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Kiel: WebMontag auf der Suche nach neuem Schwung

Seit 2006 treffen sich immer am 3. Montag im Monat Web-Enthusiasten (im weitesten Sinn), um miteinander über aktuelle Entwicklungen in Technik und Gesellschaft zu diskutieren. Mein Verteiler umfasst ca. 120 Personen, die alle mal auf dem Webmontag waren. Mehr als 25 waren davon fast nie gleichzeitig beim Webmontag – in letzter Zeit waren es eher 10-15. Und vielleicht liegt es an der Winterdepression, aber offenbar wünschen sich mehrere regelmäßige TeilnehmerInnen neue Schwung für die Runde – zumindest war das auf den letzten WebMontagen immer mal wieder Thema.Im November konnte ich leider nicht am WebMontag teilnehmen, aber dort wurde darauf hingewiesen, dass es oft zu einem Teufelskreis kommt: Im Wiki stehen noch keine Vorträge, also melde sich niemand an. Und wenn niemand angemeldet ist, will keiner einen Vortrag vorbereiten. Am Ende sind ja doch immer 15 Leute da und immer auch ein paar neue. Aber rechnen kann damit keiner.

Ich möchte mal generell anfangen: Der WebMontag soll zu allererst beim Netzwerken helfen. Und im Großen und Ganzen hat sich in den letzten 5 Jahren tatsächlich eine Szene um den WebMontag gebildet. Vielleicht gab es die auch vorher schon, nur ohne mich, aber ich habe den Eindruck, dass auch andere Stammtische, Runden und Vereine davon profitieren, dass der WebMontag so eine thematische Crossover-Veranstaltung ist. Die Themenvielfalt wird von vielen auch gewünscht. Viele scheinen sich auch noch mehr Breite zu wünschen und hätten gerne auch soziologische oder betriebswissenschaftliche Sessions.

Am Prinzip scheint es also nicht zu liegen. Ein Problem scheint aber die Technik zu sein: Einige mögen das Wiki nicht. Und zugegeben: Schön ist was anderes und Wikis sind leider immer ein Nischen-Ding geblieben. In den Anfangszeiten war es total einfach, den WebMontag mit dem Wiki und Xing zusammen zu organisieren. Bei Xing hatte ich die Interessenten und dort stolperte der Eine oder die Andere über den Termin. Xing ist immer noch ein Business-Netzwerk und viele haben dort einen Account, nutzen den aber für nichts anderes als als Adressbuch. Mails von Xing  werden ignoriert und so finden viele die Einladung zum WebMontag gar nicht mehr.

Einige sind aktive Twitterer, andere bei Facebook und einige bei Google Plus. Ich habe versucht, einen Facebook-Termin als neue Anmeldung und Bewerbung zu nutzen – mit minimalem Feedback. Diese Segmentierung der Kanäle ist zusammen mit der von Christoph ins Gespräch gebrachten Konsumentenhaltung tödlich. Eigentlich könnte gerade eine Veranstaltung wie der WebMontag gut funktionieren – auch mit so vielen Kanälen. Dann aber müssten sich die Teilnehmer mehr beteiligen und twittern, dass der WebMontag angesteht, den Termin bei Facebook teilen und Leute einladen. Das passiert bisher fast nicht. Dass mal jemand über den WebMontag bloggt, hat es seit 2007 wohl nicht mehr gegeben.

Ein Lösungsansatz

  1. Es müsste eine Webseite geben, auf der unabhängig von anderen Plattform, Leute die sich für den WebMontag interessieren, zeigen können, dass sie prinzipiell dabei sind. Also so etwas wie eine Facebook-Fanseite, bloß so, dass auch Leute mit Twitter-Account, Google+, Diaspora oder auch nur E-Mail zeigen können, dass sie dabei sind. Man müsste die dann idealerweise einfach einladen können. Und die klicken dann „bin dabei“, „bin vielleicht dabei“ oder „bin nicht dabei“. Und dann müsste man natürlich noch Sessions eintragen können. Wie könnte man so etwas möglichst einfach erstellen? Kann man irgendein Wiki nehmen und Widgets benutzen? Gibt’s da schon was von Open Source?
  2. Sprich mal Leute an, die sich mit Themen beschäftigen, die das Spektrum erweitern können. Gerade an der Uni gibt es sicher noch Leute, die sich mit den Veränderungen durch das Internet beschäftigen.
  3. Du musst Dich mehr selbst darum kümmern, dass der WebMontag beworben wird. Ein einfaches Retweet oder Teilen oder so reicht schon. Mehr ist toll!

