Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Test-Pilot : Firefox will Inhalte empfehlen

Foto: Johnathan Nightingale - CC BY-SA 2.0

Steffen Voß

Advance empfiehlt Firefox-Nutzern interessante Inhalte. Mit dem neuen Addon soll das Surfen wieder so spannend werden, wie es früher war, bevor sich alles durch Google und Facebook bewegt hat.

Es klingt nostalgisch:

„Mit Advance nehmen wir Sie mit zurück zu den Wurzeln von Firefox und zu der Erfahrung, die uns alle zum Surfen im Web gebracht hat. Damals, als das World Wide Web noch unerschlossenes Terrain war und wir neue Themen und Ideen frei im Web entdecken konnten. Das Internet war damals ein anderer Ort.“

Surf-Tipps im neuen Tab

Das Firefox-Team bei Mozilla arbeitet schon länger daran, dass der Browser nicht einfach nur Webseiten anzeigt. Wer im aktuellen Firefox einen neuen Tab öffnet, bekommt verschiedene Tipps zum Surfen: Aus der Browser-Chronik ermittelt Firefox die Top-Websites, die man sich regelmäßig anschaut. Das ist einerseits hilfreich, andererseits verführt es dazu, dass man immer die gleichen Sites besucht. Im Prinzip sind das, sich selbst sortierende Bookmarks.

In Zusammenarbeit mit dem Artikel-Dienst Pocket bekommen Nutzer.innen von Firefox einige aktuelle, interessante Artikel angezeigt. Dazu bewertet der Browser die Browser-Chronik aus und zieht die interessantesten Beiträge aus den entsprechenden Kategorien von Pocket. Das ist praktisch – ich habe darüber schon eine ganze Reihe interessanter Artikel gefunden.

Was macht Advance?

Das neue Firefox-Addon zeigt in einer Seitenspalte Beiträge an, die zur gerade angezeigten Internetseite passen.  Allerdings wird dafür die komplette Browser-Chronik tatsächlich an den Mozilla-Partner Laserlike weitergeleitet.

Laserlike hat bisher eine App entwickelt, mit der man aktuelle Artikel zu allen möglichen Themen entdecken kann. Diesen Dienst hat Mozilla in Advance integriert. Basierend auf dem Surfverhalten bekommt man Vorschläge angezeigt. Mozilla versichert, dass man die Übertragung der Browser-Historie jederzeit ausschalten kann. Alles, was Laserlike gespeichert hat, kann man löschen.

Tatsächlich ist das Abtauchen in die Weiten des Internets etwas, das ich vermisse. Manchmal schaff ich das noch: lese hier, suche da etwas, komme auf ein anderes Thema, finde drei spannende Blog-Artikel und am Ende schreibe ich selbst etwas dazu. Allerdings möchte ich dafür nicht meine gesamte Browser-Geschichte preisgeben.

Ich finde es überraschend, dass sich Mozilla darauf einlässt. Immerhin wirbt der Firefox mit Datenschutz. Schon die Integration der Suchvorschläge von Cliqz war umstritten. Aber immerhin gibt sich Cliqz Mühe, die eingehenden Benutzerdaten zu anonymisieren und zu verschlüsseln. Bei Laserlike bleibt alles zugeordnet und lesbar.

Es ist schwer, datensparsame Versionen von Diensten zu entwickeln, die darauf basieren, dass möglichst viele Benutzerdaten gesammelt werden. Es ist gut, dass Mozilla damit experimentiert. Das aktuelle Experiment überzeugt mich nicht.

Kommentare

nico
nico:

@steffen In der Vergangenheit hat Mozilla schon öfters einen Rückzug gemacht, nachdem die Benutzer dagegen protestiert haben. Das nächste große Dinge womit Mozilla seine User verschreckt wird wohl der Trusted Recursive Resolver
wiki.mozilla.org/Trusted_Recur (TL;TR Alle Firefox DNS abfragen über Cloudflare 🕵️‍♂️ )

9.8.2018 um 06:37
Steffen Voß
Steffen Voß:

Das sind bisher nie Core-Features gewesen sondern Experimente. Ich finde gut, dass die Dinge ausprobieren und die Community einbinden.

Es gibt diese Dinge, die viele Leute nicht wollen – die sind dann immer spektaluär. Die aktuelle Suche nach einem neuen Logo zum Beispiel nicht oder die Funktionen im neuen Tab nicht. Die Einbindung von Pocket scheint mir sehr gelungen.

9.8.2018 um 08:52

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