Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Moblin : Linux für Mobile Endgeräte

Moblin Screenshot

Steffen Voß

Für jeden Anwendungsfall gibt es ein Linux und eine ganze Reihe habe ich schon ausprobiert. Von fli4l als Router über Puppy-Linux für alte Rechner bis Kubuntu als Desktopsystem. Jetzt habe ich mit Moblin ein Linux speziell für mobile Endgeräte auf meinem Netbook ausprobiert.

Mobile Linuxe sind ein relativ neues Phänomen, dass sich vor allem daraus speist, dass mobile Geräte wie Netbooks und Mobiltelefone inzwischen über erhebliche Rechenleistung verfügen. Sie spielen vor allem mit neuen Bedienkonzepten.

Bisher haben sich Betriebssysteme immer an Arbeitsplatzsituation orientiert: Der Anwender sitzt am Schreibtisch, hat einen großen Monitor und eine Mouse und soll möglichst in der Lage sein, alles tun zu können: Vom Erstellen eines Geschäftsbriefes bis zum Computerspiel.

Die neuen Systeme gehen davon nicht mehr aus. Stattdessen sind die neuen Endgeräte klein und werden nebenher bedient. Dabei muss es dann gar nicht unbedingt erstes Ziel sein, dass alles einfach machbar ist – es geht vor allem um die Dinge, die unterwegs benötigt werden.

Um die Bedienung mit Touchscreen oder Touchpad einfacher zu machen, gibt es ein übersichtliches Layout mit großen, kontrastreichen Icons, über die die wichtigsten Funktionen erreichbar sind – so auch bei Moblin.

Zur Praxis…

Mein Netbook ist ein EeePC 1000H auf dem normalerweise ein Windows XP Home-Edition läuft. Bisher hatte ich dazu immer normales Ubuntu drauf laufen, dass ich dann durch den Ubuntu Netbook Remix so angepasst habe, dass der kleine Raum auf dem Bildschirm voll ausgenutzt wird.

Moblin wird installiert wie jedes andere Linux auch: Am einfachsten ist es, wenn man schon ein laufendes Ubuntu hat. Dann kann man unter System/Systemverwaltung ein USB-Startmedium erstellen. Dazu lädt man sich einfach das ISO von Moblin runter und schreibt es mit dem Programm auf einen USB-Stick.

Steckt der Stick im EeePC, nun im BIOS eingestellt werden, mit welcher „Festplatte“ gebootet werden soll. Das ist nicht „Removable Disk“ in der Bootsequenz. Stattdessen muss man im Bootmenü im zweiten Menüpunkt den Stick als Festplatte auswählen. Danach startet der Rechner vom Stick.

Wie inzwischen bei Linux-Distributionen üblich, installiert sich das System nach nur wenigen Nachfragen (Sprache, Zeitzone) zügig selbst.

Bedienung

Nach einem Neustart steht Moblin zur Verfügung: Auf der Startseite sieht man nun aktuelle Termine und Aufgaben, sowie die letzten besuchten Internetseiten und Nachrichten von LastFM- und Twitter-Freunden.

Am oberen Rand des Bildschirms erscheint bei Bedarf eine Bedienleiste mit verschiedenen Elementen. Zum Einen gibt es dort einen Punkt für den „Status“, den man für Twitter und den Instant Messenger setzen kann. Unter „People“ findet man seine Kontakte, die gerade online sind. Das ist ziemlich praktisch, wenn man zum Beispiel den Messenger mit Facebook verkuppelt.

Multimedia

Es gibt dann noch einen Punkt „Multimedia“ unter dem man Musik, Bilder und Videos abspielen kann. Der ist einerseits echt praktisch und andererseits nicht besonders intuitiv: Praktisch ist, dass man Musik einfach laufen lassen kann – wenn man dann ein Video abspielt, wird automatisch die Musik angehalten, das Video im Vollbild abgespielt und wenn das Video durch ist, fängt die Musik wieder an zu laufen. Unpraktisch ist, dass man über den „Multimedia“-Punkt nicht zum eigentlichen Player kommt. Dort wird nämlich nur angezeigt, was man als letztes gehört / gesehen hat. Der Player selbst wird auf der Startseite gestartet.

So ähnlich ist das auch beim Punkt „Internet“: Dort gibt es eine Übersicht der letzten angesurften Seiten.

Man kann sehr hübsch per Alt-Tab zwischen den aktiven Anwendungen hin und her wechseln – wichtig zu wissen, weil einem sonst der Browser oder der Player ab und zu einfach abhanden kommt.

Und sonst?

Natürlich kann man mit Moblin auch normale Linux-Anwendungen wie Thunderbird und OpenOffice starten – die speziell vorbereiteten Programme wie Empathy oder Evolution passen sich aber sehr schön in die Umgebung. Es lassen sich also auch Mails und Geschäftsbriefe schreiben – wenn auch Geschäftsbriefe nicht der erste Zweck sind.

Moblin und meamo werden MeeGo

Mittlerweile hat sich Moblin (Intel) mit meamo (Nokia) zu MeeGo zusammengeschlossen. maemo ist das Debian-basierte Betriebssystem für Mobiltelefone, das zum Beispiel auf dem Nokia N900 läuft.

Diese Allianz gibt es erst seit Mitte Februar diesen Jahres, so dass noch nicht viel mehr als die Homepage verfügbar ist. Da hinter dem Projekt aber mit Intel und Nokia zwei große Firmen stehen, die jeweils den Netbook-Markt und den Mobilfunk-Markt repräsentieren, bin ich gespannt darauf, wie sich das System weiterentwickelt.

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