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Gerätekritik: Ein halbes Jahr auf Android

Foto: das_banni / photocase.com
Foto: das_banni / photocase.com

Manchmal stell ich mir vor, mein ele­gant ge­schwun­ge­nes Sony-Ericsson Xperia Arc an der da­für vor­ge­se­he­nen schma­len Stelle in der Mitte durch­zu­bre­chen und die bei­den Hälften mit ei­nem mit­tel­gro­ßen Hammer so lan­ge zu be­ar­bei­ten, bis die Teile in die Kaffeemühle pas­sen. Dann wür­de ich das Mahlgut auf­brü­hen und Sud samt Saft weg­gie­ßen – trin­ken kann man das ja nicht. Aber wie ge­sagt: Das ist nur manch­mal.

Relativ lan­ge hat­te ich mi­ch da­ge­gen ge­wehrt, ein Smartphone zu kau­fen. Ich sah mi­ch in der Gefahr, stän­dig ir­gend­was im Internet da­mit zu fum­meln. Heute weiß ich: Die Gefahr be­steht nicht. Zum Einen ist mein Mitteilungsbedürfnis un­ter­wegs we­sent­li­ch klei­ner, als be­fürch­tet. Zum Anderen eig­net si­ch so ein Telefon da­für er­staun­li­ch we­nig.

Mit dem Xperia Arc von Sony-Ericsson ist im Sommer end­li­ch ein Smartphone er­schie­nen, des­sen Kamera zu­min­dest no­mi­nell mit dem mei­nes Vorgänger-Telefons dem Sony-Ericsson C905 mit­hal­ten konn­te. Die Kamera ist mir re­la­tiv wich­tig. Wenn schon ei­ne in ei­nem Telefon ein­ge­baut ist, dann soll die auch kei­ne un­nö­tig schlech­ten Fotos ma­chen.

Benachrichtigungen aus!

Auf dem Xperia Arc läuft Android. Und so­weit ich das er­ken­ne, schafft es Vodafone, die Version ak­tu­ell zu hal­ten. So ein Smartphone-Betriebssystem ver­lei­tet da­zu, er­st ein­mal al­le Feature auf ein­mal zu ak­ti­vie­ren, bis man nach 10 Minuten merkt, dass es to­tal ner­vig ist, über je­de Nachricht bei Facebook, Google+, Twitter oder per Mail und SMS be­nach­rich­tigt zu wer­den. Am Ende ha­be ich so­gar mei­ne Mailbox ab­ge­schal­tet. Jetzt wer­den mir nur no­ch SMS an­ge­zeigt. Alles an­de­re ho­le ich mir auf Anfrage, wenn ich Langeweile hab.

An den Akku denken

Nach ner Woche hab ich dann ge­merkt, dass der Akku mit all dem Gelöt in­stal­liert nur no­ch knapp den Weg zur Arbeit hält. Also MP3-Player und al­les was blinkt und glänzt wie­der de­instal­liert.

Überflüssiges entsorgen

Nach no­ch ei­ner Woche hab ich dann ge­merkt, dass die meis­ten Apps oh­ne Benachrichtigungen nicht mehr sind als Links auf Webseiten. Zugegeben: Die tagesschau-App ist ein sehr gu­ter Link auf die Website. Aber wie vie­le sol­cher Apps (Spiegel Online, Zeit Online, Guardian usw.) will man si­ch ei­gent­li­ch in­stal­lie­ren? Und wenn man si­ch nicht al­le in­stal­lie­ren will, kann man die ei­gent­li­ch auch al­le wie­der run­ter­schmei­ßen.

Ich hab auch un­ge­fähr ein Dutzend zum gro­ßen Teil kos­ten­pflich­ti­ger Kamera-Apps aus­pro­biert und fest­ge­stellt, dass sie al­le ge­nauso ka­cke sind, wie das Original. Dann kann ich auch gleich das Original be­nut­zen.

