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Und Tschüss...: Ich gehöre nicht mehr zur Zielgruppe von XING

Foto: woodleywonderworks - CC BY 2.0

Auf Twitter trendet gerade das Hashtag #Xing. Der Auslöser dafür ist, dass Mathias Richel öffentlichkeitswirksam seinen Account gelöscht. Sein Grund: Xing’s Herausgeber ist der rechte Blogger Roland Tichy, dessen Blog kürzlich „Grün-linke Gutmenschen“ als „psychopathologisch gestört“ hingestellte, mit denen es sich nicht zu diskutieren lohne.

Meinen eigenen Xing-Account habe ich bereits im Juni 2016 gelöscht – aus genau dem gleichen Grund. Nachdem sich das Business-Netzwerk einen redaktionellen Teil zugelegt und dafür Roland Tichy als Herausgeber geholt hatte, war mir klar: Ich gehöre offenbar nicht mehr zur Zielgruppe von Xing. Ich dränge mich nicht auf, konsequent habe ich meinen Premium-Account gekündigt und kurz darauf meinen Account ganz gelöscht.

Schon ewig Kunde

Ich weiß gar nicht, wann ich Kunde geworden bin. Auf jeden Fall hieß Xing damals noch OpenBC. Und über Jahre war der Dienst ein wertvolles Netzwerk. Darüber habe ich regelmäßig zum WebMontag eingeladen – gut 200 Kontakte zum Schluss nur für den WebMontag. Allerdings wurde die Resonanz dort immer geringer, bis sie praktisch gen Null ging.

Die Einführung der Timeline hat dann noch einmal den interessanten Effekt gehabt, dass dort zum Teil mehr Feedback zu geteilten Links kam, als auf Facebook. Mit dem Start des redaktionellen Teils habe ich mich immer weniger von Xing angesprochen gefühlt. Das Netzwerk wurde vom Business Netzwerk zum Business-Kasper-Netzwerk. Als die dann den Tichy zum Chef gemacht haben, war für mit das Maß voll. Schluss, Aus, Ende. Xing hat sich gegen mich als Kunden entschieden.

Schmerzlos

Zu Anfang habe ich mich noch gefragt, ob ich dadurch nicht wichtige Kontakte verlieren würden. Die Antwort ist Nein. Wer mich erreichen will, findet mich. Wen ich erreichen will, habe ich in meinem Adressbuch oder die finde ich per Websuche. Die Gruppen habe ich schon lange nicht mehr gebraucht. Die Wirtschaftskaspernachrichten habe ich nie gebraucht und die Einladung zum WebMontag klappt wesentlich besser per Newsletter. Der gehört wenigsten auch uns selbst.

Wie Matthias Richel es sagte: „Kurz und schmerzlos, das könnt ihr auch.“

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Kommentare

Marek Walther

„Auf Twitter tren­det ge­ra­de das Hashtag #Xing. Der Auslöser da­für ist, dass Mathias Richel öf­fent­lich­keits­wirk­sam sei­nen Account ge­löscht und zum Boykott auf­ge­ru­fen hat.“

Mathias Richel hat nicht zum Boykot auf­ge­ru­fen.
https://twitter.com/mathiasrichel/status/818057080653357056

Steffen Voß

Habs schon an­ge­passt.

E-Mail

Naja, wie­der mal ein (kur­zer & klei­ner) Aufreger in der „post­fak­ti­schen Sozial-Media“-Blase;
Wüsste jetzt nicht, was das ei­ne mit dem an­de­ren zu tun hat?
Nur weil ei­ner „Redakteur“ ist, kann er doch trotz­dem wo­an­ders ar­bei­ten?
Und: Tichys Einblick dürf­te, so­weit von Burda mit­fi­nan­ziert, ganz gu­te Zahlen schrei­ben? (Das Teil kos­tet doch mehr als 10 EUR pro Ausgabe, wenn ich mi­ch rich­tig er­in­ne­re)

Was den Screenshot von Marcel be­trifft:
Jeden Tag ver­län­gern Leute ihr Abo bei XING nicht – und an­de­re ver­län­gern da­für. Wenn er glaubt, er taucht mit sei­ner Kündigung über­haupt im in­ter­nen Tracking auf, dann soll­te er bes­ser die Finger vom Internet las­sen.

