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Web-Hosting: Komm, wir gründen eine Kooperative!

Foto: Some rights reserved by tonyhall

Eine Kooperative, die verschiedene Web-Applikationen zur Verfügung stellt – das war Svens Idee auf dem gestrigen WebMontag in Kiel. Jeder hat seinen eigenen Webspace. Jeder betreibt ein Blogsystem. Viele haben weitere Tools wie WebMailer, URL-Shortener, Wikis usw. Und jeder muss sich selbst um die Pflege kümmern. Warum nicht einfach die gleichen Tools gemeinsam nutzen?

Neben meinem Blog hier, betreibe ich noch

Vielleicht hab ich noch etwas vergessen. Tatsache ist aber, dass die meisten dieser Tools auch von mehreren genutzt werden könnten. Man könnte sich die Arbeit teilen.

Webservices per Genossenschaft

Mich hatte das schon vor zwei Jahren auf die Idee gebracht, so ein Angebot kooperativ zu erstellen. Allerdings eine Nummer größer und kommerziell – als Genossenschaft. Der Gedanke dahinter war: um das nötige Vertrauen zu schaffen, müsste die Unternehmung für die Kunden so transparent wie möglich sein. In einer Genossenschaft sind die Kunden am Unternehmen beteiligt. So wären die Kunden selbst Teil des Unternehmens und sie könnten selbst Einblick in die Arbeitsweise nehmen.

Da durchweg mit Open Source Software gearbeitet werden sollte, könnten interessierte Kunde jederzeit selbst die verwendete Software überprüfen. Bei der Benutzung der verschiedenen Dienste sollen nur die Daten erhoben werden, die zur Aufrechterhaltung des Services nötig sind. Darüberhinaus bieten sich natürlich die üblichen Zertifizierungen für die Einhaltung der Standards zur Qualitätssicherung an oder Auszeichnungen wie Datenschutzsiegeln.

Genossenschaften gelten als solide, seriös und bodenständig. Die Zahlen untermauern das positive Image: Die Insolvenzquote liegt bei unter einem Prozent. Eine Genossenschaft hat den Vorteil, dass sie von den Mitgliedern zur Not auch unwirtschaftlich weiter betrieben werden kann: Sollte also nach einiger Zeit der wirtschaftliche Erfolg ausbleiben, könnten die Mitglieder der Genossenschaft die bereits eingerichteten Dienste aus eigener Tasche weiter betreiben. Wer sich in die Genossenschaft einbringt, müsste also nicht befürchte, mit einer Insolvenz des Dienst-Anbieters auch seine Software zu verlieren.

Es gibt auch schon im IT-Bereich verschiedene Genossenschaften: Eine bekannte Genossenschaft der IT-Branche ist die DATEV eG –  Dienstleister für 38.000 Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Anwälte. Bei der Hostsharing eG kann man ein genossenschaftliches Hostingangebot nutzen. Und es genossenschaftliche Zusammenschlüsse von IT-Experten wie zum Beispiel Jariva.

Starten wir eine Nummer kleiner

Wir sollten das Pferd aber nicht von hinten aufzäumen und ein paar Nummern kleiner anfangen. Das Schöne ist doch, dass man sich stufenweise zusammentun kann.

Zunächst kann man sich einen oder zwei Server teilen, auf denen man verschiedene Dienste laufen lässt. Die kann man noch einfach anmieten. Vielleicht direkt bei HostSharing. Dann geht es schon in die richtige Richtung. Dazu kann man zum Beispiel einfach dem „Verein für Neue Medien e.V.“ beitreten oder dem „Toppoint e.V.“, um eine solide und demokratische Rechtsform zu haben.

Und dann kann man das Angebot nach und nach ausweiten – so wie sich Teilnehmer finden. Man kann später eigene Hardware kaufen und unterstellen. Und ganz zum Schluss ein eigenes Rechenzentrum einrichten und reich und berühmt werden.

Und man könnte auch schauen, ob die Hostsharing eG vielleicht Interesse an neuen Mitglieder und so einem Serviceangebot hat.

Foto: Some rights reserved by tonyhall

Update 29.1.2012

Hier ist das Planungspad: https://pad.tumelum.de/p/internetkooperative

Kommentare

Thilo

Hallo, Kooperativen klingt gut. Leider sind Genossenschaft in Deutschland höchst­re­strik­tiv und teu­er. Die ein­fachs­te Möglichkeit ist der n.e.V. (al­so nicht-eingetragener Verein)

Oder man kann Kooperativen auch ge­werb­li­ch als GbR be­trei­ben (was wir bei BioGaarden ma­chen als Bio-Mitgliederladen wol­len).