Was meinst Du? Lohnt es sich, den WebMontag weiter zu führen? Und wenn ja wie? Was sollten wir tun, um neuen Schwung hinein zu bringen?

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Kommentare

Thilo

Zunächst mal ganz per­sön­li­ch zu mir, war­um ich nicht mehr kom­me: Ich bin zum ei­nen in ei­ner an­de­ren Gruppe ak­tiv, die si­ch im­mer mon­tags trifft. Das ist aber nicht der ein­zi­ge Grund mei­nes Fernbleibens: Mich per­sön­li­ch ha­ben die gleich­ar­ti­gen Vorträge ir­gend­wann ge­lang­weilt. Dejavue. Für mi­ch war Webmontag nicht pri­mär Vernetzung, son­dern pri­mär Neues ken­nen­ler­nen und Wissen tei­len auf Augenhöhe. Ich ha­be da auch ei­ni­ge in­ter­es­san­te Diskussionen ge­habt. Aber ich ha­be mi­ch selbst auch ver­än­dert – und die Szene hat si­ch aus mei­ner Sicht lei­der sehr viel mehr kom­mer­zia­li­siert – und vie­le ha­ben den Webmontag für rei­ne Werbezwecke oder zur Selbstdarstellung ge­nutzt. die tech­ni­schen Details ir­gend­ei­ner Software ha­ben mi­ch per­sön­li­ch nie so in­ter­es­siert – so lan­ge die nur 5 Minuten gin­gen hats mi­ch nicht ge­stört – aber dar­an hal­ten si­ch ja die we­nigs­ten. Und dann kanns ein lan­ger Abend wer­den mit 5 Tools die ich nie ein­setz­ten wer­de. Mich per­sön­li­ch in­ter­es­sier­ten im­mer mehr die po­li­ti­schen oder ge­sell­schaft­li­chen Themen. Da war die Diskussion aber zu­neh­mend zäh und nach mei­nem Gefühl woll­ten die Leute lie­ber ein­fach al­les be­nut­zen – und Technik-Kritik wur­de zu­neh­mend (aus mei­ner sub­jek­ti­ven Sicht als Vortragender) als stö­rend emp­fun­den. für mi­ch war es dann ir­gend­wann kei­ne Veranstaltung mehr, die mi­ch in­ter­es­sier­te. Kritik gabs eher an Tools und Technik aus ei­ner tech­ni­schen Sicht und nicht aus ei­ner ge­sell­schaft­li­chen. Ich mag da mit mei­ner Sichtweise nicht al­lei­ne sein, aber ich ha­be ir­gend­wann auch gar nicht mehr ge­schaut, was am Webmontag läuft.

Außerdem: die Kritik am Wiki hal­te ich für ab­we­gig. Sowohl Technikversierte als auch Laien kön­nen das be­die­nen. Die Wikipedia se­he ich nicht als Nischenprodukt. Das Dokuwiki ist zwar mist, aber es funk­tio­niert. Kein an­de­res Medium ist so un­ab­hän­gig von Anmeldungen und Mitgliedschaften . Wenn ich da in­zwi­schen auf ZDF, DLF und Phoenix le­se und hö­re, dass Feedback nur no­ch bei Facebook statt­fin­det, dann läufts mir eis­kalt den Rücken run­ter.

Die Leute, die Wiki ab­leh­nen sind meist auf ei­ne oder we­ni­ge Plattformen fi­xiert, die dann wie­der an­de­re aus­schlie­ßen. Ich se­he da kei­ne tol­le Alternative. Gangbar für Kiel al­len­falls ei­ne ei­ge­ne Website – bit­te kein Facebook als zen­tra­les Tool!

PS: Vielleicht kom­me ich ja auch wie­der mal. Wie wä­re es denn mal mit ei­nem Meta-Webmontag im neu­en Jahr?

