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Flattr: Eine gute Idee am Ende

Foto: Bestimmte Rechte vorbehalten von Toban Black
Foto: Bestimmte Rechte vorbehalten von Toban Black

Basic Thinking hat heu­te die These auf den Markt ge­wor­fen, dass Flattr tot sei. Ich hab mei­ne Flattr-Buttons vor ein paar Tagen ent­fernt, als ich den Diaspora-Button ein­ge­baut ha­be. Ich woll­te kei­ne ex­ter­nen Aufrufe mehr auf der Seite ha­ben aber es tat mir auch nicht Leid um den Button und ich hat­te es nicht ei­lig, ei­ne ei­ge­ne Lösung zum flattrn zu bau­en. Jetzt weiß ich auch war­um.

Die Idee der Flattr-Gründer fin­de ich ei­gent­li­ch char­mant: Die meis­ten Bezahlsysteme im Internet stel­len ei­ne re­la­tiv ho­he Hürde dar. Man muss si­ch an­mel­den, re­gis­trie­ren, ei­nen Warenkorb an­le­gen, ab­schi­cken usw. Flattr woll­te nie be­lie­big gro­ße Beträge er­mög­li­chen, son­dern das Dankeschön im Bloggeralltag mit ei­nem klei­nen Geldbetrag ver­bin­den.

Leider ver­än­dert Geld die Motivation der Menschen: Wenn man et­was für Geld ma­chen kann, was man vor­her auch schon oh­ne Geld ge­macht hat, dann macht man das lie­ber für Geld. Und wenn man si­ch fürs Bloggen be­zah­len las­sen kann, dann nimmt man das ger­ne mit. Ich muss zu­ge­ben, ich woll­te ger­ne bei an­de­ren Leuten dan­ke sa­gen und des­we­gen ha­be ich mir auch ei­nen Account zu­ge­legt. Ich hät­te mi­ch aber auch dar­über ge­freut, nen­nens­wer­te Beträge über Flattr zu be­kom­men. Ich hab mi­ch auch so über die we­ni­gen Klicks ge­freut – aber mei­nen Lebensstil konn­te ich dank der Beträge nicht ver­än­dern. Die Einnahmen ha­ben un­ge­fähr die Hälfte der Ausgaben für Flattr ge­deckt.

Irgendwie kommt die ur­sprüng­li­che Motivation, et­was zu ge­ben der Motivation, dass man ja auch Geld ver­die­nen könn­te, in die Quere, wenn man zum fünf­ten Mal Geld ein­zahlt und nur Kleckerbeträge zu­rück kom­men. Vielleicht hät­te ich den Button nie in mei­ne Seite ein­bau­en sol­len, denn ich ha­be mir nie die Hoffnung ge­macht, dass ich da­mit Geld ver­die­nen könn­te.

Für mi­ch fol­gen dar­aus zwei Gedanken:

  1. Es ist sinn­los für klei­ne Blogger wie mi­ch: Wenn Peter, Paul und ich je­weils ei­nen in­ter­es­san­ten Blogbeitrag schrei­ben und wir uns ge­gen­sei­tig flattrn, ist das ein Null-Summenspiel.
  2. Und zum Geld ver­die­nen taugt Flattr mei­ner Einschätzung nach nicht. Die Benutzer sind nur schnell be­reit zu kli­cken, wenn ein Klick nicht viel kos­tet – und dann kommt da­bei nichts rum. Und wenn sie mehr Geld pro Klick be­zah­len, wür­den sie über je­den Klick wie­der mehr nach­den­ken und dann eher wie­der nicht mehr kli­cken.

Ich fin­de, Flattr war ein in­ter­es­san­tes Experiment, bei dem man si­ch für die Zukunft ei­ni­ges ab­gu­cken kann. Im Prinzip ent­spricht es der Sofortkultur, Flattr ent­schei­det si­ch aber nicht, ob es an den mensch­li­chen Egoismus oder an die Kooperationsbereitschaft ge­rich­tet ist.

Ab heu­te blog­ge ich wie­der oh­ne die va­ge Hoffnung, dass mir je­mand ein paar Cent schi­cken könn­te. Ich ha­be mi­ch aber auch vor­her schon mehr dar­über ge­freut, wenn Leserinnen und Leser mei­ne Artikel auf Facebook, Twitter & Co. tei­len.

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  1. Micropayment: Ein kleines Flattr-Revival

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