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Abschied vom Print: Webdesign emanzipiert sich

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Ich denke schon eine Weile daran herum: Apps machen oft nichts anderes, als Inhalte im Oberflächendesign der Endgeräte darzustellen. Und offenbar wird das als sehr praktisch empfunden. Wie wirkt sich eigentlich die zunehmende Verbreitung von Smartphones und Tablets auf das Webdesign aus? Nun zeigt das Redesign von lifehacker.com wohin die Reise geht.

HTML als Formatierungssprache für Hypertexte war eigentlich nicht dafür gedacht, dass die Inhalte anders aussehen als Lexikoneinträge mit klickbaren Querverweisen. Mit HTML sollte Text eigentlich nur strukturiert werden: Das ist die Überschrift, das ist eine Zwischenüberschrift, das ist ein Zitat, dieses Wort ist betont usw. Nach und nach erweiterten die Browserhersteller die Funktionen von HTML und dann kam mit CSS eine Erweiterung, die sich um die optische Aufbereitung HTML-strukturierter Texte kümmerte. 

Seit das WWW existiert gibt es immer wieder einen Kampf zwischen Print und Web-Design. Eine Webseite soll möglichst genau so aussehen, wie die gedruckte Broschüre. Und wenn der Printdesigner das auf Papier hinbekommt, muss das doch auch der Webdesigner erst recht hinbekommen. War aber nicht so. Die Browser waren widerspenstig und erst seit Kurzen kann man sich so halbwegs darauf verlassen, dass Webseiten in allen Browsern ziemlich gleich aussehen. Und dann kam das iPhone. 

Mit dem iPhone kamen die Apps. Und diese Apps sind an das UI des restlichen Telefons angepasst und sie haben den Vorteil, dass sie berücksichtigen, wie groß das Display ist und dass sie mit dem Finger bedient werden. Buttons sind deutlich als Buttons zu erkennen, Schalter als Schalter und Texte sehen aus wie Texte überall. Und bei Apple, Google oder Microsoft haben sich hochbezahlte Usability-Experten Gedanken dazu gemacht, wie das am besten geht.

Vergleicht man das mit dem WWW, fällt auf, dass es dort zwar gewisse Standards gibt: Die Navigation ist entweder oben oder links. Oben ist ein Logo usw. Dass Links Links sind, erkennt man aber oft nur mit Surf-Erfahrung. Das ist oft einfache Schrift, die sich in nichts vom Fließtext unterscheidet, außer dass sie an einer Stelle erscheint, wo nahe liegt, dass es Navigation sein muss.

Es gab mal eine Zeit, in der Frames im Webdesign eingesetzt wurden. Damit konnte man eine Seite in verschiedene Bereiche aufteilen und die Navigation zum Beispiel blieb immer an der selben Stelle und lud nicht einmal neu. Zufällig gibt es noch so eine Seite, die ich damals mit Frames umgesetzt habe: woerner-online.com Eigentlich ist das eine gute Idee gewesen. Nur hatten Frames verschiedene Nachteile – man konnte zum Beispiel schwer Bookmarks auf bestimmte Unterseiten setzen.

Frames waren schon ein erster Abschied vom Printdesign. Schaut man sich zum Beispiel kaffeeringe.de heute an, könnte man sich gut vorstellen, dass das 1 zu 1 auch auf Papier gedruckt sein könnte. Seit man erkannt hat, dass Frames doof sind, durfte man nicht den Eindruck erwecken, dass man das noch nicht verstanden hat. Dabei gibt es auch andere Möglichkeiten einen ähnlichen Effekt zu erzielen. lifehacker.com macht das sein dem Redesign.

Lifehacker hat sich vom Webdesign, wie es in den letzten Jahren üblich war, verabschiedet. Das ist nicht revolutionär, aber konsequent. Ich bin mir sicher, dass wir in nächster Zeit mehr Redesigns sehen werden, die sich an den Oberflächen von mobilen Geräten orientieren. Und ich finde das gut. Denn so werden Möglichkeiten eröffnet, die mit dem Pseudo-Printdesign nicht möglich waren. 

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