Steffen

@Thilo: Das Kritische ist ja ein we­nig Christophs Thema: Der mein­te ges­tern auch, dass es frü­her mehr drum ging, Sachen selbst zu ma­chen und heu­te dis­ku­tie­ren wir drü­ber, ob Facebook oder Google Plus bes­ser ist. Beide sind evil – zu­min­dest nach den Maßstäben von vor ein paar Jahren. Für ei­ne selbst­be­haup­te­te Avandgarde ist das ziem­li­ch schlaf­müt­zig.

Auf der an­de­ren Seite ha­ben z.B. Hinnerk und Stefan im­mer wie­der Themen rund ums Programmieren und selbst ma­chen. Ich hal­te mi­ch selbst im­mer mit Sessions zu­rück, weil ich den Eindruck ha­be, dass der WebMontag schon viel zu sehr von mir ab­hängt. Aber ich könn­te na­tür­li­ch zu den Tools, die ich im Blog als freie Alternativen zu Google & Co. vor­stel­le, auch mal ei­ne Session ma­chen.

Das zen­tra­le Problem ist aber, dass nicht viel von der prin­zi­pi­el­len Vielfalt ei­nes WebMontags üb­rig bleibt, wenn je­der si­ch von den Sachen ab­schre­cken lässt, die ihm nicht lie­gen. Der WebMontag ist das, was sei­ne TeilnhemerInnen dar­aus ma­chen 😉

Swen Wacker

Was si­ch über den WebMontag le­se, hat mi­ch im­mer be­geis­tert. Ich ha­be halt lei­der so gut wie nie Montags Zeit, weil mir das Tanzen wich­tig ist (was dem WebMontag egal sein kann).

Warum muss es _eine_ Webseite ge­ben? Meinst Du nicht eher, dass es auch ei­ne Webseite ge­ben könn­te, auf der die Anmeldungen, die dort ein­tru­deln, wo die Interessenten si­ch auf­hal­ten (Facebook, Twitter, … de­ren gu­ten Pendants), wie­der­ge­ge­ben wer­den (für die, die wo­an­ders nicht sind? Im Prinzip ist es doch wie Werbung. Ich kann von mei­nen Kunden nicht ver­lan­gen, dass sie Zeitung A le­sen, des­halb „muss“ ich an den Plätzen B, C und D wer­ben.

sma

Besagter Teufelskreis hat (auch) mi­ch be­wo­gen, am Dezember-Termin nicht teil­zu­neh­men.

Der Wiki ist in der Tat häss­li­ch und we­nig ein­la­dend, aber sei­nen Namen (oder ei­nen Vortrag) ein­tra­gen soll­te IMHO je­der kön­nen, der schon ein­mal im Web un­ter­wegs war. Ich glau­be auch nicht, dass das Gros der Leute nicht kommt, weil sie den Termin nicht ken­nen, son­dern dass es an­de­re Gründe sind, die sie mög­li­cher­wei­se aus (fal­sch ver­stan­de­ner) Höflichkeit nur nicht nen­nen. Sei es, dass die Veranstaltung als zu tech­ni­sch oder nicht tech­ni­sch ge­nug an­ge­se­hen wird, sei es, dass die Themen nicht ge­fal­len oder an­de­re Dinge am 3. Montag in Monat in­ter­es­san­ter sind.

Im Gegensatz zum Vorredner lang­wei­len mi­ch die im­mer glei­chen so­zi­o­po­li­ti­schen Themen, da ich nicht je­de Woche dis­ku­tie­ren möch­te, ob Facebook oder Google nun bö­se sind oder wie wich­tig Datenschutz ist.

Ich fin­de wich­tig, das Web nicht nur be­nut­zen zu kön­nen, son­dern auch zu wis­sen, wie es funk­tio­niert. Ich fin­de wich­tig, zum sel­ber ma­chen an­zu­re­gen und ein­fach selbst zu ma­chen. Dazu bie­te ich ger­ne mein tech­ni­sches Wissen an – an­de­re ma­chen das si­cher­li­ch auch. Und ich wür­de ger­ne von Projekten hö­ren, die Leute ma­chen – egal ob als Hobby oder kom­mer­zi­ell. Aber mir scheint im­mer mehr, die ver­blie­be­nen Leute ha­ben an­de­re Präferenzen, was OK ist, aber dann da­zu führt, dass ich nur no­ch kom­me, wenn das Programm für mi­ch span­nend klingt.