Sinnvolle Apps bleiben übrig

Inzwischen ist mein Xperia Arc fast wie­der im Auslieferungszustand. Da fra­ge ich mi­ch wirk­li­ch, wie Rowi das macht mit sei­nen wö­chent­li­chen App-Verstellungen. Einzige Ausnahmen auf mei­nem Telefon sind:

  1. K9 Mail ist ein we­sent­li­ch bes­se­res Mail-Programm, als die ori­gi­na­le App und scheint da­bei nicht we­sent­li­ch mehr Akku zu fres­sen.
  2. Öffi ist ei­ne net­te App, um zu er­fah­ren, wann der nächs­te Bus fährt. Brauch ich aber echt sel­ten.
  3. Die erst­be­s­te Taschenlampenapp, die ich fin­den konn­te.
  4. Ubuntu One Files lädt neue Fotos im nächs­ten ver­füg­ba­ren WLAN in die Cloud.
  5. Der Wifi Manager ist ein gu­ter Ersatz für den dürf­ti­gen WLAN-Manager von Android.
  6. Ich hab dann no­ch AndSMB und AirDroid in­stal­liert, ob ein­fach auf das Telefon zu­grei­fen zu kön­nen. So rich­tig was da­mit ge­macht hab ich aber no­ch nicht.

Insgesamt nervt mi­ch das Telefon aber häu­fi­ger. Es re­agiert ein­fach oft un­glaub­li­ch lang­sam. Klick aufs Telefonbuch. 4 Sekunden. Klick auf Namen. 4 Sekunden. Klick auf die Telefonnummer. 5 Sekunden, bis die Telefon da ist. Aufbau der der Verbindung… Das Gegenteil von „snap­py“. Es fühlt si­ch ein­fach nicht so an, als wä­re die­ses Gerät zum Telefonieren ge­dacht. Oder zu ir­gend­was an­de­rem – denn die meis­ten an­de­ren Funktionen sind ja nicht schnel­ler.

Das ein­zi­ge was schnell ist, ist der Akku leer. Schnell wie­der ge­la­den be­kommt man den Akku nur mit dem Original-Netzteil. Per USB am Rechner dau­ert das ewig. Und das 1000 mAh-Netzteil, dass es bil­lig bei Elektronikhändler gab, schafft es auch kauf den Akku schnel­ler zu fül­len, als er si­ch leert. Und wenn dann mor­gens nach ei­ner Nacht am Netzteil der Akkus lee­rer ist, als am Abend vor­her, stel­le ich mir vor, mein ele­gant ge­schwun­ge­nes Sony-Ericsson Xperia Arc an der da­für vor­ge­se­he­nen schma­len Stelle in der Mitte durch­zu­bre­chen…

Foto: das_banni / photocase.com

Kommentare

Thilo

Das klingt doch mal nach ’ner ehr­li­chen Besprechung! Ich hat­te bis­her kein Smartphone, hat­te jetzt über­legt eins zu­zu­le­gen, aber als ich von vie­len hör­te, dass die ma­xi­mal 2 Tage an Akkulaufzeit ha­ben wars kein Thema mehr für mi­ch. Akkulaufzeit wä­re für mi­ch ei­nes der wich­tigs­ten Leistungsmerkmale. So ab 4-5 Tage bei täg­li­che Nutzung wä­re für mi­ch die Untergrenze. Daher ists jetzt wie­der nur ein Blockhandy ge­wor­den mit ein oa­ar Featuren, um auch mal ins Netz zu kom­men. Wobei m.W. das iPho­ne auch nicht bes­ser ist, als die Android-Geräte was Stromverbrauch an­geht? Mein Gefühl ist, dass vie­le, die ih­re Handys über den Klee lo­ben, nicht Deinen Mut ha­ben ein­fach mal zu sa­gen wie sch… die sind (in der Praxis). Man ver­kauft uns ja im­mer Dinge, in dem man uns viel ver­spricht. Erst ein­mal ge­kauft müs­sen sie das al­les ja nicht hal­ten. Der Hersteller und der Verkäufer ha­ben ihr Geld.

Steffen

Das mit der Akkulaufzeit ist okay, wenn es ein gan­zer Tag ist. Ich hab das Telefon als Wecker oh­ne­hin im­mer bei mir über Nacht und dann kommt es an den Strom. Nur wenn ich mor­gens zur Arbeit geh und auf dem Weg nach Hause nicht ab­spre­chen kann, ob ich no­ch et­was ein­kau­fen muss, dann ist es ein Problem. 

Das un­aus­ge­spro­che­ne Versprechen ist ja tat­säch­li­ch, dass man mit so ei­nem Telefon al­les gleich­zei­tig kann. Praktisch geht das eben nicht – aus ver­schie­de­nen Gründen, wie er­wähnt. Und dann un­ter­schei­det si­ch ein Smartphone von ei­nem Functionphone oft nur durch ei­nen bes­se­ren Browser und die /Möglichkeit/ al­les Mögliche zu in­stal­lie­ren.

