Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Kamera-Apps : Hyperästhetisierte Scheiß-Fotografie

Steffen Voß

So. Trotz Weltkrise muss ich mich jetzt mal über etwas total Nebensächliches aufregen: Die hyperästhetisierte Scheiß-Fotografie, die seit der verbreiteten Anwendung von Smartphones überhand nimmt. Instagram zum Beispiel ist angeblich ein „schneller, schöner und lustiger Weg, Deine Freunde durch Bilder an Deinem Leben teilhaben zu lassen.“ Tatsächlich ist es nur eine von vielen Möglichkeiten, die Umwelt optisch vollzumüllen.

All diese Vignette-, Retro-, HDR und Schwarz/Weiß-Effekte über Alltagsfotos, all die verschobenen Farben und überdrehten Kontraste – ich kann sie nicht mehr sehen. Und ich möchte gar nicht wissen, wie vollgemüllt das Internet wird, wenn erst jeder so ein Telefon hat und jeder immer und überall alles knipsen und optisch verdrehen kann.

Ein Beispiel für den Trend zur hyperästhetisierten Scheiß-Fotografie gibt der Mashable-Artikel zum Thema „Why Fashion Photographers Are Flocking to Instagram.“

Die Frage ist, wie eine wahrhafte Fotografie heute aussehen kann. Man kann ja nicht einmal zu den Wurzeln zurückkehren – ein körniges Schwarz/Bild kann man ja auch locker mit dem iPhone machen… Machen sich richtige Fotografen eigentlich Gedanken über so etwas? Oder fotografieren die einfach nur noch Hochzeiten?

Foto: Selbstversuch

Kommentare

Faldrian
Faldrian:

Also ich finde man erkennt wahrhafte Fotografie (im Gegensatz zum „mal eben schnell ablichten, für die *lulz*“) zumeist daran, dass das Bild tiefer ist. Also man merkt, dass der Blickwinkel und auch wo etwas bewusst vom Bild abgeschnitten wurde, wie die Bildaufteilung ist und ob man das Bild länger anschauen kann und immer wieder neue Details entdeckt oder sich an der Komposition erfreuen kann.
Dahingegen zeigen die meisten „einfach gemachten“ Bilder hauptsächlich das Objekt, weswegen das Bild gemacht wurde, und sobald man das Bild gesehen hat und sich denkt „Achja, achso, darum gehts. Naja.“ hat es kaum noch Reiz.

15.10.2011 um 18:34
lightonflux
lightonflux:

Ich finde die Schnappschüsse echt zum spucken! Außerdem gibts noch diese Erinnerungsfotografierer. Naja ich fotografiere des Bildes wegen.

Ich glaube echte Kunst drückt sich nicht durch Filter etc. aus sondern durchs arangieren, man denke ande goldenen Schnitt!

Nicht zuvergessen die Leute die mit dem Computer fotografieren wenn ihr wisst was ich meine.

15.10.2011 um 22:25
don't shoot
don't shoot:

mit verlaub: instagram ist eines der erfolgreichen programme, die leuten, die absolut nichts von fotografie verstehen vorgaukelt, sie hätten (optisch) etwas mitzuteilen. von dieser fehleinschätzung lebt dieses Programm. und ich sage euch: sie sind unter und. uns sie fühlen sich wichtig und kreativ.
gott sei dank habe ich das große gähnen noch nicht verlernt.

17.12.2012 um 18:21

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