Ich glau­be, frü­her gab es im Wiki auch ei­ne Rubrik mit Wünschen für Themen. Das soll­te es IMHO wie­der ge­ben, denn ich glau­be, dann fin­den si­ch mehr Leute, die et­was vor­tra­gen kön­nen, weil sie auf ein­mal ent­de­cken, das sie et­was wis­sen, das auch an­de­re in­ter­es­siert.

Steffen

Ich hab das Wiki no­ch ein­mal auf­ge­räumt und ent­rüm­pelt:

1. Ich ha­be ei­ne ei­ge­ne Seite für die FAQ an­ge­legt – die fin­den Neulinge jetzt schnell ge­nug, glau­be ich und die al­ten Hasen in­ter­es­siert das nicht im mo­nat­li­chen Umgang mit dem Wiki.
2. Ich ha­be die ex­ter­nen Termine aus­ge­la­gert auf ei­ne ei­ge­ne Seite ge­setzt. Der WebMontag soll ger­ne wei­ter­hin Anlaufpunkt für Leute sein, die si­ch in Kiel für ir­gend­was mit dem Netz in­ter­es­sie­ren und Anschluss su­chen.
3. Ich hab die Wunschecke wie­der er­öff­net. Das hät­te na­tür­li­ch auch je­der an­de­re ma­chen kön­nen – es ist ein Wiki 😉 Und ihr habt recht: Das kann Vortragende auf Ideen brin­gen! Tragt Eure Ideen ein! Nehmt Euch Themen!
4. Ich ha­be die Anmeldung ver­ein­facht. Es gibt nur no­ch Anmeldungen. Die sind ja eh nicht ver­bind­li­ch – als braucht man auch kein „viel­leicht“ oder „ab­ge­mel­det“. Und man kann si­ch ger­ne bei Lanyrd, Xing oder Facebook an­mel­den. Ich mach das wie frü­her und über­trag das ab und zu. Es wä­re aber schön, wenn je­mand die Bewerbung auf ein­zel­nen Netzwerken über­neh­men könn­te. Hinnerk – magst Du Dich im­mer um Lanyrd küm­mern?

Stecki

Also ich war ja no­ch nie auf ei­nem Webmontag in Kiel, be­kom­me aber dank der mE gu­ten Info-Arbeit da­zu je­den Termin mit.

Bei mir ist es kon­kret so, daß ich fast nie mon­tags kann, weil da ein re­gel­mä­ßi­ger Sitzungstermin ist. Die we­ni­gen Male, wo das nicht so war, ha­be ich dann aber of­fen­ge­stan­den im Wiki ge­guggt, was so los sein wird (per­so­nell aber vor al­lem the­ma­ti­sch) und am Ende den Schluß ge­zo­gen, daß das für mi­ch ja 2,5-3 h Fahrtzeit plus ent­spre­chen­de Spritkosten sind und ich in der Zeit so viel an­de­res schaf­fe, daß das in kei­nem Verhältnis steht (ei­ne Abwägung, die auf ähn­li­ch ge­ar­te­te Konstellationen häu­fig zu­schlägt). Nicht, weil ich die Leute nicht gern mal wie­der li­ve tref­fen wür­de, son­dern ein­fach als Kosten-Nutzen-Relation.

Würde ich in Kiel woh­nen, wä­re ich (so­fern nicht ein Pflichttermin Vorrang hat) ab­so­lut si­cher bei zu­min­dest je­dem zwei­ten Termin da­bei.

Am Wiki je­den­falls liegt es mE nicht (höchs­tens dar­an, daß manch­mal (nicht recht­zei­tig) ein in­halt­li­cher Schwerpunkt er­kenn­bar ist).

Just my 0,02 €…

Kai

Moin!

Ich war ja bis­her auch no­ch nie da, ob­wohl ich im­mer wollte…wie das dann so ist.

