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iPad-Zeitung: Murdoch startet The Daily

Foto: Some rights reserved by Oldtasty

„Wie verdient man Geld im Internet,“ fragen sich viele deutsche Verleger. „Gar nicht,“ sagt der amerikanische Medienmogul Rupert Murdoch und bietet sein journalistisches Experiment „The Daily“ ausschließlich über Apples Verkaufsplattform an. Er ist nicht der erste, der sich aus dem freien Internet zurückzieht. bild.de kann man ohne weiteres nicht mehr per iPad aufrufen – stattdessen wird die BILD-App angeboten.

Das World Wide Web ist eine Distributionsmaschine. In Nullkommanix kann ich Webseiten rund um den Globus aufrufen und finde so Zugang zu Informationen, die ich ohne das Web nie bekommen könnte. HTML ist eine Formatierungssprache, mit der sich Texte hervorragend aufbereiten und verlinken lassen.

Journalismus produziert Texte und stellt Zusammenhänge her. Zeitungen verbreiten Informationen. Das Web verbreitet Informationen besser. Zeitungen finanzieren Journalismus besser. Auf der Suche nach der vereinenden Theorie, die in der Breite Finanzierung und Verbreitung vereinbart, wird allerhand experimentiert. Nun also ein Extra-Web und eine Abwendung von der Vernetzung. Ohne iPad kann ich es ja nicht testen, aber The Daily scheint viel mehr eine Zeitung als eine Website zu sein – nur multimedial.

Statt die Möglichkeiten des Netzes zu nutzen, fercht es den Leser in eine App ein. Das mag bei Menschen funktionieren, die noch mit der klassischen Zeitung aufgewachsen sind. Klappt das aber auch bei denen, die die Freiheit des Netzes kennen?

Die Verlage wissen, sie können nur Geld bei Apple verdienen, wenn sie die gleichen Inhalte nicht kostenlos im Web anbieten. Also schließen sie ihre Webpräsenzen und bieten ihre Inhalte exklusiv bei Apple, Google & Co. an. Dass es so aber trotzdem nicht ganz funktioniert, zeigt die Tatsache, dass zum Beispiel das Hamburger Abendblatt über die Google Suchmaschine oder mobil kostenlos abrufbar ist und dass sogar „The Daily“ nicht auskommt, ohne per Web gefunden zu werden.

Zögen sich alle Zeitungen hinter Paywalls und in Extra-Netze zurück, würde nicht automatisch im freien Netz etwas nachwachsen? Macht sich der Journalismus nicht zu abhängig von einigen wenigen Konzernen? Machen sie sich in dieser Abhängigkeit nicht selbst überflüssig? Wie die Rettung des Journalismus sieht „The Daily“ nicht aus.

Foto: Some rights reserved by Oldtasty

Kommentare

Mathias

Überflüssig ma­chen si­ch die Verlage/Zeitungen nicht, aber sie be­ge­ben si­ch hier bei Apple und Co. in ei­ne Abhängigkeit, aus der sie schon bald wie­der aus­bre­chen wer­den. Sie, die Verlage, er­stel­len Content, stel­len die­sen in Ihre Apple-basierten Angebote ein und Apple ver­dient oh­ne gro­ßes Zutun ei­nen Großteil mit. 

Der Markt ist zu ei­nem klei­nen Teil Apple-Lastig. Was tun die Verlage denn, wenn Apple plötz­li­ch an Aufmerksamkeit ver­liert? Android be­si­pels­wei­se hat Apple längst ein­ge­holt…

Steffen

Ich den­ke, die Verlage wer­den auch in den Android-Store ge­hen. Aber wie dem auch sei: Statt ei­ner ei­ge­nen Server-Infrastruktur, über die sie selbst ver­fü­gen kön­nen, un­ter­wer­fe­nen sie si­ch ei­ni­gen aus­län­di­schen, bran­chen­frem­den Konzernen. 

Es ist ein fa­ta­ler Irrweg die als Erlöser zu se­hen. Die Zeitungen wa­ren stolz drauf, den ge­sam­ten Herstellungsweg vom Papier zum Kunden zu kon­trol­lie­ren – weil man ih­nen so nicht ein­fach den Hahn zu­dre­hen konn­te. Wer ei­ne Druckmaschine hat­te, hat­te ei­ne Öffentlichkeit. Jetzt bie­ten Apple und ei­ne klei­ne Hand voll Konkurrenten ei­ne ex­klu­si­ve Öffentlichkeit, wäh­rend es die gro­ße Öffentlichkeit des frei­en Internets gibt.

Andreas Helweg

Die eta­blier­ten Verlage wer­den schnell mer­ken, dass der von „The Daily“ oder dem „Hamburger Abendblatt“ (Content nur ge­gen Bezahlung) be­schrit­te­ne Weg im Netzt nicht funk­tio­niert. Die Gegenbewegung for­miert si­ch be­reits. Siehe Beitrag in der Süddeutschen: Bratwurstjournalismus.
Aber bit­te vor­sich­tig beim Zitieren die­ses Berichts: Die Süddeutsche ver­steht kei­nen Spaß (sie­he das Beispiel bei http://www.commentarist.de)

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