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Musikindustrie: Doofes DRM

Foto: Some rights reserved by Elsie esq.

In seinem aktuellen Blog-Post berichtet Tim von einem Comedian, der eine Aufzeichnung seiner Show frei online gestellt hat, mit der Bitte um freiwillige Zahlungen. Nach 12 Tagen hatte er 1 Million Dollar verdient. Tims Schluss: „DRM braucht niemand.“ Der Schluss stimmt. Die Prämisse nicht. Denn die Tatsache, dass jemand Geld ohne DRM verdient, trifft das Problem von DRM nicht im Kern.

DRM bestraft die Ehrlichen. Sie kaufen ein Produkt mit einer Disfunktion – ein Element des Produkts verhindert („Defective by Design„), dass das Produkt nicht so flexibel ist, wie die illegale aber freie Version. DRM-Musik und DRM-Filme erfordern DRM-Betriebssysteme und DRM-Player. Wir sind da wieder in der Diskussion von Cory Doctorow beim 28c3.

DRM kann nicht die Antwort auf die Frage sein, wie wir mit dem umgehen, was Künstler machen. Die Frage, die das bisherige Urheberrecht auch nur eher schlecht als recht beantwortet hat ist: Wie können wir sicherstellen, dass Leute von Musik, Film und Literatur so leben können, dass sie weiterhin Musik, Film oder Literatur machen können? Das System garantiert natürlich niemandem finanziellen Erfolg und es haben nebenbei noch viele andere Menschen viel Geld verdient. Und man muss dazu sagen, dass gerade Musik und Film als Genre noch nicht sehr alt sind. Aber gerade für viele Musiker waren die Einnahmen aus ihren Tonkonserven immer ein recht sicherer Einkommensanteil.

Es gab immer mal wieder solche Aktionen, bei denen Radiohead oder Nine Inch Nails ihre Musik frei hergegeben und trotzdem damit Geld verdient haben. Die waren aber auch schon vorher durch die klassische Musikindustrie-Promotion-Mühle gegangen und super-bekannt. So schreibt auch der Economist:

„Now, of course, Mr C.K. has the advantage of millions of fans from his live and television performances. He receives praise from his fellow comedians and appears regularly on late-night television. His approach would probably not work for someone appearing at open-mic night in Duluth once a month.“

Funktioniert das nur immer mal wieder bei speziellen Aktionen, die dann eine gewisse Öffentlichkeit bekommen, während der Markt rundherum noch klassisch funktioniert? Würde genau das selbe Konzept auch bei einem zweiten Stand-Up-Comedian funktionieren? Würde es in Zukunft dazu führen, dass mindestens genauso viele Comedians ähnliche gut oder schlecht von ihrer Arbeit leben können, wie vor dem Internet?

Es ist schön, dass auch beim Economist inzwischen angekommen ist, dass DRM gefährlicher Blödsinn ist. Die eigentliche Diskussion ist aber inzwischen weiter. Bzw. wie Cory Doctorow in seinem 28c3-Vortrag klar macht: Die Urheberrechtsfrage ist hinter vielen anderen Themen nachranging. Und offenbar finden KünstlerInnen und Industrie ihren Weg auch im bestehenden System – so eine große musikalische Vielfalt hat es jedenfalls noch nie gegeben.

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