Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Facebook : Die nächste Blase

Foto: klosko / photocase.com

Steffen Voß

Neulich hatte ich wieder eines dieser Gespräche, die ich seit 10 Jahren nicht mehr hatte: Ein Bekannter erzählte mir von seinen Aktien. Damals hatte jeder Aktien. Schließlich konnte man mit Aktien reich werden. Und so vertrauenswürdige Leute wie der Schauspieler und Sänger Manfred Krug erklärten im Fernsehen, wie sicher das alles ist. Dann verloren viele Leute viel Geld und dann war es lange still um das Thema. Doch wenn man sich die Diskussion um den Facebook/Goldman-Deal anschaut, könnte man glauben, es habe sich nichts geändert.

Charles Ponzi war laut Wikipedia einer der größten Schwindler und Betrüger der amerikanischen Geschichte. Er ist Pate des englischen Namens für das Schneeballsystem: „Ponzi Scheme“. Bei so einem System behauptet man, ein super Geschäft zu haben. Statt aber tatsächlich welches zu verdienen, holt man ständig neue Investoren ins Boot. Mit dem neuen Geld bezahlt man die älteren Investoren. Und weil die so toll daran verdienen, ist es leicht, weitere Leute zu überzeugen.

In seinem Artikel „Facebook is a Ponzi Scheme“ erklärt Joseph Perla, warum es sich auch bei Facebook um genau so ein Geschäft handelt. Seiner Meinung nach ist das Geschäftmodell von Facebook nicht nachhaltig, weil es davon lebt, dass Leute die Werbefunktion ausprobieren und feststellen, dass man zwar sehr gezielt sein Publikum auswählen kann, dass das sich aber nicht für die Werbung interessiert.

Goldman hat sich nun für viel viel Geld Anteile von Facebook gesichtert und präsentiert irgendwelche tollen Zahlen. Und schon reißen sich alle drum. Facebook verdient dran. Goldman sicher auch – Um die Anteile reißt man sich wohl schon. Nachhaltig ist das nicht. Artikel wie der von Joseph Perla oder der von Matt Taibbi machen Hoffnung, dass das Spiel diesmal besser durchschaut wird und dass nicht ganz so viele Leute drauf reinfallen.

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Kommentare

rizzo
rizzo:

Deine Hoffnung auf Erkenntnisfortschritt in allen Ehren, daran glauben mag ich nicht. Ich bin gerade zu faul dazu, nachzuschlagen, wann Mr. Ponzi zum ersten mal auf seine Masche kam – aber die wiederholt sich seit dem tagtäglich tausendfach, im großen und im Kleinen.

Obwohl es inzwischen wirklich jeder wissen müsste. Und nach Amerika,wo die Goldmänner wohnen, muss man gar nicht schauen, um zu sehen: Wundersame Dinge aller Orten. Von „Deutsche Bank“ bis „Haspa“ reichen zB die seriösen Firmennamen, unter denen Kunden zu bestimmten Geldanlagen „beraten“ werden. Dass dieselben Berater beim Verkauf der top-seriösen Anlagen (Leman-Zertifikate, Risesenradfonds, You name it) immer schön die so genanten „Kick-Back“ Provisionen kassieren – Alles ganz normal, wer wird sich daran schon stören.

20.1.2011 um 10:23
rizzo
rizzo:

Und so lange für diese spezielle Blase über vermeintlich seriöse Plattformen so plump PR gemacht wird, können wir sowieso alle Hoffnung fahren lassen: http://meedia.de/details-topstory/article/edge-rank–die-neue-web-whrung_100032733.html?tx_ttnews%5BbackPid%5D=23&cHash=bfca19184e

20.1.2011 um 12:19
Florian Schießl
Florian Schießl:

So ganz recht geben will und kann ich Dir hier nicht: Ich habe selbst mit verschiedenen Anbietern Erfahrung, über welche ich meine Seiten beworben habe. Seit einigen Wochen gehört auch facebook dazu und genau weil man dort seine Zielgruppe so extrem detailliert auswählen kann ist nicht nur die Wirkung beachtlich – die Kosten halten sich für Werbetreibende auch in Grenzen.

20.1.2011 um 19:30
Steffen
Steffen:

Ein paar Erfahrungen, die ich am Wochenende auf zwei Veranstaltungen sammeln konnte, verstärken den Eindruck der Nahende Hybris:

Zum Einen habe ich mehr einigen Leuten gesprochen, die Facebook-Ads benutzt haben. Die fanden ihre Zahlen ganz toll. Letztlich haben die aber pro Konversion mehrere Euro bezahlt. In deren Fall, wäre es besser gewesen, den Leuten 5 Euro auf der Straße zu geben, damit sie Kunde werden.

Und zum Anderen sind die Wachstumsraten, mit denen einige Unternehmen in der Branche operieren unglaublich – Firmen, die innerhalb kürzester Zeit von 15 auf 700 Mitarbeiter gewachsen sind und eigentlich gerne noch einmal 700 Leute einstellen wollen. Und da schreien Leute nach mehr und mehr Venture Capital für mehr und mehr Startups – zur Not auch Kohle vom Staat (Das ist ja die neuste Masche) – denn in Amerika gibt es da schon. „Ein Facebook und ein Google hätte es in Deutschland nicht geben können.“ Ja schade. Aber auch ein Lehman Brothers & Co. nicht.

Leute! Vor ein paar Monaten haben wir uns noch über die 25% Renditeziele der Deutschen Bank aufgeregt.

23.1.2011 um 11:26
Christian Alexander Tietgen
Christian Alexander Tietgen:

Aktien für alle sollten einen immer stutzig machen.

23.1.2011 um 22:34

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