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Moblin: Linux für Mobile Endgeräte

Moblin Screenshot
Moblin Screenshot

Für je­den Anwendungsfall gibt es ein Linux und ei­ne gan­ze Reihe ha­be ich schon aus­pro­biert. Von fli4l als Router über Puppy-Linux für al­te Rechner bis Kubuntu als Desktopsystem. Jetzt ha­be ich mit Moblin ein Linux spe­zi­ell für mo­bi­le Endgeräte auf mei­nem Netbook aus­pro­biert.

Mobile Linuxe sind ein re­la­tiv neu­es Phänomen, dass si­ch vor al­lem dar­aus spei­st, dass mo­bi­le Geräte wie Netbooks und Mobiltelefone in­zwi­schen über er­heb­li­che Rechenleistung ver­fü­gen. Sie spie­len vor al­lem mit neu­en Bedienkonzepten. 

Bisher ha­ben si­ch Betriebssysteme im­mer an Arbeitsplatzsituation ori­en­tiert: Der Anwender sitzt am Schreibtisch, hat ei­nen gro­ßen Monitor und ei­ne Mouse und soll mög­lichst in der Lage sein, al­les tun zu kön­nen: Vom Erstellen ei­nes Geschäftsbriefes bis zum Computerspiel. 

Die neu­en Systeme ge­hen da­von nicht mehr aus. Stattdessen sind die neu­en Endgeräte klein und wer­den ne­ben­her be­dient. Dabei muss es dann gar nicht un­be­dingt ers­tes Ziel sein, dass al­les ein­fach mach­bar ist – es geht vor al­lem um die Dinge, die un­ter­wegs be­nö­tigt wer­den.

Um die Bedienung mit Touchscreen oder Touchpad ein­fa­cher zu ma­chen, gibt es ein über­sicht­li­ches Layout mit gro­ßen, kon­trast­rei­chen Icons, über die die wich­tigs­ten Funktionen er­reich­bar sind – so auch bei Moblin. 

Zur Praxis…

Mein Netbook ist ein EeePC 1000H auf dem nor­ma­ler­wei­se ein Windows XP Home-Edition läuft. Bisher hat­te ich da­zu im­mer nor­ma­les Ubuntu drauf lau­fen, dass ich dann durch den Ubuntu Netbook Remix so an­ge­passt ha­be, dass der klei­ne Raum auf dem Bildschirm voll aus­ge­nutzt wird. 

Moblin wird in­stal­liert wie je­des an­de­re Linux auch: Am ein­fachs­ten ist es, wenn man schon ein lau­fen­des Ubuntu hat. Dann kann man un­ter System/Systemverwaltung ein USB-Startmedium er­stel­len. Dazu lädt man si­ch ein­fach das ISO von Moblin run­ter und schreibt es mit dem Programm auf ei­nen USB-Stick. 

Steckt der Stick im EeePC, nun im BIOS ein­ge­stellt wer­den, mit wel­cher „Festplatte“ ge­boo­tet wer­den soll. Das ist nicht „Removable Disk“ in der Bootsequenz. Stattdessen muss man im Bootmenü im zwei­ten Menüpunkt den Stick als Festplatte aus­wäh­len. Danach star­tet der Rechner vom Stick. 

Wie in­zwi­schen bei Linux-Distributionen üb­li­ch, in­stal­liert si­ch das System nach nur we­ni­gen Nachfragen (Sprache, Zeitzone) zü­gig selbst. 

Bedienung

Nach ei­nem Neustart steht Moblin zur Verfügung: Auf der Startseite sieht man nun ak­tu­el­le Termine und Aufgaben, so­wie die letz­ten be­such­ten Internetseiten und Nachrichten von LastFM- und Twitter-Freunden. 

Am oberen Rand des Bildschirms er­scheint bei Bedarf ei­ne Bedienleiste mit ver­schie­de­nen Elementen. Zum Einen gibt es dort ei­nen Punkt für den „Status“, den man für Twitter und den Instant Messenger set­zen kann. Unter „People“ fin­det man sei­ne Kontakte, die ge­ra­de on­line sind. Das ist ziem­li­ch prak­ti­sch, wenn man zum Beispiel den Messenger mit Facebook ver­kup­pelt.

Multimedia

Es gibt dann no­ch ei­nen Punkt „Multimedia“ un­ter dem man Musik, Bilder und Videos ab­spie­len kann. Der ist ei­ner­seits echt prak­ti­sch und an­de­rer­seits nicht be­son­ders in­tui­tiv: Praktisch ist, dass man Musik ein­fach lau­fen las­sen kann – wenn man dann ein Video ab­spielt, wird au­to­ma­ti­sch die Musik an­ge­hal­ten, das Video im Vollbild ab­ge­spielt und wenn das Video durch ist, fängt die Musik wie­der an zu lau­fen. Unpraktisch ist, dass man über den „Multimedia“-Punkt nicht zum ei­gent­li­chen Player kommt. Dort wird näm­li­ch nur an­ge­zeigt, was man als letz­tes ge­hört / ge­se­hen hat. Der Player selbst wird auf der Startseite ge­star­tet.

So ähn­li­ch ist das auch beim Punkt „Internet“: Dort gibt es ei­ne Übersicht der letz­ten an­ge­surf­ten Seiten. 

Man kann sehr hüb­sch per Alt-Tab zwi­schen den ak­ti­ven Anwendungen hin und her wech­seln – wich­tig zu wis­sen, weil ei­nem son­st der Browser oder der Player ab und zu ein­fach ab­han­den kommt. 

Und sonst?

Natürlich kann man mit Moblin auch nor­ma­le Linux-Anwendungen wie Thunderbird und OpenOffice star­ten – die spe­zi­ell vor­be­rei­te­ten Programme wie Empathy oder Evolution pas­sen si­ch aber sehr schön in die Umgebung. Es las­sen si­ch al­so auch Mails und Geschäftsbriefe schrei­ben – wenn auch Geschäftsbriefe nicht der er­s­te Zweck sind. 

Moblin und meamo werden MeeGo

Mittlerweile hat si­ch Moblin (Intel) mit me­a­mo (Nokia) zu MeeGo zu­sam­men­ge­schlos­sen. ma­e­mo ist das Debian-basierte Betriebssystem für Mobiltelefone, das zum Beispiel auf dem Nokia N900 läuft. 

Diese Allianz gibt es er­st seit Mitte Februar die­sen Jahres, so dass no­ch nicht viel mehr als die Homepage ver­füg­bar ist. Da hin­ter dem Projekt aber mit Intel und Nokia zwei gro­ße Firmen ste­hen, die je­weils den Netbook-Markt und den Mobilfunk-Markt re­prä­sen­tie­ren, bin ich ge­spannt dar­auf, wie si­ch das System wei­ter­ent­wi­ckelt.

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