Swen Wacker

Ich fin­de das prin­zi­pi­ell gut, stel­le mir aber die Frage, ob es wirk­li­ch ei­ne ei­ge­ne Serverfarm sein soll­te.

Zum ei­nen hät­te das sehr viel mit Kapitaleinsatz zu tun. Das muss man er­st mal ha­ben, re­fi­nan­zie­ren und wert­erhal­tend nut­zen.

Deshalb kä­me für mi­ch dann auch nur ei­ne Rechtsform in Frage, die die Haftung der Mitglieder be­grenzt.
– Der e.V. hat kein wirt­schaft­li­che Verein zu sein (§ 21 BGB), fällt al­so weg.
– Die GbR haf­tet ge­samt­schuld­ne­ri­sch – da kann es dann auch gleich ei­ne OHG sein – fällt al­so aus.
– Eine eG ist nicht bil­lig (Thilo wies schon auf die Kosten hin), da sie ge­prüft wer­den muss (durch ei­nen Prüfungsverband oder so was ähn­li­ches, so ge­n­au ken­ne ich mi­ch da nicht aus). 

Dann wä­re da die tech­ni­sche Geschichte. So ein Server will ja auch stets si­cher ad­mi­nis­triert sein, muss al­so per­ma­nent ak­tu­ell ge­hal­ten wer­den. Das kos­tet im­mens viel Zeit, die m.E. bes­ser auf der Applikationsebene ge­nutzt wer­den könn­te.

Überhaupt wä­re es m.E. aus Sicht der Publikumsorientierung ziel­füh­ren­der, die Technik im Hintergrund lau­fen zu ha­ben. Denn Vereine, Verbände, Initiativen. Menschen lo­cken wir schwer­li­ch mit hüb­schen Serverracks son­dern eher mit ei­nem “out-of-the-box“, das die von uns po­li­ti­sch ge­woll­ten open-source-Lösungen oder selbst­ver­wal­te­ten de­zen­tra­len Anwendungen feil hält.

Ein Einkaufen in die von Steffen ge­nann­te eG könn­te die­se Probleme lö­sen.

Sebastian Schack

Finde ich sehr span­nend.

Was das Juristische an­geht, da bin ich ziem­li­ch un­be­leckt und kei­ne gro­ße Hilfe, las­se mi­ch auf die Thematik al­so auch lie­ber gar nicht er­st ein.

Auf tech­ni­scher Seite kann ich ein RZ in Kiel an­bie­ten, des­sen Betreiber ich (als des­sen Angestellter) na­he­zu be­din­gungs­los ver­traue.
Auch ha­be ich selbst Erfahrung mit dem Aufsetzen/Betreiben von Webservern.

Außerdem bin ich schon län­ger auf der Suche nach ei­nem sinn­vol­len „IT-Hobby“, al­so ei­ner Sache, die ich nicht nur für mi­ch zu­sam­men­schus­te­re und die dann nie­man­den in­ter­es­siert. 🙂

Also, Steffen, wenn du Ernst ma­chen will­st, sag ger­ne Bescheid.

Jörg

Wir sind ge­ra­de am Gründen ei­ner Genossenschaft (kei­ne für die hier an­ge­spro­che­nen Dienste, son­dern was ganz an­de­res). Gründungskosten über 1.500 EUR. 

Ich glau­be, dass für die an­ge­spro­che­nen Ziele das ne Hausnummer zu hoch ist. Verein (egal ob ein­ge­tra­gen oder nicht – ein e.V. hat mehr Rechte) klingt hier sinn­vol­ler.

Steffen

Es gibt mitt­ler­wei­le ein Planungs-Pad: https://pad.tumelum.de/p/internetkooperative

Jörn

Bin ich der ein­zi­ge, bei dem der Link nicht funk­tio­niert?

Swen Wacker

Dieser Link funk­tio­niert bei mir https://pad.tumelum.de/p/internetkooperative

Alternative: Folge oben im Artikel dem ver­link­ten Wort Sven. Er ver­weist in dem Artikel, den Du dann fin­dest, zum Schluß auf das Dokument.

