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Memento Mori: Tod und Trauer im Internet

"Memento Mori" | Bestimmte Rechte vorbehalten von jcbwalsh
"Memento Mori" | Bestimmte Rechte vorbehalten von jcbwalsh

Es bedarf keiner wissenschaftlicher Studien für die Erkenntnis, dass wir alle alle einmal sterben werden. Wenn alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens durch das Internet verändert werden, sollte sich auch das Ableben dadurch verändern. Jörg Eisfeld-Reschke und Birgit Aurelia Janetzky rufen zu einer Blogparade zum Thema „Tod und Trauer im Internet“ auf. So richtig sortierte Gedanken habe ich mir dazu noch nicht gemacht und ich bitte das folgende Gedankenkonvolut zu entschuldigen. Wenn Dich das Thema interessiert, blog doch selbst etwas. Ich glaube, es ist gut darüber zu diskutieren.

Das Internet ist ein Raum beschleunigter Kommunikation. Einerseits kann sich die Nachricht vom Tod einer Person sehr schnell verbreiten. Andererseits gibt es so viel zu erleben, dass es manchmal gar nicht auffällt, wenn plötzlich jemand nicht mehr da ist. Erst vor ein paar Tagen sprach mich ein Freund an, ob ich etwas von einem Bekannte gehört habe, der sich seit Wochen bei Twitter nicht mehr gemeldet hat. Wenn niemand da ist, der zwischen dem realen Tod einer Person uns seinem virtuellen Freundeskreis vermittelt, kann man einfach so verschwinden.

Man sagt, das Internet vergesse nicht. Leider ist diese Regel nicht zuverlässig. Das Internet behält, was man nicht will und vergisst die Dinge, die wichtig für uns sind. Mit dem Tod enden viele Vertragsverhältnisse. Und wenn mein Webspace nicht weiter bezahlt wird, schaltet mein Hosting-Provider mein Blog ab. Das ist dann weg und existiert nur noch in einer entstellenden Archivversion bei archive.org. Ähnliches wird allen bezahlten Diensten widerfahren. Erhalten bleiben die kostenlosen Profile – auch wenn hier eigentlich die Vertragsbasis mit dem Tod erlöschen müsste. (Da würde mich schon mal interessieren, wie das rechtlich ist, wenn jemand AGB-Änderungen nicht mehr zustimmen kann. Allerdings kann er dann ja auch nicht mehr klagen…) Profile bei Facebook zum Beispiel bleiben. Und das ist eine schöne Sache: Kurz nach dem BarCamp Kiel 2010 ist einer der Organisatoren verstorben und sein Profil existiert immer noch. Und immer wenn ich zum Beispiel zum WebMontag einlade, wird auch er mir von Facebook vorgeschlagen und jedes mal denke ich kurz an ihn und lade ihn dann ein. Die Frage ist allerdings, wie lange das skaliert und wie lange es eine schöne Erinnerung ist. Ich weiß nicht, ob ich mit 80 eine Kontaktliste haben möchte in der 300 Leute tot sind.

Ich halte nichts von speziellen Diensten, die nach meinem Ableben Mails verschicken. Ich halte nichts von virtuellen Grabsteinen und diesem ganzen Kram. Ich traue ihnen auch nicht. Im Gegensatz zu einem richtigen Grab mit einem richtigen Stein, von dem ich weiß, dass es zumindest 25 Jahre da sein wird, kann man bei diesen Angeboten froh sein, wenn sie ein paar Jahre durchhalten. Und nach meinem Ableben ist es mir auch nicht wichtig, dass sich jeder, jederzeit an mich erinnert. Ich hoffe, dass ich bei ein paar Menschen, die mir wichtig sind, so viel guten Eindruck hinterlassen habe, dass die auch so hin und wieder mal an mich denken.

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Kommentare

Dirks

Du hast ver­ges­sen zu er­wäh­nen, dass es dem Bekannten zum Glück gut geht ;-).

„Internet“ und „Trauer“ schei­nen si­ch je­den­falls auf den ers­ten Blick nicht gut mit­ein­an­der zu ver­tra­gen, das hast du ja auch schon an­ge­deu­tet. Auf der ei­nen Seite we­gen des Gegensatzes von be­schleu­nig­ter Kommunikation und Trauer als et­was, das ja ge­ra­de Zeit braucht. auf der an­de­ren Seite: Digitale Vergänglichkeit hier und „blei­ben­der“ Grabstein dort. Dass ein Grabstein eben aus Stein ist und nicht aus Holz oder son­st ei­nem Vergänglichen Material, ist ja kein Zufall…

Als er­s­te Idee fällt mir da­zu ei­gent­li­ch ein, dass auch der Tod als sol­ches gar nicht auf das Web über­trag­bar ist. er ist ei­gent­li­ch nur ei­ne bio­gra­phi­sche Information. „Kann“ man, ge­n­au wie die Hochzeit oder den Geburtstag, in ein „blogger.com“ Profil ein­tra­gen, „muss“ man aber nicht. Denn die Inhalte zur Person blei­ben ja die glei­chen.

Interessant fin­de ich die an­de­re Richtung. In den USA fin­den es leu­te heu­te schon nor­mal, si­ch QR-Codes auf Grabsteine mei­ßeln zu las­sen. Auch wenn ich im Grundsatz die­sel­ben Bedenken ha­be wie Du („Wie lan­ge ist die Seite da­hin­ter er­reich­bar“), sind die eher or­ga­ni­sa­to­ri­scher Natur. Ich mei­ne: Was spricht da­ge­gen, ei­ne „Virtuelle Grabstelle“ eben auch 25 Jahre im Voraus zu be­zah­len? Fehlt nur no­ch das ent­spre­chen­de Angebot…
Das Web könn­te mE al­so ei­ne sinn­vol­le Ergänzung für die Trauer um die ech­te Person sein. Einen ei­ge­nen Cyber-Tod brauchts aber nicht, fin­de ich.

Clemens P.

Ich ha­be mir auch schon dar­über Gedanken ge­macht. Oft be­kommt man vom Ableben nichts mit, weil, wie du schon sag­test, die Zwischenperson ein­fach nicht da ist. Aber beim Internet ist es mir auch egal. Auf die rich­ti­gen Personen kommt es an, die an ei­nen den­ken.

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