Interessant wür­de es, wenn XING >mas­sen­haft< Abos durch Tichy ver­lie­ren wür­de – das ist aber wohl (no­ch?) nicht der Fall?
Ich ver­mu­te eher, dass den meis­ten Leuten (und auch XING [Abo] Mitgliedern) die pri­va­te Redakteursarbeit von Hr. Tichy egal sein dürf­te? Die meis­ten ken­nen den wahr­schein­li­ch nicht mal – auch wenn er vor­her der CherfRed. der WiWo war: Die WiWo ist ein Medium das ganz klar "Special-Interest" ist und nur in be­stimm­ten Kreisen ge­le­sen wird, au­ßer­halb die­ser Blase hat WiWo kei­ne Bedeutung, kei­ne Relevanz – weil schlicht zu we­nig Auflage…

Steffen Voß

Weiß Du, es ist mir re­la­tiv egal, was an­de­re Leute ma­chen. Ich ha­be mi­ch bei XING nicht mehr wohl ge­fühlt. Einen rech­ten Blogger zum Herausgeber zu ma­chen, war nur der Schritt, der mit vor Augen ge­führt hat, wor­an das liegt: XING will an­de­re Kunden als mi­ch. Das ist ei­ne Geschäftsentscheidung, mit der ich le­ben muss – auch nach­dem ich über 10 Jahre Kunde war. Mathias Richel scheint das auch so zu se­hen. Ob das no­ch mehr Leute so se­hen, weiß ich nicht.

Marek Walther

Jeder soll die Vernetzungswerkzeuge nut­zen, die er möch­te. Es wer­den meis­tens die sein, auf de­nen er sein an­zu­spre­chen­des Klientel fin­det. Daher wä­re es hier ein­mal in­ter­es­sant, wie denn bei den Leuten die jetzt XING nach 10 Jahren ver­las­sen, die Exitstrategie aus­sieht. Ich sel­ber bin nie bei XING,BC oder Facebook Mitglied ge­we­sen. Meine Erfahrung mit G+, Gulp oder Projektwerk sa­gen mir, dass si­ch so et­was auch nicht lohnt. Wer mi­ch sucht, fin­det mi­ch oder hat mi­ch in sei­nen Kontakten. Für die di­rek­te Kommunikation und den Austausch von Arbeitsgruppen nut­ze ich ge­schlos­se­ne Newsserver, Jabber, Seafile, IRC und Mailinglisten, RSS. In letz­ter Zeit gibt es aber auch ein paar ex­ter­ne Dienste wie Meetup oder Slack die ich teil­wei­se nut­ze. Damit ha­be ich das er­reicht, an dem Millionen Nutzer in den vir­tu­el­len ’so­zia­len‘ Netzen ar­bei­ten, die per­fek­te Filterblase mit den per­fek­ten Interakteuren. Wenn dann die rest­li­che vir­tu­el­le ’so­zia­le‘ Welt mal wie­der frei­dreht, kann ich es mir leis­ten, die­ser ge­nüss­li­ch ei­nen Spiegel vor­zu­hal­ten oder mi­ch ins ei­ge­ne Refugium zu­rück­zie­hen. Aber was ma­chen die Leute, die heu­te XING we­gen Tichy ver­las­sen und Morgen Facebook weil si­ch Andrew Breitbart plötz­li­ch ei­ne Kolumne über Facebook aus­gibt. Wer macht si­ch jetzt was zu nut­ze? Der Anbieter den Nutzer oder der Nutzer den Anbieter?
Im Grunde egal. Ich den­ke ein­mal, dass die meis­ten die jetzt ih­ren „Austritt“ groß an­kün­di­gen das Netzwerk eh kaum ge­nutzt, aber jetzt ei­nen „gu­ten“ Grund ha­ben, die­ses zu ver­las­sen.

