Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Smart Home : Ich versteh es noch nicht

Glühbirnen leuchten in warmem Licht.
Foto: Valeria Boltneva/Pexels

Steffen Voß

„Computer: Licht!” – Die Sprachkommandos bei Star Trek sind schon cool. In einem Raumschiff kann ich mir das gar nicht anders vorstellen. Für meine Wohnung habe ich den Sinn noch nicht erkannt.

Das Thema Smart Home fasziniert mich irgendwo. Ich fach es immer schon cool, Dinge mit einander zu verknüpften. Den Fernseher an die Stereoanlage, den Atari an den Fernseher usw.

Ich schau mir auch immer wieder interessiert an, was es für Geräte mit smarten Funktionen für den Haushalt gibt. Gekauft habe ich dann doch noch nichts – weil ich nicht versteh, wie dann mein Leben besser wird.

Gerade geb es wieder einen Fall, der daran erinnert, dass „smart” ein Synonym von „hackbar” ist: „Smart-​Home-​Datenbank mit 2 Milliarden Einträgen im Internet”. Wenn man sich diese Standard-​Systeme zulegt, dann haben die in der Regel eine Anbindung zur Cloud des Herstellers und was dort an Daten fließt hat man überhaupt nicht unter Kontrolle. Es gibt aber auch Open-​Source-​Lösungen, mit denen man etwas unabhängiger ist.

Trotzdem: Kameras will ich in der Wohnung nicht haben. Wozu? Smarte Lichtschalter? Ich hab Funksteckdosen, die sich über eine einfache Fernbedienung steuern lassen. Ok, das geht dann mit dem Deckenlicht nicht. Aber das scheint ohnehin schwieriger zu sein: Wenn man smarte Leuchtmittel einsetzt, kann man die Lichtschalter nicht mehr benutzen, denn ohne Strom wird auch eine smarte Glühbirne ziemlich dumm.

Die Heizung kann ich bei uns nicht smart steuern, weil die schon Thermostate hat – da stellt man eine Zieltempertatur ein und fertig. Das geht ebenfalls ohne Internet und Hackgefahr.

In meiner WG hab ich mir immer ein smartes Fenster gewünscht: Es ist über Nacht offen, wenn es morgens durch den Straßenverkehr zu laut wird, schließt es sich. Wenn es dann aber drinnen zu heiß wird, soll es doch wieder aufgehen. Zum einen braucht man auch dazu kein Internet – zum anderen: Versucht mal eine smarte Fenster-​Steuerung zu finden!

Ich könnte sonst alles voller Sensoren hängen und Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Helligkeit und Lautstärke tracken. Aber wozu?

Es bleibt allein die technische Faszination und die Tatsache, dass das alles nicht allzu kompliziert einzurichten ist. Aber dann hat man plötzlich so eine technische Infrastruktur im Haus und ich müsste mich drum kümmern, dass die ständig funktioniert. Mir ist das echt zu viel Arbeit für das bisschen Spaß mit der Technik.

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Kommentare

Marek Walther
Marek Walther:

Der größte Teil der Smart Home Fraktion ist einfach nur Bullshit. Keiner der klar bei Verstand ist bindet seine Heimgeräte über einen externen Cloudanbieter an oder macht seine Heizung von einem solchen abhängig. Es könnte dann sehr schnell kalt oder dunkel in der Wohnung werden.

https://www.haustechnikverstehen.de/homematic-ip-serverausfall-und-verbindungsprobleme/
https://winfuture.de/news,106244.html

Wer sich wirklich für ein smartes Home interessiert, baut sich dieses wie früher selber zusammen. Hierfür hat man in breites Spekturum an Bussstemen und heute auch mehr oder weniger sichere Funkstandards.
Meine Favoriten sind hierbei immer noch WLAN mit 8266 oder z‑Wave, für das es viele fertige Geräte gibt und das auch heute noch eine akzeptable Sicherhit bietet.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Z‑Wave

Geräte sind leider teuer, dafür gibt es diese von verschieden Herstellern und in verschiedenen Ausführungen und es bildet eine Mesh-​Vernetzung zwischen den Geräten aus.

