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Social Networks: Anonym oder nicht?

Some rights reserved by JacobDavis
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Google hat in letz­ter Zeit of­fen­bar un­an­ge­kün­digt meh­re­re Google-Accounts samt Inhalt ge­löscht, wenn die Inhaber Pseudonyme bei Google+ be­nutzt ha­ben. Daraufhin gab es ei­ne Diskussion über den Wert und den Sinn von Anonymität im Internet.

Vorweg: Dass Google Jahre al­te Accounts kom­men­tar­los löscht, fin­de ich nicht rich­tig – egal wel­chen Grund es da­für gibt. Das Beispiel zeigt aber ei­nen Nachteil von der­ar­ti­gen Cloud-Lösungen: Man ist dem Anbieter aus­ge­lie­fert. Der macht die Regeln, sitzt am län­ge­ren Hebel und nutzt die­se Macht, wenn es passt.

In bin mitt­ler­wei­le schon mehr­fach von Accounts kon­tak­tiert wor­den, die kei­ne Personen sind – zum Beispiel „Sparen Lifeshop“. Business Accounts sind wohl in der Vorbereitung. Und ich kann Google nur dar­in un­ter­stüt­zen, die­se Art Accounts zu lö­schen. Wenn man die Aktion Google po­si­tiv aus­le­gen will, ging es bei der Löschaktion um sol­che Fake-Accounts und es wur­de dann ein we­nig zu groß­zü­gig ge­löscht… in du­bio pro reo Deswegen wür­de ich die wei­te­ren Überlegungenvom kon­kre­ten Fall los­lö­sen.

Pseudonyme

Meinetwegen soll je­der den Namen be­nut­zen, der ihm oder ihr ge­fällt. Pseudonyme und Künstlernamen sind kei­ne Erfindung des Internets. Nur an­onym ist das nicht. Der Rückschluss auf die Person ist nur et­was schwie­ri­ger. Hier in den Kommentaren wer­den ja auch ger­ne Pseudonyme be­nutzt. Meistens sind das sol­che, die ich sehr leicht er­ken­nen kann: Nur der Vorname, oder der Name des Blogs oder so. Ich freu mi­ch dann über den per­sön­li­chen Beitrag. Kreti und Pleti kann aber nicht er­ken­nen, wer das ist.

Anonymität

Anonymität hat der Regelfall zu sein – es sei denn, ich ge­be mi­ch zu er­ken­nen – Wie au­ßer­halb des Internets. Ich kann aber nicht er­war­ten, dass ich al­les an­onym ma­chen kann – Wie au­ßer­halb des Internets.

Wenn ich Internetseiten ein­fach nur le­se, muss kei­ner wis­sen, dass ich das bin. Es kann dem Betreiber der Seite to­tal egal sein, wer ich bin.

Wer bei mir kom­men­tie­ren will, kann das an­onym, pseud­onym oder un­ter sei­nem Namen ma­chen. Wer mi­ch be­schimp­fen will, muss si­ch mir ge­gen­über zu er­ken­nen ge­ben – an­dern­falls lö­sch ich…

Wer be­stimm­te Leitungen von je­man­dem ha­ben will, muss ge­ge­be­nen­falls sei­ne Anonymität auf­ge­ben. Und wer ei­nen nor­ma­len, höf­li­chen Umgang mit sei­nen Mitmenschen ha­ben will, muss das oh­ne­hin tun. Die Frage ist dann: Welchen Sinn hat Anonymität in ei­nem so­zia­len Netzwerk?

Und jetzt kommt mir nicht mit der ara­bi­schen Revolution. Aus nor­mal ge­nutz­ten Twitter-Accounts auf die Eigentümer zu schlie­ßen ist ei­ne Frage des Willens und der Zeit. Man soll­te si­ch nichts vor­ma­chen: Wer das Internet in­ter­ak­tiv nut­zen will, gibt im­mer et­was von sei­ner Identität preis.