Tichy ist mir bis­her eher ne­ben­läu­fig bei der WiWo in Erinnerung, die ich frü­her ein­mal re­gel­mä­ßig ge­le­sen ha­be. Seit der Adblocksperre bei der WiWo, spa­re ich mir auch die Onlineausgabe. Sein Eigenformat war mir bis­her nicht be­kannt. Beim Drüberfliegen über ei­ni­ge Artikel be­stä­tigt si­ch aber der Verdacht, den ich von der Onlinegesellschaft schon seit lan­gem ha­be. Die Generation (Facebook|Twitter|Xing) ist dünn­häu­tig, von Helikoptereltern in ei­ner Filterblase auf­ge­zo­gen und in­to­le­rant ge­gen­über an­de­rer Meinung. Hinzu kommt, dass die­se Generation von Meinungen und Informationen der­ma­ßen er­schla­gen wird, das sie die Wände ih­rer Filterblase mög­lichst eng an si­ch her­an­zie­hen. Zusätzlich wer­den dann no­ch Gräben aus­ge­ho­ben, Minenfelder ge­legt und Mauern ge­baut. Abwohl mit dem Mauerbau ken­nen wir uns gut aus, even­tu­ell wird das mit Trump ja ein neu­er Exportschlager. Ich für mei­nen Teil hal­te Tichy nach dem Überfliegen ei­ni­ger Artikel nicht für ei­nen rech­ten Blogger. Er mag mit­tig rechts ste­hen und mit sei­ner Wortwahl pro­vo­zie­ren, aber die­ses Recht hat er als Blogger auch. Ähnliches le­se ich auch in an­de­ren Kolumnen die si­ch eher links der Mitte be­fin­den, nur mit an­de­rem Vorzeichen. Kann ich ge­nauso drü­ber schmun­zelt, auch wenn si­ch hier der rech­te Rand si­ch em­pört.

Ergo, lest was ihr wollt und ver­netzt eu­ch wo­mit ihr wollt. Wird wahr­schein­li­ch eh im­mer das sein, wo­hin eu­ch die Karawane ge­trie­ben hat. Ich für mei­nen Teil wer­de mir Tichy Blog jetzt in mei­ne Linkliste pa­cken und da ge­le­gent­li­ch mal vor­bei­schau­en. Danke al­so für die Empfehlung.

Marek Walther

Heute flog ein Blogeintrag von fe­fe zu dem Thema bei mit vor­bei, den ich hier ein­mal zu Dokumentationszwecken ver­lin­ken möch­te: https://blog.fefe.de/?ts=a68d7859

Ich fin­de den span­nend, da er im Grunde wich­ti­ges zum Thema sag. Insbesondere emp­feh­le ich ein­mal Punkt Drei zu le­sen, denn das ha­be ich mi­ch die letz­ten Jahre häu­fi­ger ge­fragt, wenn trie­fen­de lin­ke Hetze durch mei­ne Ticker wab­ber­te.

In dem Sinne, fröh­li­che Empörung und Hexenjagd. Und falls ihr dann doch ein­mal mer­ken soll­tet, das ihr da­mit Teil des Problems und nicht Teil der Lösung seid, ist es ggf. zu spät.

Steffen Voß

Du hast mei­nen Blogpost nicht ge­le­sen oder nicht ver­stan­den.

Sabine

Einen Beleidigungen ver­tei­len­den rech­ten Blogger wie bei Tichy nicht als ganz so schlimm zu emp­fin­den, ist ja dann ei­ne ziem­li­che Ansichtssache, bzw. sagt was über die ei­ge­ne Verortung.
Triefende lin­ke Hetze sagt mir jetzt so gar nichts, hab von der lin­ken Seite so­was no­ch nicht er­lebt. Wer si­ch au­ßen rechts sieht, muss das wohl so emp­fin­den. Da kann man mal se­hen. Manche Leute über­trei­ben aber auch.

Steffen Voß

@Sabine: Du mus­st wis­sen, dass Marek zu den Leuten ge­hört, die de­mo­kra­ti­sche Politiker ger­ne al­le­samt hin­rich­ten wür­den: https://twitter.com/m__a__w__a/status/813725990472089602

Sabine

Ahja… habs ge­sehn. Nichtdemokratische Politiker könn­ten hier sehr an­stren­gend fürs all­täg­li­che Leben sein, sie­he Türkei. Ach was sag ich, sie­he 1933.

Marek Walther

Liebe Sabine, dann soll­test du viel­leicht ein­mal dei­ne Filterblase ver­las­sen. Das Pack, egal ob hart Links oder hart Rechts, gibt si­ch im Grunde nicht viel, nur das Vorzeichen ist an­ders. Lauf doch das nächs­te Mal ein­fach in Hamburg ein­mal ei­ne Runde im schwar­zen Block der Antifa mit. Und ich sprach in dem Tweet von 1789. Jetzt kann­st du mir doch bit­te ein­mal er­klä­ren, wie du die franz. Revolution mit der Machtergreifung der NSDAP 1933 in Verbindung bringst.

