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Das regelt der Markt: Wer kann mit Facebook konkurrieren?

daniel.schoenen / photocase.com
daniel.schoenen / photocase.com

„Die Konkurenz ist im­mer nur ei­nen Klick ent­fernt,“ so heißt es über das Netz. Welche enor­me Benutzerwanderungen ha­ben wir in den den paar Jahren, in de­nen es das Web gibt schon ge­se­hen? Was ges­tern no­ch das Maß al­ler Dinge war, ist heu­te be­reits ver­waist. Nicht über­ra­schend ist des­halb die Nachricht, dass es den VZ-Netzwerken nicht so gut gin­ge und dass Holtzbrinck sie ger­ne los­wer­den will. Foursquare, Gowalla, Color – Ein ech­ter Konkurrent ist nicht in Sicht. Und wo­zu braucht man ei­gent­li­ch no­ch Twitter?

Kommunikationssysteme le­ben vom Netzwerkeffekt. Ein Telefon lohnt si­ch er­st, wenn vie­le an­de­re Menschen auch über ein Telefon ver­fü­gen. Bei „so­zia­len Medien“ ist das nicht an­ders: Noch vor 2-3 Jahren war es auf Facebook leer und lang­wei­lig. Mittlerweile hat si­ch Facebook zu ei­ner Art Welt-Einwohnerverzeichnis ge­wan­delt. Wer heu­te nicht bei Facebook ist, wirkt wie je­mand, der 2005 no­ch kein Mobiltelefon hat­te.

Jedoch: Gegen Facebook ist ist der Telefonmarkt of­fen wie ein Flohmarkt. Für den Telefonmarkt wur­den Technik staat­li­ch spe­zi­fi­ziert und im Prinzip kann je­der Marktteilnehmer wer­den. Das Kommunikationsnetz er­gibt si­ch aus der Vielzahl sei­ner Teilnehmer. Facebook ge­hört der Facebook Inc. – In Europa ver­tre­ten durch ei­ne iri­sche Limited.

Sicher ist das ei­gent­li­che Kommunikationsnetz das Internet und Facebook nur ein Angebot von vie­len in die­sem Netz. Immerhin be­deu­tet das Wort „Internet“, dass ver­schie­de­ne Netze mit­ein­an­der ver­bun­den wer­den. Faktisch ist aber Facebook durch den Netzwerkeffekt in­zwi­schen ein äu­ßer­st do­mi­nan­tes Netzwerk im Internet ge­wor­den. Und es sucht si­ch im­mer neue Betätigungsfelder. Was im Hintergrund mit den Nutzungsdaten pas­siert, weiß nie­mand.

Ich möch­te nicht fal­sch ver­stan­den wer­den: Facebook ist ge­ni­al. Es macht so vie­le Sachen gut, die „das Internet“ ei­gent­li­ch schon im­mer hät­te kön­nen sol­len: Jeder kann oh­ne tech­ni­sche Kenntnisse sei­ne ei­ge­ne Homepage ein­rich­ten. Man kann die „Homepages“ von Bekannten, in­ter­es­san­ten Persönlichkeiten oder Organisationen im Auge be­hal­ten, die Inhalte leicht kom­men­tie­ren und dis­ku­tie­ren. Jeder hat sei­ne ei­ge­ne klei­ne Öffentlichkeit, die si­ch im Zweifelsfall auch mal für mehr als nur Tratsch nut­zen lässt: Es muss gar nicht im­mer ei­ne Revolution sein: Auch die Atomdemo im Heimatort lässt si­ch mit Facebook leicht be­kannt ma­chen. Auch das ein­fa­che Empfehlen und Finden von span­nen­den Texten, Videos, Bildern möch­te ich nicht mis­sen.

Wir soll­ten aber mehr dar­über dis­ku­tie­ren, wel­che Auswirkungen es ei­gent­li­ch hat, dass Facebook das ein­zi­ge re­le­van­te Kommunikationssystem im Netz zu wer­den scheint, dass Google die ein­zi­ge re­le­van­te Suchmaschine zu sein scheint, dass Apple (oder Google) das ein­zi­ge re­le­van­te Smartphone oder den ein­zi­gen re­le­van­ten Tablet-PC her­stellt und Amazon der ein­zi­ge re­le­van­te Online-Marktplatz ist.