Foto: Some rights re­ser­ved by JacobDavis

Kommentare

radirks

Ich se­he das ähn­li­ch wie Du. Das goo­gle al­ler­dings nun „voll­kom­men“ un­an­ge­kün­digt ac­counts ge­löscht hät­te, wür­de ich für den kon­kre­ten Fall nicht un­be­dingt un­ter­schrei­ben, denn dass es die Policy für G+ sein wür­de, auf Klarnamen zu be­stehen war be­kannt. Insoweit konn­te man si­ch da al­so auch durch­aus aus­rech­nen, dass ein „Verstoß“ da nicht oh­ne Folgen blei­ben wird.

Bleibt die Diskussion um § 13 TMG. Ich hab mi­ch da bis­lang raus­ge­hal­ten, weil ich fin­de, dass sie am Kern vor­bei geht. zum ei­nen ist die Klausel mal re­la­tiv weich („so­weit zu­mut­bar und tech­ni­sch mög­li­ch“), so dass je­der je nach Perspektive sei­ne Auslegung als zwin­gend er­ach­ten kann, wenn ihn das glück­li­ch macht. Ich wer­de mal mei­nem Mitstreiter das Thema für den Live-Jurafunk auf dem Barcamp Kiel vor­schla­gen…

Sebastian Schack

„Pseudonym != an­onym“ ist ei­ne wich­ti­ge Feststellung, die vie­len so nicht klar zu sein scheint.

Dass Anonymität der Standard sein soll­te, se­he ich auch so. Erschreckend fin­de ich aber, wie vie­le Leute si­ch bei Google+ und no­ch eher bei face­book voll­stän­dig ent­blö­ßen und dann rum­heu­len, dass sie eben nicht mehr an­onym im Netz sind. Meine Güte: dann macht eu­ch halt VORHER Gedanken oder lest die AGB, die ihr ein­fach so ab­ge­nickt habt.

Anonymität in so­zia­len Netzen, bzw. all­ge­mein in Onlinekommunikation fin­de ich schwie­rig.
Kommentare, Meinungen, etc. sind für mi­ch deut­li­ch wich­ti­ger, wenn ich sie bzw. ih­ren Absender ein­ord­nen kann.
Plumpes facebook-Beispiel: wenn in mei­ner ti­me li­ne auf­taucht, dass Steffen Voß ein Musikvideo „ge­fällt“, läuft in mei­nem Kopf ab: „Ah, der Voß schon wie­der. Der hat doch schon häu­fi­ger Musikvideos emp­foh­len. Vieles da­von hat mir ge­fal­len. Wahrscheinlich wird mir auch die­ses ge­fal­len. Höre/Gucke ich mir mal an.“
Gleiche Empfehlung von „user12124912402139302“ (als an­ony­me User-ID, nicht als Pseudonym) hat ge­n­au kei­nen Wert für mi­ch, weil jeg­li­cher Kontext fehlt.

Steffen

Genau das mein­te ich mit „Und wer ei­nen nor­ma­len, höf­li­chen Umgang mit sei­nen Mit­men­schen ha­ben will, muss das ohne­hin tun.“ Wenn Du will­st, dass ich so mit dir um­ge­he, wie ich mit Dir nor­ma­ler­wei­se um­ge­he, dann mus­st Du Dich schon zu er­ken­nen ge­ben. Ich sag mal nur die Stichworte „Telefon“ und „Ich bins“ – bis man da raus­ge­kriegt hat, wer das ist, bleibt man ziem­li­ch in der Deckung 😉

Sebastian Schack

Mal was ganz an­de­res: wie­so kann ich Kommentar hier ei­gent­li­ch nicht abon­nie­ren, bzw. mi­ch nicht in­for­mie­ren las­sen wenn je­mand auf mei­nen Kommentar ge­ant­wor­tet hat? Das Feature mus­st du drin­gend mal nach­rüs­ten! Ich kann ja nicht zig Mal im Tag die­se Seite hier auf­ru­fen um zu gu­cken, ob je­mand ge­ant­wor­tet hat. Wenn ich das über­all ma­chen müss­te, wo ich kom­men­tiert ha­be, kä­me ich am Tag zu nix an­de­rem mehr. 🙂

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