Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

fli4l : Das Disketten-Linux

Steffen Voß

Zu einer Zeit als T-DSL noch neu und Router teuer waren, machte ich mich auch die Suche nach einer Routing-Lösung, die zum schlanken Geldbeutel eines Studenten passen und stieß dabei schnell auf Fli4l. Die Website versprach, dass man nur einen alten Computer mit Minimalausrüstung und 2 Netzwerkkarten benötigte, um alle Routing-Funktionen zu bekommen. Ein alter Rechner stand in der Ecke und mein Spieltrieb war geweckt.Von Linux hatte ich eigentlich nur so viel Ahnung: 1. „dir“ gibt es nicht. Das heißt da „ls -l“ 2. Wenn man SuSe-Linux installiert, ist die Festplatte voll, bevor man überhaupt irgendwas gemacht hat und man weiß nicht, was da alle installiert ist, das man nie im Leben braucht oder findet, wenn man es braucht.

Also musste ich den Computer aus der Ecke holen und schauen, ob alle eingebaut war, was man braucht:

  1. Motherboard, CPU, Speicher – ist ja klar – ohne den Kram geht gar nichts
  2. Diskettenlaufwerk – hatte ich noch. Hab ich schnell eingebaut
  3. Grafikkarte für die Installation – nur um zu sehen dass es klappt. Danach kann man sie wieder ausbauen
  4. 2 Netzwerkkarten – eine für die Verbindung zum DSL-Modem und eine zum Switch

Darüberhinaus braucht man nichts. Wenn alles klappt, braucht man nichtmal eine Tastatur. Aber dazu später mehr.

Auf der Homepage von Fli4l (www.fli4l.de) gibt es das Installationspaket. Darin enthalten ist die Datei mit der Basis-Konfiguration. Dort stellt man ein, wie die IP des Routers im lokalen Netz sein soll, wie der Rechner heisst, welche Netzwerkkarten eingebaut sind, die Zugangsdaten für den ISP usw. Anpassen muss man nur wenig, da die meisten Voreinstellungen erstmal ausreichen. Zum Schluss startet man ein kleines Programm, dass den Linux-Kernel kompiliert und auf eine Diskette schreibt.

Diese Diskette stopft man in den zukünftigen Router, schließt alle nötigen Kabel, startet den Rechner und sieht zu was passiert: Auf dem Bildschirm läuft alles mögliche an Linux-Start-Gedöhns ab und zum Schluß blinkt der Cursor zum Login.

Fertig.

Nun muß man nur noch auf den angeschlossenen Clients die IP des Routers als Standard-Gateway und DNS einstellen und schon geht’s in Internet. Wenn man den Router jetzt noch einmal neu startet, kann man im Bios einstellen, dass das System nicht meckert, wenn keine Grafikkarte eingebaut und keine Tastatur angeschlossen ist. Dann baut man die Graka aus und zieht die Tastatur ab. Nun kann man nur noch anhand des funktionierenden Internets feststellen, dass der Router fleissig seinen Dienst tut. Und das ohne Ausfall monatelang. Mehr als 100 Tage habe ich aber noch nicht hinbekommen – meistens habe ich dann dran rumgespielt und musste doch neu starten. Wenn ich mal ein wenig mehr Zeit habe, werde ich die CPU runtertakten – dann wird die nicht mehr so warm und ich kann den aktiven Lüfter abbauen. (spart Strom / ist leiser) DerPentium 100 läuft übrigens bei voller Auslastung der DSL-Leitung (1 MBit) bei 17% CPU-Auslastung. Also fast nichts…

Mittlerweile habe ich den eigentlichen Router um verschiedene Dienste erweitert: DHCP, QOS usw. haben das System zu gross für eine Diskette gemacht, so dass ich mittlerweile doch wieder eine 120 MB(!) Festplatte einbauen musste.

Über ein kleines Windows-Tool (imonc) kann ich sehen, wieviel Up-/Downstream gerade läuft, CPU-Auslastung, wie lange der Rechner online / up ist usw. Außerdem lassen sich darüber remote neue Pakete einspielen.

Insgesamt bin ich mit dem System mega-zufrieden. Die Entwickler machen einen großartigen Job und ich freu mich schon auf die neue Version, die dann noch mehr Spielkram zulassen soll. Obwohl ich froh bin, dass die Kiste auch ohne Pflege beständig läuft.

Wie mein Fli4L-Router dann einen Eisfair-Bruder bekam, könnt Ihr demnächst lesen.

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