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fli4l: Das Disketten-Linux

Zu ei­ner Zeit als T-DSL no­ch neu und Router teu­er wa­ren, mach­te ich mi­ch auch die Suche nach ei­ner Routing-Lösung, die zum schlan­ken Geldbeutel ei­nes Studenten pas­sen und stieß da­bei schnell auf Fli4l. Die Website ver­sprach, dass man nur ei­nen al­ten Computer mit Minimalausrüstung und 2 Netzwerkkarten be­nö­tig­te, um al­le Routing-Funktionen zu be­kom­men. Ein al­ter Rechner stand in der Ecke und mein Spieltrieb war ge­weckt.Von Linux hat­te ich ei­gent­li­ch nur so viel Ahnung: 1. „dir“ gibt es nicht. Das heißt da „ls -l“ 2. Wenn man SuSe-Linux in­stal­liert, ist die Festplatte voll, be­vor man über­haupt ir­gend­was ge­macht hat und man weiß nicht, was da al­le in­stal­liert ist, das man nie im Leben braucht oder fin­det, wenn man es braucht.

Also mus­s­te ich den Computer aus der Ecke ho­len und schau­en, ob al­le ein­ge­baut war, was man braucht:

  1. Motherboard, CPU, Speicher – ist ja klar – oh­ne den Kram geht gar nichts
  2. Diskettenlaufwerk – hat­te ich no­ch. Hab ich schnell ein­ge­baut
  3. Grafikkarte für die Installation – nur um zu se­hen dass es klappt. Danach kann man sie wie­der aus­bau­en
  4. 2 Netzwerkkarten – ei­ne für die Verbindung zum DSL-Modem und ei­ne zum Switch

Darüberhinaus braucht man nichts. Wenn al­les klappt, braucht man nicht­mal ei­ne Tastatur. Aber da­zu spä­ter mehr.

Auf der Homepage von Fli4l (www.fli4l.de) gibt es das Installationspaket. Darin ent­hal­ten ist die Datei mit der Basis-Konfiguration. Dort stellt man ein, wie die IP des Routers im lo­ka­len Netz sein soll, wie der Rechner heisst, wel­che Netzwerkkarten ein­ge­baut sind, die Zugangsdaten für den ISP usw. Anpassen muss man nur we­nig, da die meis­ten Voreinstellungen erst­mal aus­rei­chen. Zum Schluss star­tet man ein klei­nes Programm, dass den Linux-Kernel kom­pi­liert und auf ei­ne Diskette schreibt.

Diese Diskette stopft man in den zu­künf­ti­gen Router, schließt al­le nö­ti­gen Kabel, star­tet den Rechner und sieht zu was pas­siert: Auf dem Bildschirm läuft al­les mög­li­che an Linux-Start-Gedöhns ab und zum Schluß blinkt der Cursor zum Login.

Fertig.

Nun muß man nur no­ch auf den an­ge­schlos­se­nen Clients die IP des Routers als Standard-Gateway und DNS ein­stel­len und schon geht’s in Internet. Wenn man den Router jetzt no­ch ein­mal neu star­tet, kann man im Bios ein­stel­len, dass das System nicht me­ckert, wenn kei­ne Grafikkarte ein­ge­baut und kei­ne Tastatur an­ge­schlos­sen ist. Dann baut man die Graka aus und zieht die Tastatur ab. Nun kann man nur no­ch an­hand des funk­tio­nie­ren­den Internets fest­stel­len, dass der Router fleis­sig sei­nen Dienst tut. Und das oh­ne Ausfall mo­na­te­lang. Mehr als 100 Tage ha­be ich aber no­ch nicht hin­be­kom­men – meis­tens ha­be ich dann dran rum­ge­spielt und mus­s­te doch neu star­ten. Wenn ich mal ein we­nig mehr Zeit ha­be, wer­de ich die CPU run­ter­tak­ten – dann wird die nicht mehr so warm und ich kann den ak­ti­ven Lüfter ab­bau­en. (spart Strom / ist lei­ser) DerPentium 100 läuft üb­ri­gens bei vol­ler Auslastung der DSL-Leitung (1 MBit) bei 17% CPU-Auslastung. Also fast nichts…

Mittlerweile ha­be ich den ei­gent­li­chen Router um ver­schie­de­ne Dienste er­wei­tert: DHCP, QOS usw. ha­ben das System zu gross für ei­ne Diskette ge­macht, so dass ich mitt­ler­wei­le doch wie­der ei­ne 120 MB(!) Festplatte ein­bau­en mus­s­te.

Über ein klei­nes Windows-Tool (imonc) kann ich se­hen, wie­viel Up-/Downstream ge­ra­de läuft, CPU-Auslastung, wie lan­ge der Rechner on­line / up ist usw. Außerdem las­sen si­ch dar­über re­mo­te neue Pakete ein­spie­len.

Insgesamt bin ich mit dem System mega-zufrieden. Die Entwickler ma­chen ei­nen groß­ar­ti­gen Job und ich freu mi­ch schon auf die neue Version, die dann no­ch mehr Spielkram zu­las­sen soll. Obwohl ich froh bin, dass die Kiste auch oh­ne Pflege be­stän­dig läuft.

Wie mein Fli4L-Router dann ei­nen Eisfair-Bruder be­kam, könnt Ihr dem­nächst le­sen.

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