Inhaltlich kann ich al­so nichts zu den Treffen sa­gen, aber mei­ne Sicht von Aussen ein­mal äus­sern:

Ich schau auch im­mer vor je­dem Termin in die Wiki und se­he, dass ich (oft, fast) nichts se­he. Und dann kommt, und ich ver­mu­te es geht vie­len so, der Blick auf mi­ch selbst und dann se­he ich mi­ch vor­ran­gig als Konsumenten, der un­ter­hal­ten wer­den will. Das ist jetzt nicht schön, aber ehr­li­ch und vor­al­lem auch wert­frei. Das hat ja nichts mit den Beteiligten zu tun. 🙂

Das Ganze, spe­zi­ell auch die Wiki, wirkt dann auch auf mi­ch so „un­se­xy“ und ich glau­be ei­ne ei­ge­ne Website könn­te dem ent­ge­gen­wir­ken, weils die Sache viel­leicht „re­a­ler“ oder ernst­haf­ter macht (in der Aussenwirkung). 

Ich fän­de sehr er­stre­bens­wert, wenn es auch in Kiel für un­ser­eins ei­ne zen­tra­le Anlaufstelle gä­be, ein ver­bin­de­nes Glied, da­für ist ei­ne Wiki aber nicht un­be­dingt ge­eig­net (glau­be ich zu­min­dest, und ver­wei­se auch auf dei­nen Artikel zu dem Thema).

Da wä­re ich auch be­reit mi­ch ak­tiv zu be­tei­li­gen, falls Bedarf be­steht.

Darüber hin­aus, wä­re es zu­min­dest für mi­ch auch hilf­reich, wenn so ein Abend ir­gend­ein über­ge­ord­ne­tes Thema hät­te bzw. ei­ne gro­be Richtung.

Interessant fän­de ich es auch, ge­mein­sam klei­ne­re Projekte an­zu­stos­sen, in de­ren Verlauf si­ch viel­leicht auch the­ma­ti­sch für je­den et­was in­ter­es­san­tes er­gibt.

Vielleicht soll­te ich auch ein­fach mal tat­säch­li­ch vor­bei­schau­en. Ideen und Kritik zu ha­ben, ist lei­der im­mer so ein­fach, wenn man auf dem Sofa sitzt 🙂

In je­dem Fall spre­che ich aber al­len ak­tiv Beteiligten, und vor­al­lem Dir, mei­nen Respekt aus.
Die Alternative zum jet­zi­gen Zustand ist ja qua­si „Keine“.

Lg
Kai

Martin

Moin Steffen,
gu­te Initiative. Ich wer­de mei­ne Eindrücke & Ideen eben­falls bei­steu­ern, weil ich seit län­ge­rem (fast) nicht mehr da­bei bin.

1) Keine Vorträge im Wiki ha­ben mi­ch per­sön­li­ch we­der frü­her no­ch heu­te ab­ge­schreckt, weil ich al­les be­grü­ße und un­ter­stüt­ze, was die Webszene in Kiel nach vor­ne bringt. Ich kann aber sehr gut ver­ste­hen, dass vie­le das stär­ker nach dem Kosten-Nutzen-Prinzip ab­wä­gen – vor al­lem, wenn sie nie­man­den dort ken­nen, lan­ge Anfahrtswege ha­ben oder an­der­wei­ti­ge Termine.

2) Einer der Gründe war­um ich nicht mehr da­bei bin, ist ei­ne an­de­re Gruppe, die in­halt­li­ch fo­kus­sier­ter ist und ein­fach nä­her an dem liegt was mi­ch täg­li­ch be­schäf­tigt. Von die­sen Spezial-Gruppen gibt es in Kiel mitt­ler­wei­le ei­ne gan­ze Reihe, was ja gut ist, aber si­cher­li­ch auch et­was zur Abwanderung bei­ge­tra­gen hat.