Steffen, du kann­st ger­ne das Attribut de­mo­kra­ti­sch oder Demokratie zum Hervorheben ver­wen­den. Nur so wie du es machst, wird es nicht bes­ser. Der Begriff kommt im­mer no­ch aus dem Griechischen und be­deu­tet so­viel wie Herrschaft, Macht oder Gewalt des Staatsvolkes. Auch wenn es in un­se­ren Breitengraden üb­li­ch ist, si­ch hier von Repräsentanten ver­tre­ten zu las­sen, schließt es die di­rek­te Gewalt oder Herrschaft des Volkes nicht aus. Das ein­zi­ges das es da­für be­darf, ist ei­ne aus­rei­chend kri­ti­sche Masse und da­für sor­gen seit Jahrzehnten un­se­re ge­wähl­ten Repräsentanten und ihr Parteiensumpf sel­ber. Das be­s­te Beispiel hier­für ha­ben wir im letz­ten Jahr in Sachsen-Anhalt ge­se­hen. Ein Bundesland, in dem die Wahlbeteiligung von 51% auf 61% Prozent ge­stie­gen ist. Ein Bundesland, das da­vor aus ei­nem 44% Loch ge­kro­chen ist. Kannst du mir hier bit­te ein­mal die de­mo­kra­ti­sche Legitimation der Repräsentanten er­läu­tern? Ich kann dir ger­ne mei­ne Definition ei­ner de­mo­kra­ti­schen Legitimation er­läu­tern und die liegt bei 75% Wahlbeteiligung. Denn nur wenn 3/4 des „Volkes“ ih­ren Willen be­kun­den, kann das System ei­ne sta­bi­le Lage ein­neh­men. Ein Nichtwähler be­kun­det auch sei­nen Willen. Nämlich den, dass er kei­nen der Repräsentanten sein Mandat er­teilt. Und in die­sem Sinne sieht es auch in Schleswig-Holstein we­nig ro­sig aus. Denn auch hier sind wir von 73% auf 60% im let­zen Wahljahr ge­fal­len. Wie das für die­ses Jahr aus­se­hen könn­te, kann man si­ch da si­cher­li­ch aus­ma­len.

Und ge­n­au dar­um hal­te ich die AfD eher für ei­nen Segen. Nicht weil ich de­ren Populismus toll fin­de oder gar an de­ren Lösungen glau­be. Den die AfD hat kei­ne funk­tio­nie­ren Lösungen und das wird si­ch – wie mit al­len recht an­ge­hauch­ten Parteien in den Parlamenten – auch hier zei­gen. Auch bin ich der Meinung, dass ei­ne Demokratie so et­was aus­hal­ten muss und aus­hal­ten kann. Wenn das nicht der Fall ist, gibt es hier eh nichts mehr, was si­ch zu ver­tei­di­gen lohnt. Was für mi­ch auch ein Grund ist, war­um si­ch die Politik mit ei­nem NPD Verbot bis­her so schwer tut. Die AfD ist für mi­ch der Schraubenschlüssel, den das „Volk“ ins po­li­ti­sche Getriebe wer­fen kann. Sie ist der Zaunpfahl der un­se­ren „Demokraten“ von wei­tem winkt und even­tu­ell ist sie auch die letz­te Ausfahrt vor der Katastrophe. Denn was uns seit dem Beginn der GroKo fehlt ist ei­ne funk­tio­nie­ren Opposition, die die­sen Namen auch ver­dient und von der si­ch auch die Unverstanden ver­tre­ten füh­len. Das soll­ten si­cher nicht die Rechtspopulisten der AfD sein, aber es bie­tet si­ch ja kein an­de­rer an. Alle an­de­ren zieht es mit al­ler Gewalt zu den Honigtöpfen der Macht, auch wenn man dann häu­fi­ger mit Bauchschmerzen um­fal­len muss.

