Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Wordpress Editor : Gutenberg hat noch einiges vor sich

Gutenberg Editor in Wordpress

Steffen Voß

So richtig rund lief mein erster Test mit dem neuen Gutenberg‐​Editor in WordPress noch nicht. Einiges mag Gewöhnung sein. Aber einige echte Macken hat das System noch.

Wie kann man denn jetzt hier Blöcke hinzufügen?

Es fängt schon gleich mit dem ersten Absatz in diesem Artikel an: Wo ist denn jetzt das Plus‐​Icon, mit dem ich den nächsten Block anfügen kann? Dann entdecke ich in einem Untermenü, die Möglichkeit, den Classic‐​Block in einen Absatz umzuwandeln. Danach geht es.

Das ist also noch der alte Editor im Gewand des neuen – bis man das umstellt. Vielleicht ist das noch eine Voreinstellung für den Übergang, bis sich die Nutzer an das neue System gewöhnt haben. Jetzt, da ich das Problem kann, kann ich damit umgehen. Praktisch ist das erst einmal nicht.

In the recent debate over Gutenberg readiness, I think it’s important to understand the difference between Gutenberg being ready code‐​wise (it is now), and whether the entire community is ready for Gutenberg.

Matt Mullenweg, WordPress‐​Gründer

Menüs verdecken Inhalte

In meinem Kino‐​Jahresrückblick habe ich eine ganze Reihe Blöcke nutzen müssen und immer wieder festgestellt, dass Dinge noch nicht ideal funktionieren:

Wenn man zum Beispiel zwei Absätze hat und man klickt irrtümlich in dem einen an, dass man einen Link einfügen möchte, dann geht das Fenster nicht weg, wenn man in den anderen Absatz klickt. Stattdessen bleibt das Fenster genau dort stehen, wo es geöffnet wurde – egal, wohin ich scroll.

Die Editor‐​Icons in einem Überschriften‐​Block überlagern teilweise den Block darüber. Ich kann es gerade nicht mehr ganz nachvollziehen – aber in dem Kino‐​Artikel bin ich mehrfach drüber gestolpert, dass die im Weg waren.

Das Drag&Drop der Blöcke funktioniert bei mir noch gar nicht. Die Hoch‐​und‐​Runter‐​Buttons funktionieren allerdings gut.

Seitenleiste ist noch nicht optimal

Früher hatte WordPress in der rechten Spalte immer die Einstellungen für den Blogpost. Die sind da jetzt auch noch – aber auch die Einstellungen für die Blöcke. Ist der Cursor in einem Block, werden die Block‐​Einstellungen angezeigt.

Prinzipiell ist das ok. Es ist nur unpraktisch, wenn man zum Beispiel Namen aus einem Text‐​Block als Schlagwort hinzufügen möchte. Dann muss man jedes mal umschalten: Klick in den Absatz, Namen markieren, kopieren – umschalten auf die Dokumenten‐​Einstellungen, Schlagwort einfügen. Das war vorher einfacher.

Außerdem hätte ich gerne das Beitragsbild mit seinen Einstellungen gerne ganz oben. So habe ich mir das sonst immer hingeschoben, weil das Bild nachher im Artikel auch ganz oben ist.

Dachzeile geht leider nicht mehr

Ich hatte mir mit den Benutzerdefinierten Feldern eine Lösung gebaut, mit der ich eine Dachzeile tatsächlich über der Überschrift eingeben konnte. Das funktioniert leider gar nicht mehr. Ich muss die Dachzeile jetzt wieder unten bei den Custom‐​Fields eingeben und ich versteh es nicht.

Ok, dass mein Hack nicht mehr funktioniert – damit habe ich gerechnet. Ich hab aber gedacht, dass das neue Block‐​System das vielleicht selbst lösen könnte. Immerhin ist das eine einfache Text‐​Zeile, die man als Block über die Überschrift schiebt. Leider kann man nichts über die Überschrift schieben. Ich habe eine entsprechende Änderung vorgeschlagen, aber nicht den Eindruck, dass die Community die Idee von Dachzeilen verstanden hat.

 

Blöcke‐​Konzept konsequenter umsetzen

Ich finde schade, dass das Blöcke‐​Konzept noch nicht konsequent durchgezogen wurde. Eigentlich müssten doch die Überschrift auch nur ein Block sein. Eigentlich müsste das Beitrags‐​Bild ein Block sein. Eigentlich müsste es doch möglich sein, sich ein paar Blöcke zu einem Standard‐​Artikel zusammenklicken können:

  1. Dachzeile
  2. Titel
  3. Beitragsbild
  4. Anreißer
  5. Umbruch
  6. Erster Absatz

Vielleicht könnte man sogar Stichworte, Kategorien und das Veröffentlichungsdatum zu Blöcken machen, die man an die richtige Stelle zieht. Das wäre sicher eine Hilfe für Seiten, auf denen nicht nur Leute schreiben, die sich mit dem System intensiv auseinander gesetzt haben.

I knew we would be taking a big leap. But it’s a leap we need to take, and I think the end result is going to open up many new opportunities for everyone in the ecosystem, and for those being introduced to WordPress for the first time. It brings us closer to our mission of democratizing publishing for everyone.


Matt Mullenweg, WordPress‐​Gründer

Das war jetzt die erste Veröffentlichung von Gutenberg. Ich habe nicht damit gerechnet, dass die schon perfekt ist. Das Team wird jetzt aus dem Feedback die richtigen Schlüsse ziehen müssten. Die Umstellung ist ein gewagter Schritt. Aber nachvollziehbar ein nötiger, wenn WordPress seinen Weg weiter gehen will.

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Kommentare

ExGitHubler
ExGitHubler:

.. aber nicht den Eindruck, dass die Community die Idee von [egal welcher Benutzervorschlag] verstanden hat.

Normal, alles was nicht in das bereits fertige Konzept von Gutenberg Phase 1 (Editor) und die Folgephasen 2, 3, 4 passt, wird nicht verstanden. Viele Entwickler haben viel Feedback gegeben, und da es meist komplett versandet, das Feedbackgeben aufgegeben.

17. Dezember 2018 um 13:14

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