3) Ich weiß von na­ment­li­ch mind. 3 Leuten, die nicht mehr hin ge­hen, weil sie da­von ge­nervt sind, dass ei­ni­ge der Stammleute stän­dig mit dem glei­chen Kram kom­men. Das gilt so­wohl in­halt­li­ch (sehr tech­ni­sch) als auch ar­gu­men­ta­tiv (Wirtschaft, Kommerz, Datensammeln und Fremdbestimmung sind im­mer evil, OpenSource ret­tet die Welt usw.). Gerade Unternehmer und Hands-On Leute kön­nen mit so ei­nem dog­ma­ti­schen Ansatz häu­fig we­nig an­fan­gen und sind in al­ler Regel vor Ort in der Minderheit. Mir geht es auch ein we­nig so und ich ha­be – nach dei­nem rich­ti­gen Motto „der Webmontag ist, was man dar­aus macht“ – ver­sucht, das z.B. mit der Vorstellung des MöbelMonsters et­was auf­zu­lo­ckern. Das hat be­stimmt der ei­ne oder an­de­re di­rekt als Eigenwerbung ver­stan­den ( = evil, weil ist ja ir­gend­wo Geld im Spiel), ging mir aber viel mehr dar­um, mal über Geschäftsmodelle, Bootstrapping, Online Marketing, MVP-Ansätze u.ä. zu spre­chen.

4) Der tech­ni­sche Aspekt (ei­ge­ne Website, fb, Wiki oder wha­te­ver) ist aus mei­ner Sicht zweit­ran­gig. Prio 1: Event ist at­trak­tiv, Prio 2: Technik funk­tio­niert, Prio 3: Technik sieht schick aus. Allerdings soll­te man si­ch be­wusst sein, dass man mit der Technik na­tür­li­ch auch ein Stück weit die Zielgruppe be­ein­flusst: Xing-Event und -Einladungen = eher busi­ness, fb-Event und -Einladungen = eher lo­cker, Wiki und Email-Einladungen = eher Nerd-Ecke. Und es gilt der Satz: Je un­at­trak­ti­ver das Event, desto we­ni­ger sind die Leute be­reit auf drit­te Webseiten zu ge­hen oder dort gar ak­tiv Einträge vor­zu­neh­men (Wiki).

Ideen:

1) WebMontag als Networking-Event
Die Vortragsliste ganz raus neh­men und es von vor­ne­he­re­rin als Networking-Event kom­mu­ni­zie­ren. Dazu den Ablauf so ver­än­dern, dass Einzel- oder Kleingruppengespräch stär­ker ge­för­dert wer­den. Also z.B. Stehtische und Namensschilder. Die Themen viel­leicht so in­te­grie­ren, dass je­der der mag ei­nen Stehtisch mit sei­nem Thema (Pappschild „Rails und Django im Vergleich“) be­stü­cken kann. Am die­sem Stehtisch wird dann zu dem Thema dis­ku­tiert bzw. es dient als Starter.

Vorteile: Geringer Orga-Aufwand, Teilnehmer fin­den bes­ser ih­re Themen & Gesprächspartner, Networking wird ge­stärkt (für vie­le wich­tig)

Nachteile: Der WebMontag als Ganzes zer­fällt evtl. et­was. Außerdem mind. am Anfang et­was „Werbetrommel“ nö­tig, weil so­was mit 10 Leute zu kon­stru­iert wirkt. Dafür wä­ren eher 20-30 Leute nö­tig.

2) WebMontag als Mini-BarCamp
Jedem WebMontag ein Thema ge­ben („Open Source im Unternehmen“, „Kieler StartUps stel­len si­ch vor“, usw.). Diese Themen mög­lichst lan­ge im vor­aus an­kün­di­gen (mind. 3 Monate), so dass je­der sei­ne Teilnahme und evtl. Vorträge früh­zei­tig pla­nen kann. Ablauf im Prinzip wie ge­habt, al­so Vortag, Diskussion, Vortrag, Diskussion usw. aber sehr viel stär­ker auf die Uhr ach­ten (!) und im Vorfeld ak­tiv Leute auf Xing & Co pas­send zum Thema ein­la­den. Diese Themen-WebMontage könn­te man so­gar in die „Kieler Wirtschaft“ set­zen (heißt das so? Ich mei­ne das Gewerbe-Blättchen), auf DiWiHS an­kün­di­gen o.ä. of­fi­zi­el­le Kanäle nut­zen.

