bezahl ich auch gerne. Aber selbst da etwas passendes zu finden ist übrigens gar nicht so einfach….

15.3.2013 um 09:03
Steffen Voß
Steffen Voß:

Wenn eine Firma pleite geht, geht sie pleite. Das ist richtig. Und Du sprichst da sicher einen wichtigen Punkt an: Datenportabilität ist das entscheidende Element.Zum einen aber haben Bezahldienste eher die Chance kostendeckend zu sein. Ich bezahl bei Flickr 25$ im Jahr. Für den Festplattenplatz – und mehr ist das ja nicht für die meisten Fotos – sollte das reichen.Zum anderen kann man zahlenden Kunden noch schlechter sagen, dass ihr Service in 3 Monaten abgeschaltet wird.

15.3.2013 um 10:56
Boris Schneider
Boris Schneider:

Ich habe schon öfter die Erfahrung gemacht, dass ein Bezahldienst einfach so abgeschaltet wurde. Ich finde auch, dass es keinen Unterschied macht, ob ein Dienst nun kostenlos ist oder etwas kostet: wenn es sich nicht auszahlt, auf welche Art auch immer, wird geschlossen. Ohne Rücksicht auf Verluste.

3.4.2013 um 23:47

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