Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Technologie : Blockchain für Alles?

Bitcoin
Bitcoin | Foto: MichaelWuensch (CC0), Pixabay

Steffen Voß

Immer mehr Ideen für die Anwendung von Blockchains tauchen in meiner Timeline auf. Jegliche Art Daten sollen scheinbar damit verwaltet werden. Ist das sinnvoll?

Ja, ich bin nicht wirklich früh dran. Inzwischen hat der Blockchain-Hype sogar im Gartner Hype Cycle den Zenit überschritten. Bisher hatte ich aber keinerlei Anlass mich mit Blockchain zu beschäftigen und keine Zeit, das einfach so zu tun. Es stand aber immer auf meinem Zettel. In den letzten Tagen hatte ich endlich mal Zeit dafür.

Ich musste feststellen: Es gibt unglaublich viele extrem unverständliche Einführungen in Blockchain. Auf Youtube kann man sehen, dass eine Menge selbsterklärter Experten Geld damit verdienen, Blockchain unverständlich zu erklären. Dabei ist es gar nicht sooo schwierig, wenn ich das jetzt richtig verstanden habe.

Was ist ein Hash?

Blockchain ist eine Technik, mit der man beliebige Daten verifizieren kann – sicher gegen Verfälschung und ohne zentrale Steuerungsinstanz. Eine Blockchain ist, wie der Name schon sagt, eine Kette aus Datenblöcken. Das grundlegende Konzept sind Hashes.

Hashes sind Zeichenfolgen, die aus beliebigen Daten errechnet werden. Erinnerst Du Dich noch daran, wie man eine „Quersumme“ errechnet? Man nimmt eine Zahl, zum Beispiel 36036 und addiert alle Ziffern zusammen: 3 + 6 + 0 + 3 + 6 = 18

„Addiere alle Ziffern“ ist eine Rechenanweisung – ein Algorithmus. Über so einen Algorithmus wird aus beliebigen Daten ein Hash errechnet. Daten können alles sein: ein Video, eine Word-Datei oder nur ein Text. So ein Hash hat immer die gleiche Zahl Zeichen und besteht aus Buchstaben und Zahlen. Diese Ziffernfolge ist dann eindeutig für diese Daten. Wenn ich die Quersumme 18 aus dem Beispiel oben speichere und jemand die Zahl 36036 verändert, kann ich feststellen, dass die 18 da nicht mehr zu passt.

Wie dann aus einem Hash eine Blockchain wird, kann man in diesem Video gut nachvollziehen:

Wie bei Napster früher oder bei Bittorrent werden die Daten nicht zentral gespeichert, sondern auf den Rechnern der Leute, die sich daran beteiligen. Die 18 wird auf verschiedenen Rechnern gespeichert – die verrät nichts über die ursprüngliche Zahl. Wenn ich aber verifizieren will, ob 36036 die richtige Zahl ist, kann ich all diese Rechner fragen und wenn zumindest mehrheitlich die 18 zurück geben, dann kann ich sicher sein, dass meine Zahl stimmt.

Die bekannteste Anwendung einer Blockchain ist Bitcoin. Bei der digitalen Währung werden in den Hashes Buchungen gespeichert. Eine Bank braucht man dafür nicht. Die Daten werden über „Miner“ gespeichert und verifiziert. Die Betreiber von Minern werden dann damit belohnt, dass sie Bitcoins bekommen.

Blockchain für mehr als Bitcoin?

Nun gibt es ja den Hype um Blockchain und alles mögliche soll in diese Technologie überführt werden. Grundbucheinträge sollen darüber verwaltet werden, Türschlösser sollen damit gesichert werden – alles mögliche.

Einen Hinweis, dass das nicht sinnvoll sein könnte, liefert die Tatsache, dass schon Bitcoin eine irrwitzige Menge Strom benötigt um zu laufen. Eine Buchung verbraucht so viel Strom wie eine US-Amerikanische Familie am Tag! Bitcoin ist noch immer eine Nischen-Anwendung. Sicher brauchen auch Banken heutzutage Strom, um die Server zu betreiben, auf denen unserer Geld verrechnet wird. Aber ist das so viel? Kann man so wirklich sinnvoll eine globale Währung betreiben? Kann man so sinnvoll noch andere Anwendungen betreiben?

Die Blockchain von Bitcoin lebt davon, dass Leute Miner betreiben und dafür Bitcoin bekommen. Wer soll Miner für anderen Anwendungen betreiben? Warum sollte ich schwedische Grundbucheinträge minen? Krieg ich dann Ländereien in Schweden? Natürlich geht es auch, dass jemand selbst die Miner betreibt. Wenn man aber auf die Dezentralisierung verzichtet, braucht man keine Blockchain, oder?

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Kommentare

snodo
snodo:

Es wird so viel Strom verbraucht, weil
1. Es sich um Proof-of-Work als Algorithmus handelt
2. So viele Teilnehmer vorhanden sind

Statt PoW könnte man auch einen anderen Algorithmus verwenden.
Beispielsweise für die Grundbuchamt-Geschichte könnte es durchaus Sinn machen, die Daten revisionssicher in einer Blockchain zu speichern,
denn das Vertrauen in Blockchain ist hier sicherlich größer als in irgendeine proprietäre Software, die behauptet revisionssicher zu sein, aber niemand kann es überprüfen.
Und es wird genügend „Teilnehmer“ geben, die die Chain am Laufen halten, allein weil deren eigener Grundbucheintrag davon abhängt 😉

4.10.2017 um 22:14
Steffen Voß
Steffen Voß:

Wie viele Blockchains würde man dann so mit dem privaten Rechner unterstützen?

4.10.2017 um 23:32
David Prochnow
David Prochnow:

Snodo hat da durchaus recht. Das Grundprinzip einer nicht veränderbaren, nur durch das Anhängen von neuen Informationen fortgeschriebenen Datenbank, vulgo Blockchain, erfordert nicht notwendigerweise Weise „Proof of Work“ oder sonst eine dezentrale „Proof of sonstwas“-Technik. Stattdessen könnten, um mal bei den Grundbüchern zu bleiben, auch die Katasterämter einfach qua Signaturberechtigung Blöcke generieren.

5.10.2017 um 00:43

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