Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Aktien-Markt : Die Mutter aller Short Squeezes

Symbolbild: Irgendwelche Aktienkurse
Foto: Sigmund/Unsplash

Steffen Voß

Erinnert ihr Euch noch an die Aktion mit den Gamestop-​Aktien Anfang des Jahres? Es gibt eine weitere Runde. Zurzeit bereiten sich Kleinanleger vor allem auf Reddit auf den MOASS vor: Den Mother of all Short Squeezes.

Anfang des Jahres fanden es einige Kleinanleger doof, dass Hedgefonds per Leerverkauf auf die Pleite des Computerspiele-​Einzelhändler wetteten und hielten dagegen. Sie kauften die Aktien. Der Preis stieg. Einigen Hedgefonds fiel es schwer, die Leerverkäufe zu bedienen. Gerade hat deswegen der Hedgefond White Square Capital aufgegeben. Das Restkapital wird den Anlegern zurückgegeben.

Kurze Wiederholung

Ein Short Sale (Leerverkauf) ist es, wenn sich ein Anleger eine Aktie für überbewertet hält. Der Anleger leiht sich die Aktien für eine bestimmte Zeit und zahlt dafür eine Leihgebühr. Wenn er die Aktien bekommen hat, verkauft er die zum aktuell hohen Preis. Wenn der Preis dann tatsächlich fällt, kauft er die Aktien zurück und gibt sie an den Verleiher zurück. Der Unterschied zwischen dem Ursprungspreis und dem neuen (abzüglich der Leihgebühr) ist der Gewinn.

Wenn der Preis aber nicht fällt, muss der Anleger die Aktien zu einem höheren Preis kaufen. Allein durch diese zusätzliche Nachfrage steigt der Preis noch mehr. Das nennt man Squeeze, wenn ich das richtig verstehe.

Round Two: Fight!

Nun haben die Kleinanleger mindestens die Vermutung, dass es besonders schlaue Anleger gibt – einer davon scheint der Citadel Hedgefond zu sein. Die haben sich offenbar große Mengen Gamestop-​Aktien geliehen, verkauft, geliehen und verkauft, bis sie sich – soweit ich das verstehe, 2–4x mehr Aktien geliehen haben, als es überhaupt gibt. Wohl in der Hoffnung, dass Gamestop tatsächlich pleite geht und sie die Aktien gar nicht mehr zurückgeben müssen.

Ich hab nicht ganz verstanden, ob sie den Verkäufern dann gar nichts zurückgeben müssen und den kompletten Kaufpreis behalten können. Das wäre dann natürlich ein super Geschäft.

Problematisch wird es, wenn Gamestop nicht pleite geht. Dann muss Citadel Aktien kaufen, die zum Beispiel die vielen Kleinanleger zurzeit gar nicht verkaufen wollen. Sie müssen die kaufen, an die Verleiher zurückgeben, wieder kaufen, zurückgeben. Dadurch steigt der Preis immer weiter und immer weiter: The Mother of all Short Squeezes.

Gamestop hat die gestiegenen Aktienkurse der letzten Monate bereits genutzt und eine Milliarde Dollar frisches Geld eingesammelt, mit dem das Unternehmen seine Geschäfte auf Vordermann bringen will. Nach Pleite klingt das für mich nicht. Zumindest nicht in nächster Zeit.

Vielleicht ist das auch alles Blödsinn. Vieles liest sich nach Verschwörung. Es hängt letztlich davon ab, ob Anleger wie Citadel tatsächlich so maßlos auf Leerverkäufe gesetzt haben. Andererseits wäre es fast nicht zum Bankencrash von 2008 gekommen, weil die Investmentbanken tatsächlich unter einer Decke steckten und wussten, dass was sie mit Kreditfonds für einen Dreck verkauften. Die einen haben es verpackt, die anderen haben ein Gütesiegel drauf geklebt und alle haben dran verdient, bis jemand hinter die Verschwörung gekommen ist. 

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