Vorteile: Viele neue Leute, auch Old Economy und von au­ßer­halb wer­den an­ge­spro­chen; ein viel hö­he­rer Nutzen je Event (Inhaltlich und Networking)

Nachteile: Orga-Aufwand steigt deut­li­ch; wie legt man Themen fest? (Idee: Wer ein Thema be­stim­men will, ver­pflicht si­ch auch die Federführung bei Orga und Einladungen für die­sen Abend zu über­neh­men); das „net­te“ könn­te et­was ver­lo­ren ge­hen, der Kreis der Teilnehmer ist we­ni­ger ste­tig; evtl. ei­ge­ne Website sinn­voll (Aufwand)

Soweit von mir 🙂

Steffen

Danke für das vie­le Feedback und die Vorschläge!

Ich ha­be ge­ne­rell den Eindruck, dass die Interessen sehr un­ter­schied­li­ch sind und dass die­se Unterschiedlichkeit aber oft nicht als Wert ver­stan­den wird. Den Einen ist es zu kom­mer­zi­ell, den Anderen zu we­nig. Den Einen zu tech­ni­sch, den Anderen zu we­nig. Und al­le kom­men dann nicht mehr und es ent­ste­hen Spezialistenkreise.

Das ist na­tür­li­ch auch ei­ne span­nen­de, po­si­ti­ve Entwicklung, dass es in­zwi­schen so­gar ge­nü­gend Rails-Programmierer in Kiel gibt, um ei­nen ei­ge­nen Stammtisch da­für zu star­ten. Und dass das nicht die ein­zi­ge der­ar­ti­ge Gruppe ist. Es gibt die FreifunkerInnen, die CoWorkerInnen, die Typo3-Leute, die Linux-UserInnen, NetzpolitikerInnen in ver­schie­de­nen Parteien usw. Ich fand aber im­mer char­mant am WebMontag, dass die Leute so un­ter­schied­li­ch sind. Ich hab von al­len viel ge­lernt und vor al­lem war mir im­mer wich­tig, Leute mit un­ter­schied­lichs­ten Schwerpunkten zu ken­nen und mit­ein­an­der zu ver­net­zen. Deswegen ist der WebMontag bei Xing im­mer schon als „Networking-Veranstaltung“ ge­führt.

Ich be­kla­ge die Veränderung nicht. Ich fra­ge mi­ch nur, ob der WebMontag no­ch ge­braucht wird. Inzwischen kenn ich ja Viele in Kiel und die ehe­ma­li­gen TeilnehmerInnen des WebMontags schei­nen si­ch in­zwi­schen auch an­ders ver­net­zen zu kön­nen. Man kann sol­che Sachen auch nicht Zwangszentralisieren und sa­gen:“ Macht doch die Objektstammtisch wie­der beim WebMontag“ oder „Macht doch mal ei­nen Rails-Schwerpunkt beim WebMontag“ oder so. Der Objektstammtisch flo­riert ja und die Rails All Stars lau­fen auch. So wie die an­de­ren Kreise. Da wür­de man mehr mit ab­wür­gen, als man hin­ter­her er­reicht. Und viel­leicht reicht zur Quervernetzung auch das BarCamp ein­mal im Jahr.

Mehr Aufwand soll­ten wir mit dem WebMontag je­den­falls nicht trei­ben. Im Moment hängt die Orga des WebMontags von Dieter und von mir ab. Es gibt dann ei­ni­ge Leute, auf die man si­ch ver­las­sen kann, dass sie Vorträge ma­chen, wenn son­st nie­mand et­was macht. Das funk­tio­niert oh­ne Kommunikation. Und das fin­de ich an si­ch groß­ar­tig. Würde man mehr Aufwand trei­ben – Themen vor­ge­ben, Leute or­ga­ni­sie­ren, ver­schie­de­ne Verteiler pfle­gen und ein­la­den usw. – müss­te man das im Team ma­chen. Dann müss­te man si­ch mehr ab­spre­chen usw. ICH hät­te da kei­ne Zeit zu. Wenn das je­mand ma­chen will, kann er si­ch ger­ne mel­den. Ich würds auch un­ter­stüt­zen.

Zugegeben: Das KITZ ist nicht so per­fekt für den „ge­müt­li­chen Teil“ und für’s Netzwerken. Man kann so schwer zwi­schen Vortragssituation und klei­nen Gesprächsrunden wech­seln. Es ist ei­ne sehr ein­fa­che Lösung, weil Dieter es uns seit Jahren sehr ein­fach macht: Es kos­tet nichts, Dieter ist im­mer da und küm­mert si­ch dar­um, dass wir rein­kom­men, stellt das WLAN auf und er schleppt im­mer die Getränke an und ab. Und das je­den Monat. 