Dann hätten wir noch die Familie der einfachen Funkschalter die auf 433MHz ein einfaches ungesichertes Protokoll fährt. Mit diesen lassen sich einfache Baumarktstecktdosen auch über einen Gateway schalten. Man sollte aber kein Problem damit haben, dass ggf. der Nachbar dann auch die Wohzimmerlampe mit seinem Sender schalten kann.

https://tutorials-raspberrypi.de/raspberry-pi-openhab-funksteckdosen-433-mhz-schalten/

Im neumodischen nimmt man heute ESP8266 oder ESP32 Controller und schaltet damit seine Geräte.
Entsprechende Steckdosen sind schon ab ca. 10,- verfügbar und bei einer sicheren Einbindung in ein eigenständiges WLAN auch relativ sicher zu betreiben.

https://www.heise.de/select/ct/2018/11/1526770240937190

Wer den wirklich basteln möchte, holt sich für seine Heizkörper ein Sparmatic Zero. Diese Geräte waren z.B. bei Pollin für unter 10,- verfügbar und verfügen über einen Konfigurationsanschluss. Dieser Anschluss ist normalerweise für die Aufnahme eines Programmieradapters gedacht, um das Gerät mittels Spartphone oder festen Profilen Konfigurieren zu können. Es eignet sich aber auch noch für mehr. Der Anschluß ist ein asyn. serielles Protokoll, mit dem man auf die Profile und die Funktionen Einfluss nehmen kann. Perfekt dafür geignet um hier einen ESP8266 anzuflanschen und das Gerät mittels Store an Forward zu bedienen. Der ESP kommt 4x die Stunde aus dem Tiefschlaf hoch und setzt die hinterlegte Profile oder steuert entsprechende Funktionen an. Damit hat man das beste aus beiden Welten. Unabhängige Temperaturprofile die auch offline arbeiten und die Flexibilität der automatischen Konfiguration und Steuerung.

https://www.amazon.de/Eurotronic-Energiesparregler-Programmierung-Heizk%C3%B6rperthermostat-Programmier-Port/dp/B004WRHKNC

Dann fehlt nur noch ein Fensterkipper mit ESP8266 Anbindung. Das größte Problem ist hier bei mir die Befestigung und die Verriegelung bei geschlossenem Fenster.

https://www.windowmaster.de/produkte/fensterantriebe

Bei mir wird es dann wohl doch ein Eigenbau mit Schneckenantrieb und Verriegelung.

Das Ganze wird dann mit OpenHAB zentral gesteuert und durch eigene Erweiterungen ergänzt.

https://www.openhab.org/

Dazu dann noch ein paar alte Tablets umfunktioniert und das Userinterface auf LCARS umstellen.

https://m.youtube.com/watch?v=176YaM5jta4
https://www.hackster.io/a951racer/star-trek-lcars-home-automation-control-panel-ff8664

Lokale Sprachsteuerung und selbst öffnende Türen bleiben dann als zukünftige Projekte übrig.

6. Juli 2019 um 16:31
kinghol
kinghol:

Ja mir geht es ähnlich aber Spiele doch gerne mit vorhanden Geräten in fhem herum.

Habe mittlerweile 63 Smart Home Geräte (Sensoren, Aktoren etc.) und der einzige Arbeitsaufwand seid 5 Jahren ist jährlich Akkus von den Verbrauchern wechseln z.B. Bewegungsmelder und Heizungsthermostate.

Selbst dann bekomme ich per Pushover eine Nachricht das das jeweilige Gerät neue Akkus benötigt.

Weiter benutzt kein Gerät einen externen Server!

Stromausfall: kein Problem die wichtigen Geräte bleiben auch weiterhin in Betrieb
Internet Ausfall: nicht benötigt da nur LAN

6. Juli 2019 um 16:36
Titus von Unhold
Titus von Unhold:

Die Elektroindustrie hat seit den 1980er Jahren eine Lösung mit BUS (Damals EiB, der aktuelle Nachfolger ist KNX) die alle Kernelemente der Gebäudeautomatisierung ermöglicht. Heizung aus wenn Fenster auf, Jalousien und Markisen einfahren bei Sturm, Alermierung bei Feuer oder Einbruch, Abschaltung nicht genutzter Stromkreise bei Abwesenheit, etc.

Zentral, datensparsam, herstellerübergreifend und abwärtskompatibel, langlebig, IP ist eine Option und kein muss…aber dafür nicht ganz billig.

8. Juli 2019 um 11:10

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