Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Geschichte : Als 20000 Nazis in New York demonstrierten

A Night at the Garden
A Night at the Garden | Screenshot

Steffen Voß

1939 trafen sich 20000 Nazis im Madison Square Garden in New York zu einer „Pro‐​Amerikanischen Kundgebung”. Die Kurz‐​Dokumentation „A Night at the Garden” zeigt dieses Ereignis. Sie ist in diesem Jahr für einen Oscar nominiert. Die Ähnlichkeiten zu Donald Trumps Kundgebungen sind so bestechend, dass Fox News sich weigerte, einen Trailer dafür zu schalten.

Der 1936 gegründete Amerikadeutsche Bund hatte gut 25000 Mitglieder in 70 Gliederungen in den gesamten USA. Während Nazi‐​Deutschland Konzentrationslager baute, hielt der Bund Pro‐​Hitler Sommerlager ab.

Am 20. Februar jährte sich zum 80. Mal der Tag der berüchtigsten Veranstaltung. 20000 Anhänger fanden sich damals zu einer Kundgebung in New York zusammen, die ihren „Pro‐​Amerikanismus” feierten – mit Reden und Aufführungen vor einer 9 Meter hohen Abbildung von George Washington und den blau‐​weiß‐​roten Fahnen der USA.

Der Führer des Amerikadeutschen Bundes Fritz Kuhn beginnt seine Rede damit, sich über die Media lustig zu machen. Er fordert dann an, als einzig wahrer Verteidiger der amerikanischen Werte, das Land wieder den Leuten zurück zu geben, die es gegründet haben.

Der Filmemacher Marshall Curry erzählt in der On The Media Podcast, dass er per Zufall auf dieses Ereignis gekommen ist. Ein Freund erzählte ihm davon. Er machte sich dann auf die Suche nach Archivmaterial und stolperte über die Ähnlichkeiten zu aktuellen Kundgebungen von Donald Trump. Die Verächtlichmachung der Media. Die Verdrehung der amerikanischen Werte. Die Art und Weise, wie sich eine Menschenmenge in einen Mob verwandelt, wenn es gegen die Feinde geht.

Donald Trump sei kein Nazi sagt, Marshall Curry. Aber nachdem Mord an einer Gegendemonstrantin bei einer Nazi‐​Kundgebung in Charlottesville im Jahr 2017, wurde ihm klar, dass Teile von Trumps Bewegung durchaus Nazis seien. Er habe dann zugesehen, dass seine Dokumentation schnell fertig würde.

Nur knappe sieben Minuten ist der Film – reines Archivmaterial, das auch nur kurze Ausschnitte aus der langen Rede von Fritz Kuhn zeigt. Es zeigt aber auch, wie ein aufgebrachter Mann auf die Bühne stürzt, um zu widersprechen und wie der von den Schlägern aus dem Saalsschutz und der Polizei verprügelt wird. Sie reißen ihm die Hose runter und schmeißen ihn von der Bühne. Marshall Curry berichtet, dass der Mann, ein Jude, danach sogar noch zu einer Strafe wegen Ruhestörung verurteilt wurde.

Der Film ist jetzt nominiert für den Oscar als beste Kurz‐​Dokumentation:

„ ‚A Night at the Garden’ uses striking archival fragments recorded that night to transport modern audiences into this disturbing gathering. With chilling resonance in today’s political climate, the film is a reminder about the power that far‐​right ideology once had in America and a wake‐​up call about the importance of addressing it today.”

Den ganzen Film gibt es schon jetzt auf Youtube zu sehen:

A Night at the Garden Oscars 2019 Short Documentary

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