Die AfD hal­te ich da­her nicht für ein Problem. Auch nicht, wenn Sie im September den Worst Case von 20% rei­ßen soll­te. Die AfD könn­te eher bei den nächs­ten Wahl in fünf Jahren zum ernst­haf­ten Problem wer­den, denn hier se­he ich zwei mög­li­che Szenarien. Entweder be­sin­nen si­ch die ge­wähl­ten Repräsentanten dar­auf, wer ih­nen das Mandat er­teilt hat, han­deln ent­spre­chend und die AfD ent­zau­bert si­ch sel­ber. Oder es wird wei­ter wie bis­her die po­li­ti­sche Ignoranz ge­lebt und die AfD geht in der Oppositionsrolle auf. Im zwei­ten Fall, wür­den wir ganz klar die Ausfahrt ver­pas­sen.

Wenn du jetzt der Meinung bist, das eu­er ge­fühl­ter Rassismus das Problem ist, irrst du dich ge­n­au so wie die Leute, die die au­gen­blick­li­che Flüchtlingssituation als Problem se­hen. Die Flüchtlingssituation wird von so ziem­li­ch al­len Akteuren scham­los aus­ge­nutzt. Da wä­re auf der ei­nen Seite ei­ne Bundesregierung die die­ses als güns­ti­ge Möglichkeit sieht, in­di­rek­te Wirtschaftsförderung zu be­trei­ben, die man nie in der EU so durch be­kom­men hät­te und igno­riert hier­bei die Aufnahmeregelung der EU. Dann möch­te man die Flüchtlinge ger­ne zur Stütze un­se­rer Sozialsysteme und in der Pflege zur Aufrechterhaltung der de­so­la­ten Arbeitsbedingungen her­an­zie­hen. Und am Ende der Kette ha­ben wir dann die Rechtspopulisten, die mit ein­fa­chen Plattitüden auf Stimmungsfang ge­hen. Alle die und die da­zwi­schen beu­ten schon heu­te die Flüchtlingssituation und ih­re Protagonisten po­pu­lis­ti­sch für ih­re Zwecke aus. Nur hel­fen oder gar die Ursachen an­pran­gern, war­um die­se Leute si­ch auf den Weg ma­chen, tut kei­ner. Denn dann müss­te man über 25 Jahre Kriegssituation in den ver­schie­de­nen Ländern be­leuch­ten und si­ch die Frage stel­len, war­um hat Deutschland hier un­ter­stützt und mit­ge­macht oder wer sind die Kriegsgewinnler. Statt des­sen be­zah­len wir in der Türkei ei­nen an­ge­hen­den Autokraten und las­sen Griechenland mit aus­ge­streck­ter Mohrrübe vor der Nase ver­hun­gern, da­mit die uns die Symptome vom Hals hal­ten.
–Aber Rassismus ist doch et­was fei­nes gell. Wenn man Weiss wer der Feind ist, hat der Tag Struktur. Also wird ein­fach ein­mal je­der be­sorg­te Bürger der nicht bei drei auf dem Baum ist in die rech­te Ecke ge­scho­ben. Das ist prak­ti­sch, ein­fach und be­stä­tigt eu­re hu­ma­nis­ti­sche Überlegenheit, nicht. Natürlich hat auch der be­sorg­te Bürger et­was da­von. Dem er­öff­net ihr wun­der­bar die Opferrolle, in der er es si­ch be­quem ein­rich­ten kann. Denn als Opfer ist man ja von bö­sen Tätern um­ge­ben, die ei­nen be­drän­gen und das Wort im Munde um­dre­hen. Mit Tätern muss man nicht re­den, vor de­nen muss man si­ch schüt­zen. Das gilt dann selbst­ver­ständ­li­ch auch für die lin­ken Gutmenschen, die je­den der nicht der Meinung ih­rer en­gen Filterblase ent­spricht am liebs­ten die Bürgerrechte ab­erken­nen und mit ei­nem Berufsverbot be­le­gen wür­den. Und das wä­ren dann Menschen wie Tichy, die ganz klar ei­ne NeoCon-Meinung ver­tre­ten und die ih­re ger­ne in eu­rem jäm­mer­li­chen Weltbild als rech­te Nazipropaganda brand­mar­ken wür­det. Dabei soll­te ein auf­rech­ter Demokrat wis­sen, dass ei­ne Gesellschaft die­se Meinungen ver­kraf­ten kann. Ein de­mo­kra­ti­sch ge­bil­de­ter Mensch wür­de nicht ein in­di­rek­tes Berufsverbot per WebMob 2.0 ein­for­dern oder Menschen mit an­de­ren Meinung drang­sa­lie­ren. Denn er wüss­te, dass die­ses ge­n­au die Methoden sind, die von den Nationalsozialisten ein­ge­setzt wur­den. Und er wüss­te, das ge­n­au aus die­sem Grunde die Meinungsfreiheit ei­ner Demokratie ei­nes der höchs­ten Güter ist, für al­les an­de­re gibt es den Rechtsstaat. Die Auswirkungen die­sen Handels kann man auch schon sehr gut se­hen. Viele Menschen in die­sem Land ha­ben Angst ih­re Meinung in der Öffentlichkeit zu sa­gen. Insbesondere Wahlvorhersagen sind da­von be­trof­fen, die meis­ten Menschen ver­su­chen mit dem Strom zu schwim­men. Und da­mit schafft ihr eu­ch sel­ber eu­er größ­tes Problem. Da eu­ch selbst die Personen in eu­er Umgebung nicht mehr ih­re Wahrheit – son­dern nur no­ch eu­re Wahrheit – sa­gen, ver­stärkt si­ch nur eu­re Filterblase und ihr seht die Gefahr selbst dann nicht mehr, wenn sie eu­ch schon fast beißt.