Mir ist das auch er­st nach die­sem Artikel klar ge­wor­den: Das wirft auch ein neu­es Licht auf den „Apps-Hype“.

Mathias

Du hast ein SE Handy? Dann sind Deine Aussagen nicht wei­ter ver­wun­der­li­ch.

Mein ers­tes Abdroid war das G1, Das war schon okay, dann hat­te ich ein SE und das war gro­ßer Mist. Der Wechsel zum HTC Desire und nun zum Nexus S von Samsung/Google hin­ge­gen war schon ein Gewinn!

SE kann kei­ne Handys mehr bau­en…

Hinnerk

Zugegeben, ei­ni­ge Apps sind rei­ner Luxus. Die Amazon-App ist al­ler­dings ge­ra­de jetzt vor Weihnachten und kurz vor Geburtstagen ein sehr nütz­li­cher Luxus.

Abgesehen da­von ist mein iPho­ne ein voll­wer­ti­ges mo­bi­les Büro mit Zugriff aufs Projektmanagement, Kalender, Timetracker und al­len ge­ra­de re­le­van­ten Handbüchern (in Dropbox). Außerdem sind un­ter­wegs im­mer Karte, Navi und Bahnfahrplan da­bei — auch nicht un­prak­ti­sch.

Dazu kom­men Wolfram Alpha und ein HP-48-Emulator — ganz ehr­li­ch, wie Du auf die bei­den ver­zich­ten kann­st ist mir nicht klar. 😉

Swen Wacker

Ich hat­te vor­her das G1 und woll­te ei­gent­li­ch wie­der ein mit Tastatur. Aber mit bes­se­rem Display als das G1 (Mein Dell Axim x51v hat mi­ch da ge­prägt). Ich ha­be mi­ch dann (weil ich Kündigungsfrist bei t-mobil ver­schwitzt hat­te) not­ge­drun­gen für das SE Xperia Arc ent­schei­den (we­gen des gro­ßen Displays) – und bin im­mer no­ch recht zu­frie­den. Es ist recht sta­bil, (wenn auch er­st seit dem ers­ten up­date ir­gend­wann im Spätsommer, vor­her hat­te es aus wohl eher ok­kul­ten Gründen ab und an Abstürze). Leider ist es seit dem Update auf den Build 4.0.2.A.0.42) lang­sa­mer und schwer­fäl­li­ger ge­wor­den. Ich scheue mi­ch im­mer no­ch da­vor, es zu roo­ten (für so tech­ni­sch af­fin hal­te ich mi­ch nicht), den­ke aber manch­mal, dass man­che un­nö­ti­gen Apps, die ich nicht brau­che, es aus­brem­sen könn­ten.

An Apps nut­ze ich vol­ler Freude: news­Rob, Google Mail (K9 hab ich wie­der raus­ge­schmis­sen, da sehr um­ständ­li­ch mit der Bedienung), Seesmic, WhatsApp, DB Navigator, Seesmic, Facebook, Google+. Bei den Browsern schwan­ke ich zwi­schen Opera (lang­sam, aber gut Darstellung der Seiten) und Dolphin (ver­sagt bei man­chen Seiten). Amazons Kindle (wenn ich mein Kindle mal nicht da­bei ha­be) ist eben­falls recht nütz­li­ch. Ach ja: Google Music – al­ler­dings nur mit Songs, die auch auf der SD – Card lie­gen.

Mit JuiceDefender ha­be ich die Laufzeit ver­bes­sert. Tagsüber liegt es ne­ben dem PC und labt si­ch am USB-Kabel. Nachts ist es am Ladegerät. Während der Zugfahrt (ich fah­re viel und re­gel­mä­ßig Zug) nut­ze ich es als mo­bi­len Hotspot für den Laptop. Wie al­le mir be­kann­ten in­ter­net­fä­hi­gen Handys hält der Akku bei ak­ti­vier­ten 3G/WLAN al­len­falls ei­nen hal­ben Tag 12 Stunden. Als ich im Herbst in Italien die­se Funktionen ab­ge­schal­tet hat­te war ich er­staunt, dass es als rei­nes Telefon lo­cker drei Tage mit ei­nem Akkus läuft.

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