Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

re:publica11 : Markus Beckedahl und die Digitale Gesellschaft

re:publica 11 | Foto: Steffen Voß
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Steffen Voß

Während ich das hier schreibe, sitze ich auf dem Balkon eines Appartments in Weißenhäuser Strand in der Sonne. Tag 2 des „Baltic Soul Weekenders“. Der Übergang war krass vom aufgekratzen Berlin Mitte hierher in die relaxte Ruhe des Soul-Festivals. Doch gerade hier fallen die Unterschiede auf: Keine ordentliche Internetanbindung, keine Apple-Laptops – die wenigsten Leute, die bei den Konzerten fotografieren benutzen dazu iPhones. Hier ist die Gesellschaft – obgleich wohlsituiert und mittleren Alters – alles andere als digital.

In den Vortrag von Thomas Pfeiffer (@codeispoetry) ging es um die Kommunikationsblase, die wir uns selbst schaffen. Ein selbstverstärkendes System als Leute, die alle das gleiche denken wie wir selbst. Und dann wundert man sich, wenn man den Twitter-Client beendet, das iPhone einsteckt und feststellt, dass die Leute um einem herum völlig anders denken.

Für viele ist das dann ein Graben, der zwischen „uns“ und „denen“ verläuft. Und da bei uns alle einer Meinung sind, können die anderen doch gar nicht recht haben. Auf dem letzten WebMontag im letzten Jahr sagte einer der Teilnehmer, die Diskussion um den Jugendmedienschutzstaatsvertrag (JMStV) habe ihm gezeigt, dass es offenbar zwei Gruppen gäbe: Die die wissen, was mit dem JMStV los ist und die, die das nicht wissen. Ein andere Teilnehmer fragte daraufhin, um was es denn beim JMStV noch einmal ginge. Die Linien sind offenbar nicht ganz so klar.

Vielleicht ist gerade das das Problem, dass einige mit dem Verein „Digitale Gesellschaft“ haben, wenn sie den Alleinvertretungsanspruch, der sich im Namen widerspiegelt kritisieren. Vielleicht sieht die Welt aus der Perspektive von Markus Beckedahl anders aus. Die Leute mit denen er twittert, die netzpolitik.org als Nabel der Politik im Netz betrachten, mit denen er in Berlin Bier trinken geht – die sind doch alle seiner Meinung. Und die Tatsache, dass er mittlerweile zu jedem Thema von den klassischen Medien interviewt wird, bestätigt das noch zusätzlich.

Es kann aber auch daran liegen, dass der Verein offensichtlich mal zeigen wollte, „wie man es richtig macht“ – wie man moderne politische Kommunikation auf die Spitze treibt. Herausgekommen ist dabei ein zutiefst postdemokratisches, intransparentes, wenn auch optisch wie technisch mustergültiges Unterhaltungsprodukt. Was nicht „kampagnenfähig“ ist, kann per Definition nie eine Rolle spielen. „Ihr dürft hier klicken, ihr dürft hier spenden – was ihr klickt und wofür ihr spenden könnt, entscheiden aber wir.“

So wichtig ich ein „Greenpeace“ für das Internet finde – so kann es nicht gehen. Die „Rainbow Warrior“ war auch kein Atom-Uboot.

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  1. Recht auf Remix

Kommentare

Hannes
Hannes:

Der Vergleich mit Greenpeace trifft es schon ganz gut: Dort gibt es 40 stimmberechtigte Mitglieder, wobei die „normalen“ Fördermitglieder nur Einfluss auf die Besetzung von 10 der 40 Positionen haben (siehe Satzung: http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/wir_ueber_uns/GP_Satzung_als_Doppelseiter.pdf). Offenbar hat sich Beckedahl Greenpeace also auch in Sachen Demokratieverständnis zum Vorbild genommen…

17.4.2011 um 20:49
Steffen
Steffen:

Stefan Schulz versucht zwar die Digitale Gesellschaft ins rechte Licht moderner EU-Politik zu rücken – aber genau das ist doch das Problem: http://sozialtheoristen.de/2011/04/18/mitmachen-bessermachen-rumnolen/

18.4.2011 um 20:48
Steffen Voß
Steffen Voß:

Mittlerweile habe ich meine Meinung geändert und bin Fördermitglied beim Digitale Gesellschaft e.V.

16.4.2013 um 21:16

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