Ihr zieht Gräben, baut Mauern, legt Minenfelder und merkt gar­nicht, wel­chen Bärendienst ihr der ge­sam­ten Netzgemeinde er­weist. Ganze Generationen ha­ben ge­gen Zensurella, Vorratsdatenpeicherung, Videoüberwachung und Bundestrojaner ge­kämpft und ihr macht das al­les in we­ni­gen Monaten wie­der ka­putt. Überwachung und Vorratsdatenspeicherung brau­chen wir jetzt für die Gefährder und das Wahrheitsministerium ge­gen Hatespeech. Das hät­ten selbst die Bundespiraten nicht bes­ser ge­gen die Wand fah­ren kön­nen.

Und da­mit si­ch der Kreis schließt, will ich dir hier no­ch kurz auf­zei­gen in was für ei­ner Farce von Demokratie wir mit den der­zei­ti­gen Repräsentanten le­ben. Da ha­ben wir jetzt Politiker von CSU/CDU/SPD und co, die si­ch nicht ent­blö­den, Forderungen des rech­ten Mobs in das Wahlprogramm auf­zu­neh­men. Und dann hät­ten wir da no­ch den Bundespräsidenten in spee, der nicht nur die Regierung und die Bevölkerung be­lo­gen und ei­nen Staatsbürger in Guantanamo ver­rot­ten lies, er wird auch nicht mehr rich­tig ge­wählt. Da wird wie auf dem Viehmarkt ge­scha­chert um ei­ge­ne po­li­ti­sche Interessen durch­zu­brin­gen. Da ha­ben wir halt die be­s­te Demokratie die man für Geld kau­fen kann.

Entschuldige bit­te das ich mi­ch in dei­nem Blog aus­ge­kotzt ha­be, aber bei ge­wis­sen Themen kann ich halt nicht an­ders. Der Würgereiz, du ver­stehst. Ich muss jetzt los, ha­be ge­ra­de aus China ein Angebot für ein paar Schiffsladungen Fackel und Mistforken be­kom­men. Ich den­ke, wenn die in ein paar Monaten hier an­kom­men, könn­te das ein Renner wer­den.

Wahlbeteiligung Sachsen-Anhalt:
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/3179/umfrage/wahlbeteiligung-bei-den-landtagswahlen-in-sachsen-anhalt-seit-1990/

Wahlbeteiligung Schleswig-Hostein:
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/37803/umfrage/wahlbeteiligung-bei-den-landtagswahlen-in-schleswig-holstein/

Wahlbeteiligung Bundestagswahlen:
http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/bundestagswahlen/55594/nach-altersgruppen

Focus Flüchtlinge in der Pflege:
http://www.focus.de/finanzen/news/arbeitsmarkt/gute-moeglichkeit-sich-zu-integrieren-regierung-will-pflegekraefte-mangel-mit-fluechtlingen-bekaempfen_id_6409400.html

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