Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Corona : Meine erste Impfung

Steffen Voß

Alles super organisiert im Schwedenkai. Leute gut drauf. Gerne wieder. Mein Erfahrungsbericht.

Der Soldat am Empfang sortiert meine Unterlagen auf einem Clipboard, drückt mir das in die Hand und schickt mich zu seinem Kollegen, „dem jungen Mann in blau.“ 

„Sie müssen der junge Mann in blau sein,“ sage ich zu dem mittel-​alten Marine-​Soldaten. „Ja, aber das bezieht sich nicht auf meine Kleidung, sondern auf meinen Gemütszustand. Nehmen Sie noch einmal Platz. Sie sind gleich dran.“

Kaum sitz ich, kommt der Impfarzt und ich soll ihm in Umkleide 4 folgen. Ich hab keine Fragen. Der Impfarzt weiß nicht, wo er die Impfung eintragen soll: „Der Impf-​Pass ist ja uralt.“ Ich denke, das macht auch mich uralt. Alter scheint hier ein Thema zu sein. 

Er macht den Eintrag unter der letzten Schluckimpfung von 1996. Die hab ich damals im Zivi gemacht. Auch schon lange her. „Die gibts heute ohnehin nicht mehr. Das wird mit anderen Impfungen zusammen gemacht. Sollten Sie mal auffrischen.“ Alles klar. Was ich noch alles sollte. „Dann nehmen Sie noch einmal hier draußen Platz. Sie sind dann gleich dran.“

Tatsächlich muss ich mich hier erst gar nicht hinsetzen, weil ich direkt zwischen zwei freien Impfkabinen wählen kann. Ich wähle die richtige, denn ich bekomme von der Dame mit der Spritze ein Kompliment für die Farbe meines Polo-​Shirts. Ich kann zwar nicht sagen, ob das „Aubergine“ oder „Dunkle Pflaume“ ist, aber ich freue mich.

Jetzt muss ich noch 15 Minuten warten – vermutlich darauf, dass der Chip anwächst. Im Warteraum denk ich: „Oh cool, Plätze mit Ausblick aufs Ostufer.“ Ich setz mich hin. Der Ausblick:

Ich langweile mich. Dann werde ich aufgerufen. Am Ausgang wünscht mir die Soldatin einen schönen Tag. Ich ihr auch.

20 Minuten hat das Ganze gedauert. Ich hab mit mehr Fremden gesprochen als an jedem anderen Tag in den letzten 12 Monaten. Das macht Hoffnung.

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