Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Digitalisierung : „Wir müssen reden!“

Foto: Vernon Chan - CC BY 2.0

Steffen Voß

„Wir müssen reden!“ So beginnen in der Regel eher unangenehme Beziehungsgespräche. Während solcher Gespräche aber kann es echt hart werden: Vorwürfe und Unterstellungen. Erst langsam werden Missverständnisse deutlich und man nähert sich wieder an. Man klärt die Fakten und die Gefühle. Im Idealfall ist es am Ende besser als vorher.

„Wir müssen reden!“ – also nicht Du und und ich, sondern wir als Gesellschaft. Wir müssen alle miteinander darüber reden, wie wir in einer Welt zusammenleben wollen, in der immer weitere Bereiche des Lebens durch digitale Technologien bestimmt werden. Eine Gelegenheit für solche Gespräche war die 1. Digitale Woche Kiel, die heute zu Ende geht.

In den letzten 7 Tagen haben in Kiel mehr als 260 Veranstaltungen stattgefunden, die sich alle mit der Digitalisierung beschäftigt haben: An den Schulen, an den Hochschulen, beim Offenen Kanal, eine Vielzahl Unternehmen hat sich eingemischt, der DGB, die Kirche und die IHK. Der technologische Fortschritt stellt viele Fragen an uns und wir müssen diskutieren, wie unsere Antworten lauten.

Bei der Eröffnung der Digitalen Woche Kiel hielt die Digital Botschafterin der Bundesregierung, Prof. Gesche Joost einen Vortrag über die Veränderungen, die es mit sich bringt, wenn das Internet überall ist, wenn wir Gegenstände ausdrucken können und über die Veränderungen in der Arbeitswelt. Viele ihrer Beispiele bezogen sich auf Freie Software – Software also, die Gemeinschaftseigentum ist. Wird das unsere Zukunft sein? Oder werden wir immer mehr vollversorgt von einer Hand voll internationaler Unternehmen? Besteht der Wochenendbummel nur noch aus dem Spaziergang zur Post? Wollen wir, dass unsere Kinder und unsere Alten von nur noch freundlichen Robotern betreut werden?

Über diese und viel mehr Fragen müssen wir reden. Die Digitale Woche war eine gute Gelegenheit dazu – aber die ist nur in Kiel und nur eine Woche. Wir sollten immer dann darüber reden, wenn uns das Thema über den Weg läuft, mit den Leuten, die gerade da sind.

Dieser Text ist als Kolumne bei shz.de erschienen.

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