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Nokia brennt: Was wird aus Meego?

Meego Screenshot

Anfang der Woche tauchte ein Brandbrief des Nokia-Chefs Stephen Elop auf. Darin wies er auf die prekäre Lage des einzigen Mobilfunk-Giganten hin. Noch vor ein paar Jahren war Nokia unumstrittener Marktführer bei den Mobiltelefonen – bis Apple und Google ihren eigenen Markt schufen, der Nokia nun immer rasanter Anteile kostet. Schuld sei vor allem das unmoderne Betriebssystem Symbian. Ab sofort Nokia setzt von auf Windows Phone 7. Das Linux-Projekt Meego wurde nebenher auf die lange Bank geschoben.

Meego ist ein Linux-basiertes Betriebssystem sowohl für Mobiltelefone als auch für Netbooks und Tablets. Es ist hervorgegangen aus den Intels Linux-Projekt Moblin und Nokias Maemo. Und obwohl es außer Nokias N900 kein Telefon gibt, auf dem Meego bisher läuft, war das Interesse an der ersten Meego Conference in Dublin 2010 groß: Über 1000 Programmierer aus aller Welt kamen, um sich über die weitere Entwicklung auszutauschen.

Thorsten Leemhuis von Heise.de spekuliert:

„Die Mitte November in Dublin abgehaltene MeeGo Conference 2010 zeigte allerdings eindrucksvoll, wie viel Interesse an der Plattform besteht, die einer typischen Linux-Distributionen recht ähnlich ist, während Android außer dem Linux-Kernel kaum etwas mit Ubuntu, Suse Linux und Co., gemein hat.“ — MeeGo Conference 2010: Reichlich Interesse

Trotz dieses großen Zuspruches und dem eindeutigen Entwicklungsvorteil, auf ein weit verbreitetes und bei Entwicklern bekanntes und beliebtes System aufzubauen, steht die Zukunft von Meego zumindest bei Nokia in den Sternen. Alberto Mardegan, Meego-Entwickler bei Nokia hat bereits seinen Lebenslauf auf seiner Homepage aktualisiert. Er stellt fest:

„One thing is clear: Nokia is not committed to Linux and the platform for the future Nokia devices is not going to be Linux-based, at least in the middle term“ – Committed to Linux 

Ich hatte Meego eine Zeit lang auf dem EeePC und es hat eine echt guten Eindruck gemacht. Leider gab es Probleme mit dem WLAN – was schon ziemlich essentiell ist. Und der Release-Plan sah das nächste größere Update erst für in sechs Monaten vor. Das war mir zu lang. In der Zwischenzeit verwende ich gerade Jolicloud

Noch nicht tot, aber riecht schon komisch 

Andrea Müller, schreibt für heise.de, dass sie Meego noch nicht für tot hält, dass es aber schon komisch rieche. Hoffnung macht den Fans nur, dass Intel offenbar noch fest mit Meego plant.

Die Frage ist nun, ob die Welt wirklich noch eine weitere Linux-Disktribution braucht. Gerade auf Geräten wie Tablets oder Netbooks ist der Unterschied zu Ubuntu nur in der Oberfläche zu erkennen. Das Bedienkonzept könnte das sein, was von Meego übrig bleibt. Jolicloud unterscheidet sich im Prinzip nur in der Anordnung der Icons, setzt aber auf einem normalen Ubuntu auf und kann entsprechend erweitert werden. Wer sich bei Ubuntu Zuhause fühlt, kann sich auch bei Jolicloud schnell einleben. Auf dem Mobiltelefon hätte ich Meego aber gerne mal gesehen.

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Kommentare

Thilo

Ich be­ob­ach­te das ja auch schon län­ger aus der GNOME-Perspektive. GNOME hat si­ch ja Hals über Kopf voll auf zwei Trends ge­stürzt: 1. Mobile Betriebssysteme und 2. Online-Desktops.
Zu mo­bi­len Betriebssystemen kam da­mals die GNOME Mobile Initiative: http://www.gnome.org/mobile/ und MAEMO – letzt­li­ch war mein Eindruck, dass si­ch Firmen wie Nokia den Support von GNOME ge­kauft ha­ben. Man war tat­säch­li­ch der Meinung, dass GNOME in ei­ni­gen Jahren auf der Mehrheit al­ler Telefone in­stal­liert sein wür­de. Dafür hat man dann den klas­si­schen Desktop ver­nach­läs­sigt. Leider hat man da­mals mir ge­gen­über nur ge­sagt ich wä­re zu blöd zu ka­pie­ren, was da ab­geht und wie toll Nokia doch sei. Nun ja, die al­te Liebe hat nun doch nicht so lan­ge ge­hal­ten, wie ich es vor­aus­sah. Was Online_Desktops an­geht, so geht es da­bei um die Integration von Twitter, Webmail uvm. in den Desktop. So für „al­ways on“. Also Daten ir­gend­wo ab­spei­chern, nur nicht zu­hau­se z.B. – da­bei wird m.E. to­tal ver­kannt, dass Twitter trotz vie­ler User den­no­ch nur et­was für ei­nen sehr, sehr ge­rin­gen Prozentsatz an Usern ist. Und das Integrieren so­zia­ler Netzwerke birgt auch ei­ne Menge Implikationen für den Datenschutz.

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