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URL Shortener: .ly steht übrigens für Libyen

Some rights reserved by Mike (Inbet_1979)
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Verschiedene URL-Kürzungsdienste im Netz en­den auf die Länderdomain .ly und bis­her hat sich wohl kaum je­mand Gedanken dar­über ge­macht, wo­für das ei­gent­lich steht. .ly ist die Länderdomain von Libyen. Verwaltet wird die vom li­by­schen Fernmeldeamt, des­sen Vorsitzender Gaddafis äl­tes­ter Sohn Muhammad al-Gaddafi per­sön­lich ist. Neben ei­nem mo­ra­li­schen Problem, könnte das ein recht­li­ches Problem sein, wenn man be­denkt, dass die Domains nach is­la­mi­schem Recht ver­wal­tet wer­den.

Die Nutzungsbedingungen der Libyschen Domainverwaltung se­hen vor, dass die Domains zum Beispiel für se­xu­elle und por­no­gra­fi­sche Inhalte nicht ge­nutzt wer­den dür­fen. Der ShortURL-Service vb.ly mus­ste er­fah­ren, dass die Verwaltung diese Regel auch durch­setzt: Im September 2010 wurde die Domain ohne Warnung ab­ge­schal­tet. Nun ver­such mal je­mand in Libyen da­ge­gen zu kla­gen…

Für schnell mal eben ver­linkte Seiten, ist das ver­mut­lich egal, wenn ein be­stimm­ter Service plötz­lich nicht mehr geht. Wer die kur­zen URLs aber häu­fi­ger auch auf ei­ge­nen Seiten nutzt, muss da­mit rech­nen, dass diese Links ir­gend­wann ein­fach tot sind und es auch un­mög­lich ist, sie je­mals wie­der auf­zu­lö­sen –  Das ist na­tür­lich im­mer ein Problem, zum Beispiel auch, wenn so ein Anbieter mal pleite geht, sein Geschäftsmodell än­dert oder ähn­li­ches.

is.gd als „ethische“ Alternative

is.gd be­zeich­net sich selbst als ethi­schen Short URL Service. Sie ver­spre­chen, dass sie den Service mit dem ak­tu­el­len Sponsoring durch ei­nen Hoster fi­nan­zie­ren, keine Werbung ein­blen­den wol­len, eine Top Level Domain aus ei­nem  Land ha­ben, in dem nicht is­la­mi­sches Recht gilt (.gd = Grenada, ein Inselstaat in der Karibik mit par­la­men­ta­ri­sche Demokratie un­ter kon­sti­tu­tio­nel­ler Monarchie. Staatsoberhaupt Königin Elisabeth II) und der Service soll so­gar CO²-neutral sein.

Man kann is.gd ein­fach über de­ren Homepage nut­zen. Es gibt aber auch eine API und PHP Schnipsel, mit de­nen man schnell von ei­nem an­de­ren Service auf is.gd um­stel­len kann. Meine Links auf kaffeeringe.de zu Twitter und Facebook habe ich bis­her mit tinyurl.com ge­kürzt. Die Umstellung des Plugins auf is.gd hat 3 Minuten ge­dau­ert.

In vie­len Programmen wird is.gd schon un­ter­stützt. Gwibber kann man auf is.gd um­stel­len, das Firefox-Plugin ur­l­bar­ext kann is.gd und auch für Chrome gibt es eine pas­sende Extension. Bei Twitterfeed.com kann man is.dg nut­zen, wenn man als Shortener „custom“ aus­wählt und dann als Endpoint ein­trägt:

http://is.gd/create.php?format=simple&logstats=1&url=%@

Und is.gd ver­fügt zum Beispiel auch über eine Statistik Funktion und ei­nen QR-Code-Generator. Dazu muss man ein­fach ei­nen Bindestrich an eine ge­kürzte Domain an­hän­gen. Was braucht man mehr?

Die Nummer sicher: Selbst kürzen

Wer ganz si­cher sein möchte, was mit den ge­kürz­ten URLs pas­siert, kann auch ein­fach selbst ei­nen Shortener be­trei­ben. PHP Skripte gibt es dazu ge­nü­gend. Man muss sich dann nur noch eine kurze Domain be­sor­gen. Wirklich kurze Domains gibt es im .de-Bereich nicht mehr. Aber es gibt ja noch mehr Rechtsstaaten mit Top Level Domains.

Links

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Kommentare

Swen Wacker

Ich halte es für wich­tig, in sol­chen Dingen zu­nächst dar­auf hin­zu­wei­sen, dass URL-Shortener prin­zi­pi­ell böse sind und nur im wirk­lich not­wen­di­gen Umfang ein­ge­setzt wer­den soll­ten: Ich binde ohne Not eine Dritten Dienstleister ein. Das ist sys­te­ma­ti­sch pro­ble­ma­ti­sch, da der Dienstleister Pleite ge­hen kann (Nachhaltigkeit), böse wer­den kann (Datenschutz, Hijacking, Anlegen von Nutzerprofilen), kos­ten­pflich­tig wer­den kann oder (spä­ter) Werbung zwi­schen­blen­det. Schließlich kann der Shortener selbst Opfer ei­ner Attacke wer­den.
Selbst wenn ich die Dienstleistung selbst an­biete, gilt das obere, je­den­falls teil­weise. Es bleibt zu­dem der Umstand, dass URL-Aliase den Besucher in die Irre füh­ren kön­nen. Auch das sys­te­ma­ti­sch feh­ler­haft und aus Sicherheitsgründen pro­ble­ma­ti­sch.
URL-Shortener soll­ten als nur dort ein­ge­bun­den wer­den, wo es aus Platzgründen (Twitter, SMS) zwin­gend an­ge­zeigt ist.

Steffen

„Braucht“ ist ja auch so eine Sache. Da mus­ste ich ge­rade schmun­zeln. 😀

URL-​Shortener braucht man ja nur durch die künst­li­che Begrenzung der Nachrichtenlänge bei Twitter und SMS.

Maik Hase

Bin auch ge­ne­rell kein Fan von shor­ten­ern; man weiß halt nicht was wirk­lich kommt wenn auf den link geht. Solange es nicht ex­pli­zit von ei­nem Freund kommt nutze ich die Sachen auch nie.

MichelRanAway

Also für ganz Moral- und Skrupelfreie:

http://goo.gl ! 😀

Steffen Voß

bit.ly be­treibt noch ein­mal den glei­chen Dienst un­ter http://j.mp

Tobias

Eine kos­ten­lose Software na­mens Yourls, mit der die Verkürzung von URLs funk­tio­niert, ist schnell in­stal­liert und ein­satz­be­reit. Großer Pluspunkt bei die­ser Variante: Alle Daten lau­fen auf dem ei­ge­nen Server und sind ab­so­lut pri­vat.

(ge­fun­den auf http://blog.marketingshop.de/aus-lang-mach-kurz-10-url-shortener/ )

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