Wenn je­mand ei­ne Location kennt, die ei­ne Möglichkeit bie­tet, ei­nen Beamer zu be­nut­zen, den kei­ner von uns er­st an­schlep­pen muss, in der 20-30 Leute Platz ha­ben und in der man eher um Tische her­um sitzt, bei der man nichts be­zah­len muss und wo man si­ch dar­auf ver­las­sen kann, dass „un­ser“ Montag im­mer zu ha­ben ist, mö­ge er es bit­te sa­gen. So wie ich Dieter beim letz­ten Mal ver­stan­den ha­be, hängt der nicht dar­an, IMMER zu­stän­dig zu sein. 😉

Oliver

full ack @Martin

NetLektorin

Was für tol­le Kommentare. Bin sehr ge­spannt, was wir dar­aus ma­chen.

Besonders in­ter­es­sant fin­de ich, wie si­ch die Bedeutung des Webmontags (WM) in Kiel in­zwi­schen of­fen­bar ge­wan­delt hat. Mit un­se­rer Gründung vor 5 Jahren hat­ten wir ja vor al­lem die pu­re Vernetzung der Kieler Internetszene im Sinn, al­so das Einander-Kennenlernen er­st mal, wo­für das WM-Konzept ja ge­ni­al war.

Inzwischen gibt es na­tür­li­ch enorm vie­le re­gel­mä­ßi­ge Treffen, für je­den Geschmack und Bedarf, von der PlogBar und 1000 XING-Gruppentreffen bis zu den gan­zen Specials (OBST, Kreativstammtisch usw.). Und jähr­li­ch au­ßer­dem nun no­ch das BarCamp 🙂

Was al­so fehlt in Kiel no­ch, was ge­ra­de der WM bie­ten kann mit sei­nem Konzept – wie hat si­ch der WM ei­gent­li­ch wo­an­ders in­zwi­schen ent­wi­ckelt, hat er si­ch auch ge­än­der­ten Bedürfnissen an­ge­passt?, fra­ge ich mi­ch ge­ra­de. Danach könn­te ich mal schau­en …

BTW, Steffen, doch­doch, ich hab auch no­ch nach 2007 ein biss­chen vom WM ge­b­loggt 😉

– 2010: http://netlektorin.twoday.net/20100420/
– 2009 http://netlektorin.twoday.net/stories/5521289/
– Aus: „Web 2.0 in Kiel“: http://netlektorin.twoday.net/topics/Web+2.0+in+Kiel/

Bis heut Abend!
Marion

Martin

Ist ja schön, dass es den Webmontag in Kiel im­mer no­ch gibt. Und da­bei sah es lan­ge Zeit ein­mal da­na­ch aus, als wür­de si­ch das Konzept im Sande ver­lau­fen. Die Ansprüche der Teilnehmer wa­ren da­mals sehr un­ter­schied­li­ch und es gab auch plötz­li­ch ei­ne Menge Konkurrenz, die dann ganz spe­zi­fi­sch aus­ge­rich­tet war. Aber wie Steffen da­mals ja schon sag­te, viel­leicht ist ja ge­ra­de die Vielfältigkeit das Besondere an dem Webmontag. Und es scheint, dass er da­mit nicht fal­sch ge­le­gen hat­te. Nicht vie­le Clubs aus der Szene ha­ben so lan­ge durch­ge­hal­ten. Was be­geis­tert ist die Kompetenz der Teilnehmer, der lo­cke­re, form­lo­se Umgang un­ter­ein­an­der und die Location. Die Vorstellungsrunde soll­te auf je­den Fall bei­be­hal­ten wer­den. Zum ei­nen weiß man wer da ist, und zum an­de­ren wer­den die Neuen ganz ea­sy in die Gruppe in­te­griert. Die Vorträge könn­ten al­ler­dings auch nach dem Pecha-Kucha Prinzip ge­hal­ten wer­den. Das bringt no­ch mehr Action.

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