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re:publica14 Rückblick Teil III: Journalismus: Gestern, Heute, Morgen.

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„Eine Zeitung ist ei­ne rie­si­ge Routinemaschine,“ meint der Schweizer Journalist Constantin Seibt. „Man könn­te ei­gent­li­ch 20 Journalisten er­schie­ßen in ei­ner Zeitung. Und die Zeitung wür­de si­ch wei­ter­bau­en ir­gend­wie über Wochen hin­weg – oh­ne das es je­mand rich­tig mer­ken wür­den.“ Der Tipp der Kiezjournalistin Isabella David von Hamburg Mittendrin ist des­we­gen auch: „Macht nicht das, was Zeitungen ma­chen.“

Es ist er­staun­li­ch: In den Erinnerungen des Kieler Journalisten Karl Rickers kann man nach­le­sen, wie in den 1960er Jahren die Schleswig-Holsteinische Volkszeitung ein­ge­gan­gen ist: Zunächst hat man die re­gio­na­le Berichterstattung ein­ge­stellt, dann mit den Auflagenzahlen ge­schum­melt und am Ende mit ei­ner über­re­gio­na­len Kooperation auch no­ch die letz­ten Leser ver­wirrt und ver­schreckt. Vieles von dem kann man heu­te bei den Zeitungen wie­der er­le­ben. Weniger Leute sol­len min­des­tens die glei­che Menge und die glei­che Qualität lie­fern. Und das mit den glei­chen Rezepten.

Auf der re:publica gab es ei­ni­ge span­nen­de Vorträge und Diskussionen:

Journalismus. Nur besser

Bisher ha­ben Zeitungen gut da­mit ge­lebt, dass sie viel Routine ver­kauft ha­ben. Doch in Zeiten des Internets reicht das nicht mehr. Constantin Seibt kann das ko­mi­sch la­ko­ni­sch er­klä­ren. Und er sagt auch, was Journalismus in Zukunft braucht: Weniger Meinung und mehr Haltung.

Into the Kiez: Gefahrengebiet Lokaljournalismus

Ole Reißmann von Spiegel Online spricht mit vier Journalistinnen über „Kiez-Blogs“: Isabella David von Hamburg Mittendrin, Annika Stenzel von der taz nord, Natalie Tenberg, von Florakiez und Juliane Wiedemeier von den Prenzlauer Berg Nachrichten. Womit be­schäf­ti­gen si­ch die Blogs? Warum sind die lo­ka­len Themen wich­tig? Ist das rich­ti­ger Journalismus? Wie fi­nan­ziert man si­ch mit so et­was?

Roboterjournalismus: Wenn Algorithmen Nachrichten machen

Automatisierung macht auch vor dem Journalismus kei­nen Halt: Von der Sportberichterstattung über Wetterberichte bis zu Börsennachrichten könn­ten Texte au­to­ma­ti­siert er­stellt wer­den, so wie heu­te be­reits die Ansagen auf dem Bahnhof au­to­ma­ti­sch ge­spro­chen wer­den. Dafür schöpft dann die Software aus Datenschnittstellen von Sensoren, Datenbanken und Social Media. Lorenz Matzat er­klärt, wie das geht und wel­che Folgen Software-Roboter für den Journalismusberuf ha­ben könn­ten. Dabei ist na­tür­li­ch nicht al­les au­to­ma­ti­sier­bar – Auch hier fällt wie­der das Wort „Haltung“. Martin Krauß hat da­zu in sei­nem Blog no­ch mehr ge­schrie­ben.

15 journalistic start-ups you need to know.

Martin Giesler und Jannis Kucharz prä­sen­tie­ren ei­ne Reihe von Internetprojekten, die im wei­tes­ten Sinn et­was mit Journalismus zu tun ha­ben. Wenn al­ler­dings „Upworthy“ und „Huffington Post“ die Zukunft der vier­ten Gewalt ist, dann seh ich schwarz. Vielleicht kann man si­ch aber trotz­dem Details ab­gu­cken. Spannend wird es aber ab Minute 21. Da gibt es es den Arschtritt-Rant.

Einen gu­ter Lesetipp für ernst­haf­ten Journalismus ist Jan Tißlers Artikel „Willkommen in der Ära des selbst­be­wuss­ten Digital-Journalismus„. Da fin­den si­ch ei­ni­ge wirk­li­ch am­bi­tio­nier­te Projekte, die eher aus der Richtung Journalismus als aus der Richtung Geld-verdienen star­ten. Dass die hin­ter­her trotz­dem ih­re Miete be­zah­len kön­nen, kann man den Leuten nur wün­schen.

Redesigning News, Deeply

Lara Setrakian hat ihr Handwerk bei ABC News und Bloomberg TV ge­lernt. Mit ih­rem ei­ge­nen Projekt „Syria Deeply“ ver­sucht sie die Irrungen und Wirrungen des sy­ri­schen Bürgerkriegs zu be­rich­ten. Sie be­ginnt dort wo die klas­si­schen Medien auf­ge­ge­ben ha­ben und sie nutzt al­les, was Technologie heu­te her­gibt.

Lohnt sich Onlinejournalismus ueberhaupt noch?

Tja, und am Ende die Frage nach dem Geld: Sascha Pallenberg von Mobilegeeks, Richard Gutjahr, die Journalistin und Medienhistorikerin Claudia Heydolph und der Journalist Philip Banse dis­ku­tie­ren, ob und wie man gros­se und kom­ple­xe Medienkanäle ue­ber­haupt no­ch kos­ten­de­ckend be­trei­ben kann.

Ole Reißmann hat no­ch auf ei­nen Vortrag hin­ge­wie­sen, zu dem es kein Video gibt: „Assets, Objects, Points: Was Structured Journalism brin­gen kann“ – Die Folien da­zu gibt es bei Google Docs.

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Ein paar Lesetipps:

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