Wie ich ein­lei­tend schrieb, sind die Benutzer seit je­her von ei­nem zum nächs­ten Service ge­wan­dert. Die Dominanz wur­de aber mit je­der Ablösung grö­ßer. Facebook ist nicht mit Yahoo Anno 1999 zu ver­glei­chen. Das hat auch da­mit zu tun, dass heu­te vie­le mehr Menschen on­line sind. Und mit je­der wei­te­ren Generation ver­drängt der do­mi­nan­te Wettbewerber mehr Konkurrenten.

Ist die Abfolge von Monopolen ein funk­tio­nie­ren­de Markt? Oder funk­tio­niert er zu­min­dest gut ge­nug? Was be­deu­tet es, wenn das Internet die klas­si­schen Medien im­mer mehr ab­löst und das was die Mehrheit der Menschen im Internet nut­zen von nur no­ch von ei­ner Hand voll Konzerne kommt? In an­de­ren Bereichen gibt es haar-kleine, in­ter­na­tio­na­le Abkommen dar­über, wie zum Beispiel Handel be­trie­ben wer­den muss, wie Verträge ge­schlos­sen wer­den, wel­che Spezifikationen Produkte er­fül­len müs­sen. Und in un­se­rer na­tio­na­len Medienlandschaft hät­ten wir der­ar­ti­ge Konzentrationen nie­mals zu­ge­las­sen.

Foto: daniel.schoenen / photocase.com

Kommentare

DasNordlicht

Ist Diaspora ei­ne brauch­ba­re Alternative?

Das Projekt „Hello World“ wel­ches auf der Republica 09 vor­ge­stellt wur­de ist wohl mau­se­tot.

Und für Diaspora müs­sen si­ch er­st mal Menschen fin­den die Server spen­den und die­se be­trei­ben auf de­nen das dann läuft. Das kos­tet Geld und man kann per de­fi­ni­ti­on bei Diaspora nicht so ein­fach Geld ver­die­nen wie in Facebook und MySpace und co.

Die Benutzerfreundlichkeit von Systemen ist das A&O der Sache. Fernsehen funk­tio­niert weil je­der es ein­schal­ten kann, das Internet ist da schon schwie­ri­ger, ei­ge­ne Seiten zu be­trei­ben für die Masse im­mer no­ch zu schwer. Da kommt Facebook und be­setzt die­se Lücke. Informelle Selbstbestimmung ken­nen nur die Experten. Suchen ist goo­geln, Lexikon ist Wikipedia und Netzwerken ist Facebook. Was ist ein Blog? Zeitung gibt es doch auch im Netz, oder? Bild, Focus, Der Westen…

Es gibt die klei­ne Gruppe der Experten, die schon ei­ne Mailbox be­tei­ben konn­ten und ei­ne un­über­schau­ba­re Menge Webseher 2.0

Steffen

Ich bin selbst gro­ßer Fan da­von, selbst sol­che Services zu be­trei­ben. Ich weiß aber nicht, ob es ei­ne tra­gen­de Strategie ist, den je­wei­li­gen Monopolisten mit ei­nem frei­en, ver­teil­ten System nach­zu­bau­en. Es geht ja nicht nur um Facebook.

Swen Wacker

Der Mensch hat ei­ne Sehnsucht nach Einfachheit, nach Struktur, nach Einheit. Das führt manch­mal ins Negative. Dann re­den wir von Monopolen, Lemminge, Verödung oder Monokulturen. 

Auf die Dauer spricht we­nig da­für, dass Facebook der Stein der Weisen ist. Es wird al­so et­was Besseres, et­was Einfacheres, et­was Gefährlicheres, et­was Komplexeres kom­men.

Das Nachfolgeprodukt wird da­bei nicht al­lein die ga­lan­te­re, tech­ni­sch in­no­va­ti­ve, de­mo­kra­ti­sche­re, in al­ler mög­li­chen Hinsicht aus­ge­reif­te­re Fassung von Facebook sein – son­dern was ganz an­de­res. Etwas, was „ir­gend­wie“ ge­fällt. Ich ha­be nicht ge­nü­gend Phantasie, um mir das vor­zu­stel­len – bin aber si­cher dass es so kommt. 

Für den Fall, dass es nicht kommt, oder wir es aus po­li­ti­schen, ge­sell­schaft­li­chen, für­sorg­li­chen Gründen ei­lig fin­den, das be­stehen­de Monopol zu kip­pen, müs­sen wir auf das Sitzland Facebooks set­zen. Die USA müs­sen dann, wie zu­letzt bei AT&T in den 1980ern oder Microsoft in den 1990ern, ein Monopol zer­schla­gen.

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