Thilo Pfennig

Da ich jetzt er­st wei­te­re Kommentare le­se: Swen schrieb: „Die GbR haf­tet gesamtschuld­ner­isch — da kann es dann auch gle­ich ei­ne OHG sein — fällt al­so aus.“Irgendeine Haftung brauchst Du ja. Die Alternative zu ge­samt­schuld­ne­ri­sch ist: 1. Einer haf­tet für al­le an­de­ren 2. Die Gesellschaft haf­tet (GmbH, UG)Möglich ist auch ein nicht-eingetragener Verein. Der braucht nur 3 Mitglieder, Satzung kann aber muss man nicht ha­ben. Denke aber auch ein e.V. geht. e.V. heisst ja nicht, dass der kein Geld ein­neh­men und aus­ge­ben darf. Es geht ja nur drum Ressourcen zu tei­len. Wie weit ist denn die Idee? Eingeschlafen?

Steffen Voß

Ohne Haftung kommt man nie aus. Zur Recht. 😉

Ja, die Sache ist zur Zeit ein we­nig ein­ge­schla­fen. Ich wür­de vor­schla­gen, dass wir mal je­man­den von https://www.hostsharing.net/ zum WebMontag ein­la­den.

Georg

Eine coo­le Idee, wo­bei ich ei­nen Verein da­für sinn­vol­ler fin­de.
Ich ha­be mir auch schon mal über­legt, mei­ne Owncloud (mit Limits), mein Tiny Tiny RSS etc. ein­fach öf­fent­li­ch für al­le zu­gäng­li­ch zu ma­chen. Leider macht mir da das Recht gro­ße Sorgen. Was, wenn je­mand über mei­ne Seite Feeds von il­le­ga­lem Zeugs abon­niert? Oder WArez (oder no­ch schlim­me­res?) über mei­ne OwnCloud-Instanz ver­tei­len will? Solche Probleme hät­te auch ein Verein oder ei­ne eG.

Lebt die Idee ei­gent­li­ch no­ch? 🙂

Steffen Voß

Ideen ster­ben nicht. Sie lan­den nur in der Schublade. 😀

Wenn si­ch je­mand fin­det, der da mehr Zeit in­ves­tie­ren will: Bin dann da­bei.

Aber wie ge­sagt: https://www.hostsharing.net/ gibt es schon.

Jan-Peter

Hallo al­le zu­sam­men,
Ich be­rei­te für mei­ne Firmenhomepage ge­ra­de mei­nen Umzug von Strato zu Hostsharing vor, da ich selbst­ver­wal­te­te IT-Strukturen un­ter­stüt­zen und nut­zen will.
Was ich bei Hostsharing (no­ch) ver­mis­se, sind Angebote (für Nicht IT-ler) Webapplikation mög­lichst ein­fach zu in­stal­lie­ren und zu nut­zen.
Im Grunde ge­nom­men ge­n­au dass, was hier im Block dis­ku­tiert wird. Statt über die Gründung ei­ner ei­ge­nen Organisation (Genossenschaft, Verein, GbR…) zu dis­ku­tie­ren, gä­be es die Möglichkeit ein­fach Genosse bei Hostsharing zu wer­den, und die vor­han­de­ne Infrastruktur (Server, Genossenschaft, Buchhaltung etc.) zu nut­zen um die hier skiz­zier­ten Ideen um­zu­set­zen.

Gruß
Jan-Peter

Karl

Hallo, ich bin spät dran, will aber nur kurz was zu den Kosten des Prüfungsverbands sa­gen. Die sind nicht so hoch, wie man denkt. In Hamburg la­gen die Kosten vor ein paar Jahren bei ca. 400-600 EUR im Jahr. Dafür kommt dann so­gar zur Hauptversammlung je­mand und man hat im­mer je­man­den, der ei­nen be­rät. Da sind die paar hun­dert Euro ei­gent­li­ch gut in­ves­tiert. Ich hat­te je­den­falls nie den Eindruck, kei­nen gu­ten Handel ge­macht zu ha­ben (mal ab­ge­se­hen da­von, dass die Mitgliedschaft Pflicht ist). Problematischer ist es je­man­den zu fin­den, der güns­tig die Buchhaltung macht.

Grüße
Karl

R.M.

Vielleicht soll­test du mal den Link zum Planungspfad off­line neh­men. Scheint ja nicht mehr so ganz ak­tu­ell zu sein, und of­fen­bar hat da je­mand et­was ver­un­stal­tet.
Ist ei­gent­li­ch et­was aus der Idee ge­wor­den?

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