Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Kommunalpolitik : Das unwahrscheinliche Hobby

Wahlkreuz
Foto: pixabay.com

Steffen Voß

Am 6. Mai finden in Schleswig-Holstein Kommunalwahlen statt. In über 1000 Städten und Gemeinden können wir dann wieder wählen, wer sich in den nächsten Jahren um die Entscheidungen in den Gemeinderäten, Ratsversammlungen und Kreistagen kümmern soll. Tausende Bürgerinnen und Bürger stellen sich dafür zur Wahl und ich finde das bewundernswert.

Manchmal werde ich von Leuten gefragt, ob sie nicht in die Politik gehen sollten, um Geld zu verdienen. Die meisten Leute, die Politik machen, werde an dieser Stelle lachen, denn reich wird man da in der Regel nicht. 98% der Politik in Deutschland ist ehrenamtlich. Die Leute machen das aus Begeisterung.

In der Landeshauptstadt Kiel gibt es für normale Ratsmitglieder rund 350 Euro Aufwands-Entschädigung im Monat. In den allermeisten Gemeinden im Land dürfte das Sitzungsgeld wesentlich geringer ausfallen. Bei der SPD zum Beispiel erwartet die Partei dann auch noch, dass man davon ein Drittel abgibt, um zukünftige Wahlkampagnen zu finanzieren. Wer reich werden will, sollte sich etwas anderes suchen.

All diese Leute aber stehen jetzt an Infoständen vor Supermärkten, klingeln an Haustüren, verteilen Flyer und stürzen sich in Diskussionen im Internet – nur um danach kaum noch Freizeit zu haben. Ständig hat man dann irgendwelche Sitzungen, zu denen man am besten auch noch vorbereitet ist und in denen man sich mit Leuten rumschlagen muss, mit denen man nicht einer Meinung ist.

Dann erwartet die Partei, dass man sich mit denen auch ab und zu mal trifft und mit denen spricht. Und weil man sich in seinem Politikbereich auf dem aktuellen Stand halten musst, trifft man sich auch noch mit Vereinen und Verbänden. Hier ein Abend, da ein Abend und noch ein Abend gehen dafür drauf. Es dankt einem niemand. Stattdessen kann man sich immer noch anhören, was man alles falsch macht.

Ich habe dafür hohen Respekt. Diese Menschen wollen sich wirklich kümmern um das, was in ihrer Stadt los ist und dafür Verantwortung übernehmen. Alles neben der Arbeit. Neben der Familie und zu Zeit, wo die meisten von uns nur vor der Glotze sitzen und uns Serie um Serie bei Netflix reinziehen.

Umso schlimmer finde ich, dass die Kommunalwahlen der Mehrheit der Wählerinnen und Wähler egal sind – wenn man sich die Wahlbeteiligung anschaut: Gerade einmal 46% haben sich beim letzten Mal aufgerafft, zur Wahl zu gehen. Es ist ja auch ganz schön aufwendig, einmal alle fünf Jahre einen Spaziergang zur nächsten Schule zu machen, etwas anzukreuzen und einen Zettel in einen Kasten zu schmeißen.

Leute! Selbst wenn ihr Euch in der Kommunalpolitik nicht auskennt und ihr das langweilig findet – diese ehrenamtlichen Politikerinnen und Politiker müssen mit Eurer Faulheit jahrelang leben. Die AfD-Wähler gehen auf jeden Fall wählen und dank der Abschaffung der 5%-Hürde kommen die dann auch noch extrem leicht in die Gemeinderäte und Kreistage. Also: bewegt Euren Arsch und geht wählen. Das ist echt das Mindeste, was man von Euch verlangen kann.

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